Die Nürnbergerin

Ursula Schmid-Spreer
Die Nürnbergerin

(sfbentry)
AAVAA Verlag, Berlin, 1. Auflage: 04/2011
PB mit extra großer Schrift, Lokal-Krimi
ISBN 978-3-86254-246-8
Titelgestaltung von Yvonne Ludwig, Giengen unter Verwendung
eines Fotos von Medienintegration/Tamara Kohl, Nürnberg
Autorenfoto von N. N.

www.aavaa.de
www.wordart-nuernberg.de/Home/Uschi.htm

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Eine junge Frau fragt sich, wann man sie wegen des Mordes an einem Mann verhaften wird, an dem sie sich nach Jahren, in denen die Erinnerungen sie quälten, endlich gerächt hat. Dass sie ungestraft davon kommen würde, bezweifelt sie. Und so wartet sie und grübelt …

Unterdessen hat die Polizei die Ermittlungen in dem Fall bereits aufgenommen. Hauptkommissarin Belu Nürnberger, die an die Farbenlehre glaubt, Gummibärchen und saure Brause liebt, findet über die Farbe Gelb und Sonnensymbole in der Wohnung des Opfers zum ‚Schrein Deva der Sonne‘, eine dubiose Sekte. Kurz darauf wird eine weitere Leiche gefunden, diesmal die eines Sektenmitglieds. Das Pikante daran: Das Mädchen hatte Belu einen Zettel mit einem Hilferuf zugesteckt! Aber diese Spur scheint nicht weiterzuführen. Interessant sind hingegen die Anwesenden auf der Beerdigung des Toten und eine Beobachtung im Haus gegenüber …

Das Buch beginnt mit dem Bekenntnis einer Mörderin, deren Gedanken immer wieder in die laufende Handlung eingeschoben werden: Eigentlich wollte sie den Mann nicht töten, es ist einfach passiert. Sie wünschte sich, ihn leiden sehen, so wie sie selber gelitten hat, aber er erinnerte sich zunächst nicht einmal. Zwar findet sie, dass er es verdient habe, doch sie hatte die Tat nicht geplant. Nun wartet sie auf die Festnahme durch die Polizei. Da die Protagonistin ihre Identität bis zum Schluss nicht preisgibt, ihre Gedanken jedoch die Ermittlungen an spannenden Stellen unterbrechen und das Finale hinauszögern sollen, beginnt sie schon früh, sich zu wiederholen, sogar wortwörtlich.

In der zweiten Handlungsebene recherchieren Belu Nürnberger und ihr Team, das jedoch mehr kalauert, als tatsächliche Polizeiarbeit leistet. Meist sind es zufällige Beobachtungen, aber keine Indizien oder konkrete Hinweise, die den Fall voran bringen. Man hat das Gefühl, als habe sich die Autorin von diversen TV-Sendungen und Büchern inspirieren lassen, in denen das persönliche Drumherum – die Animositäten und Liebeleien – wichtiger sind als die eigentliche Krimihandlung und spannende Höhepunkte.

Dabei geht sie diesbezüglich kaum ins Detail; man erfährt wenig über die Beteiligten, so dass keine Beziehung zum Leser aufgebaut wird. Sie bleiben farblos, trotz Begeisterung für Farbenlehre und kleiner Marotten, wirken auch nicht sonderlich sympathisch und glaubwürdig, denn welche Kommissarin wünscht sich einen Mord, weil sie keine Lust auf liegen gebliebene Schreibarbeit hat? Zudem vergisst sie ein wichtiges Beweisstück – den Hilferuf des Sektenmitglieds -, tappt lange im Dunkeln und bohrt immer wieder hingebungsvoll in der Nase.

In Folge schleppt sich die Handlung träge dahin. Die bemüht lustigen Dialoge der Polizisten nerven bald genauso wie der Running Gag mit den Gummibärchen. Erst am Schluss nimmt das Tempo zu, plötzlich geht alles ganz schnell, die Zusammenhänge werden aufgedeckt, und der Täter gibt sich zu erkennen. Natürlich ist alles anders, als man dachte, aber die Überraschung ist kleiner, als erhofft. Immerhin bleiben keine Fragen offen. Der Lokalkolorit kommt hauptsächlich durch die Nennung von Straßennamen und Plätzen in Nürnberg zum Tragen, sowie durch fränkische Dialogstellen, die den Lesefluss hemmen. Die Kulisse und die Lebensart der Franken werden dadurch jedoch nicht veranschaulicht. Es springt leider kein Funke über.

Sehr schön ist, dass der AAVVAA Verlag seine Bücher auf die Bedürfnisse des modernen Lesers abstimmt: Man kann wählen zwischen Paperbacks in normaler und extra großer Schrift bzw. dem Ebook. Das Titelbild ist ansprechend; Papier, Satz und Layout sind in Ordnung. Die gelegentlichen Tipp- und Kommafehler halten sich in Grenzen und dürften nur wenigen Lesern auffallen.

Alles in allem ist „Die Nürnbergerin“ ein eher durchschnittlicher Lokalkrimi, der auch irgendwo anders hätte spielen können, da der Stadt Nürnberg als Hintergrund keine Bedeutung zukommt. Die Autorin bemüht sich, eine Menge in die Geschichte hineinzupacken (Gewalt gegenüber Frauen, Prostitution, Sektierer etc.), aber weniger, und das ausführlicher beleuchtet, wäre mehr gewesen. Das gleiche gilt für die Protagonisten, die man lieber bei ihren Recherchen begleitet, als im Büro beim Gummibärchenfuttern und Nasebohren beobachtet hätte.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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