Feuerreiter über Bamberg

Gunter Arentzen
Feuerreiter über Bamberg

Christoph Schwarz 32: Feuerreiter über Bamberg/Mafia-Horror/Tod unter Tage
Romantruhe, Kerpen, 1/2008
PB, Mystery-Thriller, 247/1295
Titelillustration von Uwe Köhl

www.romantruhe.de
www.g-arentzen.de

Dieser Titel ist also der Erste der seitenstärkeren Bände, auf welche die Serie umstellt. Jedoch bietet sich dem Leser kein komplexer Roman, sondern drei Folgen in gewohnter Art und Größenordnung sind in einen dickeren Band zusammengefasst.

Besonderheit ist, dass jetzt Rafael Kramer die Erzählperspektive übernimmt. Ebenso neu ist, dass Conny Blank wieder eine Stelle im Bundesinnenministerium angeboten wird, die sie annimmt. Als ihre neue Partnerin fungiert die Ex-Prostituierte Suzanne Wild.

In „Feuerreiter über Bamberg“ dreht sich die Handlung um die Statue des Bamberger Reiters, der am Nordpfeiler des Doms steht und um den sich einige Legenden ranken. Niemand weiß so recht, wann sie in das Gotteshaus kam und wen genau sie darstellt. Der Reiter scheint zu morbidem Leben zu erwachen, als Softwareentwickler Markus Lenz mit Frau und Tochter das Standbild betrachten. Mehr noch: Markus Lenz erscheinen vier Feuerreiter.

Auch Polizei-Obermeister Bernd Henning sieht eben jene Feuerreiter, die aus dem Himmel Richtung Dom streben. Er folgt ihnen und wird Zeuge, wie sie vor seinen Augen Markus Lenz töten.

Christoph Schwarz kämpft derweil mit seiner Trauer über Carmens Tod. Aber auch Belinda leidet, da sie Sehnsucht nach der anderen Welt hat, aus der sie zurückgekehrt ist. Ihr fehlen die Amazonen und der ‚andere Christoph Schwarz’ (Band 28).

Bernd Henning bittet Christoph Schwarz, den Fall der „Feuerreiter von Bamberg“ zu übernehmen, und Christoph Schwarz und Belinda fliegen sofort nach Bamberg. Während des Fluges sichten auch sie die mysteriösen Feuerreiter am Himmel. Belindas Geist nimmt Kontakt mit ihnen auf. Die Reiter attackieren den Helikopter, so dass dieser abstürzt.

Christoph Schwarz wacht in einem Krankenhaus auf, in dem auch Belinda komatös liegt. Doch wie es sich für einen wahren Held gehört, ist er natürlich schnell wieder auf den Beinen.

Special Agent John Harvey von der CIA sucht Christoph Schwarz in seinem Hotel auf, ebenso Bernd Henning, und sie beschließen zusammenzuarbeiten. Letzterer sichtet zusammen mit Christoph Schwarz den Tatort im Dom und erklärt dem Detektiv, dass die Augen der Reiterstatue rot geleuchtet haben sollen, als sie Markus Lenz tötete.

Belindas Geist befindet sich jenseits des Todes und begegnet der Banshee (Totenfee). Von ihr erfährt sie, dass die vier Feuerreiter seit 666 Jahren warten, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Ebenso hört sie, dass Christoph Schwarz ein Dunkelalb ist und sie (Belinda) an seiner Seite bleiben soll.

Brigitte Schröder, Putzfrau im Dom, wird das nächste ‚Opfer’ des sonderbaren steinernen Reiters, dessen Geist in ihren Körper wandert. So wird sie zu dessen Marionette und tötet eine Kollegin.

Nach und nach wird dem Leser durch einen Rückblick, der im Jahr 1333 angesiedelt ist, offenbart, dass die Geschichte des Magiers Cordelius eng mit der des steinernen Reiters und der vier Feuerreiter verknüpft ist.

Belinda kehrt aus dem Krankenhaus zurück und sie, Christoph Schwarz und Harvey stellen sich den Geschehnissen rund um den Bamberger Dom…

In der zweiten Episode „Mafia-Horror“ wird Conny Blank, mittlerweile Zivilfahnderin und Hauptkommissarin beim Bundesgrenzschutz (BGS), in einen Fall eingebunden, der im Milieu stattfindet – zwischen Prostitution, Drogenhandel und Schutzgelderpressung.

Iansa, eine mysteriöse Killerin, mordet einige Zuhälter und Mafiosi nieder, und es sieht nach einem Krieg im Rotlichtviertel von Frankfurt aus. Hauptkommissar Paul Paulsen und sein Assisent Frank Härting werden auf den Fall angesetzt Conny und ihre Partnerin Suzanne stoßen auf die Prostituierten Lydia Meisner und Angelika Wecker, die in einem ‚Laufhaus’ arbeiten. Auch dort erscheint die mysteriöse Killerin Iansa und tötet Lydia vor den Augen ihrer Kollegin, indem sie ihr ein Pulver ins Gesicht pustet – eine Voodoo-Methode, die auf Haiti praktiziert wird, um Menschen zu zombifizieren. Die ermordete Lydia entgeht der Autopsie, indem sie tatsächlich wieder aufsteht und als lebende Tote entschwindet.

Iansa taucht währenddessen auch im Gebäude des BGS auf, Conny begegnet ihr, Iansa spricht ihr gegenüber von Rache und dematerialisiert vor Connys Augen.

Suzanne sieht zeitgleich den Lydia-Zombie und folgt ihr. Iansa materialisiert in ihrer Nähe. Bei ihr scheinen alle Fäden zusammenzulaufen – und in dem Laufhaus und dessen 5.Etage, in der Brasilianerinnen ihre ‚Dienste’ anbieten – und ‚Macumba’ praktizieren. Und so sehen sich Conny und Suzanne Iansa, der Göttin des Krieges, gegenüber…

Den dritten Part bestreitet „Tod unter Tage“, der von den jugendlichen Punks eingeläutet wird: „Pink“, „Violett“ und „Green“ (Spitznamen nach ihren Haarfarben), die in die Stollen eines Bergwerks eindringen und auf Leichen stoßen, aber auch selbst ihr Leben verlieren – bis auf Violett. Und schon ist der Leser wieder mittendrin in der Arentzen-Erlebniswelt. Denn nicht irgendein irregeleiteter Mörder treibt dort sein Unwesen, sondern eine blutrünstige Bestie.

Die Polizeiobermeister Martin Hollerich und Frank Sauer nehmen sich des Falles an und folgen Violetts Aussagen, sprich, gehen auch ‚unter Tage’ und finden die Leichen, hören ein bedrohliches Knurren und begegnen schlussendlich einem monströsen Wesen, das wohl für die Morde verantwortlich ist.

Eduard Schmidt, Einsatzleiter des SEK, schickt seine Leute nach unten, die dort auf weitere niedergemetzelte Leichen stoßen und auf mit Äxten und Schwertern bewaffnete Kreaturen. Eine wird vom SEK nach oben gebracht, und man stellt fest, dass deren Blut nicht menschlich ist, sondern auch Chlorophyll enthält. Belinda stellt fest, dass es sich um Orks handelt. Die Frage stellt sich, wie kommen diese in den Stollen des Bergwerks, und wie kann man sie bekämpfen?

Die drei Episoden sind durch textliche ‚Zwischenspiele’ flüssig miteinander verwoben. Wie immer leben die Texte von Gunter Arentzen durch eine muntere Mixtur aus Mythologie, Crime und Lokalkolorit, wobei er zwar manchmal etwas dick aufträgt, aber das so unbekümmert, dass es beinahe schon wieder Charme besitzt.

Die Aufmachung, d. h., Papier, Satz und Bindung des Bandes sind gut, das Covermotiv passend – wenngleich das Artwork nicht so optimal erfolgte, aber das ist sicher auch Geschmacksache. Nur das Lektorat lässt nach wie vor leider zu wünschen übrig.

Alles in allem beschert der Band einige unterhaltsame Lesestunden und ist sicher besonders für Heftromanleser, die aber ein gebundenes Taschenbuch im Regal stehen haben wollen, die richtige Kost. – Munter erzählter, mystische Unterhaltungscocktail! (AB)

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