Heilige Mörderin

Keigo Higashino
Heilige Mörderin
Professor Yukawa 2

Seijo no Kyusai, Japan, 2008
J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart, 02/2014
HC mit Schutzumschlag
Krimi
ISBN 978-3-608-98012-7
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Titelgestaltung von Rothfos & Gabler, Hamburg unter Verwendung eines Fotos von plainpicture/apply pictures

www.klett-cotta.de

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Der erfolgreiche Unternehmer Yoshitaka Mashiba wird von seiner Geliebten Hiromi Wakayama tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Polizei stellt fest, dass er mit Arsensäure vergiftet wurde. Doch wie gelangte die Substanz in seinen Kaffee, und wer ist der Täter? Außer Hiromi wird auch Ayane, die Ehefrau des Toten, verdächtigt, die für einige Tage verreist war. Der ermittelnde Inspektor Kusanagi möchte an die Unschuld der attraktiven Witwe glauben, während seine Kollegin Utsumi aufgrund winziger Details davon überzeugt ist, dass sie ein Motiv und auch die Gelegenheit für die Tat hatte. Pikanterweise wusste Ayane von dem Verhältnis ihres Mannes mit ihrer schwangeren Assistentin, für die und für die Erfüllung seines Kinderwunsches er sich hatte scheiden lassen wollen. Aber solange nicht geklärt ist, wie das Gift verabreicht wurde, würde eine Anklage abgewiesen werden. Um das Rätsel zu lösen, bittet Utsumi den Physik-Professor Yukawa, der bei kniffligen Fällen schon öfters Rat wusste, um Hilfe.

Keigo Higashino, von dem bereits zahlreiche Werke verfilmt wurden, folgt der Tradition der skandinavischen Kollegen und baut seinen Kriminalroman „Heilige Mörderin“, den zweiten in sich abgeschlossenen Band von bislang drei Büchern um den Physik-Professor Yukawa, sehr bedächtig, fast schon behäbig auf und legt den Schwerpunkt auf die Ermittlungsarbeit. Die Beamten konzentrieren sich auf die Befragung der Personen aus dem Umfeld des Toten, veranlassen Laboruntersuchungen – und geraten selber keinen Moment lang in das Visier des Täters. Dadurch liest sich der Titel völlig unspektakulär im Vergleich zu den Romanen angloamerikanischer Autoren, in denen der Mörder, sobald er Gefahr läuft, überführt zu werden, seine Gegenspieler unter Druck setzt und ihnen nach dem Leben trachtet. Der bewusste Verzicht auf übertriebene Action und Spannungselemente ist jedoch keineswegs unangenehm, sondern, im Gegenteil, realistisch und nachvollziehbar.

Das Buch bezieht seine Spannung aus der Recherchearbeit, bei der nach und nach neue Details enthüllt werden, durch die sich die Schlinge um den Hals des Täters immer enger zieht. Kernpunkt ist die Frage, wie das Gift exakt zum für den Mörder passenden Zeitpunkt ausschließlich in den Kaffee des Opfers gelangte. Yukawa entwickelt schon bald eine Theorie, die er allerdings für sich behält, um, wie er sagt, die Polizisten bei ihren Ermittlungen nicht in eine Richtung zu lenken, die zwar richtig sein mag, sich aber nicht beweisen lässt, denn das Verbrechen scheint der perfekte Mord zu sein. Daher sind Utsumi und Kusanagi trotz kleiner Hinweise gezwungen, selbst die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und den notwendigen Beweis zu erbringen, der als unbedeutend wirkende Kleinigkeit früh eingeflochten wurde.

Die Charaktere bewegen sich die ganze Zeit auf einem schmalen Grat, der sie eine gewisse Distanz zum Leser wahren, sie ihm aber auch sympathisch und glaubwürdig erscheinen lässt. Man erfährt ganz nebenbei einige Details über sie, aber vergleichsweise wenig und kaum etwas, das nicht in irgendeiner Form relevant für ihr Vorgehen ist. Auf das westliche Publikum wirken sie durch und durch ‚japanisch‘, da sie die konventionellen Formen leben (ausgesuchte Höflichkeit, emotionale Beherrschung etc.). Die Übersetzerin Ursula Gräfe verwendet so gut wie keine japanischen Begriffe, um die ‚exotische‘ Atmosphäre zu unterstützen, ein Mittel, das gern von westlichen Autoren und ihren Übersetzern benutzt wird. Leider hat das Lektorat so manchen Fehler übersehen, z. B. doppelte und fehlende Worte, und zu Beginn gibt es auch im Handlungsverlauf zwei kleine Fehler, u. a. zückt Utsumi ihren Notizblock, obwohl sie schon die ganze Zeit ihre Eindrücke und Antworten niederschreibt. Das ist nicht wirklich störend oder schmälert gar den Lesegenuss, aber diese Macken sind schlicht unnötig.

Schätzt man stille, realistisch inszenierte Krimis, wird man von „Heilige Mörderin“ rundum sehr gut unterhalten. Auch die Freunde von Lektüren aus Fernost, insbesondere Manga-Fans, die außerdem gern die Romane japanischer Autoren lesen, werden sehr gut bedient, sehr viel besser auch als von den sogenannten Light-Novels, von denen es in Deutschland ohnehin nicht sehr viele (gute) gibt.

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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