Lichtschacht

Anne Goldmann
Lichtschacht

Argument Verlag, Hamburg, 04/2014
TB, ariadne krimi 1220, Wien-Krimi
ISBN 978-3-86754-220-3
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Bühnenbilds des Cirque du Soleil

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Lena hütet für eine verreiste Freundin deren schöne Wohnung in Wien. Ihr Geld verdient sie bei Urlaubern durch Jobs wie Blumengießen und Haustiere füttern. Richtig Spaß macht ihr jedoch die neue Arbeit im Laden des Kunsthändlers Wolfgang, der ebenfalls immer etwas Neues ausprobieren möchte und ihr schon bald freie Hand lässt, als er seinen Ehrgeiz einem anderen Projekt widmet. Eines Abends beobachtet Lena einen Mann und zwei Frauen auf dem Dach gegenüber. Sie trinken und scheinen recht lustig zu sein. Als sie erneut hinblickt, ist eine der Frauen plötzlich verschwunden – und Lena glaubt entsetzt, sie sei in die Tiefe gestürzt. Oder hat sie sich das eingebildet, und die Frau ist einfach nur herabgeklettert? Da Lena ihren Eindrücken nicht traut, schließlich hatte sie ein Glas Wein getrunken und einen Joint geraucht, lässt sie die Angelegenheit auf sich beruhen.

Dennoch muss sie immer wieder an den Vorfall denken, insbesondere als sich herausstellt, dass ihr neuer Freund Georg, der in jenem Haus wohnt, wenig zuverlässig ist und ungern von sich erzählt, die Vermisste – Kathrin – gekannt, ja, sogar eine Affäre mit ihr gehabt hatte. Lena beginnt, sehr zu Georgs Ärger herumzuschnüffeln und freundet sich mit dem Hausmeister Matić an, hoffend, von seiner Wohnung aus einen Blick in den „Lichtschacht“ werfen zu können. Zwar kann sie nichts erkennen, weil es zu dunkel ist, doch dann entdeckt sie zufällig einen grausigen Hinweis …

Das Kernthema des spannenden Regional-Krimis ist die Einsamkeit, Anonymität und Gleichgültigkeit der Menschen inmitten einer dicht besiedelten Stadt. Obwohl man Tür an Tür wohnt, weiß man nichts über seine Nachbarn, und wenn einer von ihnen plötzlich verschwindet oder stirbt, bemerkt es keiner.

Dementsprechend schwer tut sich Hauptfigur Lena auch, Kontakte zu knüpfen. Sie ist nicht gern allein, aber auf der anderen Seite ist sie ein Ordnungs-Freak und hält es nicht aus mit Personen, die überall Chaos verbreiten wie ihre Freundin Steffi, die Wohnungsbesitzerin, und deren neuer Partner Kris. Allein die Zufallsbekanntschaft Iveta bringt ihr diesbezüglich Verständnis entgegen. Lena verliebt sich in Max, Georgs Freund, doch dessen traumatische Vergangenheit verhindert, dass sie zusammenkommen, sodass sie letztlich Georg den Vorzug gibt, der ihr zunächst auf die Nerven geht, sie dann aber für sich einnehmen kann, wenngleich ihre Beziehung immer wieder von Missverständnissen und seinen Eigenarten überschattet werden. Dann wäre da noch Wolfgang, der sie immer ein wenig an ihren Vater, einen Lebemann, erinnert, freundlich und hilfsbereit ist, aber nicht für eine Beziehung infrage kommt.

Die Geschehnisse werden im Wechsel aus der Perspektive von Lena und demjenigen erzählt, der für Kathrins Verschwinden verantwortlich ist. Geschickt führt die Autorin den Leser auf eine falsche Fährte, denn bis zum Ende ist man sich sicher, die Identität des Mörders zu kennen – bis zur großen Überraschung. Man fürchtet um Lena, die sich durch ihre Neugierde in Gefahr bringt und wie die Fliege im klebrigen Netz der Spinne gefangen scheint.

Der Roman ist packend und fasziniert bis zum Ende, ist angenehm und flüssig lesbar trotz oder gerade wegen des mitunter abgehackten Stils (kurze, oft unvollständige Sätze), der die Atmosphäre transportiert. Die seltenen typisch österreichischen Ausdrücke, die am Ende kurz erklärt werden, stören den Lesefluss nicht und wären auch ohne ‚Übersetzung‘ verständlich.

Alles in allem ein großartiger Krimi von Anne Goldmann, der nach dem etwas mäßigeren Buch „Triangel“ qualitativ wieder an ihren Spitzentitel „Das Leben ist schmutzig“ anknüpft und allen Genre-Freunden ans Herz gelegt werden darf.

Copyright © 2014 by Irene Salzmann (IS)

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