Mallorquinisches Blut

Martín Solanes
Mallorquinisches Blut

Quand la lune sera bleue, Flammarion, Frankreich, 2008
Piper Verlag, München, 02/2009
PB, Krimi
ISBN 978-3-492-05259-7
Aus dem Französischen von Ute Bechberger & Cornelia Weinkauf
Titelgestaltung von creativ connect Karin Huber, München
Innenillustrationen von Studio de creation Flammarion

www.piper.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Am 3. Juni macht Jovi, ein Straßenreiniger, in einer Rohrleitung der Müllentsorgung von Palma de Mallorca einen makabren Fund: eine Hand und Unterarm in einem Stoffpaket. Pilar Más (Kriminaltechnikerin, wissbegierig, dickköpfig, ruhig, diszipliniert) kehrt nach sechs Jahren Polizeischule auf ihre Heimatinsel Mallorca zurück und kommt in das Team von Hauptkommissar Fernando Olazabal. Die beiden stehen sich von Anfang an feindselig gegenüber. Pilar untersteht in der Spurensicherung als Fotografin Offizier Gerónimo Diaz, der ein Freund von Pilars Cousin ist. Pilars erste Liebe starb vor sechs Jahren unter mysteriösen Umständen. Sein Tod war der Auslöser dafür, dass sie zur Polizei ging.

Bruno Montaner (stürmisches Temperament, fühlt sich der Insel sehr verbunden) lebt und arbeitet in Port d’Andratx und geht seltsamen Feuern auf der Insel La Dragonera nach. Er findet dort eine merkwürdige Feuerstelle und Schleifspuren (z. B. eines schweren Gegenstandes oder Körpers). Die Substanz, die er in der Feuerstelle entdeckt, stellt sich nach der Untersuchung als von einem menschlichen Knochen stammend heraus.

Um Bruno wird eine kleine Spezialeinheit gebildet (der auch Pilar angehört), die sich auf die Suche nach dem Rest der Leiche macht. Es tauchen fünf weitere Pakete mit Leichenteilen in der Müllverwertungsanlage auf, u. a. auch ein verkohlter Schädel. Die Schnur der Pakete wird häufig als Takelschnur oder Trimmleine auf Segelbooten benutzt.
Bruno erfährt von einem befreundeten Bibliothekar von einem alten Atlas aus dem 13. Jahrhundert, dem ‚Atlas catalán‘ mit zwei Karten von Mallorca und La Dragonera. Dieser Atlas befand sich einst im Besitz von Horacio Más, Pilars Großvater, zu dem sie eine sehr problematische Beziehung hat und dem zu begegnen sie vermeidet. Dennoch stattet sie Son Nadal, der riesigen Finca ihrer Familie, einen Besuch ab – und wird von ihren Erinnerungen heimgesucht. Denn die Geschichte der Familie Más wird beherrscht von Trauerfällen und der Brutalität ihres Großvaters, den sie hasst und verachtet. Pilars Vater starb mit 25 Jahren und ihre Mutter wenig später bei ihrer Geburt.

Pilar besucht Carape, den Schäfer von Son Nadal. Er war einst ihr Verbündeter, und sie fühlt sich endlich wieder zu Hause. Von Carape erfährt sie, dass es mit dem Gut Son Nadal abwärts gehe und die Familie finanzielle Schwierigkeiten habe (und ihr Großvater oft auf der Rennbahn anzutreffen sei) – und sie hört zum ersten Mal von einem jungen Deutschen, einem eventuellen Sohn ihrer Tante Yolanda. Pilar besucht eine Disco in Portal Nous und erfährt von Azur Letal, einer Bekannten, dass deren Bruder Fredo seit Monaten verschwunden ist. Sie erhält von ihr ein Foto vom Abend seines Verschwindens, auf dem er mit seinen Kumpels abgebildet ist.

Bruno und das Team erwarten Ende Juni – zum ‚blauen Mond‘ – weitere Vorkommnisse, die prompt eintreten: In den Arabischen Bädern wurde eine große Menge Blut in die Bewässerungsgräben des Patios geschüttet, und an einer Mauer fand man blutige Handabdrücke, darüber hinaus Schuhabdrücke, die mit denen, die Bruno auf La Dragonera gesichtet hat, übereinstimmen. Das vergossene Blut bildet einen Pfeil, der auf das ehemalige Schöpfrad, das zu einem Brunnen umgebaut wurde, deutet. Dort findet das Team ein weiteres Paket mit dem Kopf eines Rassepferdes darin. Der Fall wird immer mysteriöser und verworrener. Und das Team steht auch intern unter Druck. Hauptkommissar Olazabal macht es ihnen schwer – Schikanen sind an der Tagesordnung, und er provoziert seine Mitarbeiter wo er nur kann.

Immer wieder ist von einem mysteriösen blonden Deutschen (bullige Gestalt, unsympathisch) die Rede, auch als Bruno von einem Notar in d‘Andratx erfährt, bei dem ein Holländer mit einer Besitzurkunde von La Dragonera auftauchte, die er von einem Deutschen gekauft hat. Bruno beschließt, Nachforschungen über Yolana und ihren Sohn in Deutschland anzustellen. Seine Tochter Ana lebt in Hamburg und studiert Journalismus und will in der Sache recherchieren. Außerdem fährt er mit seinem Team auf die Insel La Dragonera. Dort finden sie in der Feuerstelle weitere Fingerknochen und andere Indizien, die darauf schließen lassen, dass jemand auf der Insel verletzt oder getötet wurde. Der Verdacht verhärtet sich, als Pilar auch noch Fredos Mundharmonika (die er auf dem Foto, das sie hat, schwenkt), findet. Auf dem Foto erkennt die alte Grita, die auf Son Nadal lebt, zudem Oscar Uhl, Yolandas Sohn und einer der Verdächtigen. Somit zeigen wieder Zeichen Richtung Deutschland, und irgendwie scheint Pilars Familie tief in diesen Fall involviert zu sein … wie die Insel La Dragonera, die einer der roten Fäden dieses Buches ist. Und dann wird Pilar entführt und gerät in Lebensgefahr …

Der Autorin gelingt eine wunderbare Mischung aus Krimihandlung, mehrdimensionalen Hauptcharakteren, aber auch interessanten Nebendarstellern – wie Brunos Freundin Tita, eine Zigeunerin, seine Mutter Placida Más Montaner sowie Pilars strenge Tante Grita – und fein detailiertem Inselkolorit. Sie zeichnet ein Bild von Macht, Familienehre, Bindungsängsten und Traditionen.Und sie webt einen interessanten Handlungsstrang um den mallorquinischen Philosophen Raimundus Lullus (1235 – 1315) und seine im Jahre 1308 verfasste „Ars brevis“, eine von diesem selbst angefertigte Kürzestfassung seines weitaus umfangreicheren Hauptwerkes – der parallel entstandenen „Ars generalis ultima“. Die „Ars brevis“ bietet eine kompakte Darstellung des reifen lullschen Denkens, in dessen Mittelpunkt die kombinatorische Methode steht, mit der Lullus in die Geschichte der Philosophie eingehen sollte: dem System der Erhellung der Wahrheit, das auf der Kombination von Buchstaben auf dem äußeren Ring eines Kreises beruht.

Aber sie bezieht auch den Mond (Vollmond, blauer Mond), der in der mallorquinischen Mythologie eine wichtige Rolle spielt, in die Handlung mit ein. Man merkt dem Roman an, dass Martín Solanes den Sommer stets auf Mallorca verbringt, wo sich die Wurzeln ihrer Familie befinden. Wer selbst (wie die Rezensentin, die seit fast 12 Jahren auf der Insel lebt, sie aber weitaus länger kennt) mit Mallorca vertraut ist, muss der Autorin seine Anerkennung zollen, welch stimmiges Bild sie von der Insel zeichnet – im Positiven und Negativen. Und sie erlaubt einen Blick in die Seele der Mallorquiner. Die Aufmachung des Titels ist ebenfalls ohne Fehl und Tadel. Das Format etwas größer, Papier und Satz/Druck erstklassig. Somit bietet „Mallorquinisches Blut“ spannende, aber auch lehrreiche Unterhaltung, und man verspürt zum Schluss Lust auf mehr. Man möchte wissen, wie es mit Pilar, aber auch Bruno und dem Team weitergeht – und hofft auf einen weiteren Fall, der die Leser erneut auf diese schöne Insel entführt. „Mallorquinisches Blut“ ist ein spannender Krimi. Das und ein wunderbar stimmiges Bild der Baleareninsel Mallorca machen das Buch absolut empfehlenswert.

Copyright © 2011 by Alisha Bionda (AB)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Martín Solanes – Mallorquinisches Blut.

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