Gebrauchsanweisung für Japan

Andreas Neuenkirchen
Gebrauchsanweisung für Japan

(sfbentry)
Piper Verlag, München, 10/2009
PB mit Klappbroschur
Sachbuch, Reise, Anekdoten, Kulturführer
ISBN 978-3-492-27585-9
Titelgestaltung von Büro Hamburg, Birgit Kohlhaas unter Verwendung
von Motiven von age fotostock/Look und Michael Boyny/Look (Gästepantoffeln
in der Eingangshalle des Manpukuji-Tempels, Vorplatz am U-Bahnhof Ginza in Tokio)
Autorenfoto von Ulrich Klein

www.piper.de
www.andreas-neuenkirchen.asia

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Japan ist ein Land voller Gegensätze – Tradition und Moderne -, die auf erstaunliche Weise miteinander harmonieren. So findet man malerische Tempel neben futuristisch anmutenden Bürohochhäusern, aus der Frühzeit überlieferte Feste mischen sich mit importierten Feiertagen (wie Weihnachten und den Valentinstag) und Cosplay-Spektakeln, Kimonos schimmern zwischen Business-Kostümen und flippigen Gothic-Lolita-Outfits, traditionelle Sportarten (wie Sumo und Kyudo) sind genauso beliebt wie PC-Games usw. Seit sich Japan im 19. Jahrhundert öffnen musste, hielten viele Neuerungen aus dem Westen Einzug, doch längst funktioniert die Beeinflussung auch in die andere Richtung. Beispielsweise konkurrieren in den Buchhandlungen Mangas mit amerikanischen Superhelden und Francobelgiern, manche Kreise halten Sushi für schicker/schmackhafter als den Burgher oder die Semmel mit Wiener, man fährt Toyota und Nissan und nicht nur Audi und Opel, Handy und Fernseher sind von Sony, und in vielen Geräten befinden sich Komponenten aus Japan.

Der Journalist, Autor und Versandhändler Andreas Neuenkirchen bereist Japan regelmäßig, teils aus beruflichen Gründen, teils aus privatem Interesse. Auch abseits der ausgetretenen Touristenpfade schaut er sich gern das Inselreich an und lernte schnell, dass es in solchen Fällen nahezu unmöglich ist, als Ausländer unterwegs zu sein, dass man der Vermittlung eines Einheimischen bedarf, damit der Ryokan in einem abgelegenen Dorf nicht ausgebucht und die traditionelle Kneipe nicht gerade von einer geschlossenen Gesellschaft belegt ist.

Ein klares Nein gilt als unhöflich; stattdessen wird die Absage wortreich umschrieben oder die Frage konsequent ignoriert. Händeschütteln oder (vermutlich falsch) Verbeugen? Weder die Einheimischen noch die Besucher aus dem Ausland wissen, wie sie sich beim ersten Treffen verhalten sollen. Nicht vergessen darf man das Gastgeschenk, möglichst etwas Typisches, das schön verpackt sein sollte. Ein Aufkleber mit Namen des Ladens, in dem es gekauft wurde, erfreut, sofern es sich nicht gerade um einen Artikel von einer Billig-Kette handelt, und das Preisschild erleichtert es, sich angemessen zu revanchieren. Andreas Neuenkirchen hat noch sehr viel mehr zu erzählen über Land und Leute. Manches wirkt vertraut und nachvollziehbar, anderes sonderbar und kurios. Leider sind es fast immer nur die Bereiche, in denen sich die japanische Kultur deutlich von der der westlicher Länder unterscheidet und für merkwürdige Ausnahmen sorgt, über die in den Medien berichtet wird, so dass ein verzerrtes Bild entsteht.

Zwar werden diese Themen auch hier angeschnitten, weil sie sich kurzweilig lesen, aber der Autor bemüht sich dennoch, differenzierter zu schreiben. In Folge lobt er u. a. die Pünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel (hier könnte sich die Deutsche Bahn mehr als eine Scheibe abschneiden), dass die Kriminalitätsquote (Diebstahl) sehr gering ist und dass die Gastfreundschaft groß geschrieben wird, er kritisiert aber auch z. B. die mangelnde Vergangenheitsbewältigung, denn die Gräuel, die Japan als Besatzungsmacht in Korea begangen hat, werden oft heruntergespielt oder sogar geleugnet. Alles in allem bietet die „Gebrauchanweisung für Japan“ interessante Erfahrungsberichte und Hintergrundinformationen, dazu heitere Anekdoten, die den Globetrotter oder Japanologie-Studenten zumindest auf einige Dinge hinweisen, mit denen er zu rechnen hat oder die er beachten sollte. Auf Sehenswürdigkeiten wird nur indirekt hingewiesen, darum ersetzt der Band keinen Reiseführer, ergänzt ihn aber sinnvoll und unterhaltsam, so dass man ihn allen, die sich – aus welchem Grund auch immer – mit Japan befassen, empfehlen kann.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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