Gebrauchsanweisung für Peking und Shanghai

Adrian Geiges
Gebrauchsanweisung für Peking und Shanghai

Piper Verlag, München, 10/2009
PB mit Klappbroschur, Sachbuch, Reise, Anekdoten, Kulturführer
ISBN 978-3-492-27577-4
Titelgestaltung von Büro Hamburg, Birgit Kohlhaas unter Verwendung von
Motiven von age fotostock/Look und Karl Johaentgers/Look (Detail am Himmelstempel in Peking, Nanjing Road in Shanghai)
Autorenfoto von privat

www.piper.de
www.adriangeiges.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Kaum ein Land hat sich in den letzten Jahrzehnten so sehr verändert wie China. Die radelnden ‚blauen Ameisen‟ gibt es schon lange nicht mehr. Allerdings, und das versäumt Adrian Geiges zu erwähnen, findet der Fortschritt nur in den Großstädten statt, in den Vorzeigestädten, welche von internationalen Touristen, Journalisten und Managern besucht werden, die man beeindrucken will. Wenig geändert hat sich hingegen bei der Reglementierung von oben, die durch mitunter aus dem Mittelalter stammende Strukturen erleichtert wird. Die Partei hat das Sagen, während sich das Volk fügen muss, Andersdenkende und Minoritäten (Tibeter) unterdrückt werden und Schlimmeres. Der Gast bemerkt hiervon wenig; nur wer einige Jahre in China verbringt, mag den einen oder anderen Auswuchs der Willkür erleben.

Adrian Geiges erzählt von seinen Erlebnissen in China, das er als Sinologie-Student, Auslandskorrespondent und Firmenleiter kennen lernte. Mit seiner Familie lebte er mehrere Jahre u. a. in Peking und Shanghai und wurde Zeuge von einem rasanten Wandel, der gerade in diesen beiden grundverschiedenen Städten besonders deutlich wird. Die Hauptstadt Peking ist seit Jahrhunderten das kulturelle Zentrum Chinas. Tradition vermischt sich mit Moderne; so manche profitierten von dem wirtschaftlichen Boom und bilden nun die Schicht der Neureichen. Die Olympischen Spiele und die damit verbundene Öffnung des Landes beschleunigten diesen Prozess, der in Shanghai sehr viel früher einsetzte. Dank des weltweit größten Hafens nimmt die weiter südlich gelegene Handelsstadt schon sehr viel länger am internationalen Wettbewerb teil, was ihr Gesicht nachhaltig prägte.

Genauso wie sich Münchener und Berliner mit Klischees und Vorurteilen begegnen, besteht auch eine gewisse Rivalität zwischen Pekingern und Shanghaiern. Entsprechend ist das Buch in zwei Teile gegliedert, in denen der Autor seine Eindrücke beschreibt und sich bemüht, nicht zu werten, da jede Stadt ihre schönen und nachteiligen Seiten hat. Humorige Anekdoten, Zitate und knappe Exkurse in Geschichte – es wird z. B. an Entwicklungen und Erfindungen erinnert, die man in China lange vor dem Westen kannte, aber auch an düstere Kapitel, in denen wiederholt unzählige Menschen dem Fanatismus der jeweiligen Machthaber zum Opfer fielen – machen die „Gebrauchsanweisung für Peking und Shanghai“ zu einer interessanten, stellenweise erschütternden und dann wieder vergnüglichen Lektüre, die nun nicht wie Reiseführer auf Sehenswürdigkeiten hinweist, sondern sich den Eigenarten der Chinesen, insbesondere denen der Bewohnern der beiden Städte, widmet. Beispielsweise erfährt man, dass einst vergeblich versucht wurde, das Schriftsystem durch das westliche Alphabet und eine Lautschrift zu vereinfachen, was einen Künstler zu einer Geschichte inspirierte, die ausschließlich aus dem Wort ‚shi’ bestand, dessen zahlreiche Bedeutungen sich nicht in drei Buchstaben ausdrücken lassen.

Auch die Radkolonnen sind ein Phänomen von gestern, denn der Besitz eines Autos ist nicht mehr verboten, und wer es sich leisten kann, sucht sich ein Statussymbol aus dem Westen. Die Pekingente ist out; wer etwas auf sich hält, probiert viel lieber die kulinarischen Köstlichkeiten aus fernen Provinzen, selbst wenn deren ungewohnte Schärfe auf den Magen schlägt. Wer selbst im vergangenen Jahrzehnt China bereiste, kann so manche der Schilderungen bestätigen und in Erinnerungen schwelgen. Ist eine Reise geplant, findet man in diesem Buch eine lesenswerte Ergänzung zu den konventionellen Reiseführern. Auch für Sinologie-Studenten und für Angestellte, die für einige Wochen oder Monate nach China gehen, stellt der Band eine interessante und unterhaltsame Lektüre dar – und ist sehr zu empfehlen.
 
Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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