Manische Wiegenlieder – Surreale und absurde Gedichte

Wilhelm Ruprecht Frieling
Manische Wiegenlieder – Surreale und absurde Gedichte

Internet-Buchverlag, Berlin, Originalausgabe: 2008, 2. Auflage: 9/2008
PB, Lyrik, Satire, Humor, Surrealismus, Underground,  ISBN
783941286207,  92/980
Titelgestaltung von Ulrich Bogun unter Verwendung des Gemäldes „Mirabilis“ von Jan Bouman

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Die Lyrik wird oft recht stiefmütterlich behandelt. Nicht nur erscheinen, im Vergleich zur Prosa, sehr wenige Gedichtbände, auch die Zahl der Leser ist geringer. Das mag daran liegen, dass ein paar Verszeilen selten eine richtige Geschichte erzählen oder man mit ihnen das verhasste Auswendiglernen in der Schule assoziiert.

Natürlich gibt es auch Gedichte, die jeder kennt und mag, z. B. die Reime von Wilhelm Busch. Mancher Leser findet sicher auch Gefallen an knappen Zeilen, die eine Situation, einen Eindruck oder Gefühle präzise beschreiben und auf alles umständliche Blabla verzichten.

Wilhelm Ruprecht Frieling verbindet – meistens – beides in „Manische Wiegenlieder“: Reime und aufs Wesentliche reduzierte Aussagen. Die Lyriken handeln von vertrauten Dingen und Begebenheiten, die häufig bis ins Surreale und Absurde verzerrt werden, mitunter sogar sinnfrei erscheinen können.

Beschrieben werden z. B. nordische Ferienziele wie „Mukran“ und „Göhren“ und ihre Besucher, aber auch das Typische bayerischer Städte wie „Bayreuth“ und „München“. Man findet außerdem zwei Speisezettel der „Kannibalen“, wird in „Warten“ an den regelmäßigen Ärger mit der Bahn erinnert, die Politikverdrossenheit kommt in „Partei, Partei“ zum Ausdruck, und in „No Future“ wird das Tabuthema ‚Alter’ aufgegriffen.

Es lässt sich auch eine gewisse Ordnung erkennen, denn es gibt ein einleitendes Gedicht und die abschließende Kurzprosa, die den Schlusspunkt setzt wie das Amen in der Kirche. Darin eingebettet liegen die Städte-Lyriken, weitgehend von Nord nach Süd gelistet, dann das Ausland; dem schließt sich Menschliches, Tierisches und Alltägliches an.

Der Band bietet insgesamt 82 Lyriken und einen Kurzprosa-Text. Jedem Gedicht ist eine Seite zugestanden worden, die gegenüber liegende blieb leer. Auf diese Weise wird etwas Distanz zwischen den einzelnen Texten geschaffen, die man nicht an einem Stück lesen, sondern zwischen denen man inne halten sollte, um die Zeilen auf sich wirken zu lassen und ihre mitunter bissige Aussage zu erfassen. Über manches darf man schmunzeln, anderem stimmt man einfach zu: Genau, so ist es!

Die Gestaltung des Bandes ist schlicht, das Layout großzügig; keine Spielereien lenken von den Texten ab. Vom Format her ist das Buch ein wenig größer als die gängigen Taschenbücher und etwas kleiner als die Paperbacks. Die Verarbeitung ist solide und unterscheidet sich in nichts von Büchern der ‚großen’ Verlage.

Schätzt man Gedichte dieser Art und hat zudem Freude an gelungenen Reimen, sollte man den „Manischen Wiegenliedern“ eine Chance geben. (IS)

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Manische Wiegenlieder: Surreale und absurde Gedichte

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