Das Relikt der Macht

Hans Kneifel
Das Relikt der Macht

Illochim-Trilogie 1
„Perry Rhodan“ und „Atlan“ sind Eigentum von Pabel-Moewig-Verlag, Rastatt
FanPro, Erkrath, 12/2007
TB, SF 71009, 978-3-389064-174-4, 286/900
Titelillustration von Arndt Drechsler
Autorenfoto von N. N.

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www.perry-rhodan-game.de
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Beim Angriff der Dolans wurden große Teile von Terrania-City zerstört. Um den Menschen schnell zu helfen, zog man billige Wohnungen hoch, die nun – im Jahr 3103 – abgerissen und durch komfortablere Unterkünfte ersetzt werden sollen. Damit sind allerdings viele Bewohner nicht einverstanden, die wünschen, dass ihr Heim und sein Flair erhalten bleiben. Es kommt zu Unruhen, und Homer G. Adams, der das Projekt durchziehen will, bittet Lordadmiral Atlan um Unterstützung.

Auf der Suche nach unterirdischen Schlupfwinkeln für sich und seine Gesinnungsgenossen entdeckt einer der Aktivisten zufällig ein muschelförmiges Artefakt. Tristan Li stellt fest, dass es seinem Benutzer neue Kraft, Selbstbewusstsein und sogar suggestive Fähigkeiten verleiht – aber leider auch süchtig macht. Als das zweite Gerät von seinen Kameraden gestohlen und missbraucht wird, wechselt er die Seite.

Auf diese Weise fällt das merkwürdige Objekt in die Hände der USO. Natürlich lässt es sich Atlan nicht nehmen, persönlich das Geheimnis des Gatusain zu ergründen. Er ist davon überzeugt, dass ihn der Zellaktivator und die speziellen Schulungen, die er durchlaufen hat, schützen werden. Eine Stunde in der Muschel genügt, dass Atlan begreift, wie sehr er sich geirrt hat…

Die Story beginnt recht harmlos mit Tumulten in der terranischen Hauptstadt. Dabei fühlt man sich – schon der Location wegen – an die groß angelegten Umbauten in Peking erinnert, die die Regierung für notwendig befand, um die Metropole für Olympia 2008 vorzeigbar zu machen. In diesem Zusammenhang sind viele alte Gebäude, die typisch für die betroffenen Viertel waren, abgerissen, ihre Bewohner umgesiedelt und Häuser nach westlichen Standards errichtet worden. Zweifellos haben zahlreiche Betroffene und Touristen, die das ‚alte’ Peking und seinen Charme zu schätzen gelernt hatten, diese radikalen Veränderungen bedauert. Die Art und Weise, wie die Widerstandsbewegung gegen die Maßnahmen der Regierung vorgeht, lässt an die Hausbesetzerszene in den 1970er Jahren denken.

Dieses Thema wird im ersten Band der „Illochim“-Trilogie erledigt, denn es liefert nur den Rahmen für die eigentliche Handlung: Ein gefährliches Artefakt extraterrestrischen Ursprungs wird entdeckt und gerät in den Besitz der USO; ein zweites wird entwendet. Um das Geheimnis dieser Objekte zu ergründen, geht Atlan ein großes Risiko ein und begibt sich auf die Jagd nach dem gestohlenen Gatusain.

Man merkt schon einen deutlichen Unterschied, ob ein „Atlan“-Abenteuer von einem Fan geschrieben wurde oder von einem Autor, der die Serie und diesen Charakter über Jahre hinweg prägte. In „Das Relikt der Macht“ von Hanns Kneifel ist Atlan wirklich Atlan und kein nörgeliger Teenie, der blind in nahezu jede Falle tappt, wenn er nicht gerade von Frau zu Frau springt. Dieser Atlan ist so, wie ihn die langjährigen Leser kennen und mögen.

Anders als die Autoren, die zum Urgestein des „PR“-Fandoms zählen, verzichtet Hanns Kneifel überdies darauf, unnötige Querverweise zu den diversen Zyklen zu geben, Personen und Ereignisse zu erwähnen, die mit der Handlung nichts zu tun haben. Auch bei den kleinen Ausflügen die in Frühgeschichte der Erde beschränkt er sich auf die wesentlichen Erläuterungen. Die Leser wissen, dass er mit Daten und Fakten bestens vertraut ist; er muss es nicht beweisen.

Neben dem Licht gibt es leider auch Schatten, vermutlich bedingt durch das Exposé. Man muss sich schon sehr über das Chaos wundern, das auf der Erde ausbricht, kaum dass Perry Rhodan, Galbraith Deighton und all die anderen Homer G. Adams allein gelassen haben. Nur damit sich Atlan mit dem Gatusain befassen darf, sind alle zu Hause gebliebenen Agenten absolut unfähig, einige Aufrührer zu beruhigen. Das ist ebenso wenig glaubwürdig wie der Punkt, dass sich Führungskräfte in Routine-Einsätze stürzen, obwohl sie genug geeignete Leute für diese Aufgaben haben und ihre eigenen Fähigkeiten an anderer Stelle benötigt werden. Darüber muss man hinweg sehen: Es wird sonst schwierig, Atlan in spannende Geschehnisse zu verwickeln.

Mit dem Auftakt-Band zu „Illochim“-Trilogie stellt Hanns Kneifel die Weichen für die kommenden Ereignisse. Atlan will das Rätsel um die Illochim und die Gatusain lösen und gerät dabei in den Bann des Artefakts. Es muss ein Mittel gefunden werden, das ihn und die anderen Betroffenen von der Sucht befreit, denn die Zeit läuft. Eine Verfolgungsjagd beginnt – und wird im nächsten Roman, „Im Bann der Gatusain“ von Achim Mehnert, fortgesetzt.

Nachdem sich die ersten „Atlan“-Romane schwer taten, gerade das reifere Publikum zu überzeugen, holte man mit Hanns Kneifel einen erfahrenen Autor an Bord – und tatsächlich hat man an dieser Lektüre weit mehr Spaß.

Die Charakterisierung der Titelfigur ist gelungen, die Geschichte ist flüssig und routiniert geschrieben. Jetzt bleibt zu hoffen, dass nach dem viel versprechenden Beginn Achim Mehnert und Rüdiger Schäfer den positiven Trend fortsetzen können. (IS)

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Atlan. Das Relikt der Macht: Atlan 07. Illochim-Zyklus 01: BD 1

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