Die Galaktischen Mediziner

die-galaktischen-medizinerLeo Lukas
Die Galaktischen Mediziner
Perry Rhodan / Ara-Toxin 01

(sfbentry)
ISBN 9783453523869
Heyne, 2007
Titelbild: Dirk Schulz
Umfang: 364 Seiten

www.heyne.de
www.perry-rhodan.net

Im Jahre 1.340 NGZ (4.827 n. Chr.) befinden sich Perry Rhodan, Resident der Liga Freier Terraner und sein alter Freund aus Gründertagen, Julian Tifflor, Außenminister der LFT auf dem Planeten Tahun, dem wichtigsten medizinischen Zentrum der Milchstraße und einem der Hauptplaneten der Aras, der galaktischen Mediziner. Anlass ist die Eröffnung des gigantischen Circinus Maximus, einer Sport- und Vergnügungsstätte, welche keine Wünsche offen lassen soll. Kein überwichtiger Termin für Staatsoberhäupter, aber Terra muss Präsenz zeigen, schließlich wird auch Imperator Bostich, vom verfeindeten „Göttlichen Imperium“ der Arkoniden erwartet.

Doch bevor die Feierlichkeiten so richtig beginnen können, werden Rhodan und Tifflor Opfer eines Attentates und werden entführt. Sie erwachen, äußerlich und trotz Aktivator-Chips vielleicht auch innerlich verändert auf einem ihnen fremden Ara-Planeten. Die einheimische Spezies – welche sich selbst Aerimi nennen – ist halbintelligent und führt sie schließlich auf die Spur von Arkoniden, welche von den Aerimi als Götter verehrt werden. Doch warum sind die beiden überhaupt noch am Leben? Was will man von ihnen oder was hat man mit ihnen vor? Wer hat sie entführt und wer steckt dahinter? Auf der Suche nach Antworten müssen die beiden wie schon so oft um ihr Leben kämpfen und erfahren von einer Gefahr, welche die ganze Galaxis bedroht …

Der Ansatz zu einem spannenden Zyklus, welche die Heftserie ergänzt und wie bei den anderen Parallel-Zyklen (Lemuria, Odyssee, Pan-Thau-Ra usw.) offene Fragen der Serie beantwortet und Zwischenhandlungen aufarbeitet, wäre somit auch hier bei Ara-Toxin gegeben. Doch was uns hier der Autor auftischt, ist schlicht und ergreifend Schundheft-Niveau; anders kann ich es nicht ausdrücken.

Zum ersten: Der ganze Planet strotzt nur so von Tausenden von Geheimagenten, Spezialisten und Bodyguards – auch von befreundeten Sternenreichen. Rhodan und Tifflor – selbst seit ebenfalls Tausenden von Jahren nicht auf den Kopf gefallen – werden natürlich vom Terranischen Geheimdienst beschützt, darüber hinaus noch von zwei Etrusern, welche jahrzehntelang sogar zur Elitebesatzung eines Flaggschiffes von Perry Rhodan zählten. Trotz alldem gelingt es dem Attentäter mit einem einzelnen Zwangskomplizen die beiden obersten Führer einer Sternenmacht so locker einfach zu entführen.

Hallo Herr Lukas, sie befinden sich mehrere Tausend Jahre in der Zukunft! Glauben Sie nicht auch, dass bei solchen brisanten Veranstaltungen mittels modernster Technologie Schutzmaßnahmen getroffen würden? Ich denke da an in sekundenschnell aufgebaute, planetare Schutzschirme, welche Transmittersprünge und Raumschiffstarts verhindern, an anwesende Telepathen und Teleporter aus dem terranischen Mutantenkorps, an alle möglichen Kontrollen, Sensoren, Verteidigungsroboter uvm., welche Sekunden nach Abschuss der Attentats-Raketen weltweit Alarm gegeben hätten. Und das ist nur das, was mir als Agenten-Laien so aus dem Stegreif einfällt. Lesen Sie doch mal bei Tom Clancy nach, wie ein Agent und Geheimdienst arbeitet.

Zum zweiten: Der Attentäter – im (zu) späten Teenageralter zur Ausbildung an eine geheime Ara-Assassinen-Schule verbracht – zeigt weder die körperlichen noch die geistigen Voraussetzungen zu einem Spitzenkiller. Er wird 10 Jahre lang – angeblich vom besten Team aus Aras und Robotern – ausgebildet, was die Galaktischen Mediziner aufzubieten haben und scheitert über viele Jahre hinweg. Da hätten die alten Griechen zu Zeiten König Leonidas längst kurzen Prozess gemacht: Kurz nach der Geburt wurden spartanische männliche Kinder einer strengsten Prüfung unterzogen und bei negativer Beurteilung im Beisein der Mutter eine Klippe hinab geworfen. Selbst als der Attentäter seine Ausbildung endlich abgeschlossen hat, verrichtet er seine ersten Dutzend Aufträge so stümperhaft, dass er Spuren hinterlässt, die Attentate als solche erkannt werden können, anstatt eines geschickt konstruierten Unfalles. Um dem Blödsinn die Krone aufzusetzen, verdient er sich mit diesen Aufträgen sogar angeblich noch einen guten Ruf? Dazu kommt noch, dass er selbst ständig auf der Flucht ist, mehrfach nur knapp mit dem Leben davon kommt, sich bei diesem Auftrag mit Drogen manipulieren muss, um ihn überhaupt ausführen zu können. Und das soll einer von nie mehr als 262 Spitzenkillern sein?

Zum dritten: Die einheimische Spezies – die Aerimi – sind tischgroße Kakerlakenwesen. Nun sind wir ja bei Perry Rhodan einiges gewohnt, was obskure, oft auch bizarre Extraterrestrier betrifft. Aber dass sich auf der „Tisch“-Oberfläche der Kakerlaken ganze Miniaturlandschaften mit Teichen, Häuschen, Brücken und Geleisen, komplett mit einer Modelleisenbahn (!) in der Spurgröße H0 befinden, ist nicht exotisch, sondern schlichtweg Schwachsinn. Um die Eigenart der Aerimi auf die Spitze zu treiben, fiel Herrn Lukas nicht anderes ein, als ihnen ein noch blöderes Gesellschaftssystem und eine hanebüchene Religion mitzugeben: Die Aerimi glauben allen Ernstes, dass nur diejenigen von ihnen. welche möglichst viele Krankheitserreger und ausgebrochene Krankheiten mit sich tragen und darunter natürlich körperlich leiden, zu geachteten Mitgliedern ihrer Gesellschaft gehören?! Nur diejenigen mit den meisten Gebrechen haben eine Chance von den Göttern – in Wahrheit Arkoniden – in das aerimische Elysium einzugehen?

Herr Lukas: Kakerlaken gehören mit zu den widerstandsfähigsten, robustesten und zähesten Viechern, welche sein Jahrmillionen auf dieser Erde herumkrabbeln. Selbst nach den Atombombenversuchen der Amerikaner in Los Alamos und der Franzosen auf den Bikini-Atollen stellten anschließende Untersuchungen fest, dass die Krabbler und andere Insekten die Strahlung hervorragend weggesteckt haben. Nach einem – hoffentlich nie stattfindenden  – Atomkrieg wären sie die nächste beherrschende Spezies auf der Erde.

Fazit: Ich habe schon lange nicht mehr so viel Schrott gelesen. Das war entweder gar nicht oder schlecht recherchiert. Herr Lukas kennt weder die Technologie des Perryversums oder er ignoriert sie einfach. Er hat keine Ahnung von Geheimdienstarbeit und von Biologie, geschweige denn von (zugegebenermaßen noch nicht entdeckter) Exobiologie. Soll das Kabarett gewesen sein oder Wiener Humor? Oder hat er beim Heurigen zu lange ins Weinglas geguckt? Ich hoffe nur, dass seine anderen Romane nicht dieses Niveau haben und dies ein einmaliger Ausrutscher war. Perry Rhodan musste sich als Serie auch jahrzehntelang aus dem Etikett Schundhefte und Trivialliteratur herausarbeiten. Nun besteht die Gefahr, dass die nicht umsonst weltgrößte SF-Serie wieder an Ansehen verliert.

Werner Karl (2007)

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Die Galaktischen Mediziner

Comments

  1. Hoffentlich wird das „Galaktische Schwert“ dich nicht treffen, Werner Karl! 😉

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