Das grüne Rollo

Heinrich Steinfest
Das grüne Rollo

München: Piper Verlag 2015
Piper Hardcover
Phantastik
ISBN 978-3-492-05661-8
288 Seiten
Umschlaggestaltung und -motiv: Rothfos & Gabler, Hamburg
Autorenfoto: Christian Hass

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Theo März, Jahrgang 2000, ist 10 Jahre alt, als sich an seinem heimischen Kinderzimmerfenster plötzlich ein flaschengrünes Rollo materialisiert. Immer spät abends um 23 Uhr 02 erscheint dieses auf fast übernatürliche Weise, obwohl seine Eltern ausdrückliche Verächter von Fensterverhüllungen sind. Schnell erkennt der Junge, dass er durch dieses Rollo in eine geheimnisvolle Welt hinein sehen kann, in der seltsame Männer mit Ferngläsern vor den Augen ihn beobachten. Jedoch nicht nur alleine ihn, sondern auch ein kleines Mädchen, welches mit einem Strick um den Hals auf einem Laufband um sein Leben läuft.

Zum Glück kann Theo diese grüne Welt betreten, indem er, wie durch grünes Gelee driftend, sich vorher in das Rollo hinein stürzt. Mit Hilfe eines geheimnisvollen Mannes schafft es der Junge, das Mädchen zu befreien und, beim zweiten Anlauf, sogar mit in seine Welt zu nehmen. Zu seinem großen Erstaunen wird sie in seiner Realität aber nur als seine kleine Schwester wahrgenommen, die schon seit 9 Jahren zur Familie gehört. Inklusive eigenem Zimmer und allem anderen. Theo schafft es, das Rollo scheinbar für immer zu entsorgen, indem er es seiner Tante mitgibt und diese bittet, es zu vernichten. Vierzig Jahre später ist Theo März ein bekannter Raumfahrer und fünffacher Vater, der an einer Expedition zum Mars teilnehmen soll. Da die ersten beiden Ehen geschieden sind und die fünf Söhne aus der ersten Ehe mittlerweile zwischen 15 und 19 Jahren alt sind, beschließt er, am Flug zum roten Planeten teil zu nehmen.

Auf der Reise durch den Weltraum erfährt er dann, dass seine jüngere Schwester spurlos verschwunden ist. Kurz danach wird er wieder mit dem grünen Rollo konfrontiert, welches urplötzlich vor dem einzigen Fenster des Raumfahrzeugs hängt. Theo beschließt, sich wieder in die grüne Welt zu begeben, denn nur hierhin kann seine Schwester verschleppt worden sein. Oder steckt etwas ganz anderes hinter den mysteriösen Vorgängen um diese grüne Welt? Was zuerst wie die Reise in eine psychotische Welt klingt, wird vom Autor im allerletzten kurzen Kapitel des Romans dann doch noch einigermaßen plausibel erklärt.

VORSICHT! IM FOLGENDEN ABSATZ KÖNNTE EIN SPOILER FOLGEN FÜR ALLE GENREKUNDIGEN:
Zwar gab es Bücher und Filme zu diesem oder einem ähnlichen Thema bereits häufiger (z. B. Iain Banks Die Brücke oder den wunderbaren Roman Im Limbus von Christopher Evans, zudem natürlich Filme wie Reeker, Dead End, Triangle oder Sublime). Jedoch gelingt es dem Autor diesen Plot wirklich bis zum Ende der Geschichte für sich zu behalten, ihn nirgendwo anzudeuten. Die konstruierten Welten sind faszinierend, kongruent und überaus erlebenswert. Zudem unterstreicht der Autor Theos Eintritt in die grüne Welt und seinen dortigen Aufenthalt durch grüne Buchstaben, was einen netten optischen Effekt ergibt.

Zwar hätte man sich an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Handlung und vor allem etwas mehr Atmosphäre durch weitere skurrile Ideen Heinrich Steinfests´ gewünscht, trotzdem überzeugt das Buch durch den unaufgeregten Stil des Autors und die gediegene Erzählweise. Steinfests Stärke ist es zudem, auch unwichtigeren Romanfiguren durch nuancierte Beschreibungen Leben einzuhauchen. Theos Eltern, seine Frauen, seine Kinder und seine Geschwister werden durch wenige prägnante Beschreibungen lebendig, fast lebendiger als der Protagonist selbst, was aber natürlich bei dem Plot auch kein Wunder ist!

Insgesamt ist Heinrich Steinfest ein unterhaltsamer und intelligenter Phantastikroman gelungen ohne allzu evidente Schwächen, der freilich noch die eine oder andere Unze mehr Phantasie hätte vertragen können, vor allem, was die grüne Welt des Rollos anbetrifft!

Copyright © 2015 by Gunther Barnewald

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