Das Schiff, das nie hätte gebaut werden dürfen

Charlotte Erpenbeck (Hrsg.)
Das Schiff, das nie hätte gebaut werden dürfen

Originalausgabe = dt. Erstausgabe (Hardcover u. Taschenbuch): Oktober 2017 (Machandel Verlag)
156 S. (Hardcover)/175 S. (Taschenbuch)
Cover: sdecoret/3000ad/Triff/www.shutterstock.com
ISBN: 978-3-95959-065-5 (Hardcover)/978-3-95959-066-2 (Taschenbuch)

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Vier Kurzgeschichten (Detlef Schirrow, Sylvia Werth, Gerd Münscher, Roselinde Dombach) und eine Novelle (Tobias Habenicht) beinhaltet die vorliegende Anthologie, die zweifellos eine der besten SF-Storysammlungen der letzten Jahre ist, obwohl die enthaltenen Geschichten von Autoren stammen, deren Namen kaum bekannt sein dürften. Aber die Herausgeberin Charlotte Erpenbeck hat es geschafft, hier vier Kurzgeschichten und eine Novelle zu vereinen, die sowohl inhaltlich überzeugen, als auch sehr gut zu lesen sind.

Thematischer Aufhänger der Anthologie scheinen berühmte Märchen gewesen zu sein, welche den Autoren als Inspiration für ihre Erzählungen gedient haben. So verwenden sowohl Detlef Schirrow als auch Tobias Habenicht das berühmte Märchen Die Geschichte von dem Gespensterschiff von Wilhelm Hauff als Ideenquelle, und beiden (vor allem jedoch Habenicht) gelingen dadurch wunderbar gruselige Sujets und extrem spannende Geschichten, die sich auch noch deutlich voneinander unterscheiden.

Während Sylvia Werth schon im Titel bekennt, dass sie sich Hans Christian Andersens Märchen Das Feuerzeug zur Grundlage genommen hat, dient das Märchen Däumelinchen des gleichen Dichters auch Roselinde Dombach als titelgebende Quelle. Gerd Münscher bedient sich wiederum bei den Märchen aus 1001 Nacht und holt sich Anleihen bei Aladin und die Wunderlampe.

Wie grandios man diese Grundideen umsetzen kann, zeigen vor allem Habenicht mit seiner überragenden Novelle, die der Anthologie auch den Titel gab, und Gerd Münscher mit der Kurzgeschichte „Space-Dschin“.

Doch nun zu den einzelnen Erzählungen:

1) In „Das Geisterraumschiff“ von Detlef Schirrow müssen sich zwei schiffbrüchige Raumfahrer auf ein längst verschollenes Raumschiff retten. Nach der Rückkehr des einen Raumfahrers zur Erde wird dieser von Mitarbeitern der Weltraumbehörde sehr kritisch befragt, ihm und seinem Mitüberlebenden werden unlautere Machenschaften vorgeworfen, denn eigentlich hätten die beiden die lange Wartezeit bis zu ihrer Rettung gar nicht überleben können. Doch die zwei hatten da was ausbaldowert …

Schirrow verwendet hier eine alte Idee des Genres noch einmal in einem neuen Gewand und überzeugt so schon mit der ersten Geschichte auch skeptische SF-Leser, die sich gut im Genre gut auskennen.

2) Danach stürzt eine Außerirdische auf einer Erde zur Zeit des Mittelalters ab. Dank ihrer modernen Technik kann sie einen Hiesigen für sich instrumentalisieren, bis dieser rebelliert und die ganze Beute für sich will. Da hat er sich aber geschnitten…

Sylvia Werth hat für „Das Feuerzeug reloaded“ noch mal ganz intensiv bei Andersen nachgelesen und doch einiges wohltuend verändert. Keine überragende Geschichte, oft zu unkonkret, aber insgesamt doch amüsant zu lesen.

3) Ein Raumfahrer, weit weg von Zuhause und am Ende seiner Vorräte, trifft im All auf eine Art golden schimmerndes Ei, welches sich als hochintelligente und sehr komplexe Alien-Technologie entpuppt, die nicht feindselig ist, sondern stattdessen nach einer Aufgabe für sich in der Einsamkeit sucht. Diesem „Es“ kann geholfen werden …

Gerd Münscher schafft es, eine durch und durch positive Geschichte zu erzählen, welche durch den Kontakt eines Menschen mit fortschrittlicher Alien-Technik nicht zu Desaster und Katastrophe führt, sondern tatsächlich zu einer vorteilhaften Situation für beide Seiten.

4) “Das Däumelinchen-Experiment“ von Roselinde Dombach berichtet von einem begnadeten Biowissenschaftler, der für seine verwöhnte und gebärunwillige Frau ein künstliches Kind im Alter zwischen Kind und Teenie erschafft. Doch leider will die freche Kleine nicht so wie ihre wenig empathischen Eltern …

Keine Neuerfindung des Genres, aber in ihrer Erzählweise sehr gelungen, unterhaltsam und stringent; eine süffisante Kurzgeschichte.

5) Nach der Havarie und der völligen Zerstörung ihres eigenen Raumschiffes gelingt es zwei Überlebenden in einer Raumkapsel an Bord eines legendären Geisterschiffs zu gehen, welches schon seit Hunderten von Jahren in diesem Asteroidengebiet kreist. Hier an Bord erfahren sie so nach und nach, welches schreckliche Geschehen sich hier dereinst abspielte. Und da das Schiff mit Holo-Projektoren ausgestattet ist, werden sie auch der gruseligen Vorkommnisse ansichtig und können durch die gespeicherten Dialoge hören, wie sich alles ereignete. Ihnen erschließt sich bald ein ebenso phantastisches wie erschreckendes Szenario einer wahrhaft grausigen Katastrophe …

Die titelgebende Novelle von Tobias Habenicht ist mit knapp 80 Seiten nicht nur der Hecht im Karpfenteich, sondern auch inhaltlich ein echtes Schmankerl und literarisches Highlight. Wer den Spielfilm Event Horizon mochte, der wird auch hier voll auf seine Kosten kommen, denn die Geschichte ist nicht nur durchgängig hochspannend und genial konstruiert, sie kann auch atmosphärisch mit den besten Werken des SF-Horror-Genres mithalten. Schon alleine diese Novelle lohnt den Kauf der Anthologie, die als günstige Taschenbuch- und Hardcoverversion angeboten wird.

Dazu kommen noch diverse, mal mehr, mal weniger gelungene Illustrationen in beiden Publikationen (Auch das Taschenbuch enthält Illustrationen). Nur der manchmal etwas verschobene Satz des Taschenbuchs und die nicht mehr stimmenden Seitenzahlen der einzelnen Geschichten im Inhaltsverzeichnis trüben den ansonsten hervorragenden Eindruck des Taschenbuchs etwas.

Dennoch eine bestrickende Zusammenstellung, für die man der Herausgeberin Erpenbeck gratulieren muss, für jeden SF-Fan eine absolut empfehlenswerte Lektüre und definitiv eine fulminante Sammlung von deutschen SF-Erzählungen; eine der besten der letzten Jahre!

Copyright © 2018 by Gunther Barnewald

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