Pandaimonion 7: Tod

Anja Labussek, Olaf Trint
Pandaimonion 7: Tod

Wurdack Taschenbuch
Umfang: 144 Seiten
ISBN 9783938065174 (sfbentry)
Erstveröffentlichung 2006
Genres: Phantastik

Die siebte Ausgabe der PANDAIMONION-Reihe des Wurdack Verlags widmet sich einem klassischen Thema der phantastischen Literatur. dem Tod. Natürlich sterben auch in anderen Genres Menschen, doch die Science Fiction und die Fantasy, vor allem aber der Horror und alles andere, was nicht in diese Raster passt, bieten gänzlich andere Möglichkeiten als der Mainstream. Wissen die knapp 30 Kurzgeschichten (unter denen einige Ein- bzw. Zweiseiter sind) des Bandes diese Optionen zu nutzen oder verharren sie in den Bahnen ihres Genres?

Wer die Bücher aus dem Wurdack Verlag bereits nur teilweise kennt, wird dieser Frage mit einem gewissen Optimismus begegnen. Eine gewisse Parallelität der Plots ist aber zu registrieren. So verwenden sowohl „Haus am See“ von M. H. Heyen und „Das Haus der Träume“ von Bernhard Weißenbecker das Motiv des geheimnisvollen Hauses, das den Protagonisten in seinen Bann zieht. Immerhin sind die Plots darüber hinaus nicht identisch. Bernhard Weißenbecker versucht wie viele seiner Mitautorinnen und –autoren der klassischen Phantastik nicht nur dadurch nachzueifern, indem er seine Story in der Vergangenheit spielen lässt, sondern passt sich auch stilistisch erfolgreich den Autoren früherer Jahrhunderte an.

Auch „Senta“ von Nadine Muriel und „Anna“ von Andreas Flögel verwenden denselben Plot, worauf die Verwendung von Frauennamen als Storytitel bereits hindeutet. Die Frau bzw. die Geliebte der Protagonisten kehrt nach ihrem Tod zurück. Allerdings ist auch bei diesen beiden Kurzgeschichten der weitere Handlungsverlauf nicht identisch. „Senta“ ist jedoch eindringlicher und wartet auch mit einer Art von Happyend für den Protagonisten auf.

Die besten Stories der Sammlung sind die, die sich dem Thema auf ironischen Wegen nähern. So „Der Job“ von Marion Feiler, in der ein Kettenbriefsystem diejenigen bestimmt, die in naher Zukunft sterben sollen, natürlich unter der Berücksichtigung der typischen Eigenschaften eines Kettenbriefes. In „Links von der Apokalypse“ von Birgit Erwin sind die vier apokalyptischen Reiter gemeinsam unterwegs. Den Sticheleien seiner Wegbegleiter zum Trotz lässt sich der Tod darauf ein, an die Stelle einer Sterbenden zu treten, um ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen. „Finale“ von Wulf Dorn schildert eine Trauerfeier und ein Begräbnis, und zwar aus der Sicht des Toten: die Familiengeheimnisse, die ihm am offenbart werden, die Langeweile des geschlossenen Sarges, das Bohren der Würmer…

Aber ein halbes Dutzend Kurzgeschichten sind auch abseits der Ironie zu den herausragenden Texten in PANDAIMONION 7 zu zählen. Claudia Hornung führt in „Wächters Geheimnis“ eine Reporterin auf einen Friedhof, auf dem sie ihr alter Interviewpartner in die Entstehung seines erotischen Buches einweiht. Die „Zahlmeisterin“ von Michael Erle ist einerseits eine Versicherungssachbearbeiterin, die einen Verkehrsunfall aufklären soll, andererseits aber auch – ja, genau. „Wie viele Tage passen in ein Leben?“ fragt Andrea Tillmanns, variiert das Unsterblichkeitsmotiv und deutet an, welche Probleme psychischer und physischer Natur durch Langlebigkeit entstehen können.

„Die Einladung“ von Armin Rößler ist eine Hommage an die klassische Erzählungen der Phantastik. Der Protagonist besucht einen Bekannten, einen Grafen, der sich zunächst vor ihm verbirgt, lernt seine später seine geheimnisvolle Frau und die nicht minder rätselhaften Experimente im Keller des Anwesens kennen. „Die Liebe der Toten“ von Thomas Kohlschmidt verursacht unter den Lebenden Katastrophen. In „Blätterfall“ von Heidrun Jänchen kann und muss der Leser selbst entscheiden, ob er die erschütternde Geschichte der Protagonistin für wahr hält, nämlich sechsmal gestorben und in das Leben zurückgekehrt zu sein.

Die übrigen Stories sind inhaltlich weniger interessant, dennoch vielfältig und lesenswert, da das erzählerische Niveau der Sammlung durchweg sehr hoch ist. Deplaziert wirkt nur „Ihr Erwachen“ von Niels-Arne Münch, die kryptisch und fantasyhaft ist. Die Frage nach dem Sinn der Ein- und Zweiseiter drängt sich außerdem auf. Oft sind es eher Impressionen als Kurzgeschichten. Alles in allem ist PANDAIMONION 7 jedoch ausgesprochen empfehlenswert.

Copyright (C) 2006 by Armin Möhle

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