Besser leben mit dem Tod oder Wie ich lernte Abschied zu nehmen

Susanne Jung
Besser leben mit dem Tod
oder Wie ich lernte Abschied zu nehmen

Klett-Cotta
ISBN 978-3-608-94745-8
Sachbuch
Erschienen: 2013
Schutzumschlag: Rothfos & Gabler, Berlin
Druck und Bindung: Pustet, Regensburg
Umfang: 256 Seiten, gebundenes Buch mit Schutzumschlag
In Zusammenarbeit mit Nataly Bleuel

www.klett-cotta.de
www.susanne-jung-bestattung.de

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Zur Autorin:

Susanne Jung war Vergoldemeis¬terin, ist um die Welt gereist und dann Bestatterin geworden. Weil sie vor dem Tod nicht mehr wegrennen wollte. Der war ihr zum ¬ersten Mal begegnet, als ihre Mutter starb, da war sie 19. Über ehrenamtliche Arbeit als Sterbebegleiterin kam sie zum ersten Mal in ein Bestattungsinstitut. Seitdem hat sie an die 800 Tote bestattet und sie sagt, sie habe in ihrem Leben nie so zufrieden gelebt. Sie lebt für ihren ungewöhnlichen Beruf, rund um die Uhr.

Zum Buch:

“Wer Verluste nicht in sein Leben integrieren kann, wird nicht wachsen, wird auch selbst unter Angst und Unfreiheit leiden. Ein guter Umgang mit dem Tod bezieht sich also aufs ganze Leben, auf unseren Umgang mit Trennungen und ¬Verlusten. Und wer im Leben mit sich, seiner ¬Familie und seinen Mitmenschen im Reinen ist, der kann auch besser in den Tod gehen. Oder andere gehen lassen.“

Susanne Jung erzählt aus ihrem eigenen Leben, in welchen sie selbst schon früh mit dem Tod der Mutter konfrontiert wurde. Und hiermit eine Serie der Begegnungen mit dem Tod beginnt. Sie erfährt weitere Verluste in der Familie und beschließt nach einer Lehre zur Vergolderin und ihrer Tätigkeit als Sterbebegleiterin sich für ein Bestattungsinstitut zu bewerben. Ihrem Vater zu gestehen, welchen Job sie ergriffen hat, ist ihr zunächst peinlich. Nach einiger Zeit macht sie sich selbstständig und versteht ihren Beruf nicht nur als Organisatorin einer Bestattung, sondern insbesondere als vertrauensvolle Begleitung vom ersten Moment bis zur eigentlichen Verabschiedung. Hierbei begegnet sie unterschiedlichen Menschen, von denen sie in ihrem Buch berichtet. Verschiedene Reaktionen, den Tod zu verarbeiten, junge und alte Menschen, Erlösendes und Trauriges. Doch alle Erzählungen haben eins gemeinsam: sie sind liebevoll. Und dies macht das Buch aus. Man verliert ein wenig den Schrecken vor dem Tod, denn er gehört zum Leben dazu. Auch wenn der Zeitpunkt nicht immer fair ist. Alle Geschichten sind mit einer kleinen Überschrift betitelt und geben einen kurzen Einblick in den Umgang mit dem oder der Verstorbenen.

Fazit:

Das Buch von Susanne Jung war für mich sehr interessant und aufschlussreich. Schon immer habe ich mich gefragt, was jemanden bewegt, Bestatter zu werden. Die meisten Menschen können mit diesem Beruf sicher nicht viel anfangen, meist hört man aussagen wie „Einer muss es ja machen“ oder „ Ein Beruf, bei welchem man nicht arbeitslos wird“. Warum man ihn aus Überzeugung macht, versteht vermutlich niemand. Nach diesem Buch kann ich es schon verstehen. Susanne Jung bezeichnet sich selber als eine Begleiterin der Hinterbliebenen. Und dies kommt in ihren Erzählungen sehr gut heraus. Sie vermittelt mir mit ihren schon fast schönen Geschichten über die Verstorbenen Menschen und ihren Freunden oder Familie, dass der Tod kein Tabuthema ist und natürlich zum Leben dazu gehört. Sie ist Bestatterin, Seelsorgerin und Organisatorin auf eine so verständnisvolle und ruhende Weise, dass man schon fast traurig sein kann, dass Berlin nicht in der Nähe liegt, falls man mal eine außergewöhnliche Begleiterin nach dem Tod eines lieben Menschen braucht.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Für Leser, die neugierig sind und ein wenig die Furcht vor dem Tod verlieren möchten. Emotionale und sensible Geschichten, die mich sehr bewegt haben. Vielen Dank für den Einblick in ein Grauzonenthema jenseits von den üblichen Abläufen und dem Verdrängungsthema Tod!

Copyright © 2013 by Sandra Stockem

… und noch eine Rezi zum Titel:

Obwohl er unabdingbar zum Leben dazugehört, befassen sich die Wenigsten von uns ernsthaft mit dem Tod. Er wird tabuisiert und verdrängt, obwohl er uns ohne Ausnahme bevorsteht. Vermutlich einer der Gründe, warum er die Hinterbliebenen immer wieder besonders schmerzhaft trifft und so manchen aus der Bahn wirft.

Susanne Jung schreibt über den Tod und das Thema Abschied nehmen. Der Schutzumschlag des Buches ist schlicht gehalten. Er zeigt ein weißes Kissen auf weißem Grund, eine einzelne rote Rose. Friedlich und liebevoll wirkt dieses bescheidene Motiv und steht damit eigentlich im krassen Kontrast zum Thema an sich. Immerhin wird durch den Tod eine Person aus unserem Leben gerissen; für so manchen bricht dadurch eine Welt zusammen. Andere sind erleichtert, weil eventuell ein langer Leidensweg beendet wurde. Doch egal ob so oder so, ohne einen adäquaten Abschied fällt die eigentliche Trauerarbeit schwer. Ohne Akzeptanz ist sie unmöglich.

Ebenso schlicht wie das Umschlagmotiv ist der Schreibstil der Autorin. Das allerdings nur im Sinne von sehr gut nachvollziehbar, denn tatsächlich vermittelt Susanne Jung den Inhalt ihres Buches auf niveauvolle Art. Sie gestaltet ihn sehr praxisbezogen. Nicht unbedingt philosophisch-theologisch, dafür aber ebenso anrührend wie achtungsvoll, verständnisvoll wie kritisch. Denn die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Nicht nur, weil sie selbst mehr als einen schmerzhaften Verlust erlitt. Auch weil sie einen Beruf ausübt, der nicht ganz gewöhnlich ist. Ursprünglich lernte sie, wie man Bilderrahmen vergoldet. Über eine ehrenamtliche Sterbebegleitung kam sie im Laufe der Jahre jedoch in ein Bestattungsinstitut. Was sie dort erlebte, war nicht das, was sie sich unter einem würdigen Abschied vorstellte. Und so machte sie sich einige Jahre danach als Bestatterin selbstständig.

Von ihren eigenen Erfahrungen mit den Themen Sterben und Abschied, über ihren Umgang damit, erfahren LeserInnen eingangs des Buches. Offen erzählt Jung von Erlebnissen und Verlusten, jahrelanger Verdrängung und Trauerbewältigung. Nach ihren Ausführungen dazu, wie sie Bestatterin wurde, widmet sie sich dann Todesfällen, die andere erlebt haben. Sie schreibt vom Abschied von einem Kind, das nie leben durfte. Von einem Jugendlichen, der sich das Leben nahm. Von einem Mann, der durch seinen letzten Willen seiner Witwe fast die Möglichkeit zum Abschiednehmen nahm. Von einem Witwer, der innerlich mit seiner Frau starb. Von einer Organspenderin. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Jungs Erfahrungsschatz, der mittlerweile über 800 Bestattungen umfasst, die aber natürlich nicht alle in dem Buch erwähnt werden. Was jedoch erwähnt wird, sind bürokratische Hürden, die es nicht nur im Rahmen individuell gestalteter Bestattungen zu nehmen gilt. Unaussprechliches, das ausgesprochen werden sollte. Gefühle, die zugelassen werden sollten. Und Jungs Wünsche für Veränderungen der hierzulande geläufigen Sterbe- und Bestattungskultur.

Einfühlsam geht sie auf den Unterschied zwischen Verstorbenen und Toten ein. Das mag für den einen oder anderen seltsam klingen. Dass es ihn tatsächlich gibt, weiß ich jedoch aus eigener Erfahrung und kann nur bejahen, was die Autorin dazu schreibt. Ihre Überlegungen, warum der Tod in den letzten Jahrzehnten dermaßen distanziert in Angriff genommen und zunehmend tabuisiert wurde, sind nachvollziehbar logisch. Jung hebt hervor, wie wichtig es ist, die Möglichkeit für einen bewussten Abschied anzubieten, unterstreicht aber auch die Bedeutsamkeit, diese Möglichkeiten als Betroffener zu nutzen. Ihre Anschauung des Lebens und (untrennbar damit verbunden) des Lebensendes vermittelt sie, trotz der Omnipräsenz des Todes, ebenso sensibel wie sachlich und durch alle kurzen Kapitel hindurch durchweg lebendig. Empathisch und unaufgeregt offenbart sich so Stück für Stück eine versöhnliche Fürsprache für ihn, mehr jedoch noch für das bewusste Leben.

Fazit:

Besser leben mit dem Tod oder Wie ich lernte Abschied zu nehmen ist ein sehr persönliches Buch, das ich gerne weiterempfehle und für das ich die volle Punktzahl vergebe. Es wirkt tröstlich und informativ. Nicht nur für diejenigen, die gerade selbst einen Todesfall beklagen, sondern auch für jene, die sich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen. Dass Susanne Jung tatsächlich mehr als eine konventionelle Bestatterin ist, durfte ich beim Abschied eines Freundes erleben. So sensibel, wie sie dabei die Hinterbliebenen begleitete und tröstete, so vermittelt sie in ihrem Buch tatsächlich, dass Abschied nehmen gelernt sein will und man besser lebt, wenn man den Tod nicht verdrängt – einfach weil er zu unserem Leben gehört.

Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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