Das unbekannte Universum – Raum, Zeit und die moderne Kosmologie

(sfbentry)
Stuart Clark
Das unbekannte Universum – Raum, Zeit und die moderne Kosmologie

The unknown Universe (2015)
Springer-Verlag Berlin Heidelberg
ISBN: 978-3-662-54895-0
Sachbuch
1. Auflage August 2017
Aus dem Englischen von Bernhard Gerl
XXIII, 327 Seiten; 190 x 128 mm
Softcover

www.springer.com/de

Stuart Clark zählt zu den bekanntesten englischen Wissenschaftspublizisten im Bereich der Astronomie. Der promovierte Astrophysiker ist Fellow der britischen Royal Astronomical Society, Autor des Guardian-Blogs „Across the Universe“ und Korrespondent des New Scientist. Er hat zahlreiche Sachbücher veröffentlicht, darunter das mehrfach ausgezeichnete The Sun Kings und die ebenfalls bei Springer erschienenen Titel Kosmische Reise und Die großen Fragen – Universum.
(Quelle: Springer-Verlag)

Der Aufbau und die Entwicklung des Universums ist das, womit sich Kosmologen seit jeher beschäftigen. So gab es zu Zeiten der griechischen Philosophen beispielsweise Überlegungen, wie durchsichtige regelmäßige Körper, die die Erde umhüllen, die Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten vor einem weitgehend fixen und (aus heutiger Sicht sehr nahen) Sternenhintergrund bestimmten. Im Laufe der Wissenschaftsgeschichte wandelte sich mit immer wieder neuen Erkenntnissen und Techniken, auch aus anderen Bereichen der Physik, ein ums andere Mal das Bild unseres Universums. Wie sich die großen Strukturen aus Galaxien und Galaxien-Clustern gebildet haben oder wie die Zukunft des Universums aussieht, gehören zu den großen Fragen der Kosmologie. Als entscheidend zur Beantwortung dieser Fragen, so der der Autor Stuart Clark, haben sich dabei die Bestimmung von Materie- und Dichteverteilung im Universum herauskristallisiert. Den Weg, den die Forscher auf der Suche danach bislang verfolgt haben, beschreibt er als eines der zentralen Themen im vorliegenden Buch Das unbekannte Universum – Raum, Zeit und die moderne Kosmologie.

Stuart Clark nimmt Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in die Wissenschaftshistorie, erzählt anhand verschiedener Themen, die den Komplex der modernen Kosmologie umfassen, wie Technologien und Erkenntnisse – oftmals unter dem Einfluss des Zufalls – entdeckt wurden, wie sich dadurch das Bild unserer Welt entwickelte und unser heutiges Verständnis von kosmischen Zusammenhängen prägte.

Inhalt:
1. Der Architekt des Universums
2. Selenes Geheimnisse
3. Im Schmelztiegel der Gravitation
4. Sternenzoo
5. Löcher im Universum
6. Der üppige Himmelsgarten
7. Hell-Dunkel-Malerei
8. Der Tag ohne Gestern
9. Raumzeitlandschaften und Multiversen
10. Rettung aus den Klauen der Singularität
Weiterführende Literatur
Sachverzeichnis

Dass dieser Weg alles andere als stringent oder gut gepflastert war und ist, wird von Kapitel zu Kapitel klarer. Und auch, dass es kaum eine Physik affine Wissenschaft gibt, die so sehr mit anderen Gebieten der Physik verzahnt ist, wie die Kosmologie. Dementsprechend reichen die Bereiche, mit denen sich der Autor beschäftigt von der Kern- und Atomphysik, über die Astronomie und Astrophysik bis hin zur Relativitätstheorie und anderen Theorien, die Dunkle Materie oder Dunkle Energie zu erklären versuchen.

Wie oft dieser gewundene Pfad der Forschung auch immer wieder in Sackgassen mündet oder zu falschen Hypothesen inspiriert, kann man u.a. im fünften Kapitel (Löcher im Universum) verfolgen. Es handelt von der Theorie der Gravitation, von Schwarzen Löchern und auch den Grenzen von Einsteins Relativitätstheorie. 1989 startete die Raumsonde Galileo zur Erforschung des Planeten Jupiter. Wie wunderten sich die Forscher und Ingenieure, als die Auswertung ihrer Bahndaten eine Abweichung von den errechneten Werten ergab: die so genannte Fly-by-Anomalie war entdeckt. Die Frage stand nun im Raum, ob man es mit einem unbekannten Effekt zu tun hatte, dem womöglich eine neue Physik zugrunde lag. Da man dieses „Experiment“ nicht mal schnell mit anderen Raumsonden wiederholen konnte, dauerte es etliche Jahre, bis man der Lösung des Rätsel auf die Spur kam. Ein spannendes und lehrreiches Stück Wissenschaftsgeschichte.

Dass der promovierte Astrophysiker Stuart Clark insbesondere als Wissenschaftspublizist bekannt ist und als solcher viel Erfahrung im Umgang mit verständlichen Beschreibungen sammeln konnte, kommt vor allem jenen Lesern zugute, die Astrophysik auf einer populärwissenschaftlichen Ebene verfolgen. (Zum Beispiel findet man im fünften Kapitel Löcher im Universum eine herrlich bildhafte und im besten Sinne populäre Beschreibung der Vorgänge, die sich während einer Supernova abspielen.) Seine Texte sind kurzweilig, amüsant, informativ, trotzdem leicht verständlich und zeugen von einer soliden Kenntnis der Materie. Ohne Bilder, ohne Grafiken und – was in diesem Kontext besonders erwähnenswert ist – ohne Formeln ist Das unbekannte Universum – Raum, Zeit und die moderne Kosmologie ein Lesebuch, das lehrreich ist, aber nicht belehrend – und Spaß macht. Den Ausdruck E=mc2, der im Buch tatsächlich auftaucht, kann man in diesem Fall guten Gewissens als Kulturgut bezeichnen und nicht als Formel.

Für Printausgaben im Allgemeinen hat der Rezensent dieser Zeilen zugegebenermaßen ein besonderes Faible und das nicht nur wegen ihrer individuellen und meist unterschiedlichen Haptik. Auch das schnelle Durchblättern zum Suchen ist mir in Fleisch und Blut übergegangen und weder leicht und noch weniger gern abzulegen. Aber das nur am Rande, denn unbestreitbar hat das Schmökern via eBook-Reader einige Vorteile, besonders wenn es sich um reinen Text ohne Bilder oder Grafiken handelt. Da das bei diesem Buch der Fall ist, wird es Liebhaber von eBooks freuen, dass beim Erwerb der Softcover-Ausgabe das eBook enthalten ist.

Copyright © 2018 by Michael Bahner

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