Denken wie ein Neandertaler

Thomas Wynn & Frederick L. Coolidge
Denken wie ein Neandertaler

How To Think Like A Neandertal, GB, 2012
Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt/Main, 04/2013
HC, Sachbuch
Archäologie/Paläontologie
ISBN 978-3-8053-4604-7
Aus dem Englischen von Cornelius Hartz
Titelgestaltung von Katja Holst, Frankfurt am Main unter Verwendung von
„Kopf eines Neandertalers“ von Nick Hewetson; „Die Evolution des Menschen“ von akg/Johann Brandstetter
Abbildungen im Innenteil aus verschiedenen Quellen

www.zabern.de
www.uccs.edu/anthro/faculty/thomas-wynn.html
www.uccs.edu/psych/people/faculty/fred-coolidge.html

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Das Interesse an den Neandertalern ist groß: Wer waren sie? Warum starben sie plötzlich aus? Wurden sie vom Cro Magnon verdrängt? Finden sich noch Spuren von ihnen in den heute lebenden Menschen? Leider kann die Wissenschaft all diese Fragen nicht zufriedenstellend beantworten. Es gibt zu wenig Funde, mit denen die Theorien bewiesen werden können, so dass nach wie vor unterschiedliche Annahmen kursieren, auch wenn einige Vermutungen dank neuester Entdeckungen bereits widerlegt werden konnten. Thomas Wynn und Frederick L. Coolidge stützen ihre Annahmen auf den aktuellen Stand der Forschungen und auf die Untersuchungsmethoden verwandter Gebiete. Viele ihrer Behauptungen werden von logischen Überlegungen und den Schlussfolgerungen daraus getragen. Dazu stehen sie auch, weil es nach wie vor an definitiven Beweisen mangelt.

In ihrem Buch „Denken wie ein Neandertaler“ gehen die Autoren systematisch vor, indem sie seine Lebensumstände, seinen Körperbau, seine Technik, das Vorgehen bei der Jagd, seinen Speisezettel usw. beschreiben. Daraus leiten sie sehr interessante Resultate her, die es erlauben, den Neandertaler als einen frühen Menschen zu sehen, der nicht klüger oder dümmer als der moderne Mensch war, sondern bloß ganz andere Stärken und Schwächen hatte – Stärken, die ihm das Überleben in einer eiszeitlichen Umwelt voller Gefahren ermöglichten, aber Schwächen, die offenbar zu seinem Aussterben führten.

Beispielsweise fanden die Autoren heraus, dass der Neandertaler sehr kräftig, robust und schmerzunempfindlich war, so dass er noch mit schweren Verletzungen mobil blieb. Auch kümmerte man sich innerhalb der Gruppe umeinander, was auf soziale Beziehungen schließen lässt. Sie waren fähig, Stichwaffen zu konstruieren und Steinspitzen an Holzstöcken zu befestigen. Was dem Neandertaler im Gegensatz zum modernen Menschen fehlte, ist die Anpassungsfähigkeit, da sein Denken in anderen Bahnen verlief. Es gibt auch keine Höhlenmalereien oder andere Anhaltspunkte, die darauf schließen lassen, dass er über ein Leben danach nachgedacht oder an übergeordnete Mächte geglaubt hat. Dennoch würde sich der Neandertaler auch in der Gegenwart behaupten können und in bestimmten Berufsgruppen sehr erfolgreich sein.

Das alles wird sachlich, aber nicht trocken, anschaulich, aber auch methodisch vorgetragen. Nur selten lockern Abbildungen die Texte auf. Am Ende findet man ein Glossar, so dass man Fachtermini nachschlagen kann, ein Stichwortregister und eine ausführliche Bibliografie mit weiterführenden Büchern. Interessiert man sich für das Thema und den aktuellen Stand der Forschung, liefert „Denken wie ein Neandertaler“ viele spannende und informative Ausführungen, die weitere Spekulationen zulassen. Dank des relativ lockeren Tons und der systematischen Aufbereitung stellt der Titel auch für Laien eine nachvollziehbare Lektüre dar.

Copyright © 2013 by Salzmann, Irene (IS)

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