Elefanten im All – Unser Platz im Universum

Ben Moore
Elefanten im All – Unser Platz im Universum

Originaltitel: Our Place in Time and Space. The Past, Present and Future of Life and the Universe
Verlag: Kein & Aber
ISBN: 978-3-0369-5622-0
Genre: Sachbuch
Erschienen: 1. Aufl. 08.2012
Übersetzer: Friedrich Griese und Monika Niehaus
Illustratorin: Katharina Blansjaar
Umfang: 384 S. – 18,5 x 11,6 cm; B: Einband – fest (Hardcover)

www.keinundaber.ch

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Der Autor

Ben Moore (1966) ist seit 2002 Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. Unter seinem Künstlernamen Professor Moore spielt er Gitarre in der Elektro-Rockband MILK67 und arbeitet momentan an einem Soloalbum. Für die Zürcher Street Parade 2010 entwickelte er zusammen mit seinen Studenten ein Urknall-Lovemobile. Der Brite hat über 200 wissenschaftliche Abhandlungen zu Themen wie Ursprung der Planeten und Galaxien, Dunkle Materie und Dunkle Energie verfasst. Moores Forschungsgruppe simuliert das Universum mit speziell dafür hergestellten Supercomputern.
(Quelle: Kein & Aber)

Das Buch

“Elefanten im All” ist ein Buch über die Geschichte des Lebens und der Menschheit. Es ist auch ein Buch über die Geschichte und die Entwicklung des Universums und spürt überdies der Frage nach, wie sich der Mensch in diesen kosmischen Rahmen einfügt und wie es zugegangen ist, dass er durch die Evolution die Möglichkeit erlangt hat, all dies zu erkennen. Zugegeben, das sieht nach sehr viel Stoff und starkem Tobak aus. Ist es im Grunde genommen auch, allerdings verpackt in handliche Häppchen feiner Prosa, die leicht zu genießen und unbeschwerlich zu verdauen sind.

Zunächst wird dem Leser “Eine kurze Geschichte des menschlichen Wissens und Entdeckens” (Kapitel 1) erzählt, die vor drei Millionen Jahren beginnt, als sich unsere Vorfahren anschickten, aufrecht zu gehen und die erwartungsgemäß in der heutigen Zeit endet. Im zweiten Kapitel wird näher beleuchtet, wie die elementaren Größen Zeit und Entfernung zunächst im Laufe der Geschichte gemessen wurden und wie das heute geschieht. Dabei werden vor allem die Arten beschrieben, wie astronomische Entfernungen bestimmt werden können und wie die Messungen unterschiedlicher Entfernungsskalen aufeinander aufbauen. Nachdem er sich mit den Grundbegriffen der modernen Astronomie und Kosmologie vertraut gemacht hat, ist der Leser gerüstet für die Beschreibung des Urknalls, die im folgenden Kapitel präsentiert wird. Dabei geht es zunächst in winzigen, dann immer größer werdenden Schritten von null bis 380 000 Jahre nach dem Urknall, als das “dunkle Zeitalter” des Universums begann, die Zeit, bevor die ersten Sterne anfingen zu leuchten. Wie sich in der Folge Sterne, Planeten und Galaxien gebildet haben, erfahren wir im vierten Kapitel. Damit treten schließlich auch unsere Sonne und die Erde auf den Plan. Im Kapitel “Eines Tages …” umreißt der Autor zusammenfassend die Entwicklung des Universums, in dem er die vergangenen 13,7 Milliarden Jahre – die Zeit seit dem Urknall – in einen 24-Stunden-Tag presst.

Damit ist die Kosmologie vorerst abgehakt, und als nächstes steht das Leben auf dem Programm. Die folgenden Kapitel handeln vom Gehirn, seiner Funktionsweise, von unseren Sinnen, und sie berichten uns darüber, wie wir sie einsetzen, um die Welt um uns herum bewusst wahrzunehmen und uns Gedanken über all das machen zu können. Außerdem geht der Autor hier auch der Frage nach dem Leben an sich nach, welche Ausprägungen es hier auf der Erde gibt und welche an anderen Orten des Alls denkbar wären. Das Kapitel “Morgen” handelt von der Zukunft unserer unmittelbaren kosmischen Umgebung, der Entwicklung unserer Erde im Hinblick auf die Veränderungen, die unsere Sonne und unsere Milchstraße in nächsten paar Milliarden Jahren durchlaufen wird, und den Möglichkeiten, die für den Erhalt der Erde als Lebensraum während dieser Periode denkbar wären. Ben Moore versäumt auch an dieser Stelle nicht, darauf hinzuweisen, dass solche Anstrengungen nur bezwungen werden können, wenn die Menschheit sich selbst und die Erde bis dahin nicht zerstört hat. Weniger Selbstsucht und Gier und mehr Achtung vor unserer Umwelt und unseren Mitmenschen – wer möchte sich diesem Plädoyer schon entziehen? Was wird danach passieren, in den Billionen von Jahren, die folgen und wie sicher ist dieses Wissen? In den letzten Kapiteln beschreibt der Autor, wie das Universum in dieser fernen Zukunft aussehen wird und vermittelt Ideen, wie es möglich sein könnte, trotz fehlender Sterne, über längere Zeiten neue Energiereserven zu erschließen. Außerdem wird auch ausführlich diskutiert, welche Dinge es neben all diesen Erkenntnissen gibt, die wir nicht wissen.

Meine Meinung

Wie gesagt, Ben Moore schreibt locker und leicht und im besten Sinne prosaisch. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, ein Lehrbuch in Händen zu halten, was “Elefanten im All” natürlich auch nicht sein möchte. Trotzdem kann man eine ganze Menge lernen. Außer den Illustrationen zu Beginn jeden Kapitels enthält es weder Grafiken, noch Bilder und auch keine Formeln. Das kommt natürlich dem Lesefluss zugute, da sich der Leser nicht mit Bildverweisen abmühen muss oder gezwungen ist, ständig zwischen Bild und Text hin und her zu springen. Andererseits gibt es aber Beschreibungen, die anhand einer Grafik leichter hätten veranschaulicht werden können. Allerdings sind diese “Bilder in Prosa” nicht wirklich hemmend oder gar störend. Ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen rundet den sehr guten Gesamteindruck beinahe ab. Beinahe? Bei der Flut an Informationen hätte ich mir ein zusätzliches Sach- und Personenregister gewünscht.

Erwähnenswert sind auch die Anekdoten, mit denen die Kapitel beginnen: kleine Geschichten aus dem Leben des Autoren, zum Nachdenken, Staunen oder Schmunzeln. (Allerdings wurde mir nicht immer ein Zusammenhang mit dem nachfolgenden Kapitel klar.) Apropos Anekdoten: davon gibt es eine ganze Menge im Text, und sie tragen nicht unwesentlich dazu bei, schwierige oder unhandliche Themen aufzulockern und griffiger zu gestalten. Nicht zuletzt ist es aber Ben Moores unkomplizierte Schreibe, die die Reise durch Zeit und Raum, zu Elefanten und Ameisen zu einem unbeschwerlichen Vergnügen macht.

Für alle, die ihr Wissen über den aktuellen Stand der Kosmologie auffrischen und sich gern der Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen und dem Sinn des Lebens stellen wollen; für alle, die beim Anblick physikalischer Formeln Ausschlag bekommen, die sich aber dennoch bis an den Rand unseres Universums und unseres Verstandes wagen. All jenen kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

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