Exoplaneten – Die Suche nach der zweiten Erde

Sven Piper
Exoplaneten – Die Suche nach der zweiten Erde

Verlag: Springer
ISBN: 978-3-642-16469-9
Genre: Sachbuch
Erschienen: 2011
Umfang: 216 S. 45 Abb., 43 in Farbe

www.springer.com
www.astris.de/
www.extrasolar-planets.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Vorbemerkung

Der Autor betreibt die Internet-Seite extrasolar-planets.com (deutsch unter http://www.astris.de/). Sie enthält übersichtlich gegliedert viele Informationen zu den Themen Astronomie und Raumfahrt.

Zum Buch

Sven Piper spannt einen großen Bogen von den Anfängen der Astronomie in vorgeschichtlicher Zeit bis hin zu den jüngsten Entdeckungen von Planeten in fernen Sternensystemen. Das Buch bietet ebenso einen kurzen Abriss der Geschichte der Astronomie wie auch eine Einführung in vergangene, laufende und zukünftige Missionen, sowie deren Instrumente und Beobachtungsmethoden.

Das erste Kapitel über die „Geschichte der Astronomie“ bietet eine kurzweilige Übersicht über die astronomischen Beobachtungen verschiedener Kulturen und endet erwartungsgemäß mit den großen Namen, die die abendländische Astronomie so nachhaltig geprägt haben wie Kepler, Newton und Huygens. Im zweiten Kapitel wird mit der „Entdeckung der ersten extrasolaren Planeten“ die Brücke zu den modernen Planetenjägern geschlagen. In den drei folgenden Kapiteln kommt der Autor dann zum Kern des Themas. Dort werden nacheinander die Techniken (Kapitel 3) sowie Teleskope und Missionen (Kapitel 4) für die Jagd nach Exoplaneten vorgestellt und schließlich im fünften Kapitel das erste Bild eines Exoplaneten präsentiert.

Die verschiedenen Typen von Exoplaneten sind im 6. Kapitel zusammen gestellt, wobei manche bis jetzt nur in der Theorie existieren, wie beispielsweise die so genannten „Wasserwelten“ oder die „Ocean Planets“. Im 7. Kapitel sind die für den Autoren „interessantesten Exoplaneten“ mit kurzen Beschreibungen ihrer Daten aufgelistet, wobei sich hierbei nicht nur diejenigen finden, die theoretisch für organisches Leben infrage kämen. Wie es mit der Jagd nach extrasolaren Systemen und deren Planeten weiter geht, davon berichtet das 8. Kapitel mit den „zukünftigen Entwicklungen“. Unter welchen Bedingungen kann Leben entstehen? Welche Grade von Zivilisation gibt es? Diesen und ähnlichen Fragen wendet sich der Autor im  den beiden abschließenden Kapiteln über das „Leben im Universum“ und der „Suche nach außerirdischen Intelligenzen“ zu.

Fazit

Meine Eindrücke von „Exoplaneten – Die Suche nach der zweiten Erde“ sind sehr zwiespältig. Streckenweise liest es sich sehr flüssig und ist mit einer Menge dekorativer Bilder ausgestattet. Vor allem das erste Kapitel über die „Geschichte der Astronomie“ und die beiden letzten sind erfrischend kurzweilig.

Auf der anderen Seite werden die Probleme, die Techniken und Methoden zur Planetenjagd schlicht unzureichend erklärt. Der Interferometrie ist gerade mal ein halbseitiges Unterkapitel gewidmet. Leider ist daraus nicht zu erschließen, wie diese Methode funktioniert. Beim genaueren Studium des Buches stößt man an einer ganz anderen Stelle auf ein paar erklärende Sätze zur Interferometrie. Ob die dem astronomisch unerfahrenen Leser weiter auf die Sprünge helfen, sei dahin gestellt. Aber es ist entmutigend, die Antworten nicht dort vorzufinden, wo man sie erwartet. Überhaupt gibt es weder hierzu noch zu anderen Techniken vertiefende Erklärungen mit erläuternden Zeichnungen oder Tabellen. Das dürfte es für den interessierten Neuling äußerst schwer machen, den Argumenten zu folgen oder die Beobachtungen einzuordnen.

Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass Einheiten, mit denen der Autor virtuos jongliert, insbesondere Entfernungseinheiten, erklärt und einander gegenüber gestellt würden, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie viele Millionen Kilometer eine AU (Astronomical Unit) ergeben, wie groß die Entfernung des Jupiter in AU ist oder wie sich das Lichtjahr in Kilometer umrechnet.  Tabellen, in denen die Missionen, verwendeten Techniken oder Planetenentdeckungen aufgelistet sind, habe ich ebenso vermisst, wie eine Himmelskarte, auf der die Exoplaneten eingetragen sind. Da fällt es leider kaum mehr ins Gewicht, dass weder ein Verzeichnis mit weiterführender Literatur noch ein Index vorhanden sind.

Das Buch bietet laut Covertext eine Einführung in dieses spannende Thema. Das tut es auch – in voller Breite! Der begrenzte Umfang von etwas über 200 Seiten trägt jedoch dazu bei, dass diese Breite insbesondere zu Lasten der Anschaulichkeit geht. Während sich für den Neueinsteiger eine Fülle von Informationen bieten – die einen spannend, viele aber schwer verdaulich -, erfahren Leser mit etwas astronomischem Vorwissen wenig Neues aus diesem Buch.

Copyright © 2011 by Michael Bahner

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Comments

  1. Mein Kommentar wird genauso zwiespältig wie deine Rezi, Micha.

    Gerade die Dinge, die du vermisst, hätten auch mich dazu gebracht, so ein Buch zu kaufen. Denn diese Daten wären eben das Wichtigste. Wie wird geforscht? Mit welchen Methoden? Wie hoch ist die Messgenauigkeit, wie relevant die Ergebnisse? Welche Exoplaneten sind schon – sicher – entdeckt und vor allem, wo sind sie?

    Damit wäre wieder mal ein perfektes Beispiel hier aufgeführt, wie wertvoll eine Rezension sein kann: Geld und Enttäuschung sparen.

    Wenn also das Wesentliche fehlt, was sollte dann das Ganze? Eine Website zu basteln, zu seinem Hobby ist eine schöne Sache, ein Sachbuch mit knallharten Fakten ist halt doch etwas anderes. Nämlich eine verdammt aufwendige Fleißarbeit. Und DAFÜR ist man auch gerne bereit, Geld hinzublättern. Dr Autor kann sich eigentlich nur damit retten, indem er dies als Band 1 „Einführung“ bezeichnet und in Band 2 „Daten – Fakten – Technik“ die Lücken schließt. Wenn er es kann.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl 😉

  2. Manche Daten sind ja schon da, aber beim einen Exoplanten fehlt die Position, beim anderen steht nicht dabei, was für ein Stern das Zentralgestirn ist. Dann wieder sind manche Angaben in km gemacht, andere in AU (in der deutsch sprachigen Literatur ist, glaube ich, eher AE üblich) usw.

    Selbst, wenn die Daten da sind, muss man sie sich aus dem Text zusammenfieseln. Das ist sehr mühselig und obliegt eigentlich dem Autoren, meiner Meinung nach.

    Auf der Internet-Seite habe ich übrigens Berichte gefunden, die fast wortwörtlich im Buch zu finden sind. Naja, das hat jetzt Stichproben-Charakter, finde ich trotzdem ernüchternd.

    Die Grundlagen hätten sauber erklärt gehört, mit hübschen „aussagekräftigen“ Illustrationen, damit auch der letzte kapiert was Sache ist. Es müssen ja keine Formeln drin sein, in einem populärwissenschaftlichen Buch sowieso nicht.
    So hat mich das Buch auf den zweiten Blick schon enttäuscht.

  3. Gut das es diese Buchkritik gibt, sonst hätte ich vielleicht auch zu diesem Titel gegriffen, was mich aber jetzt wieder davon abhalten wird, denn ich wäre mit großer Sicherheit enttäuscht gewesen. Danke an den Rezensenten, danke an die Redaktion und danke ans Buchrezensionscenter! Hier wird wirklich brauchbare Arebit geleistet! 🙂

    Schade, dass es so wenige Titel zu diesem Thema in deutsch gibt, die auch aktuell sind. Wenn man englisch lesen kann bekommt man eine Überfülle aktueller Titel, in diesem Land leider nicht mal wirklich einige Übersetzungen! 🙁

  4. Was mich noch interessiert: hast du dieses Buch gekauft, oder zum Besprechen kostenlos erhalten?

  5. Das Buch war ein Rezensionsexemplar vom Verlag.

    Hast du dir schon die oben erwähnte Internet-Seite angeschaut? Dort bekommst du einen Vorgeschmack auf das Buch. Vielleicht reichen dir diese Informationen und die Art der Präsentation.

    In der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ gibt’s immer mal wieder Meldungen über Planetenentdeckungen; in 6/2010 gibt es einen längeren Artikel. Die sind natürlich viel spezieller – daher nicht so umfassend – und gehen teilweise über den populärwissenschaftlichen Rahmen raus.

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