Invaders

Peter Ward
Invaders

Originaltitel: Time Rep (2013)
Aus dem Englischen von Michael Koseler
München: Piper Verlag 2013
Science-Fiction; Humor
Umfang 381 Seiten
Umschlaggestaltung: Animagic, Bielefeld
Umschlagabbildung: Timothy Starkey
ISBN 978-3-492-70313-0

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Der vorliegende Roman ist der Erstling des jungen britischen Autors Peter Ward (Jahrgang 1980) und ist überraschend unterhaltsam und witzig geraten. Protagonist des Buchs ist der junge Geoff Stamp, der bei einem älteren “Mitbewohner” namens Tim lebt und dort, samt seines Zimmers, vor sich hin gammelt. Den einzigen Job als Zeitungsausträger, den er jemals besaß, hat er verloren, da der Arbeitgeber fand, er sei inzwischen zu alt für diese Arbeit.

Geoffs Eltern sind in die USA ausgewandert, wobei offen bleibt, ob ihnen der Jugendliche einfach nur völlig egal war oder sie vor ihm geflohen sind, um ihn endlich los zu werden. Geoffs einziges Hobby und Interesse ist es, vor diversen Medien seine Zeit zu verdaddeln. Vor allem liebt er Computerspiele, manchmal schaut er auch TV-Sendungen. Da Tim nie Miete will und ihn mit allem Lebenswichtigen versorgt, hat der junge Mann inzwischen jedweden Antrieb verloren, vor die Tür zu gehen oder Sozialkontakte zu pflegen. Ab und an schreibt er eine Bewerbung, aber so lustlos (er schreibt einfach nur kurz in das Anschreiben, das er den Job gerne hätte, dies ist dann seine vollständige Bewerbung!), dass bisher nicht einmal die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch dabei herum gekommen ist.

Doch eines Tages erhält Geoff aus heiterem Himmel die große Chance: Ein Reiseunternehmen möchte ihn als Touristenführer verpflichten. Während Geoff sich noch ratlos fragt, warum man ausgerechnet einen Menschen wie ihn mit dem Antrieb einer Pflanze nimmt, erfährt er, dass er zeitreisende Touristen aus der Zukunft durch das London seiner Zeit führen soll. Um ihm zu beweisen, dass die ganze Chose kein lauer Scherz ist, nimmt man ihn mit auf Zeitreise, zeigt ihm den Einschlag des großen Meteoriten, welcher dereinst die Saurier auslöschte, und zudem den großen Brand von London im Jahre 1666. Als Geoff jedoch danach forscht, was denn eigentlich genau seine Einstellungsqualifikation gewesen sei, erhält er eine mehr als nur ernüchternde Antwort: Durch sein ganzes Verhalten sei Geoffrey Stamp ein dermaßen unwichtiger und unbedeutender Mensch, dass er in der Geschichte der Menschheit offensichtlich nicht die geringste Spur hinterlassen hat, lediglich in der Zukunft hat wegen seiner Person einmal eine Möwe in eine andere Richtung geblickt (!!!). Mit anderen Worten: Geoff ist unwichtiger als ein asiatischer Speisepilz (!!!), so hat es zumindest der scheinbar allmächtige Supercomputer der Zukunft berechnet.

Der arme Geoff ist entsetzt über diese Aussage, jedoch nicht völlig am Boden zerstört. Denn bald zeigt sich: Jemand manipuliert den doch nicht ganz so perfekten Supercomputer. Ein in einen Menschen umgewandelter Außerirdischer hat sich eingeschlichen bei der Zeitreisegesellschaft, denn die Varsarianer hatten in der Zukunft vergebens versucht, die Erde zu erobern und die Menschheit zu vernichten, waren durch die Zeitreisetechnik aber fast vollständig ausgelöscht worden. Doch nun greifen sie erneut in den Lauf der Zeit ein und versuchen ihre Invasion doch noch erfolgreich zu gestalten. Und siehe da: Ausgerechnet Geoff, die größte Flachpfeife Londons, ist der Schlüssel zu deren Erfolg oder auch Misserfolg…

Was wie eine wunderbar witzige Mischung aus Robert Sheckley und einem milden Douglas Adams mit einem Hauch der besseren Werke von A. Lee Martinez daherkommt, ist einer der amüsantesten Debütromane der letzten Jahre. Vor allem den jugendlichen Protagonisten muss man einfach gerne haben. Seine unbedarft bräsige Art, die dämlichen Fragen, die er zu den unpassendsten Zeitpunkten immer wieder stellt (und die der Autor in genialen Szenen goutiert) und seine desolate Lebenseinstellung sind einfach echte Brüller (wer allerdings in der Realität ähnliche Charaktereigenschaften wie Geoff hat oder unter jemandem wie ihm im häuslichen Haushalt leidet, findet das Ganze womöglich nicht so lustig!).

Wie Geoff dann doch noch zum Helden wird und die Menschheit retten soll, ist zum Glück bald gar nicht mehr so wichtig, denn ganz ernst sollte man die Handlung wohl nicht nehmen, denn durch die Logiklöcher dieser Erzählung könnten ganze Todessterne nicht nur mühelos fliegen, sondern darin sogar ganze Raummanöver abhalten. Hier werden wirklich sämtliche Zeitreisetheorien nicht nur verbogen, sondern völlig geschreddert und pulverisiert! Aber das spielt gar keine Rolle, denn ernst nimmt der Autor weder sich selbst und sein Erstlingswerk, noch seinen schluffigen Protagonisten.

Ein herrlich abgedrehter Spaß mit Muskelkatergefahr für die Lachmuskeln (wenn man den köstlich-bescheuerten Humor Peter Wards mag). Wer Phantastik nicht immer allzu bierernst nimmt, der kommt bei Invaders voll auf seine Kosten; wer zum Lachen aber in den Keller geht oder humorvolle SF als Blasphemie empfindet, der sollte besser die Finger von dem Buch lassen.

Copyright © 2013 by Gunther Barnewald

… und noch eine Rezi zum Titel:

Geoffrey Stamp versucht noch seinen Platz im Leben zu finden. Bis es soweit ist, lebt er in einem Apartment als Untermieter, ohne allerdings auch nur die geringsten Anstalten zu machen, Miete zu bezahlen. Er schmarotzt sich gekonnt durchs Leben. Seine große Leidenschaft sind Computerspiele, in denen er Aliens platt machen kann. Außerdem designt er selber Spiele, bisher jedoch ohne großen Erfolg.

Eines Tages bekommt er einen Brief zugestellt. Dessen Inhalt überrascht ihn dann doch. Er soll sich zu einem Vorstellungsgespräch einfinden und das Datum bestätigen. Auf dem Weg zur Post sieht er das ominöse Firmenlogo und beschließt den Brief dort höchstpersönlich abzugeben. Immerhin hat er sich dort ja gar nicht beworben. Dort angekommen wird ihm ein unglaubliches Angebot gemacht. Er soll als Reiseführer arbeiten. Allerdings kommen seine zukünftigen Arbeitgeber aus der Zukunft und die Reisenden die er führen soll, sind aus eben jener Zukunft. Zögerlich stimmt er zu. Als er jedoch erfährt, dass er den Job nur bekommen hat, weil er so unbedeutend ist, das es egal ist ob er lebt oder stirbt, ist ihm dies seltsamerweise nicht einerlei. Als bei einer Zeitreise Aliens die Erde angreifen, ist es ausgerechnet Geoffrey Stamp, der angeblich überflüssigste Mann auf dem ganzen weiten Planeten namens Erde, der dazu auserkoren scheint die Invasoren aufzuhalten.

Peter Ward studierte englische Literatur und arbeitete als Einkäufer bei Sainsbury´s. Sein Erstlingswerk ´Invaders`, versetzt den Leser in verschiedene Gefühlsstadien. Schmunzelnd wird er den Werdegang von Geoffrey Stamp miterleben. Dabei ist diese Figur ein sympathischer Loser, der mit seinen verrückten und seltsamen Fragen entweder Kopfschütteln oder Stirnrunzeln bei den anderen Protagonisten hervorruft. Mit allerlei Wortwitz und skurrilen Ideen, sowie dem berühmten englischen Humor, schafft es der Autor, die Leser in seinen Bann zu ziehen. Der Zeitreiseroman gerät dabei so lustig und kurios, das er an verrückte Geschichten wie ´Quer durch die Galaxis und dann links` erinnert.

Der  Inhalt richtet sich an ein erwachsenes Publikum. Doch trotzdem dürften Leser und Leserinnen ab 12 Jahren, die verrückte, geniale Ideen zu schätzen wissen, ebenfalls begeistert sein, wenn der bedeutungsloseste Mann auf dem Planeten Erde die Zeitreisezentrale so richtig aufmischt. Und zwar mit einer Faulheit, die schon wieder bewundernswert ist. Ein absolutes Highlight erwartet Bücherwürmer, die das Abenteuer wagen sich in die Welt von Peter Wards Erstlingswerk zu begeben.

Copyright by 2013 © Petra Weddehage (PW)

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Comments

  1. FRISCH AUFGENOMMEN:

    sfbasar.de » Blog Archiv » SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Lustige und satirische Geschichten” sagt:
    Donnerstag 31. Oktober 2013 um 21:26 e

    […] BUCHBESPRECHUNG: INVADERS von Peter Ward – Rezension von Gunther Barnewald […]

  2. FRISCH AUFGENOMMEN:

    sfbasar.de » Blog Archiv » SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Invasionsgeschichten” sagt:
    Donnerstag 31. Oktober 2013 um 21:32 e

    […] BUCHBESPRECHUNG: INVADERS von Peter Ward – Rezension von Gunther Barnewald […]

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