Servus Piefke

Severin Groebner
Servus Piefke
Was sich ein Wiener in Deutschland so denkt

Südwest Verlag, 2011
Paperback
Humor, Satire
ISBN 978-3-517-08707-8
Umfang 176 Seiten
Cover: IStockphoto
Illustrationen im Innenteil: Severin Groebner

www.suedwest-verlag.de

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Zum Autor:

Der 1969 in Wien geborene Severin Groebner begann seine Bühnenkarriere 1993. Die ersten Auftritte bestritt er gemeinsam mit dem Pianisten Klaus Gröll in diversen Kaffeehäusern Wiens. Mittlerweile lebt er in München und feiert Erfolge als Solokabarettist. (Quelle: Klappentext/Verlag)

Zum Buch:

Was ist nicht alles schon gesagt – und darüber gelacht worden – über das Verhältnis von Deutschen und Österreichern? Diese Hassliebe, die Minderwertigkeitskomplexe des (zahlenmäßig) kleineren Volkes gegen den scheinbar übermächtigen Nachbarn. Beide sprechen die gleiche Sprache. Könnte man meinen. Aber im Grunde sind es nur die gleichen Buchstaben, die beide Völker benutzen. Was sie daraus machen, ist etwas völlig Verschiedenes. Und auch wieder nicht.

Das ist der Grundtenor von Severin Groebners Buch „Servus Piefke“: Die Bedienung jedes vorhandenen realen oder eingebildeten Klischees, das der Ösi vom Piefke kennt und umgekehrt. Dabei platziert Groebner geschickt kleine Hinweise, die uns Lesern suggerieren sollen, dass er zur Selbstkritik an Österreich, seiner Heimatstadt und der Menschen darin fähig ist.

Die ersten paar Kapitel nimmt man ihm das noch ab. Aber nach der zwanzigsten verbalen Vernichtung deutscher Tugenden, und vor allem Untugenden, wirkt der eine Satz, dass das Vorgenannte ebenso auf ihn selbst, seine Wiener und überhaupt Landsleute genauso zutrifft, unglaubwürdig. Für mich reine Alibisätze. Hätte er sie nicht gesetzt, würden viele aufheulen, ob der platten Eigenschaften, die er uns Piefke (es gibt übrigens kein Plural; Piefkes wäre definitiv falsch) zuordnet.

Natürlich ist es anfangs witzig, die Prol-Fraktionen beider Völker beschrieben zu bekommen, und ja, auf so manchen Ösi und Piefke trifft es wohl auch zu. Aber im Alpenland leben 8 Millionen Menschen und hier bei uns knapp 80 Millionen (wenn wir mal die bestmöglich integrierten Personen mit Migrationshintergrund ausklammern, die natürlich nicht die urdeutschen und urösterreichischen Eigenheiten besitzen, sondern ihre eigenen).

Ich verwehre mich dagegen, mit Fußball-Hooligans, Oktoberfest-Kotzern (wobei hier über ¾ aus der ganzen Welt kommen und weder Deutsche noch Österreicher sind), Beamten-Sturschädeln, Fast-Food-Konsumenten und anderen Flachtypen auf eine Stufe gestellt zu werden. Natürlich würde das Buch samt Gesamtwitz nicht funktionieren, wenn man echte Zahlen dazu bringen würde. Denn upps!, dann würde man wohl feststellen dürfen, dass jedwede Nation auf diesem Planeten seine Spinner, Exzentriker und Blödmänner hat. Und dann könnte man ja nicht mehr lachen. Haha.

Das hat nach meiner Auffassung nichts mit Kabarett und Humor zu tun, sondern schon eher mit der ausgelutschten Bedienung der plattesten Vorurteile. Auch zehn Jahre Lebenszeit Groebners in Deutschland konnten hier scheinbar keine Abhilfe bringen. Wenn es noch mehr solche Bücher in Zukunft gibt, wird das nix mit dem Haus Europa oder den Vereinigten Staaten von Europa, geschweige denn mit einer friedlichen Welt. Es gibt nämlich Menschen, die hier sich nicht brüderlich auf die Schenkel klatschen können und abwiehern, sondern gedacht haben, dass solche Dinge der überholten Mottenkiste angehören. Solche Menschen wie mich.

Da bleibt mir nur auf den Gruß „Servus Piefke“ genau so zu antworten: „Servus Ösi“.

Copyright © 2011 by Werner Karl

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