Androidenträume

John Scalzi
Androidenträume

(sfbentry)
Heyne
Umfang 498 Seiten
ISBN 9783453525047
Titel der Originalausgabe: The androids dream
Übersetzung: Bernhard Kempen
Copyright 2006 by John Scalzi
Deutsche Erstausgabe 02/2009

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Androidenträume. Schon der Titel lässt jeden Fanboy schmunzeln und an Philipp K. Dicks Do androids dream of electric sheep denken. Entgegen den dadurch vielleicht geweckten Erwartungen geht es hier nicht um Replikanten oder Asimovsche Roboter. Doch Scalzi versteht es Elemente in seinen Roman einzubauen, die den Freund der Science Fiction immer wieder schmunzeln lassen. Angefangen von den kuriosen Riten der außerirdischen Nidu, bis zu der Idee, eines erfolglosen Science Fiction Autors als Begründer einer superreichen Sekte finden sich immer wieder solche Elemente, die auf den ersten Blick plausibel erscheinen, bei näherem Hinsehen jedoch ihre besondere Komik entfalten.

Die Menschheit ist Teil der galaktischen Gemeinschaft mit der sie zahlreiche politische und ökonomische Verbindungen pflegt. Wichtigster Verbündeter der Menschen sind die Nidu, welche den Menschen militärisch weit überlegen sind, in der Gemeinschaft der raumfahrenden Völker jedoch einen der niederen Ränge einnehmen. Eines Tages kommt es bei den Verhandlungen über Agrarquoten im Handelsministerium zu einem folgenschweren Zwischenfall. Die Provokationen des irdischen Vertreters führen zum Tod des niduanischen Verhandlungsführers, wie auch seiner selbst. Ein diplomatischer Eklat erster Güte ist die Folge und als die Nidu ihre Kriegsschiffe in Richtung Erde in Bewegung setzen, gerät der Zwischenfall zu einer existentiellen Bedrohung.

Um die Situation zu entschärfen, müssen die Menschen ein Schaf einer bestimmten Rasse ausfindig machen, welches elementarer Bestandteil der bevorstehenden Krönungszeremonie der Nidu ist. Zu diesem Zweck heuert das Außenministerium einen Spezialisten an. Harry Creek ist Botschafter mit Spezialaufgaben. Seine Tätigkeit besteht im Überbringen schlechter Nachrichten an Vertreter außerirdischer Regierungen. Da der Elitesoldat und Hacker auch noch über einige andere Fähigkeiten verfügt, wird er mit der Aufgabe betraut, ein Exemplar der Rasse Androidentraum ausfindig zu machen, damit die Nidu den Vorfall vergessen und die Krönungszeremonie planmäßig stattfinden kann.

Im darauffolgenden Wettlauf muss Creek sich gegen menschliche wie außerirdische Widersacher durchsetzen und sogar noch auf die hübsche Robin Baker aufpassen, die möglicherweise die Rettung der Menschheit bedeuten könnte. Der mehr oder weniger konventionelle Plot gleitet dabei immer wieder ins Komische ab. Scalzi lässt seine vollkommen ernsthaften Protagonisten überaus skurrile Szenen erleben und würzt seine Geschichte mit gerade so viel Humor, dass es nicht zu gewöhnlich wird. Natürlich findet das Ganze seine Höhepunkt in einem angemessen verrückten Finale in dem das ganze Kuriositätenkabinett noch einmal auf die Bühne darf.

Fazit

John Scalzi ist nicht gerade als Schreiber von humoristischen Interpretationen des SF-Genres bekannt. Dennoch gelingt ihm hier eine überraschend witzige, wie auch selbstironische Geschichte, die Spaß macht. Sicher wird dies besondere Form ein Einzelfall bleiben und Fans der anderen John Scalzi Romane werden womöglich enttäuscht sein. Doch bei genauem Hinsehen hat Scalzi seinen ansonsten eher unterschwelligen Humor nur etwas an die Oberfläche gekehrt, oder besser diesem eine substanziellere Rolle in seinem Szenario zugewiesen. Womöglich kann der Leser sogar nach der Lektüre die feineren Anspielungen Scalzis an anderer Stelle besser würdigen. Androidenträume hält jedenfalls was es verspricht. Ein nur auf den ersten Blick konventioneller Roman, der sich schnell zu einer Actionkomödie mit satirischen Anleihen entwickelt.

Copyright 2009 by Johannes Heck

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