Asylon

Thomas Elbel
Asylon

(sfbentry)
Piper Verlag, München
Originalausgabe: 09/2011
PB, SF
ISBN 978-3-492-26792-2
Titelillustration von Markus Weber unter Verwendung von Motiven von Shutterstock

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„Asylon“ ist nach seiner Wort-Bedeutung ein heiliger, unverletzlicher Ort, von dem Schutzsuchende nicht mit Gewalt entfernt werden dürfen, der ihnen somit Asyl gewährt. Welcher Name würde besser zu einer Stadt passen, die als letzte Zuflucht nach dem Super-Gau gilt? Die ihren Bewohnern Schutz gegen barbarische Wilde und unwegsames Land rings um ihre Grenzen bietet? Doch dieser Roman zeigt deutlich, dass oftmals nichts unfreier macht, als eben jene hermetisch abgeschotteten Zufluchtsorte. Oder sieht die Wahrheit in Asylon ganz anders aus? Der Leser wird es erfahren, denn die Lektüre kann ihm nur wärmstens empfohlen werden.

Im Prolog wird Lynn Lidell, als sie in die Außenwelt gelangen will, auf einem Minenfeld zerrissen, das die Grenzen aus Asylon vor Flüchtlingen und Eindringlingen sichert – angeblich um unerwünschte Eindringlinge fernzuhalten. Und dann beginnt der in drei Kapitel unterteilte Roman von Thomas Elbel.

In „Die Grenze“, dem ersten Teil, geht es mit Masterleveller Torn Gaser los, der den Levellern angehört, einer Spezialeinheit, die das Gleichgewicht zwischen den das Stadtgeschehen beherrschenden Clans in Asylon gewährleisten soll. Ihm zur Seite steht Scooter Darcy, sein Assistent und Freund. Torn ist mit Yvette verheiratet, und die beiden erwarten ihr erstes Kind. Alles scheint in bester Ordnung zu sein. Asylon besteht aus verschiedenen Schichten. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt unterirdisch. Torn, als Mitglied der Leveller, hat das Privileg, an der Oberfläche zu leben und den Himmel zu sehen. Torns größter Rivale ist Rygor  – meistgehasster Polizist der Stadt, sadistischer Menschenverächter und Torns Nemesis. In Rygors Schatten bewegen sich stets seine allgegenwärtigen Spießgesellen und die hässlichsten Vögel, die die Grenzpolizei von Asylon zu bieten hat: Pailey und Bulk.

In Asylon herrschten keine, wie man aufgrund des Namens vielleicht denken könnte, paradiesischen Zustände. Es herrschen Enge für die ‚gewöhnlichen‘ Bewohner und ein Machtgerangel zwischen den Clans. Emiliano Sputano, Sohn eines der Clanchefs, lässt Frauen aus reiner Lust am Töten als Hexen verbrennen und versteckt sich hinter falschen Bibelsprüchen. Als Torn und Scooter eine dieser jungen Frauen retten wollen, wird Emiliano erschossen. Doch nicht von ihnen. Bei einer kurzfristig einberufenen Versammlung aller Clanchefs werden Torn und Gouverneur Cassiel Vanderbilt (Torns Förderer und Freund) herbeizitiert. Torn und die Leveller haben bisher die Stadt vor allzu exzessiven Bandenkriegen bewahrt und somit das Gleichgewicht gewährleistet – doch nun sind die Leveller dem Untergang geweiht. Und Torn wird beschuldigt, Emiliano Sputano getötet zu haben, den Sohn des Clanchefs Vittorio Sputano. Torn wird suspendiert, aller Privilegien beraubt und für vogelfrei erklärt. Dann erfährt er auch noch, dass sein Kind zu früh und daher tot auf die Welt gekommen sei und seine Frau infolge Selbstmord verübt habe. Doch Yvette hatte vor ihrem Tod behauptet, man habe ihr ihren Sohn nach der Geburt weggenommen, und er würde leben. Torns Leben gerät somit komplett aus den Fugen.

Dann gibt es noch Saina Amri, Lynns beste Freundin, die nach deren Tod Poosah, Lynns kleine achtjährige Tochter, zu sich nimmt. Sie arbeitet als Hausmeisterin im St. Niclas Krankenhaus und erfährt, dass Lynns Leiche ins Krankenhaus geschafft wurde und sofort eingeäschert werden sollte, was noch nicht geschehen ist. Somit steht sie schon bald vor den grausam entstellten Überresten ihrer Freundin. Und trifft dort auf Scooter, der ihr erzählt, dass er und Torn die Tote gefunden haben – im Todesstreifen an der Grenze der Stadt.

Saina belauscht ein Gespräch des Arztes Dr. Gross mit einem anderen Mann, demnach Lynns Leiche schleunigst verschwinden soll. Sie sucht daher Scooter im Polizeihauptquartier auf und erfährt dort, dass er ein Leveller ist. Als sie ihm erzählt, dass sie Beweise suche, dass Lynn einer Organisation namens Ordo Lucis zum Opfer gefallen ist, reagiert er heftig. Der Ordo Lucis verheißt den Bewohnern der Stadt das ‚Paradies‘ in der Außenwelt hinter der Grenze von Asylon. Als Saina und Scooter im Keller der Pathologie Lynns Leiche suchen wollen, laufen sie Gefahr, entdeckt zu werden, müssen sich trennen und geraten beide auf ihre Weise in Bedrängnis. Torn wird derweil von einer Begegnung gemartert – ihm erscheint seine tote Frau.

Doch wie sich im 2. Teil „Die Stadt“ herausstellt, ist es Saina, die ihm auf ihrer Flucht aus dem Polizeihauptquartier begegnet. Die beiden können sich zu Anfang nicht leiden. Und bevor Raina nach einem Streit wütend seine Wohnung verlassen will, findet sie Fotos, die herumliegen und auf denen eine Frau abgebildet ist, der Saina im St. Niclas begegnet war und die immer vor sich hin gestammelt hatte: „Ihr habt es gestohlen. Ihr habt mein Kind gestohlen.“ Sie vermutet, dass es sich um Torns verstorbene Frau handelt. Doch weil Raina sauer auf Torn ist, verrät sie ihm erst einmal nichts davon. Aber das ist in dem Moment das kleinste Problem. Einem weitaus größeren sieht sich nämlich Scooter gegenüber. Er wird von Rygor und seinen Männern gefangengenommen, und diese wollen aus ihm heraus foltern, wer die Tote (Lynn) an der Grenze war. Als ihn die Peiniger in seinen Wohncontainer bringen und diesen mitsamt Scooter anzünden wollen, gelingt ihm die Flucht. Da aber einer von Rygors Männer in den Flammen umkommt, hält Torn dessen verkohlte Leiche für Scooters und wähnt seinen Freund verloren. In Scooters Adressbuch findet er Sainas Adresse. Und so stehen sich die beiden bald wieder gegenüber.

In der Zwischenzeit spionierte Saina im St. Niclas in Dr. Gross’ Zimmer. Sie stieß auf eine Datei namens ‚Persephone‘ (Göttin der Unterwelt, die von ihrem Gatten Hades im Kindesalter entführt wurde). Die Daten lassen vermuten, dass im St. Niclas ein ‚Kindes-Transfer‘ stattfindet. Hatte die verwirrt wirkende Yvette Recht? Torns Sohn lebt und wurde ebenfalls entführt? Sie sieht, dass in zwei Tagen der nächste ‚Transfer‘ stattfinden soll. Torns Sohn? Raina wird von Dr. Gross erwischt und entlassen. Als sie in ihre Wohnung kommt, wartet dort Torn auf sie und erzählt ihr, dass Scooter tot sei. Er gibt ihr den kleinen Gegenstand, den er neben Lynns Leiche gefunden hat: eine Blickperle (ein blaues Nazar Boncugu gegen den bösen Blick). Saina erzählt Torn im Gegenzug von ihrer Begegnung mit Yvette kurz vor deren Tod und von der Datei über den ‚Kinder-Transfer‘ – und den nächsten in zwei Tagen. Torn vermutet ebenfalls sofort, dass es sich dabei um seinen angeblich toten Sohn handelt.

Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag, und im dritten Teil „Offlands“ gibt es viele Fragen zu klären. Die wichtigsten sind wohl: Was hat es mit dem ‚Kinder-Transfer‘ auf sich? Warum kam Lynn zu Tode? Gibt es den mysteriösen Ordo Lucis wirklich? Wie viel Dreck hat Rygor tatsächlich am Stecken? Was führt er im Schilde, seit er Torns Position bei den Levellern innehat? Gibt es das ominöse ‚Paradies‘ in der Außenwelt jenseits der Stadtgrenze wirklich? Findet Torn seinen Sohn? Was verbirgt sicher hinter der Grenze Asylons, in den Offlands? Und vor allem: Wer ist wirklich Freund oder wer Feind?

Thomas Elbel erzählt spannend und in kurzweiligem Stil. Er erfindet das Rad zwar nicht neu, aber das muss auch nicht sein. Es ist auch nicht der Plot, der besonders innovativ daherkommt, es sind die Menschen, die den Roman ausmachen, und das wiederum auf stringentem Niveau. Es sind die Personen und ihre Lebensgeschichten, ihre Schicksale und Kämpfe – teils um das Überleben – die einen packen und die unter die Haut gehen, so dass man den Roman nicht aus der Hand legen mag und sich dieser als wahrer Pageturner entpuppt. Und Thomas Elbel zeigt in „Asylon“ mehr als einmal, dass nicht jeder Freund Freund und nicht jeder Feind Feind ist. Die Wahrheit sieht oftmals anders aus. Noch eines hat der Roman eindeutig: Filmpotenzial. Er schreit förmlich danach, und man kann nur hoffen, dass es Gehör findet. Auch die Aufmachung ist gewohnt ordentlich, aber nicht herausragend. Das Covermotiv hat keinen hohen Wiedererkennungswert. Da ist man von Piper Besseres gewohnt. Das ist aber auch das einzige winzige Manko.

„Asylon“: ein alles in allem höchst gelungener Mainstream-Debütroman, der geschaffen für die breite Leserschaft ist – und das nicht im negativen Sinne –  und dem eines gelingt: Man möchte wissen, wie es mit Torn, Saina und Co weitergeht!

Copyright © 2012 by Alisha Bionda (AB)

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