Aurora

auroraAlastair Reynolds
Aurora

(sfbentry)

Heyne
Spielt im Universum von Unendlichkeit
Titel der Originalausgabe: The Prefect
Übersetzung: Irene Holicki
Titelbild: Chris Moore
738 Seiten, ISBN 9783453525023

Mit Aurora taucht Reynolds ein weiteres Mal in das Universum seiner Space Opera ein, die auch schon Schauplatz für Unendlichkeit, Chasm City und andere Erfolgsromane war. Schauplatz ist diesmal das Glitzerband im Yellowstone System, die zehntausend Habitate über Chasm City zu einer Zeit lange vor der Schmelzseuche. So wie es Reynolds Art ist, werden auch diesmal keine kleinen Brötchen gebacken. Die Exekutivmacht des Glitzerbandes, vertreten durch die Agenten von Panoplia, sieht sich nicht weniger als einer existentiellen Bedrohung ihrer Lebensart gegenüber.

Hauptfigur der Handlung ist Panoplias Präfekt im Außendienst Dreyfus, ein unbestechlicher Vertreter von Recht und Ordnung. Dieses Rechtssystem des Glitzerbandes sichert allen Habitaten völlige Unabhängigkeit zu solange sie das einzige Grundrecht der Gemeinschaft achten. Jeder Bürger des Glitzerbandes hat das Recht an Abstimmungen teilzunehmen, die jederzeit über die verschiedensten Fragen von allgemeinem Interesse durchgeführt werden. Über die Einhaltung dieser Rechte zu wachen ist wichtigste Aufgabe von Panoplia. Manipulation des demokratischen Abstimmungsprozesses demnach eines der schwerwiegendsten Verbrechen innerhalb der Gemeinschaft.

Beginnend mit der Zerstörung eines ganzen Habitats geraten die Ereignisse ins Rollen. Erst nach und nach erschließen sich den Agenten die einzelnen Teile eines immer größer werdenden Puzzles. Mit Erschrecken müssen sie feststellen, dass das Glitzerband Ziel einer Invasion ist, deren Ziel die vollständige Kontrolle über das Band und alle seine Bewohner ist. Die Spuren weisen dabei sowohl auf eine Person aus dem Kreis der legendären 300 hin, die Calvin Sylveste einst digitalisieren ließ, als auch auf Kräfte innerhalb Panoplias selbst. Doch damit ist noch längst nicht alles gesagt, denn Reynolds hat noch ein paar Überraschungen parat für seine Leser. Es dauert geraume Zeit, bis es Dreyfus gelingt, eine Verschwörung innerhalb der eigenen Organisation aufzudecken. Noch schwieriger gestaltet es sich allerdings dabei nicht zum Opfer derselben zu werden.

Es gelingt Reynolds in diesem mehr als 700 Seiten umfassenden Roman durch beständige Eskalation und neue Wendungen der Geschichte eine fortlaufende Spannung aufrechtzuerhalten, die  niemals vollständig abklingt, auch wenn das Tempo sich gelegentlich verändert. Gelegentlich mag es für den Leser frustrierend sein, wenn die Gegenseite die Protagonisten wieder einmal übertölpelt hat und man fragt sich ernsthaft, warum diese sich so ungeschickt anstellen. Doch sind die Präfekten gleich wieder auf dem Weg, um den Schurken von anderer Seite zuzusetzen. Reynolds gelingt es dabei die Handlung beständig voranzutreiben, ohne immer wieder neue Elemente einführen zu müssen. Wo bei anderen Autoren ständige Wiederholungen auftauchen oder der Deus Ex Machina bemüht wird wählt Reynolds ein anderes Mittel. Er setzt die an und für sich simple Idee des ‚evil mastermind‘ in das komlexe Setting einer futuristischen Gesellschaft und lässt seine Protagonisten die verschiedenen Facetten und Beziehungen innerhalb dieses Netzes erkunden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es Reynolds besser als vielen anderen Autoren gelingt Geschichten dieser Dimension im gleichen Universum anzusiedeln.

Der Umfang des Settings erlaubt es dem Autor einmal mehr verschiedene Elemente zu kombinieren, die seine Space-Opera so erfolgreich gemacht haben. Zuvorderst steht die detektivische Handlung, die in der Gestalt des Präfekten Dreyfus alles wie eine Klammer zusammenfasst. Eingebettet ist das ganze in die komplexe politische Situation der kuriosen Gesellschaft des Glitzerbandes, in der auch für noch so abnorme Lebens- und Gesellschaftsentwürfe Platz ist. Sehr schön illustriert dies das Modell der freiwilligen Tyrannei. In dieser Gesellschaftsform unterwerfen sich alle Bewohner eines Habitats einem lokalen Tyrann. Die Gesetze des Silberbandes sprechen nicht dagegen, solange die Unterdrückten nach wie vor Zugang zu den Abstimmungsprotokollen haben, auf denen die Gemeinschaft fußt. Neben diesen spielt auch die Erkundung des Unbekannten eine entscheidende Rolle, die hier in Form des mysteriösen Uhrmachers, aber auch der immer wieder geheimnisvollen und fremdartigen Synthetiker vertreten sind.

Reynolds kombiniert in diesem Roman wieder einmal eine spannende detektivische Handlung mit der Erkundung des Unbekannten und vernetzt Elemente aus den verschiedenen Romanen. Auch wenn letzteres nur Kenner weiterer Reynolds Romane wirklich schätzen können, so haben wir es hier doch mit einem Alastair Reynolds von seiner besten Seite zu tun. Wer sich auch nur ein bisschen für Reynolds Themen interessiert kann hier eigentlich nichts falsch machen und wird ein Buch in den Händen halten, dass man nur schwer wieder aus der Hand legen kann.

Copyright 2009 by Johannes Heck

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