Blindflug

Peter Watts
Blindflug

(sfbentry)
Heyne
Umfang 498 Seiten
ISBN 978-3-453-52364-7
Illustriert von Vohwinkel, Franz
Übersetzt von Riffel, Sara

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Im vorliegenden Roman widmet sich der Peter Watts, der mir bis dato unbekannt war, einen Grundthema der Science Fiction. Der Erstkontakt, also die Begegnung mit außerirdischen Intelligenzen, gehört zu den fundamentalen Themen des Genres. Und mit den fundamentalen Themen beschäftigt sich Watts auch in diesem Roman, dessen Titel ich als überaus passend empfinde.

Nachdem eine fremde Intelligenz kraft einer fremdartigen Fernerkundung die Erde gescannt hat erscheint ein unbekannter Flugkörper im Sonnensystem. Eine Besatzung ausgemachter Spezialisten wird rekrutiert und mit dem Raumschiff Theseus auf Abfangkurs geschickt. Doch die Erkundung des fremdartigen Objektes, mit dem passenden Namen Rorschach, erweist sich als schwieriger als erwartet. Das fremde Schiff befindet sich in einer Art Metamorphose und die Zeit wird immer knapper.

Wesentlich kurioser, als die biologischen Maschinen, welche das Erkundungsteam der Theseus vorfindet, muss dem Leser jedoch die Besatzung der Theseus selbst erscheinen. Kommandant des Schiffes ist ein Vampir. Die Blutsauger sind eigentlich eine ausgestorbene Spezies. Der Umstand, das rechte Winkel bei Ihnen epileptische Anfälle verursachen erwies sich als zu gravierend. Die Gentechnik des Menschen hat die Geschöpfe jedoch wieder zum Leben erweckt. Der Verstand eines Vampirs soll dem eines Menschen weit überlegen sein, und so muss sich die Besatzung einem Kommandanten unterordnen, der seine Untergebenen primär als Nahrung betrachtet.

Neben einer Expertin für Kommunikation, die ihren Geist vorsätzlich in mehrere Persönlichkeiten aufspalten ließ, befindet sich auch ein Beobachter an Bord. Der Ich-Erzähler bezeichnet sich selbst als Synthesist. Nachdem man ihm in seiner Kindheit eine Gehirnhälfte entfernt hat, ist er nicht mehr in der Lage Gefühle zu empfinden. Er ist jedoch in der Lage menschliche Gesichter zu lesen und menschliche Gefühle zu analysieren. Dies klingt zunächst absurd, doch vergleicht der Autor es immer wieder mit dem Modell des Chinesischen Zimmers. Für den Protagonisten Siri Keeton bedeutet das, er kann Dinge erklären, ohne sie verstanden zu haben.

Diese reichlich seltsame Truppe, die sich dem Menschsein immer weiter entfremdet hat, steht nun vor der Herausforderung, mit einer völlig andersartigen und absolut nichtmenschlichen Intelligenz in Kontakt zu treten. Man kann nicht wirklich sagen, dass die Theseus und ihre Besatzung dabei besonders erfolgreich vorgeht. Die Lage wird zunehmend verfahrener und das Ende artet gar in Gewalt aus. Immerhin gelingt es Watts mit den Scramblern ein Alien zu kreieren, welches wirklich fremdartig ist und sich angenehm von den Gumminasen-Aliens eines Star-Trek-Universums abgrenzt. Auch der grundlegende Konflikt der sich hinter der Begegnung verbirgt, basiert auf einer Idee, die mir bislang noch nicht so begegnet ist.

Kritisch erscheint mir allerdings die seltsam unmenschliche Mannschaft. Die zahlreichen Spleens und Verrücktheiten der Besatzung bringen die Geschichte nicht wirklich voran, sind andererseits aber auch nicht interessant genug, um als die eigentliche Geschichte gelten zu dürfen. Hier durchmischt Watts seine Ideen in einer Art und Weise, die dem Roman insgesamt nicht gut tut und ihn obendrein deutlich in die Länge zieht.

Fazit

Peter Watts verarbeitet in seinem Roman einige interessante Ideen. Tatsächlich erscheinen einige Dinge sogar erstmalig in dieser Form in der Science-Fiction verarbeitet. Leider gelingt es nicht, diese Ideen zu einer stringenten und wirklich lesenswerten Geschichte zu machen. Zwar legt der Autor größten Wert darauf seine Ideen anhand wissenschaftlicher Theorien zu plausibilisieren, seiner Geschichte tut er damit jedoch nicht unbedingt einen Gefallen.

Copyright 2008 by Johannes Heck

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Comments

  1. Ich bin ganz anderer Meinung, ich habe dieses Buch ebefalls gelesen und fand diesen Roman ausserordentlich gut.

    Meine Meinung ist: Es spielt überhaupt keine Rolle, ob es dem Autor gelingt, das Ganze zu einer stringenten und wirklich lesenswerten Geschichte zu machen. Die Intention des Autors seine Ideen anhand wissenschaftlicher Theorien zu plausibilisieren, halte ich für ausserordentlich gelungen und macht alle anderen negativen Ergebnisse wieder wett.

    Für mich war diese einer der Besten 20 SF-Romane, die ich jemals gelesen habe. Hatte ich erwähnt das ich in meinem Leserleben bestimmt mehrere Tausend goutiert habe?

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