Collector

Bei Buch24.deMarkus Heitz
Collector

(sfbentry)

Heyne 2010
653 Seiten, ISBN 978-3453526501

Im Jahr 3042 führt die Menschheit einen aussichtslosen Krieg gegen die „Collectors“, eine überlegene Rasse die Planeten und ihre Bevölkerungen unter ihren „Schutz“ stellt, ihnen die interstellare Raumfahrt verbietet und jeden Kontakt mit der Außenwelt abbricht. Alles natürlich nur zu ihrem eigenen Besten. Auch die diversen Kolonien der Menschheit werden eine nach der anderen diesem Artenschutzprogramm unterworfen – ohne dass jemand wüßte, wer oder was genau dahintersteckt.

Held des Romans ist der Lastwagenfahrer Kris Schmidt-Keen, der eigentlich nur einen im Schlamm von Venedig gefundenen außerirdischen Überlichtantrieb von A nach B transportieren soll. Ein Routinejob, wie jeder Kraftfahrer sicher bestätigen wird. Doch durch irgendwelche Verwicklungen zwischen rivalisierenden Konzernen wird Kris jäh aus seiner Arbeit gerissen und muss die Erde verlassen, um wütenden Auftraggebern zu entfliehen – und dort, im ewigen All, kommt der dem Konflikt mit den Collectors näher als ihm lieb ist.

So weit, so gut. Positiv an diesem Roman ist die halbwegs kritische working-class Einstellung, aus die das Buch erzählt ist. Ein einfacher Lastwagenfahrer als Spielball von Großkonzernen, die sich um sein Leben wenig kümmern, dafür aber um so eifersüchtiger ihren Gewinn hüten. Charaktere, die nicht aus purer Lebensmüdigkeit auf Abenteuersuche sind, sondern nur ein wenig Geld für ihren ruhigen Lebensunterhalt verdienen wollen und dazu unter widrigen Umständen zu allerlei seltsamen Tätigkeiten gezwungen werden – Geschichten also wie aus dem Leben gegriffen. Doch natürlich ist der Lastwagenfahrer ein ehemaliger Elitesoldat und irgendwie doch ein verhinderter Superheld, den man zu seinem Glück noch zwingen muss – so nimmt die Story ihren Lauf. Die Handlung ist durchaus spannungsvoll erzählt, auch mit einer gewissen Ironie, doch weder will sich der richtige Sense of Wonder einstellen, noch berührt einen die Geschichte irgendwie innerlich.

Dies liegt vor allen an den schematischen Charakteren, die oberflächlich und hölzern agieren und deren spezifische Eigenheiten oft mehr als aufgesetzt werden. Alles ist irgendwie einfach gestrickt und wirkt dadurch eher wie ein schlechtes Jugendbuch oder ein Pulp-Krimi. Die Personen in diesem Buch zeigen kaum einen schmalen Ausschnitt von jener Tiefe und Vielfalt der Ausdrucksformen, zu denen die Menschheit und ihre Literatur fähig sind. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – all diese Gipfel und Abgründe kommen vor, bleiben aber irgendwie flach. Wie ein blaustichiges Kalenderfoto der Alpen nur einen dumpfen Eindruck von der Weite der Landschaft vermittelt, so verlieren auch in diesem Roman die Personen und ihre Widersprüche in der Darstellung fast alles von jener überraschenden Widersprüchlichkeit, die man von Gestalten der Weltliteratur oder auch von den Leuten aus seiner Umgebung kennt.

Es bleibt also der Spannungsroman und die flotte Schreibe. Auf dieser Ebene fließt die Handlung ohne Stockungen, es ist niemals wirklich langweilig. Als klassischer Wer-wars? Krimi oder Rätsel-im-Weltall Space Opera funktioniert das ganze daher durchaus. Wer jedoch ein Buch mit echten Charakteren erwartet, sollte Phillip K. Dick lesen.

Copyright (c) 2010 by Ralf Hoffrogge

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