Das Auge des Teufels

das-auge-des-teufels1Das Auge des Teufels
Jack McDevitt
Alex Benedict Band 4

Bastei Lübbe (2009)
ISBN: 9783404243860
Umfang: 557 Seiten
Originaltitel: The Devil´s Eye (2008)
Übersetzer: Frauke Meier
Genre: Science Fiction
www.luebbe.de

Vorbemerkung:
Es hat für mich den Anschein, dass zumindest neben dem Bastei Lübbe-Verlag auch der Heyne-Verlag von der gleichen Werbeagentur betreut wird. Oder beide Verlage haben in ihren Werbeabteilungen die gleiche Marketingstrategie ersonnen oder voneinander abgeschaut. Konkret geht es mir darum, dass bei beiden Verlagen – und aktuell hier bei Bastei Lübbe – auf den Covers der Bücher nicht mehr erkennbar ist, dass es sich bei dem vorliegenden Roman um Teil X einer Reihe handelt. Waren denn bislang nicht gerade die Reihen, Zyklen und Serien ein Garant für einen Verkaufserfolg? Oder hat sich hier das Käuferverhalten schlichtweg geändert, in dem Sinne von „Oh, nein, nicht schon wieder eine Fortsetzung von Y?“

Jedem sei – gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise – ja eine neue Idee gegönnt, wenn sie denn den erhofften Umsatz bringt. Ich persönlich komme mir aber ein wenig getäuscht vor, wenn ich mich für ein Buch entscheide und dann während der Lektüre feststelle, es handelt sich um Folge soundso und mir fehlt die Vorgeschichte zum besseren Verständnis des aktuellen Romans. Vielleicht reagiere ich aber auch nur empfindlich auf jegliche Art der Täuschung und Manipulation. Man denke an so unsägliche Praktiken wie gekürzte Texte, altes Buch mit neuem Titel usw., die leider nicht völlig der Vergangenheit angehören. Eine gute Geschichte, ein guter Autor hat so etwas nicht nötig. Und ein Verlag mit einem guten Programm erst recht nicht.

Zur Handlung:
Alex Benedict – seines Zeichens interstellarer Antiquitätenhändler, Hobbyforscher und Geschäftsmann – erhält von der berühmten Horrorautorin Vicky Green eine mysteriöse Nachricht zugeschickt, samt einer Überweisung eines beträchtlichen Geldbetrages. Unverständlicherweise muss sich die Autorin unmittelbar nach versenden der Nachricht und des Geldes freiwillig einer völligen Gedächtnislöschung unterzogen haben. Warum? Und wirklich freiwillig?

Benedict nimmt mit seiner Partnerin Chase Kolbath die Spur der Autorin auf. Sie folgen der Reiseroute Vicky Greens, welche sie bis nach Salud Afar, einem weit außerhalb der Milchstraße existierenden Planeten in einem einsamen Sternsystem, führt. Sie suchen alle Orte auf, an denen Green an Interviews, Lesungen und anderen Einladungen teilnahm. Sie sprechen mit jeder Person, die auch nur entfernt einen Hinweis geben könnte, was die Autorin zu diesem radikalen Schritt bewogen haben könnte.

Sie wollen schon frustriert die Suche aufgeben, als sie mehr oder weniger zufällig den Beweggrund Greens für ihre Gedächtnislöschung entdecken. Und sofort sehen sie sich mit Kräften konfrontiert, die mit allen Mitteln verhindern wollen, dass dieses Geheimnis den 2 Milliarden Bewohnern Salud Afars zur Kenntnis gelang. Eine kosmische Katastrophe bahnt sich an und darüber hinaus verschlechtern sich die Beziehungen zu den telepathisch begabten außerirdischen Ashiyyur.

Fazit:
Aufgrund des Klappentextes ist man versucht zu glauben, eine Art Stephen-King-SF-Horror-Story präsentiert zu bekommen und die ersten 150 Seiten schleppen sich mit reihenweisen Andeutungen und recht lahmen Gruselszenen dahin. Erst ab der Mitte des Romans löst sich Jack McDevitt von diesem Plot und es scheint so, als wäre man unvermutet in einer anderen Geschichte gelandet. Liest man andere Rezensionen zu Werken McDevitts, ergibt sich eigentlich ein ernüchterndes Bild: Nette Ideen, ohne Konsequenz und ohne SF-gerechte Phantasie umgesetzt.

Ohne zuviel von der Handlung verraten zu wollen, sei hier erwähnt, dass sich recht schnell die Lösung des Problems/das Ende der Geschichte förmlich auf einem silbernen Tablett offenbart. Das letzte Drittel liest sich dann wie eine handwerklich saubere Arbeit, aber ohne die Chance, ein wenig Spannung, geschweige denn überraschende Elemente zu bieten. Schade, McDevitt hätte hier locker mehr aus der Geschichte machen können. Vielleicht war dies dem Verlag oder den Lektoren bewusst, und dies ist möglicherweise der wahre Grund für die Nichtkennzeichnung als Reihe. Die Logik dahinter verschließt sich mir leider.

Copyright © 2009 by Werner Karl

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Alex Benedict 1: Die Legende von Christopher Sim
Alex Benedict 2: Polaris
Alex Benedict 3: Die Suche

Alex Benedict 4: Das Auge des Teufels

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