Das Wörterbuch des Victor Vau

Gerd Ruebenstrunk
Das Wörterbuch des Victor Vau

Piper Verlag, München, 03/2011
PB mit Klappenbroschur
Social Fiction, SF
ISBN 978-3-492-70224-9
Titelgestaltung von Guter Punkt, München unter Verwendung einer Illustration von Sabine Zels

www.piper-fantasy.de
www.ruebenstrunk.de
www.guter-punkt.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Professor Viktor Vau ist ein typischer Wissenschaftler, der mit seiner Forschung eher auf Häme stößt. Er verhält sich stets wie ein Gentleman der alten Schule, lebt sehr zurückgezogen und liebt seine täglichen Rituale und feste Abläufe, hasst jegliche Abweichungen davon. Sein Leben soll in geordneten Bahnen verlaufen. Ein Leben, das nur auf eines ausgerichtet ist: Viktor Vau ist auf der Suche nach der perfekten Sprache bzw. hat sie entwickelt, mit einer begrenzten Anzahl Elementen, die sich beliebig miteinander kombinieren lassen und jede Situation exakt beschreiben – KATLAN, die erste kategorisierte Sprache der Welt. Viktor Vau setzt diese neue Sprache, die er in seinem handschriftlichen Wörterbuch/Notizbuch festgehalten hat, in einer psychiatrischen Klinik zur Behandlung von Patienten ein, die an Schizophrenie erkrankt sind. Astarte Apostolidis bewirbt sich bei Viktor Vau um eine Assistentenstelle.

Trotzdem sie keine Referenzen vorweisen kann, erhält sie diese auch, da sie durch ihr Wissen überzeugt. Enrique da Soza ist ein neuer Kellner in dem Café, in dem Viktor Vau jeden Morgen frühstückt. Er ist ein gutaussehender, ernster Mensch, der von Alpträumen über die Vernichtung der Welt heimgesucht wird. Als er mit seinem Freund Marek abends in einen Club geht, begegnet er dort Astarte und ist fasziniert von ihr. Schnell stellen sie fest, dass sie ‚zufälligerweise„ beide Viktor Vau kennen. Durch Astarte lernen Enrique und Marek die interessante Thura (60) kennen, zu der sich Marek sofort hingezogen fühlt – so als käme er nach Hause. Und somit haben einige der Hauptcharaktere die ‚Bühne„ betreten. Bei der Luftraumüberwachung für außergewöhnliche Objekte wird ein nicht identifizierbares Objekt entdeckt – eine Kapsel, die an der Küste von Dagombé (Afrika) im Meer landet und über die sich Experten schnell einig sind, dass sie nicht von der Erde stammen kann. Die Kapsel enthält nur ein Blatt Papier mit unlesbaren Hieroglyphen, die von Wissenschaftlern/Linguisten untersucht werden, die darin eine hochkomplexe Schrift sehen, aber nicht so recht weiterkommen.

So wird als weiterer Fachmann Viktor Vau dazu gebeten. Astarte soll während seiner Abwesenheit seine Arbeit mit den Patienten fortsetzen. Vor seiner Abreise gibt er Enrique sein ‚Wörterbuch„ zur Aufbewahrung. Präsident Gordon Banda hat Aqua Caliente (in Dagombé), die erste Infocity der Welt, errichten lassen. Joel Winter arbeitet für ihn und hat den Sicherheitsdienst für den Präsidenten aufgebaut. Er bringt die Wissenschaftler/Linguisten zwecks Erforschung der Kapsel und der darin enthaltenen Botschaft nach Aqua Caliente. Viktor Vau findet in der Kapsel die visuelle Botschaft eines jungen Mannes, die ihn völlig aus der Bahn wirft, denn der erste Satz der Botschaft lautet: „Tötet Viktor Vau.“ Darauf flieht der Professor aus Aqua Caliente und erhält überraschend Hilfe von einer Unbekannten. Aber auch Astarte und Enrique geraten immer mehr in Bedrängnis, als Viktor Vau wieder auftaucht, da sie in das Gerangel um das ‚Wörterbuch„, das mehrere Parteien in ihren Besitz bringen wollen, geraten. Ein weiteres Puzzleteil (Handlungsstrang) stellt eine Mordserie dar, der junge Frauen zum Opfer fallen, denen Hautstellen in Form von Blüten aus dem Rücken geschnitten werden. Daher erhält der Täter, den Kommissar Marc Fellner zur Strecke zu bringen versucht, den Namen ‚der Florist„. Dieser scheint ebenfalls aus dem Umfeld der Hauptakteure zu stammen, denn eines der Opfer ist eine Freundin von Astarte.

Ein weiterer Strang sind die Eintragungen im ‚Log des Protektors„, der futuristisch anmutet. Und so ist es auch – wie sich zum Ende des Buches hin herausstellt. Doch damit nicht genug: Dieser Roman hält noch erheblich mehr Charaktere und Ränkespiele bereit. Jeder darin hat ein Geheimnis zu verbergen, fast keiner scheint das zu sein, was er vorgibt, jeder ist bestrebt, sein eigenes Süppchen zu kochen – was die Spannung zusätzlich erhöht Es stellen sich nun viele Fragen. Einige davon sind: Welche Botschaft enthält die Kapsel? Was hat Professor Vau so aus der Bahn geworfen? Was geschieht mit Enrique und Astarte? Und wer ist Thula? Was hat es mit den rätselhaften Frauenmorden auf sich?

In diesem Buch geht es um Sprache. Die Suche nach der vollkommenen Sprache – einer Plansprache, um präzise zu sein. Alles dreht sich um das Raum-Zeit-Kontinuum, Geheimdienste, Terrorismus, Machtgerangel, um das apollinische und dionysische Prinzip, um Autismus, um den Kampf der linken und rechten Hirnhälfte/Hemisphäre in jedem von uns – und um „das Wörterbuch des Viktor Vau“, das schlussendlich mehr beinhaltet als nur eine neue Sprache. Das wiederum führt zu dem einzigen Negativum in dem ansonsten herausragenden Buch: das Lektorat. Besonders peinlich ist es in einem Werk, in dem es um die absolute Sprache geht, wenn gerade diese nicht vollends stimmig ist, weil das Lektorat nicht optimal angeglichen hat. Da werden ständig Dialoge gelächelt, gelacht, gegrinst, sogar genickt. Das mache erst mal einer vor, ein „Guten Tag, Frau Apostolidis!“ zu nicken, grinsen, lächeln! Gedanken werden in Dialogzeichen gesetzt, aber auch stiltische Unebenheiten wurden nicht beseitigt, um nur einige weitere Beispiele zu nennen.

Das ist aber auch das einzige Manko, denn alles andere stimmt, wie die angenehm zurückgenommene Klappenbroschur, die als Buchumschlags-Motiv das Wörterbuch zeigt, Papier, Satz und vor allem der Inhalt, der hundert Prozent zu überzeugen weiß. Dem Autor ist ein großes Lob auszusprechen, weil er mit einem Plot aufwartet, der jenseits des Mainstreams ist und dennoch von der ersten bis zur letzten Seite zu unterhalten weiß – und das auf stringentem Niveau. Dabei vermittelt Gerd Ruebenstrunk spielerisch Wissen und bietet auch noch ein perfektes Crossoverprojekt zwischen Phantastik und Social Fiction, die in einer Welt stattfindet, die sich zu einer omnipotenten Dynastie zusammengeschlossen hat. Was dem Autor ebenfalls perfekt gelingt, ist, ein Gefühl der Nähe zwischen dem Leser und den Akteuren aufzubauen und durch einen schnörkellosen Stil Unterhaltungen zu gestalten, die nicht auf Seite schinden und keinerlei Längen aufweisen.

„Das Wörterbuch des Viktor Vau“ ist ein Pageturner, den man nicht aus der Hand legen mag und der einen mit der Gewissheit entlässt, etwas dazugelernt und etwas zum Nachdenken zu haben. So schnell lässt einen die Thematik jedenfalls nicht los. „Das Wörterbuch des Victor Vau“ ist ein intelligentes Buch. Ein spannendes Buch. Ein anderes Buch. Und absolut empfehlenswert!

Copyright © 2011 by Alisha Bionda (AB)

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