Der Aufstieg

Drew Karpyshyn
Der Aufstieg

Serie: Mass Effect
OT: Mass Effect: Ascension
Autor: Drew Karpyshyn
Ü: Mick Schnelle
Seiten: 315
ISBN: 978-3-8332-1745-6
Verlag: PaniniBooks, 2008

Chronologisch spielt der vorliegende Roman nach den Ereignissen, die die Handlung von Biowares erstem „Mass Effect“-Videospiel umfasst.

Nachdem die Allianz den Angriff der Geth unter Führung des ehemaligen Spectres Saren Arterius zurückschlagen und so die Citadel vor der Vernichtung bewahren konnte, versucht der Führer der pro-menschliche Terrororganisation „Cerebus“, der sogenannte Erleuchtete, die Gunst der Stunde zu nutzen, um die Position der Menschheit, die von anderen führenden Völkern wie Salarianern. Turianern oder Asari immer noch mit Herablassung betrachtet wird, innerhalb der Allianz durch Intrigen, Spionage und Mordkomplotte auszubauen.

Der drogensüchtige Paul Grayson ist einer der hervorragend geschulten Agenten, die im Dienste Cerebus‘ die Dreckarbeit verrichten. Sein aktueller, von langer Hand vorbereiteter Auftrag führt ihn auf die Raumstation Elysium, wo sich die Wissenschaftler der „Jon Grissom“-Akademie im Ascension-Projekt der Erforschung des Biotiker-Phänomens widmen. Der Erleuchtete ist besonders an dem an leichtem Autismus leidende Mädchen Gillian, der vielversprechendsten Probandin des Programms, interessiert und hat arrangiert, dass Paul Grayson als Vater des Kindes in den Akten der Akademie geführt wird.

Als Grayson auf Elysium eintrifft, überstürzen sich die Ereignisse. Die Leiter des Projektes, Kahlee Sanders und Ausbilder Hendel enttarnen einen Crebus-Agenten, welcher an Gillian unautorisierte Experimente vornimmt und damit das Leben der Probandin, aber auch das des Akademie-Personals aufs Spiel setzt.

Graysons, dessen Tarnung zwar noch steht, jedoch in Gefahr ist, will daraufhin Gillian unter dem Vorwand von der Station schaffen, sie sei dort nicht mehr sicher. Sanders und Hendel willigen unter der Bedingung ein, Vater und Tochter begleiten zu dürfen – Sanders, weil sie dem Mädchen helfen will, Hendel, weil er Grayson wegen dessen Drogenkonsums misstraut.

Während der Geschehnisse auf Elysium versucht ein weiterer Agent – Pel – die Migrantenflotte der Quarianer zu infiltrieren. Die Quarianer ziehen als nomadisches, heimatloses Volk seit über 300 Jahren mit einer trotz ihrer Größe für Außenstehende unzugänglichen Armada von zig-Tausend Raumschiffen durch die Galaxis – noch nie wurde einem Nicht-Quarianer der Zugang zu einem einzigen der Schiffe gewährt. Pels Auftrag führt ihn auf die Raumstation Omega, einem dreckigen, tödlichen Schmelztiegel aller Spezies, wo er mit Hilfe eines ausgestoßenen Quarianers die geheimen Zugangscodes der Flotte zu erhalten hofft.

Auch die Flucht von „Vater“, „Tochter“, Hendel und Sander führt nach Omega, da – so behauptet Grayson – man dort vor dem Zugriff von Cerebus-Agentin am sichersten sei. Als sein wahrer Plan, zusammen mit Pel die beiden Wissenschaftler auszuschalten, misslingt – nicht zuletzt wegen des Eingreifens eines weiteren Quarianers und wegen des Gewissens, das sich mittlerweile in Paul Grayson zu regen beginnt -, wird aus der vorgetäuschten Flucht eine reale, wobei der einzige Aufenthaltsort, den der lange Arm des Erleuchteten nicht erreichen kann, die Migrantenflotte ist.

Neben seinem gelungen „Mass Effect“-Auftaktband zeichnet Autor Drew Karpyshyn auch für diesen zweiten Roman der Serie verantwortlich und liefert wiederum alles in allem eine ordentliche, gefällig geschriebene Auftragsarbeit ab, in der sich die Schwerpunkte allerdings etwas verlagert haben.

Die Charaktere selbst sind verglichen mit „Die Offenbarung“ deutlich eindimensionaler und hölzerner; insbesondere Graysons Läuterung vom skrupellosen, drogensüchtigen Cerebus-Killer zum aufopferungsbereiten Vater erscheint alles andere als plausibel.

Die Schwäche in den Charakterzeichnungen wird allerdings durch die fesselnde Beschreibung sowohl der Raumstation Omega, als auch der Eigenheiten der quarianischen Gesellschaft mehr als aufgewogen, auch wenn diesen Szenen deutlich mehr Raum hätte eingeräumt werden sollen, als ihnen Karpyshyn und die Macher von Bioware zugestanden haben, denn der Reiz von Science Fiction liegt gerade in alternativen, utopischen oder dystopischen Gesellschaftsentwürfen sowie allgemein futuristisch ausgemalten Settings und weniger in 0815-Action, an der es in „Der Aufstieg“ beileibe nicht mangelt.

Trotz der simplen Story und der dünnen Charaktere ein alles in allem unterhaltsamer,  gefällig geschriebener SF-Roman, der in erster Linie von der Exotik des Hintergrundes lebt.
(Frank Drehmel)

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Mass Effect, Bd. 2: Der Aufstieg

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