Der ewige Krieg

der-ewige-kriegJoe Haldeman
Der ewige Krieg

(sfbentry)
Heyne (8206)
ISBN 9783453164147
Science Fiction
Taschenbuch
Umfang 322 Seiten
Originaltitel: The Forever War (1974)
Neu erschienen und vom Autor überarbeitet: 2008
Uebersetzerin: Birgit Ress-Bohusch
Titelbild: Ian Craig
www.heyne.de

 

Verzeihen Sie mir den Ausdruck – wir Franken sind manchmal verbal sehr direkt – aber um es glasklar zu sagen: Krieg ist Scheiße! Und zwar jede Art von Krieg. Die beste Methode einen Krieg zu gewinnen, ist es, den Krieg erst gar nicht zu beginnen (stammt nicht von mir). Dass wir Deutschen davon ein Lied singen können, dürfte allgemein bekannt sein. Auch andere Nationen haben zur Genüge ihre Erfahrungen mit Kriegen gemacht.

Selbstverständlich auch die Amerikaner, in der Vergangenheit (besonders: Vietnam) genauso wie an mehreren Schauplätzen moderner Zeitrechnung (hier „herausragend“: Irak). Dass solche Ereignisse einen jungen Soldaten prägen, liegt unbestritten auf der Hand, und der Autor Joe Haldeman ist dafür geradezu ein positives Paradebeispiel. Anstatt in Rambo-ähnlicher Manier Amok zu laufen oder an der Ablehnung durch die eigenen Landsleute bei seiner Heimkehr zu verzweifeln, hat er sein Vietnam-Trauma in mehreren Romanen ver- und aufgearbeitet.

Er hätte dies nicht unbedingt im Genre Science-Fiction tun müssen, aber die Science-Fiction liefert ihm u.a. die Möglichkeit, die Sinnlosigkeit, den permanenten Schwachsinn des Krieges und die menschenverachtende Vergewaltigung der Soldaten durch die eigene Führung auf die Spitze zu treiben.

Zur Handlung: Durch ein schreckliches Missverständnis kommt es zwischen der Menschheit und einer außerirdischen Rasse, den Taurern, zu einem interstellaren Krieg. Beide Seiten benutzen fürchterliche Waffen und kämpfen mit gnadenloser Grausamkeit, und Haldeman schildert dies in aller Deutlichkeit. Ich möchte nicht wissen, welche Begebenheiten er aus seiner Dienstzeit erlebt und erlitten hat und in seine Romanhandlung einfließen ließ. Allein hierin sehe ich schon den ersten Fakt für seinen – erlernten?! – Pazifismus: Es muss endlich Schluss sein, mit Krieg verherrlichender Darstellung, Schilderung von Metzeleien, die dann von herausgeputzten Etappenhengsten auch noch als Heldentat hingestellt werden. Natürlich gibt es echte Helden, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um Kameraden oder Unschuldige zu retten.

Nun sind die Regeln im All bei zukünftig anzunehmender Antriebstechnik völlig andere als auf einem Planeten. Nahe der Lichtgeschwindigkeit tritt ein Zeitdehnungseffekt – die Dilatation – auf. Dies hat auf den Protagonisten, den einfachen Soldaten Mandella, zwei gravierende Auswirkungen: Zum einen wissen er und seine Kameraden beim Bremsvorgang nahe eines Kriegsschauplatzes nie, ob sie auf einen aus der relativistischen Zukunft und damit überlegenen Feind stoßen oder einen aus der relativistischen Vergangenheit, der ein leichtes Opfer für ihren Angriff darstellt. Zum zweiten führt die Zeitdilatation natürlich auch zu anderen Zeitabläufen auf der Erde. Wenn der Kriegsverlauf einen Besuch der Heimat zulässt, stehen die Soldaten vor ihnen fremden Gesellschaften, ihre Soldwährung ist praktisch nichts mehr wert und alle Verwandten und Freunde sind längst gestorben. Also kehren die meisten in die einzige Familie zurück, die ihnen geblieben ist: ihre Einheit.

Auch hier knüpft Haldeman ein dicken Faden zur Realität. Die heimkehrenden, traumatisierten GI´s sahen sich einer Anfeindung ausgesetzt, mit der sie niemals gerechnet hätten. Ganze Lebensläufe vieler ehemaliger Soldaten wurden von dieser Ablehnung beeinflusst.

Nach dem grandiosen Erfolg von „Der ewige Krieg“ folgten (spät) „Am Ende des Krieges“ (Originaltitel Forever free, 1999), 2002 als Heyne 06/6391, ISBN 3453196724 und eben die hier rezensierte Veröffentlichung, die von Autor überarbeitet und erweitert wurde. Für „Der ewige Krieg“ erhielt Haldeman 1976 zwei der wichtigsten Science-Fiction Preise, den HUGO-, als auch den NEBULA-Award. Joe Haldeman fand auch Anerkennung von anderer Seite. Zitat: „Joe Haldeman ist nicht nur ein genialer SF-Autor, sondern auch einer jener Schriftsteller, die wirklich unersetzbar sind.“ Wer das gesagt hat? Niemand anderer als Stephen King.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

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Der ewige Krieg

Comments

  1. Bemerkenswert ist, dass einer der besten SF-Romane nur wenig mehr als 300 Seiten hat.

    Vor längerer Zeit hatte ich am Flohmarkt an der Uni die uralte Auflage des Romans erstanden. Leider entdeckte ich erst beim Lesen, dass die letzten Seiten fehlten – rausgerissen. Leider, weil einige Jahre ins Land zogen, bis obige Ausgabe erschien. Aber auch glücklicherweise, weil ich sonst möglicherweise einen der großartigsten Juwelen der SF nicht für mich entdeckt hätte.

    Sehr schön ist auch der dreibändige Comic „Der ewige Krieg“ von Marvano und Joe Haldeman, erschienen in der Reihe ComicArt im Carlsen Verlag.

  2. Wer Haldemans ewigen Krieg mochte, der kann sich vermutlich auch mal den Ewigen Frieden anschauen. Forever Peace stellt zwar eine ganz andere Variation des Grundthemas dar, doch rückt die Fiktion hier meiner Meinung nach nähern an unsere Wirklichkeit als die abgehobene Hardcore Fiktion des Ewigen Krieges.

  3. „Der ewige Friede“ ist auch nicht schlecht, kommt meiner Meinung nach aber nicht an „der ewige Krieg“ ran. Die Romane beleuchten auch ganz verschiedene Aspekte des Krieges, weswegen sie nicht direkt vergleichbar sind.

    Interessant ist auch das Buch „Nie wieder Krieg“ mit Geschichten von bekannten SF-Autoren wie Ben Bova, Harry Harrison, Isaac Asimov und eben Joe Haldeman. Er war auch der Herausgeber.
    (So richtig kann ich mich allerdings nicht mehr an die Geschichten erinnern. Ich muss es mir wieder mal unter’s Kopfkissen legen ;-))

  4. Diese Anthologie habe ich damals gelesen, fand sie richtig klasse. Aber wenn ich heutzutage damit ins Bett müsste… – na, weiß nicht, nicht alles, was man als junges Mädchen mochte, gefällt einem heute als reifere Frau! 😉

  5. Irgendwann riskiere ich’s mal 🙂

    Das ging mir im Übrigen bei Fosters ollen Flinx- und Eissegler-Romanen so. Früher hätte ich denen einen Schrein gebaut, und jetzt habe ich mich doch leicht durch die Seiten gequält.

  6. Die Zeiten ändern sich; der Standart auch, und auch die man selbst, so ist das halt. Als wir früher noch Höhlen bewohnten, hat man sich gegenseitig Geschichten erzählt. Heutzutage mus das richtig funzen, ob Buch, Film oder Theater, Oper oder sonstwas. Später geht nix mehr unter virtueller Realität, alles andere wird keinem mehr hinter dem Ofen hervorlocken! Vielleicht wird man sich ganz und gar in die VR integrieren, weil die dann sogar mehr Input bringt als die wirkliche Welt, die hat dann ausgesorgt und dient nur noch unseren Körpern als Existezgrundlage. Unser Geist und Bewußtsein wird dann in anderen Spären und Dimension sein Darsein genießen! Wollen wir wetten?

  7. Haha, wetten leicht gemacht: das mit der VR und der „vollen Immersion“ kann sich hinziehen 😉

    Mir ist lieber, wenn eine Geschichte erzählt wird, die authentisch rüberkommt, wie wenn sich bloß Effekte aneinanderreihen. Wie bei allem ist auch hier weniger manchmal mehr.

    Was mir bei den Fosters das Leid am Lesen verursacht hat, war nicht die Geschichte an sich oder der Mangel an Aktion, sondern der holprige Schreibstil, die stereotypen Charaktere und ihre hölzernen Dialoge.

  8. Von Foster hat mir damals am besten „Das Tar-Aym Krang“ und „Die Eissegler von Tran-ky-ky“ gefallen. Einige der Flinx-Romane – so weit ich mich erinnern kann – ebenso, andere weniger.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl ;-))

  9. Ich kenne von Foster nur die Alien-Film-Adabtionen, die ich handwerklich sehr ordentlich fand. Damit soll Foster übrignes mehr verdient haben als mit allen seinen eigenen Romanen zusammengenommen!

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