Der Rand des Mandala

Paul Cook
Der Rand des Mandala

Heyne / Science Fiction & Fantasy (4792)
383 Seiten
ISBN 3453049888
Originaltitel: On the rim of the Mandala (1987)
Erschienen: 1991
Übersetzer: Horst Pukallus
Titelbild: Michael Hasted

Was ist ein(e) Mandala? Offenbar habe ich bei mir eine Bildungslücke entdeckt. Leider ist diese nach der Lektüre des Buches von Paul Cook (Tintagel, 1981) auch nicht geschlossen. Ich kann nur mutmaßen, dass ein(e) Mandala ein speichenradartiges Etwas ist, jedenfalls spielen diese Speichen eine Rolle im Roman. Der Autor wie auch der Übersetzer H. Pukallus scheinen vorauszusetzen, dass man sich unter „mandalaförmig“ etwas vorstellen kann.

Im Buch ist das Mandala das Handlungsgebiet. Der Teil der Menschheit, um den es geht, hat die Erde und das Sonnensystem verlassen, um in der Sternregion des Mandala zu leben. Nur in den Speichen dieses offenbar künstlichen kosmischen Gebildes ist der überlichtschnelle Transport (das Spindeln) möglich, und nur Sterne, die sich in den Speichen befinden, sind so erreichbar. Astronomisch gesehen ist die Konstruktion äußerst schwachsinnig, einmal abgesehen vom überlichtschnellen Flug. Die Sonne hat sich kurz durch eine Speiche bewegt, was die Emigration der Menschen (der Rest ist wohl untergegangen, man trauert ihm nicht groß nach) ermöglichte. Fragwürdig ist sofort, warum bewegte sich das Sonnensystem in relativ kurzer Zeit durch das Gebiet, während man sich um das Abwandern anderer Mandalasterne keine Sorgen macht? Außerdem ist eine derartige (zufällige!) Häufung von bewohnbaren Welten extrem unwahrscheinlich; und bei der Bewegung der Struktur durch das All müsste diese Konzentration überall herrschen! Nicht einmal bloße Sterne stehen im Milchstraßensystem so dicht.

Doch die beschriebenen schweren Mängel beziehen sich wirklich nur auf die astronomische Seite des Werkes. Vielleicht fiel Cook nichts anderes ein, um den von ihm benötigten Hintergrund zu schaffen, und er machte sich nicht viele Gedanken um Stimmigkeit und Logik.

Die Handlung des Buches entschädigt dafür, wenn es der Durchschnittsleser überhaupt merkt, dass da etwas nicht stimmt. Der Roman ist ein Space-Crime-Action-Thriller. Die Handlung ist im wesentlichen auf rasante Gefahrensituationen ausgelegt, deren Hintergrund eine Art detektivische Suche nach den Ursachen bildet.

Der Held Lou Colleran ist ein nicht alternder Sicherheitsbeamter der Mandala-Regierung, der 413 Jahre alt ist und dessen Funktion als Regulator ihn mit einer ultimativen Waffe ausstattet. Durch sein Alter bedingt hat er zwar ständig Halluzinationen und Wachträume, ist aber sonst der typische Polizist.

Er wird mit der Situation konfrontiert, dass gewisse hässliche Monster auftauchen, die mit Vorliebe Raumkreuzer in Stücke reißen und halbe Planeten verwüsten. Fortan macht er Jagd auf sie und ihre Hintermänner (Hersteller), kann aber die Katastrophen meist nicht verhindern (sonst wäre ja auch nicht viel los). Die eigentliche Aufklärungsarbeit ist spannend beschrieben, wenn auch die Handlung gelegentlich an Unlogik krankt und der Held sich für meinen Geschmack zu viel um Nebensächlichkeiten kümmert. Auch tritt das Problem einer Reihe ähnlicher Werke auf, dass sich der Leser aus den Tatsachen, die dem Helden ebenso bekannt sind, viel eher zusammenreimt, worauf es ankommt, als der Held selbst. Das macht ungeduldig.

Nach einer ganzen Reihe dramatischer Szenen, die in schneller Folge alle möglichen giganto-manischen Varianten der Monster auftreten lassen, endet der Roman allerdings mit einem Ende, das dermaßen blöd ist, dass es weh tat. Der schuldige Erzbösewicht stirbt quasi im Vorbeigehen, was im Nachhinein erzählt wird, der Held wird von ihm vorher aber noch in ein Monster transformiert, worüber er dann gar nicht böse ist, kann er sich doch jetzt, in der Atmosphäre eines jupiterartigen Planeten schwebend, seinen Träumen und Halluzinationen hingeben. Das ewige Leben als Mensch hat ihm wohl gereicht. Auch die Transformation selbst, die auf gentechnischem Weg erfolgt, offenbart die wissenschaftliche Achtlosigkeit Cooks, die er mit allen teilt, die glauben, ein und dasselbe Lebewesen könne mutieren. Das ist bekanntlich ein mit der Vererbung verbundener Vorgang, für den mindestens ein Generationswechsel nötig ist.

„Der Rand des Mandala“ ist trotz der Mängel für all jene lesenswert, denen der Sinn nach Aktion geladener, spannender Handlung steht. Ich würde es eine Space Opera nennen. (Wilko Müller jr.)

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Der Rand des Mandala. Roman.

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