Der Ring

Paul Melko
Der Ring

(sfbentry)
Originaltitel: Singularity´s Ring (2008)
Deutsche Übersetzung von Ulrich Thiele
München: Verlagsgruppe Random House 2011
Heyne Taschenbuch 52765
Science Fiction
Umfang 414 Seiten
ISBN 978-3-453-52765-2

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Der vorliegende Roman war der Erstling des us-amerikanischen SF-Autors Paul Melko, von dem in Deutschland jedoch zuerst sein hervorragendes Buch Die Mauern des Universums (2010 bei Heyne) erschienen ist. Der Ring ist eine gut geschriebene, inhaltlich jedoch nicht hochklassige Abenteuergeschichte, spannend zu lesen, aber längst nicht so ausgereift und wunderbar wie Die Mauern des Universums.

Erzählt wird von einer Erde in der Zukunft, auf der 90 % der Menschen nicht mehr anwesend sind. Diese hatten sich vorher zu einer Art Kollektivintelligenz zusammen geschlossen, hatten sich durch eine Steckverbindung direkt ins Gehirn mit einer ausgereiften künstlichen Intelligenz verbinden können. Doch diese Menschen, die sich “Community” nannten und die einen gewaltigen künstlichen Ring um die Erde geschaffen hatten, zu dem man mit Fahrstühlen hinauf in den Weltraum fahren konnte, scheinen alle verschwunden. So bekommen es jedenfalls die neuen Schüler mitgeteilt, die genetisch optimiert worden sind und die in der Lage sind, sich mit anderen Kindern zu einer Art “homo gestalt” zusammen zu finden. So funktionieren dann zwei bis fünf Menschen fast wie einer, sie können ihre Psyche, ihre Erinnerungen und Emotionen miteinander teilen und gehören für immer zusammen, haben sogar einen gemeinsamen Namen. Diese verbundenen Menschen werden Pods genannt (bzw. Pod in der Einzahl) und haben die Macht über die Erde, denn die sogenannten Singletons (also Menschen, die nie zu anderen Verbindung hatten oder bei denen die Anbahnung der Verbindung schief gelaufen ist und die alleine übrig blieben) haben auf der Erde nichts zu sagen.

Manuel, Strom, Moira, Meda und Quant sind einer der ganz seltenen Pods, die aus 5 Menschen bestehen. Sie werden darauf trainiert, eine Expedition in den Weltraum zu übernehmen, was schwierig geworden ist, denn mit dem Verschwinden der “Community” ist allen Menschen der Ring verschlossen, der sich völlig von der Außenwelt abgeriegelt hat. Deshalb mußte alles neu aufgebaut werden und die Hoffnung der neuen Machthaber richtet sich auf die neuen, verbesserten Pods. Als jemand jedoch versucht Manuel, Strom, Quant, Moira und Meda zu ermorden, wird schnell klar, dass viel mehr hinter den neuen Pods steckt, als diese selbst glauben. Und so erfahren die fünf auch, was wirklich aus den Menschen der “Community” geworden ist, wer ihre genetische Optimierung errechnet hat und was ihr eigenes Schicksal dereinst sein soll…

Auch wenn die Geschichte von Anfang an spannend ist (gleich zu Beginn sterben die fünf fast in einer Lawine und der Autor sorgt so gleich für viel Action), so mangelt es dem Roman doch etwas an Tiefe, was vornehmlich an den schablonenhaften Charakteren liegt. So werden die ersten fünf Kapitel zwar aus der Sicht jeweils eines anderen Mitglieds des Fünferpods, der zusammen Apollo Papadopulos heißt, erzählt, aber man merkt fast keinerlei Unterschied zwischen den Einzelnen (lediglich Strom, im Pod der Mann fürs Grobe, unterscheidet sich in Nuancen von den anderen), da Charaktereigenschaften nur extrem schwach ausgeprägt zu sein scheinen. Dass dies der Konstruktion des Autors geschuldet ist (der Entwurf des hier geschilderten “homo gestalt”, was konkret bedeutet, dass die Summe aller Teile in ihrem Zusammenwirken mehr ergeben soll als alle Einzelteile einfach nur zusammengerechnet), kann aber während der Lektüre an keiner Stelle glaubhaft dem Leser vermittelt werden. Leider gibt es auch sonst keine glaubhaften Protagonisten, so dass der Spannungsgehalt und die interessanten Ideen bzw. Sujets des Buchs zumindest eine eindrückliche Atmosphäre generieren.

Ein insgesamt lesbarer und unterhaltsamer SF-Roman mit vielen guten Ideen, der schon erahnen lässt, dass Paul Melko ein Autor werden könnte, auf den man sich freuen darf (was er dann mit Die Mauern des Universums auch eindrücklich unter Beweis gestellt hat).

Copyright © 2011 by Gunther Barnewald

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