Der Stolz der Flotte

der-stolz-der-flotteDavid Weber
Der Stolz der Flotte
Honor Harrington Band 9

(sfbentry)
Bastei Lübbe, Buch 23241 (2001)
Originaltitel: „Echoes of Honor“ (1998)
Science Fiction
Titelbild: David Mattingly
ISBN 978-3-404-23241-3
Übersetzer: Dietmar Schmidt
Umfang: 986 Seiten

www.luebbe.de
www.bastei.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor:

Vielleicht ist es ja wie Eulen nach Athen zu tragen, aber ich muss es einfach tun: David Weber ist definitiv mein aktueller Lieblingsautor. Nicht nur wegen seiner Honor-Harrington-Reihe, um dessen 9. Band es im Folgenden geht, sondern wegen seines Schreibstils und seiner fast konkurrenzlosen Art Military-SF, Schifffahrt, Taktik, Strategie, Politik, Technik, Zwischenmenschliches mit einem kräftigen Schuss Gefühl und Außerirdisches zu packenden Romanen zu verarbeiten. Manchmal hat es mir echt die Tränen aufgrund Gefühlsaufwallung – Wut, Stolz, Rache, Genugtuung, Ekel, Abscheu – in die Augen getrieben. Dazu zählt für mich auch die Reihe „Nimue Alban“, von der bis dato leider in deutscher Sprache nur 4 Bände vorliegen und natürlich „Die Excalibur-Alternative“.

Nun ist es so ein Dilemma mit Schubladen und Einordnungen. David Weber gehört sicher zu den Autoren, welche – gute – Military-SF schreiben. Aber ihn alleine diesen Stempel aufzudrücken, wäre nicht gerecht. Die Gefahr SF-Fans von der Lektüre seiner Romane damit abzuhalten, ist gegeben. Darum richte ich diese Rezension gerade an diejenigen, welche bis dato keine Military-SF lesen wollten. Tut es einfach und ihr werdet angenehm überrascht sein, versprochen!

Zum Buch:

Der Krieg zwischen der Volksrepublik Haven und dem Sternenkönigreich Manticore ist voll entbrannt und beide Seiten erleiden Siege und Niederlagen. Die angreifende und expandierende Nation Haven hat gerade eine innenpolitische Revolution hinter sich gebracht, bei der das alte Regime mit einem immensen Blutzoll hinweggefegt wurde. Doch die neue Führung ist im Prinzip um keinen Deut besser als die vorherige. Man nennt sich „Komitee für Öffentliche Sicherheit“ und David Weber gibt ihm überdeutliche Merkmale der Französischen Revolution. Der Vorsitzende des Komitees heißt Bürger Robert Stanton Pierre, sein reales Pendant war selbstverständlich Robespierre. Jedes Volksmitglied, ob Bürger oder Soldat, zittert vor dem Komitee, das alle Gegner der Revolution an die Wand stellt. Sogar Militärs, welche eine ihnen übertragene Aufgabe nicht erfüllen und unerwünschter Weise überleben, werden hingerichtet oder wandern auf einen geheimnisvollen und höllischen Gefängnisplaneten.

In den Raumschiffen der Volksrepublik und bei jeder anderen militärischen Einheit schieben Volkskommisare Dienst, überwachen misstrauisch jeden Schritt der militärischen Führer. Sie sind absolut mit den sowjetischen Politkommisaren samt Arroganz, Unwissen und tödlicher Gefährlichkeit gleichzusetzen. Dazu kommt noch eine selbstredend mehr als mangelhafte Planwirtschaft, sozialistisches Gedankengut und fertig ist die Volksrepublik Haven, das Reich des Bösen.

Dem gegenüber steht das Sternenreich Manticore, eine parlamentarische Monarchie, simultan dem englischen Königshaus. Manticore ist eine Mischung aus eben dieser Monarchie, britischem Commonwealth und Fortschrittsnation amerikanischer Prägung. Das Reich des Guten, die guten Jungs. Und Mädchen, denn die unbestritten berühmteste – und erfolgreichste – Kommandantin ist Honor Harrington, ihres Zeichens Gräfin und Gutsherrin von Harrington, Ritter im Orden von König Roger, darüber hinaus Flottenadmiral der mit Manticore alliierten Macht Grayson. Beide, Manticore und Grayson, repräsentieren den freien Geist, die aufstrebende, intelligente und vor allem innovative Macht, die zunehmend den Haveniten System für System abnimmt.

Doch dann kommt, was schon lange überfällig war: Harrington verliert ein Gefecht. Sie kann zwar verhindern, dass ein wichtiger Konvoi aufgebracht und vernichtet wird, doch ihre unterlegene Einheit wird zum Großteil aufgerieben und sie selbst mit etlichen Gefährten gefangen genommen. Honor wird schwer verletzt, verliert einen Arm, ein Auge und wird gefoltert. Doch mit Hilfe ihrer Mitgefangenen gelingt ihr die Flucht aus der Gefängniszelle und die Zerstörung ihrer Widersacherin, einem Mitglied des Komitees. Sie rettet sich ausgerechnet auf den Gefängnisplaneten der Volkrepublik, Hell genannt. Dort hat die Systemsicherheit die Macht, abgekürzt SyS. Für alle jungen Leser, denen diese Buchstaben nicht sofort etwas sagen: Hier wird die nationalsozialistische SS dargestellt, mit allen Attributen welche auch Hitler und Himmler ihr mitgegeben haben: Schwarze Uniformen, eigene militärische Waffengattungen und unausweichlich entsprechende Gräueltaten, welche sie an den Gefangenen auf Hell verüben.

Doch es wäre nicht die Volksrepublik Haven, wenn sie diese Katastrophe ihrem Volk, der galaktischen Völkergemeinschaft, oder den Medien einfach so zugeben könnte. Man Inszeniert ein Schauspiel, eine Farce, einen Betrug ohne Gleichen: Die Hinrichtung von Honor Harrington, dem Stolz der manticoranischen Flotte. Und dies vor laufenden Kameras. Das Königreich Manticore ist geschockt, der Elan der Flotte erlahmt und man begnügt sich mit dem Status Quo, man versucht die befreiten Systeme zu halten. Das Stagnation der erste Schritt zum Rückschritt ist, ist auch in der Zukunft so. Und Haven lässt sich diese Chance nicht entgehen…

Doch Harrington wäre nicht sie selbst, wenn sie aus einer Niederlage nicht noch einen Sieg zaubern könnte. Denn ihr größtes Glück im Unglück ist die Tatsache, dass die Besatzung von Hell, das Wachpersonal der SyS, der Systemsicherheit, nicht mitbekommen hat, das Honor Harrington und ihre wenigen Mitflüchtlinge überlebt haben. Es ist nie gut einen Feind im Rücken zu haben, von dem man nichts ahnt. Und schon gar nicht, wenn dieser Feind eine Stinkwut hat und Honor Harrington heißt…

Fazit:

Ich könnte munter seitenweise weiter schwelgen, aber DIESE fast 1.000 Seiten sind für mich der bisherige Höhepunkt der Reihe. Lesen!

Copyright © 2010 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
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