Der Wüstenplanet: Paul Atreides

Brian Herbert und Kevin J. Anderson
Der Wünstenplanet: Paul Atreides

(sfbentry)
Heyne
Science Fiction
Deutsche Erstausgabe 2/ 2010
Titel der Originalausgabe: Paul of Dune
Übersetzung: Jakob Schmidt
Umfang 690 Seiten
ISBN 978-3-453-52332-6

www.heyne.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Seit vielen Jahren wird das unvollendete Lebenswerk Frank Herberts von seinem Sohn Brian zusammen mit dem Bestseller-Autor Kevin J. Anderson erweitert und ergänzt. Nachdem das Autoren-Duo die Vergangenheit von Dune mit den Legenden und den Frühen Chroniken beleuchtet und damit den Weg für weitere Geschichten geebnet hatte, wurde Herberts Zyklus auch bis zu seinem spektakulären Ende fortgeschrieben. Nun beginnen die Autoren die Lücken im originalen Zyklus zu füllen. Mit Paul of Dune beginnt ein neuer Handlungsbogen, der die Zeit zwischen den ersten beiden Bänden des Hauptzyklus füllt. Dies ist die Geschichte jenes Mannes, der vom einfachen Adelsspross und Prophet eines Wüstenvolkes zum unumschränkten gottgleichen Herrscher der Galaxis wurde.

Den Handlungsrahmen für die Geschichte um Paul Atreides stellt der Djihad der Fremen dar. Fanatische Anhänger des Mua`dib ziehen aus, um die gesamte Galaxis zu unterwerfen und jeden zu töten, der sich nicht ihrem Messias, dem neuen Imperator unterwerfen will. Derweil ringt der Imperator in seinem gigantomanischen Palast auf Arrakis mit sich und seinem Gewissen. Milliarden verlieren ihr Leben in Muad`dibs Namen doch der Kwisatz Haderach bleibt seiner Vision treu und folgt weiter seinem Weg. Zugleich muss der Imperator sich mit dem wachsenden Kult um seine Person und den nicht enden wollenden Versuchen, seinem Leben ein Ende zu setzen herumschlagen.

In Der Herr des Wüstenplaneten gewinnt der Leser leicht den Eindruck, als sei die Übernahme der Herrschaft durch Paul Atreides eine reine Formsache, der die bereitwillige Anerkennung durch die feudalistische Gesellschaft der raumfahrenden Menschheit folgte. In ihrem jüngsten Werk zeichnen Herbert und Anderson nun ein anderes Bild. Statt einer Formalität wird der Herrschaftsanspruch des Atreides über einen brutalen Feldzug durchgesetzt. Im Angesicht des Imperators scheinen auch seine Wegbegleiter, Freunde wie Feinde an Größe zu gewinnen. Eine Reihe von Personen spielen klare Rollen und besetzen ihren Platz in der Geschichte. Im imperialen Palast finden wir den Führer des religiösen Kultes, wie auch den geltungssüchtigen Baumeister Bludd, der sich um jeden Preis seinen Platz in den Geschichtsbüchern verdienen will. Unter den Feinden steht der Adelige Thorvald stellvertretend für die Rebellion gegen den neuen Herrscher, während der gerissene Graf Fenring das Lager der alten Feinde vertritt, die sich nach der Macht früherer Zeiten sehnen.

Die Geschichte des Imperators allein wäre vermutlich zu seicht, wenn nicht sogar langweilig. Einige Attentate und die blutigen Schauplätze des Djihad allein ergeben noch keine ausreichenden Spannungsmomente. In ihren früheren Werken spielen Herbert und Anderson sehr erfolgreich mit mehreren verwobenen Handlungsfäden, in denen sie eine Vielzahl kleinerer Geschichte zu erzählen. Im vorliegenden Band bedienen sie sich eines Tricks, um auch hier einen parallelen Handlungsfaden einzuführen. Aus den zahlreichen Zitaten ist die Figur der Prinzessin Irulan dem Leser bereits als eifrige Schreiberin bekannt. Unter der Herrschaft des Imperators Paul Atreides findet sie ihre Rolle als Biographin des Muad’dib und erforscht die Vergangenheit des jungen Paul Atreides. Hier begleitet der Leser die Atreiden auf ihren Kampf gegen das Haus Grumman. Neben der Ausgestaltung der Hintergründe des Hauses Atreides, dient dieser Handlungsfaden vor allem als Metapher für das Innenleben des Paul Atreides. Die zahlreichen Parallelen aus dem Assasinnenkrieg der Häuser zu den späteren Herausforderungen des Imperators geben einen besseren Einblick in die Gedankenwelt des jungen Herrschers, als es jeder innere Monolog je könnte.

Stilistisch setzt der Band fort, was dem Leser aus den anderen Bänden bereits vertraut ist. Neben den bekannten Zitaten über den Kapiteln fällt ein weiteres handwerkliches Mittel auf. Die Vielzahl der Personen macht es dem Leser nicht immer leicht, die Figuren als einzelne Individuen wahrzunehmen. Die Autoren finden jedoch einen Weg, in dem sie ihren Figuren neben einer klaren Rolle auch konsequent bestimmte Adjektive zuschreiben. So wird der Schwertmeister Bludd beispielsweise immer als geckenhaft beschrieben, den moritanische Schwertmeister Resser charakterisieren seine roten Haare. Interessanterweise gewinnen die Figuren durch dieses Mittel tatsächlich an Format. Im Lauf der Geschichte verankert der Leser seine eigenen Vorstellungen an dieses Schlüsselwort und kann so jederzeit sein persönliches Bild der Figur abrufen.

Fazit

Die Geschichte des Paul of Dune füllt nun ein weiteres Kapitel in der epischen Saga des Wüstenplaneten. Verglichen mit den vielschichtigen Handlungsfäden und der opulenten Ausstattung einiger anderer Romane der Reihe kommt dieser Band recht schlicht daher. Seine Stärke liegt mehr in der Detaillierung der Figuren, insbesondere natürlich des Protagonisten und seiner Familie.

Für Fans ist dieser Band natürlich in jedem Fall von Interesse. Auch die Ansiedlung innerhalb der ursprünglichen Kernreihe ist für diese Gruppe kaum ein Manko. Wer sich jedoch auf das Original von Frank Herbert konzentrieren will und keine Neigung für die ausufernden Handlungsfäden und zahlreichen Nebenlinien verspürt, der kann die Reihe der Helden des Wüstenplaneten wohl links liegen lassen ohne dabei viel zu verlieren.

Copyright 2010 by Johannes Heck

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.