Der Zensor

Marcus Hammerschmitt
Der Zensor

Argument Verlag, Hamburg, 2001
(hier Titelbild der 2. Auflage von 2005)
Reihe „SF Social Fantasies“
Science Fiction
Taschenbuch
Umfang 256 Seiten
ISBN 978-3-88619-970-9

www.argument.de
www.hoerbuchnetz.de

Titel erhältlich bei Amazon.de

Vorbemerkung zur Reihe „SF Social Fantasies“ des Ariadne/Argument-Verlages:

Es ist eine Tatsache, das über Jahrzehnte hinweg, Science-Fiction den Stempel Trivialliteratur aufgedrückt bekommen hatte. Von wem? Von Vertretern der Hochliteratur und vor allem von Leuten, die keine Ahnung hatten und wahrscheinlich immer noch keine haben und sicher nicht mehr als zwei oder drei Bücher aus diesem Genre wirklich gelesen haben. Zugegeben gab und gibt es auch heute immer noch Texte – quer durch alle Genre -, die man mit diesem abwertenden Begriff bezeichnen kann und darf, aber längst gibt es nicht nur Hunderte, sondern nach Tausenden zählende Science-Fiction Bücher, die diesen Makel nicht tragen.

Zwischen den Jahren 1997 und 2004 hatte es sich der Ariadne/Argument-Verlag auf die Fahnen geschrieben, gegen das auch damals – trotz aller Erfolge im Buch- und vor allem im Filmbereich – hartnäckig existierende Vorurteil ein Gegengewicht zu setzen: Die Reihe „SF Social Fantasies“. Mit der Publikation längst vergriffener Juwelen des Genres in ungekürzten und überarbeiteten Neufassungen präsentierte man Fans und Kritikern (s. o.) des Genres Titel, die zeigten, dass es sehr wohl gute, nein sehr gute SF-Literatur gab und gibt. Welchen Gesetzen des gnadenlosen Buchmarktes es anzulasten ist, dass die Reihe nach rund 30 Titeln eingestellt wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Aber die Reihe hätte ein längeres Leben – und die Fans weiterhin Zugang zu längst vergriffenen Titeln – absolut verdient.

Gerade in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war es in vielen Verlagen Usus, Texte auf ein vorgegebenes Maß, dass der Stärke und damit dem Standardpreis einer Reihe entsprach, ohne große Rücksicht zu kürzen. Ich denke da mit Grausen an die erste Auflage von „Dune – Der Wüstenplanet“; gekürzt von rund 650 Seiten auf 320! Die Zeit schien – zumindest bei den Verlagen – noch nicht reif zu sein, für dicke Bücher mit 500, 700 oder gar 1.000 Seiten. Bei vielen Fans führte das zu massiven Protesten und erst in späteren Jahren wagten – mit Erfolg – viele Verlage, die Originaltexte ungekürzt und mit variablen Taschenbuchpreisen auf den Markt zu bringen. Oft sind hier die 2. Auflagen das begehrte Objekt des Fans.

Und so zählt dann also diese kleine Reihe „SF Social Fantasies“ zu den Highlights dessen, was Verlage auf den SF-Markt gebracht haben. Wir werden hier an dieser Stelle immer wieder Rezensionen zu Titeln aus dieser Reihe bringen.

Zum Autor:

Marcus Hammerschmitt, geboren 1967 in Saarbrücken ist Journalist und freier Schriftsteller. Er hat mehrere Science-Fiction und einige Sachbücher (s. u.) geschrieben. Mit einigen seiner Kurzgeschichten ist er mehrfacher Träger des Kurd-Laßwitz-Preises, sowie des Deutschen Science-Fiction Preises. Seit 1995 ist er Mitglied des Verbands deutscher Schriftsteller. Im sfbasar findet man einige Leseproben aus seinen neuesten Werken („Das Herkules-Projekt“ und „Azureus & Pygmalion“).

Zum Buch:

Im Jahr 2136 herrschen in Spanien und einigen Teilen Südeuropas die Mayas. Sie haben die vor 600 Jahren stattgefundene Invasion durch die Conquistadores überwunden und sich auf ihren Maya-Ursprung besonnen. Mit Hilfe modernster Nano-Technologie haben sie sich von ihren Unterdrückern befreit und in einer Gegenoffensive die iberische Halbinsel überrannt. In den ehemaligen Hauptstädten des spanischen Königreiches ragen Steinpyramiden und Tempel wie Hochhäuser aus dem Stadtbild auf. Auf den zermalmten Resten katholischer Kirchen und Kathedralen thronen nun sie als Zeichen der Macht.

Und die Mayas herrschen auch durch ihre angestammten Riten. Menschen – vorzugsweise Feinde, aber auch Landsleute – fallen blutigsten Ritualen zum Opfer. Natürlich fördert das Widerstand zutage und die FPLE (Frente patriótico para la Liberación de Espana) plant einen Anschlag auf die Hauptstadt Nano-Tikal. Sie will mit einem Schlag den Herrscher, Ahau Chan Balum, den Kopf des Maya-Geheimdienstes Ahau Yaqui und die gefürchteten Elitekrieger der Raben vernichten. Enrique, ein führender Kopf der Untergrundorganisation, macht sich auf den Weg, um eine Nano-Bombe fürchterlichster Art mitten ins Herz des Maya-Reiches zu bringen …

Doch auch die katholische Kirche, an ihrer Spitze natürlich der Papst, hat Pläne, um die Herrschaft über ein angestammtes katholisches Land wiederzuerlangen. Sie schickt einen Vertreter, Don Rodriguez, nach Nano-Tikal, um dem Herrscher ein weiteres der extrem seltenen Maya-Codizes auszuhändigen, dass angeblich seit 600 Jahren in den Archiven des Vatikans schlummerte.

Fazit:

Um es kurz zu machen: „Der Zensor“ hat seinen Platz in dieser exquisiten SF-Reihe zu Recht erhalten. Ich gebe zu, dass die Verknüpfung von Historie, alternativem Geschichtsverlauf und modernster Technologie zu meinen Lieblings-Sujets zählt. Aber Marcus Hammerschmitt reitet nicht auf solchen Elementen herum, sondern fügt sie intelligent in eine wirklich beklemmende Zukunftsvariante ein. Den einzigen Malus, den ich finden konnte – ohne danach gesucht zu haben -, war die Kürze des Romans. Gerade die gemeinsame Flucht von Yaqui und Enrique, der Wandel von aussichtsloser Flucht zur Lösung ihrer Probleme wird leider am Ende ein wenig gerafft beschrieben. Und auch das Ende kommt ein wenig kurz daher. Rund 50 Seiten mehr Lesespaß hätten aus diesem sehr guten Roman einen Bestseller gemacht, davon bin ich wirklich überzeugt. Also freuen wir uns auf die anderen und neuen Romane des Autors. Müßte ich Punkte vergeben, würde ich 9 von 10 verteilen.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Amazon.de

Weitere Titel des Autors:

2011 Azureus & Pygmalion, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8094-3
2010 Yardang, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8082-0
2007 Der Fürst der Skorpione, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-7046-3
2006 Das Herkules-Projekt, Sauerländer-Verlag, ISBN 3-7941-7043-2
2002 PolyPlay, Argument Verlag, ISBN 3-88619-974-7
2001 Der Zensor, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-970-3. Als Hörbuch Radioropa 2008: ISBN 978-3-86667-711-1
2000 Der Opal, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-960-0
1998 Target, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39347-5
1997 Wind, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39278-2
1995 Der Glasmensch, Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-38973-7

ZUM SFBASAR.DE-PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Marcus Hammerschmitt – Der Zensor.

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