Die Echsenwelt

Alan Dean Foster
Die Echsenwelt

(Flinx-und-Pip-Serie, Bd. 8)

Originaltitel: Reunion (New York : Ballantine Books 2001)
Deutsche Erstausgabe: Oktober 2008 (Bastei-Lübbe-Verlag/SF-TB Nr. 24375)
Übersetzung: Michael Neuhaus
Cover: Arndt Drechsler
398 S.
ISBN-13: 978-3-404-24375-4

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Das geschieht:

Philip Lynx, genannt Flinx, folgt weiterhin den Spuren der eigenen Geschichte (s. zuletzt „Der grüne Tod“) . Seine Existenz und seine telepathische Gabe verdankt er den grausamen eugenischen Experimenten der „Meliorare-Society“, die für ihre Untaten von der „Vereinigten Kirche“ des Homanx Commonwealth – dem Bund der Menschen mit den insektoiden Thranx – zerschlagen und verboten wurde. Seither unterliegen sämtliche Informationen über die Society dem Kirchenbann.

Trotz strengster Sicherheitsmaßnahmen gelingt Flinx auf der Erde der Einbruch in die Datenbank der Kirche. Das Unternehmen endet als Katastrophe: Die einzige Datei, die Flinx seine Fragen beantworten könnte, wurde von einer unbekannten fremden Macht so manipuliert, dass die Nachforschungen eine gewaltige Explosion auslösen. Flinx muss die Erde fluchtartig verlassen.

Wenigstens kann er den Weg rekonstruieren, den die Datei genommen hat. Sie wurde in den Bordcomputer eines angeblichen Handelsschiffs kopiert, das eine Reise in die Außenbezirke des Commonwealth führt. Pyrassa, der Zielplanet, liegt im Kaiserreich der AAnn, jener expansionswütigen und feindseligen Reptilrasse, die nur die Macht des Commonwealth vor einem offenen Kampf zurückschrecken lässt. Im Untergrund tobt dafür umso erbitterter ein ‚kalter‘ Krieg, was kluge Zeitgenossen die AAnn ausdrücklich meiden lässt.

Den wissbegierigen Flinx kann die Gefahr nicht schrecken. Doch Pyrassa droht ihm zum Grab zu werden. Er strandet auf der Oberfläche des öden und von gefräßigen Kreaturen heimgesuchten Planeten, stolpert über ein uraltes galaktisches Artefakt und fällt den AAnn in die Hände. Freilich hat er buchstäblich ein Ass im Ärmel: Pip, die fliegende Drachenschlange, die ihrem Herrn mit prall gefüllten Giftdrüsen zur Seite steht und denen, die Flinx in der Falle wähnen, eine böse Überraschung beschert …

Unendliches Abenteuer oder nur Drehen im Kreis?

Wenn dir als Autor zu einem von dir geschaffenen, auf dem Buchmarkt lukrativen und deshalb wertvollen Helden nichts mehr einfallen will, lass‘ ihn nach den eigenen Wurzeln graben. Das Ergebnis ist eine Odyssee, die sich unendlich auswalzen und mit modulhaft angeflanschten Standard-Episoden bestreiten lässt.

Das ist die böse aber auch objektive Interpretation der Abenteuer von Flinx und Pip, die mit der „Echsenwelt“ in die achte Runde geht, ohne dass die Gesamthandlung auf der letzten Seite entscheidend vorangeschritten wäre. Foster-SF war und ist routiniert abgespulte Action mit dem Wissen um jene Ingredienzien, die der typische Leser dieser Romane erwartet. Flott muss das Geschehen sein, der Plot darf nicht komplex werden. Politische, gesellschaftliche oder kulturelle Extrapolationen bzw. Gedankenspiele, die eine ‚literarische‘ Science Fiction prägen (und sie zu Recht ehren), bleiben außen vor. Der Kosmos à la Foster ist zwar gewaltig aber simpel strukturiert.

Eigentlich ist er nur ein großer Abenteuerspielplatz. Hightech, über die sich der Verfasser Gedanken machen müsste, beschränkt sich auf recht wenige Schauplätze. Die Erde der Zukunft wirkt bei Foster wie die koffeinfreie Version der „Neuromancer“-Visionen eines William Gibson – oberflächlich hipp aber aus zweiter Hand und ziemlich keimfrei, wie überhaupt das Commonwealth arg an das „Star Wars“-Universum erinnert.

Schnell wechselt Foster deshalb in den ‚Wilden Westen‘ des Commonwealth und präsentiert die alten, zeitgemäß leidlich aufgerüsteten Elemente des „Goldenen Zeitalters“ der SF: bizarre Außerirdische, gefräßige Ungeheuer, Weltraum-Schurken, kosmische Rätsel und andere Widrigkeiten, die stets für einen turbulenten Zwischenstopp taugen.

SF und die Furcht vor dem Unbekannten

Foster ist Profi. Action-SF schreibt bzw. produziert er seit Jahrzehnten. Er weiß, was sein Publikum von ihm erwartet, und er liefert  es. Auch „Die Echsenwelt“ ist anspruchsloses aber unterhaltsames Lesefutter – wenn es denn gelingt, die Ereignisse der sieben früheren Flinx/Pip-Romane sowie die Tatsache, dass „Die Echsenwelt“ eine Melange aus Fosters „Eissegler von Tran-ky-ky“ (Wunder & Schrecken eines Bizarr-Planeten) und „Das Tar-Aiym-Krang“ (Schrecken & Wunder aus der Vergangenheit) ist, zu ignorieren.

Was den Telepathen und seine Drachenschlange einst interessant machte, ist längst erfunden, entwickelt und erzählt, Flinx‘ Suche nach der eigenen Identität wirklich nur ein Vorwand, damit Foster die eingeführte Serie fortsetzen kann. Immer wieder stoßen wir auf Bekanntes: Flinx kämpft mit seiner unzuverlässigen Mutantenkraft, deren Versagen ihn zuverlässig in aufregende Bredouillen bringt, aus denen ihn die Gift spuckende Pip befreit. Flinx ist wieder auf der Erde, wo er bereits früher nach seiner Herkunft forschte. Flinx stößt in die Tiefen des Raums vor und stößt dort auf Gegner, die er und wir ebenfalls schon kennengelernt haben … So beginnt es und so setzt es sich fort.

Die Wiederkehr des Bekannten macht die Flinx/Pip-Romane zum kalkulierbaren Risiko für Leser, die vorab wissen möchten, worin sie ihre Lektürezeit investieren. Diesen Markt bedient natürlich nicht nur Foster; Neal Asher oder Alastair Reynolds beuten auf ähnliche Weise die Claims aus, die sie einst schufen.

Somit ist „Die Echsenwelt“ zwar ein Roman voller überraschender Wendungen, kann aber keine echten Überraschungen bieten. Flinx wird weiter suchen und um sein Leben kämpfen müssen. Unter aufgedecktem Wissen werden nur neue Fragen zum Vorschein kommen, die weitere Fortsetzungen vorbereiten. Mit „Flinx Transcendent“, dem 14. (!) Abenteuer der Serie, werden alle offenen Fragen gelöst, verspricht Foster; kann oder mag man ihm das glauben …?

Autor

Alan Dean Foster wurde am 18. November 1946 in New York City geboren, wuchs jedoch in der Filmstadt Los Angeles auf. Dort studierte er Politikwissenschaften und Film und arbeitete für eine kleine Werbeagentur. Als Schriftsteller erlebte Foster seine erste Veröffentlichung bereits 1968 mit einer Kurzgeschichte. 1972 erschien ein erster Roman („The Tar-Aiym Krang“), gleichzeitig der Auftakt zu einer inzwischen quantitativ eindrucksvollen Reihe von Romanen, die in Fosters ureigenem literarischem Kosmos, dem „Homanx Commonwealth“, spielen: einem Sternenreich, das gemeinschaftlich von den Erdmenschen und den Thranx, intelligenten Großinsekten, regiert wird.

Mit einer Veröffentlichungsrate von zwei bis drei Büchern pro Jahr gehört Foster zu den Handwerkern der Unterhaltungsliteratur. Er ist in zahlreichen Genres zu Hause und schrieb außer Science Fiction auch Fantasy-, Horror-, Kriminal-, Western oder Historienromane. Hinzu kommen zahlreiche Kurzgeschichten sowie Drehbücher für Film & Fernsehen, Scripts für Hörspiele, Computerspiele und andere Unterhaltungsmedien.

Fosters Arbeitstempo sowie seine Entscheidung für die eher kommerzielle Seite der Schriftstellerei ließen bisher kein Werk entstehen, das den Rang eines literarischen Klassikers beanspruchen könnte. Generell dominieren anspruchslose, allerdings sauber geplottete, mit lebendigen Figuren besetzte und flott geschriebene Geschichten, wobei der Anteil missratener und langweiliger Werke angesichts des Ausstoßes erstaunlich gering ist.

Privat liebt Alan Dean Foster ausgedehnte Reisen in entlegene Winkel der Welt. Er ist Sporttaucher und schreibt auch Artikel darüber. Mit seiner Familie lebt Foster in Prescott im US-Staat Arizona. Über sein Leben und Werk informiert er auf seiner lobenswert aktuell gehaltenen Website.

Copyright © 2008/2017 by Michael Drewniok (md)

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