Die Eiserne Festung

David Weber
Die Eiserne Festung
Nimue Alban 7

(sfbentry)
Bastei Lübbe, Erstauflage 2011
Originaltitel: „A Mighty Fortress” (Teil 1)
ISBN 978-3-404-20233-1
Science Fiction, Military-SF
Taschenbuch, 702 Seiten
Übersetzer: Ulf Ritgen
Titelbild: Arndt Drechsler
Lektorat: Ruggero Leò

www.luebbe.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Vorwort:

David Weber zählt – immer noch – zu meinen Lieblingsautoren und seine Reihe Nimue Alban hat einiges zu dieser Bewertung beigetragen. Zumindest bei den ersten vier Bänden der Reihe uneingeschränkt; doch dazu später mehr. Weber ist ein fleißiger Autor und seine Romane scheinen mit dem Erfolg auch an Umfang zu wachsen. So hat sich der Verlag mit Krokodilstränen dazu entschlossen, Webers umfangreiche Texte jeweils in zwei Teilbände zu spalten. Nun ja, 2x 9,99 € ist halt mehr Geld, als 1x 16,00 €. Was soll´s, ist mir als Buchästhet ohnehin lieber, als ein Schinken mit 1.400 Seiten, der nach einmal Lesen aussehen würde, wie vom Trödelmarkt.

Zum Buch:

Die bis unter die Haarspitzen korrupten und skrupellosen Vikare der „Kirche des Verheißenen“ geben nicht auf, gegen das aufstrebende Kaiserreich Charis zu intrigieren und massiven Druck auf alle anderen Nationen des Planeten Safehold zu nehmen. Bestechung, Drohung und Einschüchterung sind hier die eher „freundlichen“ Mittel, derer sie sich bedienen. Meuchelmord, Folter und Sippenhaft sind aber die wahren Instrumente, welche diese Vierer-Gruppe praktiziert. Und sie wenden sie konsequent auch gegen Vertreter aus den eigenen Reihen an, die vor der Korruption und Gewaltherrschaft nicht mehr die Augen verschließen können und eine Widerstandsgruppe – den „Kreis“ – faktisch mitten in der Höhle des Löwen gegründet haben.

Nimue Alban – in ihrer Rolle als männlicher Seijin Merlin und Leibwächter des Kaiserpaares Cayleb und Sharleyan von Charis – kann manche Schandtat verhindern, doch er/sie kann nicht überall auf Safehold gleichzeitig sein. Und so kommt es zu einer wahren Hexenjagd der Vikare auf die in ihren Augen ketzerischen Verräter aus den eigenen Reihen.

Fazit:

Natürlich ist das nicht die ganze Geschichte von „A Mighty Fortress”. Aber in dieser ersten Hälfte sind lediglich die wenigen Auftritte Merlins, eine kleine Seeschlacht zu Beginn und magere technische Fortschritte die einzigen Highlights. Fast 80 % der Handlung erstrecken sich auf Politik, wer macht und sagt was und warum. Es ist ja in Ordnung, wenn Figuren nicht völlige Rätsel sind und man Einblick in ihre Gedankenwelt bekommt. Aber muss denn wirklich jeder Protagonist bis auf die unterste Ebene seiner dunklen Seele beleuchtet werden? Ich meine, hier hat Weber ein wenig zu viel des Guten getan. Ich hoffe hier auf den Rest von „A Mighty Fortress” (Rezi folgt ganz sicher).

Wenn es denn wirklich Weber selbst war. Ein ketzerischer Gedanke? Nein, sondern gesundes Misstrauen. Scheinbar bürgert sich ab einer gewissen Berühmtheit ein Prozedere ein, dass ein Spitzenautor seinen Namen hergibt und – zumindest große – Textteile von Lohnschreibern ausfüllen lässt. Ob dies hier der Fall ist, kann ich natürlich nicht beweisen und will es auch gar nicht. Und der Bastei Lübbe Verlag kann auch nur das bringen, was im amerikanischen Original zu finden ist.

Aber die Kraft, die mich bei den ersten vier Bänden umgehauen hat, die fetzigen Kampfszenen, das (mit Hilfe Merlins) innovative Voranschreiten der Handwerker und Techniker des Inselstaates Charis, weicht seit Band 5 mehr und mehr – sorry: langweiligen – politischen Ausschweifungen. Würde auf dem Cover nicht David Weber stehen und ich würde den Text ohne Kenntnis der Vorbände gelesen haben, würde ich behaupten: „Nein, das ist kein Weber!“

Nichtsdestotrotz werde ich der Serie treu bleiben, denn der Grundplot ist immer noch viel zu interessant, um jetzt auszusteigen. Ich will wissen, wie weit der – immer noch angekündigte -„Heilige Krieg“ der Vikare gegen das Kaiserreich eskaliert. Ich will wissen, wie rasch Merlin seine Verbesserungen vorantreiben kann und will. Und letztendlich will ich am Ende der Serie wissen, ob es Merlin gelingt (nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten?) die Safeholdianer aus dem aktuellen Segelschiffzeitalter in ein Raumfahrtzeitalter zu führen. Und ihnen damit eine Chance zu geben, gegen die Ghaba zu bestehen. Genau diese Ghaba, die vor 900 Jahren das Imperium der Menschheit scheinbar mühelos aus dem All gefegt haben …

Copyright © 2012 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Alle Titel der Reihe Nimue Alban:

Band 1: 978-3-404-23322-9 Operation Arche („Off Armageddon Reef” Teil 1)
Band 2: 978-3-404-23324-3 Der Krieg der Ketzer („Off Armageddon Reef” Teil 2)
Band 3: 978-3-404-23331-1 Codename: Merlin (By Schism Rent Asunder” Teil 1)
Band 4: 978-3-404-23332-8 Die Flotte von Charis (By Schism Rent Asunder” Teil 2)
Band 5: 978-3-404-23348-9 Die Invasion („By Heresis Distressed” Teil 1)
Band 6: 978-3-404-23349-6 Caylebs Plan („By Heresis Distressed” Teil 2)
Band 7: 978-3-404-20233-1 Die eiserne Festung („A Mighty Fortress” Teil 1)
Band 8: 978-3-404-20643-8 Haus der Lügen („A Mighty Fortress” Teil 2)

Comments

  1. Vielleicht werden auch immer mehr und dickere Bücher vom Autoren verlangt, um die Leserschaft zu befriedigen und vor allem die Verlagskassen zu füllen ;-). Dann wäre es nicht verwunderlich, wenn sich der Autor ein paar „Schreibsklaven“ anschafft oder/und die Qualität in den Keller geht :-(.

    Und die anderen Bände sind restlos zu empfehlen? Mit welchem anderen Autoren ließe sich David Weber vergleichen?

  2. Hallo Micha,

    wie du in der Rezi lesen kannst, sind die ersten 4 Bände (im amerikanischen Original 2 Titel) durch die Bank besser. Und bei der Serie „Honor Harrington“ sind eigentlich alle Titel superklasse, wenn man mal von den eingestreuten Randstories absieht.

    Als Vertreter der Military-SF wären vielleicht noch der „Barrayar“-Zyklus von Lois McMaster Bujold und evtl. noch die „Nick Seafort“-Reihe von David Feintuch erwähnenswert. Wobei ersteres manchmal einen Touch Fantasy hat. Früher hat mir – logo! – natürlich auch die „Dominic Flandry“-Reihe von Poul Anderson saugut gefallen.

    Ich vermut mal, dass die Co-Arbeit David Webers mit Eric Flint in „1632“ und ff. Romanen sehr gut sein könnte, allerdings gibt es die leider nicht auf deutsch und meine Englischkenntnisse sind definitiv eingerostet. Und mit einem Wörterbuch einen Roman zu lesen, macht sicher keinen Spaß, geschweige denn, dass man auf diese Weise in die Story eintauchen und mitfühlen kann.

    mgg
    galaxykarl 😉

  3. Inwiefern Ksrin? Bist du in die Army eingetreten? Wenn solche massiv beeinflussenden Faktoren genannt werden, dann doch bitte auch sagen, in welche Richtung du dich oder dein Leben sich verändert hat.

    mgg
    galaxykarl 😉

  4. Aus dem „Barrayar“-Zyklus von McMaster Bujold habe ich auch ein paar Bücher gelesen. Herrlich! Superwitzig :D.

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