Die Expedition der „Space Beagle“

Albert Elton van Vogt
Die Expedition der „Space Beagle“

Heyne / Bibliothek der SF Literatur Taschenbuch (83)
331 Seiten
ISBN 3453050258
Originaltitel: Voyage of the „Space Beagle“ (1950)
Erschienen: 1992
Übersetzer: Rainer Eisfeld
Titelbild: Karel Thole
Illustrationen: Johann Peterka

Die Ausstattung in der Reihe „Bibliothek der SF“ ist wie immer gediegen, aber an irgendeiner Stelle fragt sich der SF-Leser doch, ob nicht gerade hier des Guten ein wenig zu viel getan wurde, und zwar aus folgenden Gründen: Zunächst betragen Vor- und Nachwort stattliche vierzig Seiten (ungefähr). In oder auf diesen wird dem Leser von Herrn Rainer Eisfeld, Kennern der Szene sicher nicht ganz unbekannt, ausführlichst erläutert, wo van Vogt welche Parallelen gesehen hat, welche Philosophie ihn zu manchmal recht abstrusen Ideen inspiriert hat, oder welche weltpolitische Strömung sich in den einzelnen Erzählungen, aus denen sich der Roman zusammensetzt, gerade niederschlägt. Alles in allem für eine Doktorarbeit etwas dürftig, für den Durchschnittsleser aber zu gründlich zusammengestellt; zumindest mir geht es manchmal so, dass ein Zuviel an Wissen das Vergnügen an einem Werk ganz schön trüben kann.

Des Weiteren zeigt van Vogts „Space Beagle“ in der Romanform gewisse Ähnlichkeiten mit Asimovs „Foundation-Trilogie“. Nein, nicht im Inhalt, aber in der Entstehungsgeschichte; beide Werke erschienen erst als einzelne Erzählungen, bevor sie als Roman herausgebracht wurden. Warum das den Heyne-Verlag ins Schleudern gebracht hat, weiß ich nicht, aber trotzdem ist in vorliegendem Werk ein ganz ungewöhnlicher Kompromiss gefunden worden: Obwohl das Buch als Roman veröffentlicht wurde, also einem Ding, wo man eigentlich eine durchgehende Handlung erwarten sollte (außer vielleicht bei gewissen Werken Brunners), hat man sich dazu entschlossen, die einzelnen Texte van Vogts in ihrer Erzählungsfassung aneinanderzureihen und geänderte Sinninhalte der Romanfassung in umfangreichen Fußnoten wiederzugeben. Ganze Romanabschnitte, die den Erzählungen logischerweise fehlten, wurden kursiv in den laufenden Text eingefügt, was zum Ergebnis hat, dass der Leser des Öfteren mit Überlegungen und Handlungen eines Helden, der eigentlich nur in der letzten der vier Erzählungen den Konflikt löst, bekannt gemacht wird, was ganz sicher bei denen für Verwirrung sorgt, die lästiges Beiwerk wie gerade Vor- und Nachworte einfach zu überspringen pflegen.

Sollte sich ein hoch dotierter Literaturforscher ausgerechnet für SF interessieren, und würde ihm dann die vorliegende Ausgabe in die Hände fallen – er hätte sicher seine helle Freude daran. Sehr gelungen finde ich hingegen die Beifügung alter „Astounding“-Titelseiten und Illustrationen van Vogtscher Veröffentlichungen, wie man sie beispielsweise auch im „Isher“-Zyklus, vom Heyne-Verlag ebenfalls vor einiger Zeit in der „Bibliothek“ herausgegeben, finden kann. Das macht gerade das Werk van Vogts zu einem Novum, denn andere Werke, deren erstes Erscheinen ebenfalls bis in das „Golden Age“ zurückreicht, genießen diesen Vorzug leider nicht. Vielleicht wird, wenn auch aus mir unbekannten Gründen, beim Heyne-Verlag gerade die van-Vogt-Forschung ganz groß geschrieben, so dass ähnliche Hintergrundinformationen für den Insider über z.B. Aldiss oder Herbert oder… einfach unter den Tisch fallen müssen?

Aber nun noch ein paar Worte zur Handlung. In jeder der vier Erzählungen trifft die Mannschaft der „Space Beagle“ auf eine ihr zunächst unverständliche galaktische Lebensform, deren Verhalten vom menschlichen Standpunkt aus durchaus als feindselig interpretiert werden kann. Natürlich muss man sich seiner Haut wehren, was bei jeder Episode besser gelingt, und zwar mit Hilfe des einzigen Experten für „Nexialismus“. Dieses ist eine von van Vogt erfundene Wissenschaft, die ihre Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Wissenschaften hauptsächlich durch interdisziplinäres Denken bezieht, wobei natürlich die so genannten „Fachidioten“ zunächst den nicht spezialisierten Elliott Grosvenor, seines Zeichens Nexialist, weidlich ignorieren und seine Lösungsvorschläge müde belächeln.

Trotzdem – das Ganze liest sich auch heute noch ungeheuer spannend. Und – wer es noch nicht weiß, Ixtl, das Wesen, auf das die „Space Beagle“ in der Erzählung (oder Episode) „Misston in Scharlach“ trifft, ist die Ursache für den Rechtsstreit, den van Vogt mit den Machern des Filmes „Alien“ führte und den er bekanntlich gewann. (Norbert Danziger)

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Die Expedition der ‚ Space Beagle‘. Roman in 4 Erzählungen.

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