Die Stadt am Ende der Zeit

Bei Amazon.deGreg Bear
Die Stadt am Ende der Zeit

Heyne-Verlag 2009
895 Seiten
16,50 Euro
ISBN 978-3-453-52341-8

Quantenfäden und Esoterik

Träumen Sie von einer Stadt am ende der Zeit? – diese seltsame Frage zieht sich durch den Anzeigenteil amerikanischer Zeitungen, seit Jahrzehnten, ja Jahrhunderten finden sich in Gazetten aller Art seltsame kleine Anzeigen mit immer wieder dieser Frage. Eine Adresse ist angegeben, später eine Telefonnummer – doch nur wenige ahnen, was sich dahinter verbirgt. So unscheinbar wie nur möglich kündigt sich hier ein Kampf an, wie er größer nicht sein könnte: wird das Wissen aller intelligenten Spezies des Universums, gespeichert in einer Billionen Jahre alten Feste am Ende der Raumzeit, wird dieses Wissen überleben oder wird es verlöschen und dem Chaos anheimfallen?

Seit Jahrmillionen kämpfen die Bewohner der Stadt am Ende der Zeit gegen das allgegenwärtige Verschlingen, das Chaos welches die Struktur der Raumzeit, Informationen vernichtet und Leben beendet. Sie sind es, die durch Träume in die Vergangenheit ausholen um ihre an einem seidenen Schicksalsfaden hängende Existenz zu retten… Doch dieser Versuch ist nicht der einzige: auch das Chaos sendet seine Boten, apokalyptische Reiter, die die Träumer suchen und finden, auf das sie niemals ihr Ziel erreichen.

Greg Bears neuer Roman bemüht sich um eine epische Größe, geht aufs ganze: nichts anderes als das Ende von Zeit und Raum, die Existenz des Universums selbst wird gekämpft. Die Helden sind archetypische Figuren, Träumer und Visionäre, geleitet von seltsamen Kräften und Wesenheiten,  älter als die Zeit selbst. Leider jedoch holt Bear etwas zu weit aus und überlädt die Handlung seines Romans. Die Figuren wirken, einmal mit dem Unmöglichen ihrer Aufgabe konfrontiert, wie Schlafwandler, die an unsichtbaren Fäden durch die Handlung des Romans geführt werden. Der Konflikt zwischen den beschränkten Möglichkeiten einfacher Sterblicher und der Aufgabe, ein ganzes Universum vor dem Untergang zu bewahren, kann nur geradegebogen werden, in dem der Autor die Figuren an die Hand nimmt, ihnen den freien Willen abspricht und sie zu ausführenden Agenten irgendeiner mythischen Bestimmung degradiert. Damit verlieren die Figuren gerade das, was sie eigentlich ausmacht: ihre Menschlichkeit, ihre Begrenztheit, ihre Schwächen und Schrullen. Wieder mal ein Roman aus dem SF-Genre, der am Übermenschentum scheitert, den Alltag aus dem Blick verliert. Stattdessen verliert sich die Handlung in kosmisce-esoterische Spekulationen über Entropie und Schicksalsfäden – Schade!

Denn einzelne Phasen und Motive sind durchaus gelungen, an vielen Stellen ist die episch-mythische Erzählweise wirklich fesselnd, auch der Spannungsbogen ist nicht gänzlich flach und als Unterhaltung funktioniert das Buch streckenweise durchaus. Insgesamt enttäuscht es jedoch durch seine Gigantomanie und sein Abdriften in eine Esoterik, die manch einer als „Sense of Wonder“ schätzen mag, die jedoch oft genug überzogen wirkt und letztendich keinen Bezug zum Leben der  Leser und Leserinnen erlaubt – SF als Realitätsflucht. Wer dagegen nichts einzuwenden hat, wird diesen Roman schätzen, wer jedoch von Literatur auch einen kritischen Bezug auf das hier und jetzt verlangt, der ist mit diesem Buch falsch beraten.

(Ralf Hoffrogge)

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