Eine neue Ära

Michael A. Martin & Andy Mangels
Eine neue Ära

Serie: Star Trek Titan
OT: Star Trek – Titan: Taking Wing
Ü: Stephanie Pannen
Seiten: 356
ISBN: 978-3-941248-01-4
Verlag:CrossCult, 2008

Die Handlung des Romans setzt kurz nach den im zehnten „Star Trek“-Kino-Film, „Nemesis“, geschilderten Ereignissen ein, als der Klon Picards, Shinzon, den romulanischen Senat auslöschte, sich zum Praetor Romulus‘ ausrief und so schnell scheiterte, dass man geneigt ist, von einer rebellio praecox zu sprechen. Nichtsdestotrotz hinterließ Shinzons Dahinscheiden ein Machtvakuum auf Romulus, in das nun diverse Fraktionen hinein zu stoßen versuchen und das das Imperium an den Rand eines Bürgerkrieges bringt.

In dieser Situation soll es Aufgabe des frisch gekürten Captains des niegelnagelneuen experimentellen föderalen Langstrecken-Forschungsschiffes der Luna-Klasse – der „USS Titan“ -, William Riker, sein, den zerstrittenen romulanischen Parteien den Weg zu einer friedlichen Koexistenz untereinander und vor allem mit der Föderation aufzuzeigen.

Keine einfacher Auftrag, wenn man bedenkt, dass Riker, den seine Gattin Deanna Troi als Führungsoffizierin begleitet, erstens selbst seine Position auf der „Titan“ finden muss und zweitens die romulanischen Interessengruppen unterschiedlicher kaum sein könnten: der Föderation wohlgesinnte Romulaner, Hardliner-Kriegstreiber, Opportunisten, „Vulkan & Romulus“-Wiedervereiniger, Tal Shiar und – nicht zuletzt – Remaner stehen sich in tiefer, intriganter Feindschaft gegenüber.

Dass dem neuen Botschafter seitens der Föderation eine kleine Flotte klingonischer Schiffe als „Friedensengel“ die Seite gestellt wird, macht die Angelegenheit für Riker nicht leichter.

Nach Wesley Crusher und der Einelter-Ferengi-Familie Rom und Nog gehörten Commander William Thomas Riker sowie  Counselor Deanna Troi zu jenen Figuren des „Star Trek“-Universums, bei denen mir die bloße Erwähnung des Namens eine Gänsehaut bereitete, als würde ich jemand beim Weißwurst zuzeln beobachten.

Um es vorweg zu nehmen: auch nach diesem Roman sind Riker, Troi und ich keine Freunde, aber immerhin haben es die beiden – insbesondere Troi – in meinem persönlichen „Star Trek“-Ekel-Ranking knapp vor Kai Winn Adami und Neelix geschafft; und wäre das vor Schmalz triefende Kunstwort „Imzadi“ weniger oft gefallen, wären ohne den damit einhergehenden Frauenroman-Malus sogar Plätze weiter vorne möglich gewesen.

Nomen ist nicht immer Omen, denn „Eine neue Ära“ leitet keine neue Ära des „Star Trek“-Franchises ein, sondern soll in seiner Summe vielmehr eine Rückbesinnung auf alte Trek’sche „Werte“ – das Forschen und Erkunden – darstellen.

Bedauerlicherweise ist es damit in diesem Roman noch nicht allzu weit her, denn statt in ein Universum aufzubrechen, das entdeckt werden will, ist der Leser einmal mehr gezwungen, dem politischem Kleinklein sterbenslangweiliger und nervtötend stereotyper Völker – wie Romulaner und Klingonen – zu folgen, und muss sich einmal mehr mit Figuren wie bspw. Tuvok auseinandersetzen, dessen Auftritt sich mit nichts anderem als der Befriedigung des Voyager-Fandoms rechtfertigen lässt. ( Mal ehrlich! Welcher Leser käme auf die Idee, einen dunkelhäutigen Vulkanier (!) als Spion in die durch und durch paranoide romulanische Gesellschaft einzuschleusen? Wahrscheinlich die gleichen Leute, die keine Probleme mit einem Schwarzen als V-Mann auf einem NPD-Parteitag hätten ).

Hinzu kommt, dass man als intelligenter, anspruchsvoller „Star Trek“-Fan nicht permanent an den Kino-GAU „Nemesis“ erinnert werden möchte.

Natürlich kann man diesem ersten Band zu Gute halten, dass er im Wesentlichen der oberflächlichem Einführung der Charaktere dienen soll/muss. Immer wenn die Autoren dieser Vorgabe folgen, also Mitglieder der nur noch zu 15% aus Menschen bestehenden Crew vorstellen, wirkt die Geschichte für „Star Trek“-Verhältnisse tatsächlich erfreulich frisch. Allerdings wird das auf Grund unterschiedlicher kultureller Hintergründe und Biotop-Ansprüche vorhandene Konfliktpotenzial zwischen den und innerhalb der Spezies nur in Ansätzen angedeutet und aufkeimender Speziezismus ansonsten mit Star Trek’scher „Political Correctness“ zugekleistert.

Als problematisch erweisen sich die zahlreichen Bezugnahmen auf das „Star Trek“-Franchise – TV-Shows, Romane, Kinofilme -, die dazu führen, dass Einsteiger den Grundzügen der Geschichte zwar folgen können, aber mit der Interpretation zahlreicher Details und Textpassagen heillos überfordert sein dürften.

Alleine aus diesem Grund wäre es  angebracht gewesen, mit dem Erschaffen dieser neuen Serie gleichzeitig die ganzen alten Zöpfe radikal abzuschneiden und sich vom Ballast aus mehr als 30 Jahren „Star Trek“ zu trennen. Aber „Mut“ war auch in der Vergangenheit sowohl „Star Trek“-Autoren als auch -Produzenten eher fremd … abgesehen vom „Mut der Verzweiflung“.

„Star Trek“ für Hardcore-Fans; routiniert geschrieben, mit einigen frischen Ideen, aber insgesamt eher alter Wein im neuen Luna-Klasse-Schlauch.
(Frank Drehmel)

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Star Trek – Titan 1: Eine neue Ära

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