Legale Fracht – Rettungskreuzer Ikarus Sonderband 1

Dirk van den Boom (Hrsg.)
Legale Fracht
Rettungskreuzer Ikarus Sonderband 1

(sfbentry)

Atlantis Verlag Taschenheft (2002)
Autoren: Irene Salzmann, Dirk van den Boom, Sylke Brandt, Thomas Folgmann
Cover: Klaus G. Schimanski
Illustrationen: Irene Salzmann, Sylke Brandt
ISBN 3-936742-00-6, 100 Seiten

 

http://www.rettungskreuzer-ikarus.de

Mit „Legale Fracht“ erschien der erste Sonderband aus der Reihe „Rettungskreuzer Ikarus“. Herausgeber Dirk van den Boom steuerte selbst eine Kurzgeschichte bei und scharte drei weitere Autoren um sich: Irene Salzmann, Sylke Brandt und Thomas Folgmann. Ein gut gemischtes Quartett, das stilistisch ziemlich unterschiedlich schreibt und deswegen eine große Bandbreite verspricht. Bereits das Titelbild Klaus G. Schimanskis macht Lust auf die Mannschaft der Ikarus. Tatsächlich ist das Cover wohl selbst als Beitrag zur Anthologie zu verstehen. Obwohl als Motiv die Besatzung des Rettungskreuzers dargestellt wird, kommt keiner von ihnen als tragende Figur in den Geschichten vor. Höchstens als Erwähnung oder Randfigur. Dafür werden andere Helden in den Mittelpunkt gestellt, die ebenfalls das Ikarus’verse bevölkern.

Den Einstieg macht Irene Salzmann mit ihrer Kurzgeschichte „Legale Fracht“, die auch den Namen des Sonderbands angibt. Erneut dreht es sich um Salzmann liebste Helden: Jason Knight und die schöne Alienexotin Shilla. Die beiden haben endlich einmal eine legale Fracht angenommen, aber die macht sich prompt Selbstständig. Damit erinnert die Story an Band 1 der Reihe (“Die Feuertaufe”, Dirk van den Boom) und schließt ein wenig den Kreis.

Der unbedarfte Leser ahnt natürlich, dass der liebe Jason ein Gauner ist und sich normalerweise eher in illegale Aktivitäten verstrickt. Es sorgt für einen gewissen Witz, das dann ausgerechnet ein ausnahmsweise ehrlicher Job dermaßen schief läuft. Es entwickelt sich ein Überlebenskampf, der leicht an den Kinofilm „Alien“ erinnert. Salzmann garniert ihre Story mit Humor und Spannung, bleibt aber in seichten und bekannten Gewässern. Obwohl sich die Geschichte unterhaltsam liest, ist sie ziemlich vorhersehbar. Trotzdem eine gute Unterhaltung für Zwischendurch.

Etwas anders gestrickt ist der Beitrag des Herausgebers: „Harrimans Versuche“. Auch hier läuft ein Job anders als erwartet. Doch die Story ist ernsthafter angelegt und überzeugt vor allem durch ihre Charakterzeichnung. Es gibt nur eine Hauptfigur, und die wird von van den Boom sehr glaubhaft in Szene gesetzt. Leider schwächelt das Ende ein wenig, denn es ist davon auszugehen, dass ein Computer entsprechende Notfallprogramme besitzt. Allerdings ist die Story 2002 erschienen und da war es noch nicht ganz alltäglich, dass Computer, beziehungsweise Suchmaschinen und Netzwerke, im voraus berechnen was für Suchergebnisse gewünscht sein könnten.

„Die Gefangene“ ist Sylke Brandts Beitrag zur Anthologie. Die Geschichte handelt von einer lethargischen Frau, die unter einem brutalen Ehemann leidet. Das können ihre Freunde nicht akzeptieren und heuern ein Extraktionsteam an. Die Story ist spannend geschrieben und kommt ohne Humor daher, dafür mit sehr emotionalen Beschreibungen, die unter die Haut gehen und Lust darauf machen, mehr vom Heimatplaneten der verkappten Heldin zu lesen. Problematisch an der Geschichte ist, dass Motivation und Handlungen der Figuren manchmal recht schwer nachzuvollziehen sind. Sylke Brandt bleibt dem Leser oftmals eine Begründung schuldig und konzentriert sich rein auf das Abarbeiten der Szenerie, bis zum vorhersehbaren Ende hin. Das wirkt allerdings realitätsfremd und wie ein frommer Wunsch.

Die letzte Kurzgeschichte des Sonderbands stammt von Thomas Folgmann und stellt seine Premiere im Ikarus-Universum dar. In „Haut aus Silber“ beschreibt er die technische Seite von Vortex Outpost, der wichtigen Raumstation im Serienkosmos. Heldin ist Mona, eine junge Frau und Ingenieurin. Sie ist im Cyberspace zuhause, was ihrem Vorgesetzten ziemlich missfällt – im Gegensatz zu Monas gut gebautem Körper. Natürlich kommt es zwischen den beiden zum Konflikt, was Folgmann spannend und clever umsetzt. Dabei stellt er auch die Weichen für einen spannenden Technologiesprung. Seine besondere Stärke liegt aber in den glaubhaften Figuren.

„Legale Fracht“ ist eine schöne Zusammenstellung sehr unterschiedlicher Geschichten, die alle irgendwo im Ikarus’verse stattfinden. Es wird klargestellt, dass auch Abenteuer abseits der Serienhelden möglich sind und ein ganzes Universum darauf wartet, dass seine Geschichten erzählt werden. Und Freunde der salzmannschen Geschichten werden sich über einen Jason Knight freuen, dem eine legale Fracht derart zusetzt.

Gekrönt wird die Anthologie mit schönen Schwarzweißillustrationen von Irene Salzmann und Sylke Brandt. Sie sind zu den Geschichten passend gewählt und unterstreichen den gelesenen Text gelungen. Alles in allem eine runde Sache.

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Band 4: “Die Spielhölle” (Irene Salzmann)
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Band 8: “Das Janus-Elixier” (Irene Salzmann)
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Band 12: “Verschollen im Nexoversum” (Irene Salzmann)
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Band 16: “Ansarek” (Irene Salzmann)
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Band 23: “Flucht von Borsai” (Irene Salzmann)
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Band 28: “Welt der Adlaten” (Irene Salzmann)
Band 29: “Tod den Unsterblichen” (Irene Salzmann)
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Band 34: “Die Verschwörer” (Irene Salzmann)
Band 35: “Kontakt” (Irene Salzmann)
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Band 39: “Ehrliche Geschäfte” (Irene Salzmann)
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Band 44: “Zusammenbruch” (Irene Salzmann & Tom Folgmann)
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Band 46: “Welt der Schlafenden” (Irene Salzmann)
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Comments

  1. Wenn Irene so erfolgreich ist als Autorin, kann sie doch mal eine Leseprobe für den Award im sfbasar beisteuern 😉

  2. Sind das auf dem Cover die Autoren der Serie? Hat man bei Perry Rhodan auch ab und an gesehen.

    mgg
    galaxykarl 😉

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