Meamones Auge

meamones-augeWolfgang Jeschke
Meamones Auge

(sfbentry)
Heyne (5149)
ISBN 9783453084612
Science Fiction, Taschenbuch
Originalausgabe 1997.
Umfang:  141 Seiten

www.heyne.de

In ferner Zukunft haben die Menschen die Erde längst ausgebeutet und als wertlosen Planeten hinter sich gelassen. In riesigen Raumschiffen ziehen sie als Nomaden durch die Galaxis, ständig auf der Suche nach geeigneten Planeten, auf denen sie ihre fortgeschrittene Gen-Technologie einsetzen können. Hochspezialisierte Lebensarten werden für die unterschiedlichsten Aufgaben von Chimären-Designern entworfen und von den großen Bio-Konzernen Matsushita-Sandoz, Bayer-Gentech-Laroche oder IBM-Amgen-Solar produziert und den nomadisierenden Häusern für teures Geld verkauft.

Wenn die Bionten und kompletten Ökosets ihre Aufgabe erfüllt haben, werden sie zu Abertausenden geerntet und in Fabriken zu reinem Protein verarbeitet. Eine dieser gentechnisch erzeugten Arten ist z.B. ideal dafür geeignet, den Meeresboden abzuweiden und abgesunkenes organisches Material in die Nahrungskette zurückzuführen, das bisher ungenutzt blieb. Die Händler kalkulieren äußerst scharf, denn die Konkurrenz der Bio-Konzerne ist groß.

Von der Überheblichkeit und Blasphemie solcher Kreationen einmal abgesehen, zeigt der Autor Wolfgang Jeschke (seit 1973 Herausgeber der Science-Fiction-Reihen im Heyne-Verlag; mehrfacher Preisträger des Kurd-Laßwitz-Preises für seine Tätigkeit als Hrsg. und Autor) stellenweise mit brutaler Deutlichkeit, wie der Mensch in Zukunft skrupellos jedwede Technologie nutzen könnte, um seine Interessen wahrzunehmen.

Dem möchte ich hinzufügen, das der Mensch alles – wirklich alles – was er erfunden hat, irgendwann auch eingesetzt hat. Moralische oder rechtliche Bedenken kommen meist erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. So war es mit jeder Waffe, vom Vorderlader bis hin zur Atomwaffe, und so wird es auch mit der Gentechnologie sein! Spannend – oder erschütternd – wird es spätestens dann, wenn künstlich erzeugte Geschöpfe beginnen, Bewusstsein zu entwickeln und eigene Interessen haben.

Schade nur, das „Meamones Auge“ nur 140 Seiten hat; deutsche Science-Fiction dieser Qualität verdient breiteren Umfang oder häufigere Veröffentlichung. Ein wenig Trost bieten da 8 Farbillustrationen von Attila Boros, die der Geschichte auch optische Angelpunkte gibt. Der Roman lag auch in einer limitierten Luxusausgabe vor.

Ein weiterer Spitzenroman von Wolfgang Jeschke: „Der letzte Tag der Schöpfung“ (Heyne, 2005); ..aber dazu in einer anderen Rezension mehr.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

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