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neuauflage

Kein Durchkommen

Erstellt von Werner Karl am 7. Dezember 2011

Bohnet Pleitgen (Ilja Bohnet & Ann-Monika Pleitgen)
Kein Durchkommen
Nicola Rührmann 2

Argument Verlag, Hamburg, 1. Auflage: 10/2010
TB, ariadne Krimi 1183
ISBN 978-3-86754-183-1
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Vangardiner

www.argument.de
www.ariadnekrimis.de
www.freitagsisstmanfisch.de/autoren.html
www.martingrundmann.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

1999, zehn Jahre nach „Freitags isst man Fisch“: Nicola Rührmann hat ihr Physik-Studium abgeschlossen und arbeitet am Hamburger Institut für Meteorologie. Im Rahmen des deutsch-spanischen CORVUS-Projekts wertet sie Satellitendaten aus. Der unerwartete Tod eines spanischen Forschers und das plötzliche Verschwinden eines Kollegen bringen Nicola dazu, Nachforschungen anzustellen. Dabei gerät sie an die hübsche Henry, ein Date, das auf einem Versehen beruht und das Nicola nur noch mehr Ärger einbringt. Es scheint abwegig, aber könnten Henry und ihr unbekannter Begleiter, der Nicola niederschlug, etwas mit den Vorfällen zu tun haben? Oder sind die Verdächtigen in den Reihen der Umweltaktivisten zu suchen? Dann werden auch noch die Daten des Vermissten aus der Datenbank gestohlen und gelöscht, ausgerechnet unmittelbar vor einem wichtigen TV-Auftritt der Meteorologen, bei dem es um ihr Renommee geht. Und im Kofferraum des Autos eines Kollegen liegt eine Leiche …

Nach dem großartigen Debüt-Roman „Freitags isst man Fisch“ von Dr. Ilja Bohnet und Ann-Monika Pleitgen, Sohn und Mutter, wartete man gespannt auf den nächsten „Nicola Rührmann“-Band: „Kein Durchkommen“. Die Handlung spielt erneut in Hamburg, aber zehn Jahre später. Die aufmüpfige Studentin ist nun etwas ruhiger geworden und arbeitet am Meteorologischen Institut, was Anlass genug für ihren Hauswirt ist, sie jeden Tag nach dem Wetter zu fragen, ein Running Gag, der sich nach einer Weile jedoch abnutzt. Noch immer ist die Protagonistin beiden Geschlechtern zugetan und verliebt sich auch diesmal in eine Frau; statt Kirsch-Wodka trinkt sie nun Havanna-Club und wirft die eine oder andere Pille ein, als ob sie nicht schon genug Albträume hätte.

In der Summe ist das schon ein bisschen zu viel des Guten, um Nicola zu einem Nicht-Spießer zu machen, denn es hätte durchaus genügt, an ihren politischen Aktivitäten und ihrer Belesenheit, aufgrund derer regelmäßig Zitate aus zeitgenössischen Büchern, Songs und Filmen eingebunden werden, festzuhalten. So geht in den Eskapaden der Hauptfigur leider das 90er Jahre-Flair etwas unter. Man mag sich beim Lesen an diese Zeit noch gut erinnern, insbesondere an den Umweltgedanke, der damals hoch gehalten wurde, doch anders als in ihrem Erstlingswerk, das die 80er Jahre lebendig werden lässt, will dasselbe Geniestück den Autoren mit diesem Roman nicht recht gelingen.

Auch die ständigen Einschübe aus einer fiktiven (?) Biografie, die an Ernest Hemingways „Wem die Stunde schlägt“ angelehnt ist und eine Mission während des Spanischen Bürgerkriegs schildert, sorgen zunächst nur für Verwirrung, wenngleich klar ist, dass hier irgendwo der Schlüssel zu allem verborgen sein muss, der dann offensichtlicher ist, als vermutet. In Folge hinterlässt das Buch einen zwiespältigen Eindruck, denn einerseits begleitet man die toughe, eloquente Heldin und ihre schrulligen Bekannten gern durch ihre Ermittlungen, welche zu einer überraschenden Lösung führen; doch andererseits meint man, dass etwas weniger Drumherum der Handlung mehr Tempo und Biss verliehen hätte. Allerdings hat das Autorenpaar die Messlatte mit „Freitags isst man Fisch“ auch sehr hoch angesetzt …

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Kreuzfeuer

Erstellt von Werner Karl am 7. Dezember 2011

Katherine V. Forrest
Kreuzfeuer
Kate Delafield 6

Apparition Alley, USA, 1997
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 06/1999
TB, ariadne krimi 1113
ISBN 978-3-88619-843-6
Aus dem Amerikanischen von Monika Brinkmann
Titelgestaltung von Martin Grundmann

www.argument.de
www.ariadnekrimi.de
www.katherinevforrest.com
www.martingrundmann.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Bei einem Polizeieinsatz wird Kate Delafield von der Kugel eines Kollegen getroffen. Sie hat Glück, dass die Verletzung nicht lebensgefährlich ist und sie ihren Beruf weiter ausüben kann. Allerdings soll sie eine Auszeit nehmen, bis die Wunde verheilt ist, sich psychologisch betreuen lassen und die unbequemen Fragen der Behörden beantworten, die in solchen Fällen herauszufinden versuchen, wer die Schuld an dem Vorkommnis trägt und ob etwa vorsätzlich auf den Kollegen geschossen wurde. Kate bezweifelt das, obwohl sie durchaus das Opfer eines homophoben Beamten sein könnte, der erfahren hat, dass sie mit einer Frau zusammen lebt. Und komischerweise melden sich auch die beteiligten Kollegen nicht. Haben sie lediglich ein schlechtes Gewissen, oder steckt doch mehr dahinter? Um sich abzulenken, nimmt sich Kate der Angelegenheit von Luke Taggart an, einem Polizisten, der glaubt, aus ähnlichen Gründen seinen Partner verloren zu haben und gleichfalls auf die Abschussliste geriet …

Katherine V. Forrest ist eine amerikanische Autorin, die sich für die Gleichstellung und die Akzeptanz homosexueller Paare einsetzt. Dieses Thema dominiert ihre „Kate Delafield“-Serie, eine äußerst realistische Krimi-Reihe, in der sich auch aktuelle Geschehnisse niederschlagen. Es ist keine heile Welt, in der die Protagonistin lebt, ganz im Gegenteil. Sie trennt strikt Beruf und Privatleben und überlegt sehr genau, wem gegenüber sie sich outen möchte. Allerdings wissen mehr Außenstehende von ihren Neigungen, als sie selber ahnt. In Folge liegt der Verdacht nahe, dass die Kugel, die sie traf, kein Irrläufer war, sondern sie hatte treffen sollen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein homophober Polizist die Karriere eines Kollegen ruiniert oder ihn sogar ermordet und dass die Behörden den Vorfall vertuschen. Trotzdem will Kate keine Parallelen sehen zwischen ihrem Fall und dem von Luke Taggart, der sie bittet, den Tod seines Freundes aufzuklären. Was Kate schließlich aufdeckt, überrascht, denn die Angelegenheit ist tragischer, als man erwartet hätte.

Die Atmosphäre des Romans ist düster, bitter und deprimierend. Die Polizeiarbeit steht im Vordergrund und kommt ohne Action-Szenen aus. Obwohl die Probleme, mit denen sich Homosexuelle konfrontiert sehen, thematisiert werden, hat man nie das Gefühl, es geschehe zum Selbstzweck und um mit anklagendem Finger auf die intoleranten Mitmenschen zu deuten. Beide Themen greifen nahtlos ineinander. Allerdings dürfte genau dieser Punkt ‚normale‘ Krimi-Fans, die ihren Macho-Detektiv mit kurz berockter Sekretärin auf dem Knie brauchen, etwas abschrecken. Andererseits werden die meisten Genre-Fans den Argument Verlag, der ‚etwas andere‘ Krimis offeriert, gut genug kennen, um zu wissen, womit sie zu rechnen haben. Aufgeschlossene Leser finden auf jeden Fall viele interessante Titel mit kritischen Inhalten, nicht alltäglichen Konflikten und nachvollziehbaren Charakteren. Katherine V. Forrests „Kate Delafield“ gehört dazu. (

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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Neapel sehen

Erstellt von Werner Karl am 9. Oktober 2011

Monika Geier
Neapel sehen
Bettina Boll 2

Argument Verlag, Hamburg, 2001, 4. Auflage: 09/2008
TB, Ariadne Krimi 1136, 349/1990
ISBN 978-3-88619-866-5
Titelgestaltung von N. N.

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Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Selten entdeckt man Romane einheimischer Autoren in den Verlagsverzeichnissen – die Masse stammt aus dem englischsprachigen Raum –, und so freut man sich, dass mit Monika Geier ein deutscher Stern am Krimihimmel erschienen ist. Die Pfälzerin siedelt ihre Handlung in der vertrauten, heimatlichen Umgebung an. Daraus ergibt sich ein ganz besonderes feeling: Man liest (der gleichfalls pfälzischen Rezensentin) bekannte Namen wie Kaiserslautern, Neustadt, Landau usw. oder auch mal ein paar Brocken geläufigen Dialekt. Das macht die Geschichte reizvoller und realistischer als die übl(ich)en Amerikanismen oder exotischen Schauplätze, auf die andere Autoren setzen (ein gestörtes Heimatidyll ist z. B. auch das Erfolgskonzept des „Bullen von Tölz“).

Kriminalkommissarin Bettina Bolls Schwester ist todkrank. An ihrem Geburtstag ist sie urplötzlich mit den beiden Kindern, Bettinas Auto und deren Kreditkarte verschwunden. Nur eine knappe Notiz wurde hinterlassen, aber keine Adresse, kein Zielort genannt. Etwas Ablenkung von Bettinas privaten Sorgen bringt die Leiche der Lehrerin Aurelie Loor, die in einem Steinbruch entdeckt wurde. Zunächst sieht es nach einem Unfall aus, aber ein paar merkwürdige Kleinigkeiten veranlassen Bettina, die simpelste Lösung zu verwerfen und das Umfeld der Toten zu überprüfen. Nach und nach lernt sie die Personen kennen, die Aurelie nahe standen. Obwohl zunächst niemand schlecht über sie reden will, scheint jeder seine Konflikte mit ihr gehabt zu haben und bestrebt zu sein, die Ermittlungen zu behindern. Nur, wer hatte ein ausreichendes Motiv, um den Mord zu verüben?

Als sich die Indizien mehren und der Fall kurz vor seiner Aufklärung steht, empfängt Bettina einen dringlichen Anruf ihrer Schwester, die in Neapel weilt. Etwas in deren Stimme veranlasst die Kommissarin, alles stehen und liegen zu lassen, um so schnell wie möglich bei ihr zu sein. Das Verschwinden der Schwerkranken ist eigentlich nur eine Rahmenhandlung, die aufzeigt, dass auch die Polizisten ein anstrengendes Privatleben haben, dass die Hauptfigur nicht immer souverän den Fall löst, dass nie etwas glatt geht, die Realität stattdessen Tragödien bereit hält – ganz anders, als es die gängigen Filme und Romane vorgaukeln. Im Zentrum stehen die Ermittlungen, die kreuz und quer laufen. Es gibt mehrere Tatverdächtige; alle, einschließlich der Toten, haben seltsame Neigungen, ihnen unangenehme Probleme oder gar etwas mehr zu verheimlichen – wie blutige Obsessionen, ein Reißer, den das Buch gar nicht nötig gehabt hätte, zumal der erfahrene Krimileser gleich davon ausgeht, dass es sich hier um eine falsche Fährte handeln dürfte.

Regelmäßig wechseln die Perspektiven, so dass die Ereignisse nicht allein aus der Sicht der Kommissarin geschildert werden und ein rundes Bild des Szenarios entsteht. Der Leser hält eine gewisse Distanz zu allen Figuren, die zu bizarr gezeichnet sind, um sich zur Identifikation anzubieten; es gibt keinen einzigen wirklich gefälligen und bequemen Charakter. Auch kommt der Roman gänzlich ohne romantische Szenen um seine Hauptfigur aus – ein reiner Krimi, kein Love-Story-Verschnitt. „Neapel sehen“ impliziert eine Redewendung, die sich in diesem ungewöhnlichen Konglomerat an dubiosen Gestalten und Szenarien einfach erfüllen muss. So gibt es auch kein Happy-End, sondern nur eine sinnvolle, unerwartete Auflösung und einen frustrierenden Schluss für die Kommissarin, der kaum überrascht. Das Buch ist etwas unkonventionell, spannend, überzeugend und bitter – einmal etwas ganz anderes als die populären Action-Thriller mit ihren Retorten-Helden.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Der Zensor

Erstellt von Werner Karl am 7. Oktober 2011

Marcus Hammerschmitt
Der Zensor

Argument Verlag, Hamburg, 2001
(hier Titelbild der 2. Auflage von 2005)
Reihe “SF Social Fantasies”
Science Fiction
Taschenbuch
Umfang 256 Seiten
ISBN 978-3-88619-970-9

www.argument.de
www.hoerbuchnetz.de

Titel erhältlich bei Amazon.de

Vorbemerkung zur Reihe “SF Social Fantasies” des Ariadne/Argument-Verlages:

Es ist eine Tatsache, das über Jahrzehnte hinweg, Science-Fiction den Stempel Trivialliteratur aufgedrückt bekommen hatte. Von wem? Von Vertretern der Hochliteratur und vor allem von Leuten, die keine Ahnung hatten und wahrscheinlich immer noch keine haben und sicher nicht mehr als zwei oder drei Bücher aus diesem Genre wirklich gelesen haben. Zugegeben gab und gibt es auch heute immer noch Texte – quer durch alle Genre -, die man mit diesem abwertenden Begriff bezeichnen kann und darf, aber längst gibt es nicht nur Hunderte, sondern nach Tausenden zählende Science-Fiction Bücher, die diesen Makel nicht tragen.

Zwischen den Jahren 1997 und 2004 hatte es sich der Ariadne/Argument-Verlag auf die Fahnen geschrieben, gegen das auch damals – trotz aller Erfolge im Buch- und vor allem im Filmbereich – hartnäckig existierende Vorurteil ein Gegengewicht zu setzen: Die Reihe “SF Social Fantasies”. Mit der Publikation längst vergriffener Juwelen des Genres in ungekürzten und überarbeiteten Neufassungen präsentierte man Fans und Kritikern (s. o.) des Genres Titel, die zeigten, dass es sehr wohl gute, nein sehr gute SF-Literatur gab und gibt. Welchen Gesetzen des gnadenlosen Buchmarktes es anzulasten ist, dass die Reihe nach rund 30 Titeln eingestellt wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Aber die Reihe hätte ein längeres Leben – und die Fans weiterhin Zugang zu längst vergriffenen Titeln – absolut verdient.

Gerade in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war es in vielen Verlagen Usus, Texte auf ein vorgegebenes Maß, dass der Stärke und damit dem Standardpreis einer Reihe entsprach, ohne große Rücksicht zu kürzen. Ich denke da mit Grausen an die erste Auflage von “Dune – Der Wüstenplanet”; gekürzt von rund 650 Seiten auf 320! Die Zeit schien – zumindest bei den Verlagen – noch nicht reif zu sein, für dicke Bücher mit 500, 700 oder gar 1.000 Seiten. Bei vielen Fans führte das zu massiven Protesten und erst in späteren Jahren wagten – mit Erfolg – viele Verlage, die Originaltexte ungekürzt und mit variablen Taschenbuchpreisen auf den Markt zu bringen. Oft sind hier die 2. Auflagen das begehrte Objekt des Fans.

Und so zählt dann also diese kleine Reihe “SF Social Fantasies” zu den Highlights dessen, was Verlage auf den SF-Markt gebracht haben. Wir werden hier an dieser Stelle immer wieder Rezensionen zu Titeln aus dieser Reihe bringen.

Zum Autor:

Marcus Hammerschmitt, geboren 1967 in Saarbrücken ist Journalist und freier Schriftsteller. Er hat mehrere Science-Fiction und einige Sachbücher (s. u.) geschrieben. Mit einigen seiner Kurzgeschichten ist er mehrfacher Träger des Kurd-Laßwitz-Preises, sowie des Deutschen Science-Fiction Preises. Seit 1995 ist er Mitglied des Verbands deutscher Schriftsteller. Im sfbasar findet man einige Leseproben aus seinen neuesten Werken (“Das Herkules-Projekt” und “Azureus & Pygmalion”).

Zum Buch:

Im Jahr 2136 herrschen in Spanien und einigen Teilen Südeuropas die Mayas. Sie haben die vor 600 Jahren stattgefundene Invasion durch die Conquistadores überwunden und sich auf ihren Maya-Ursprung besonnen. Mit Hilfe modernster Nano-Technologie haben sie sich von ihren Unterdrückern befreit und in einer Gegenoffensive die iberische Halbinsel überrannt. In den ehemaligen Hauptstädten des spanischen Königreiches ragen Steinpyramiden und Tempel wie Hochhäuser aus dem Stadtbild auf. Auf den zermalmten Resten katholischer Kirchen und Kathedralen thronen nun sie als Zeichen der Macht.

Und die Mayas herrschen auch durch ihre angestammten Riten. Menschen – vorzugsweise Feinde, aber auch Landsleute – fallen blutigsten Ritualen zum Opfer. Natürlich fördert das Widerstand zutage und die FPLE (Frente patriótico para la Liberación de Espana) plant einen Anschlag auf die Hauptstadt Nano-Tikal. Sie will mit einem Schlag den Herrscher, Ahau Chan Balum, den Kopf des Maya-Geheimdienstes Ahau Yaqui und die gefürchteten Elitekrieger der Raben vernichten. Enrique, ein führender Kopf der Untergrundorganisation, macht sich auf den Weg, um eine Nano-Bombe fürchterlichster Art mitten ins Herz des Maya-Reiches zu bringen …

Doch auch die katholische Kirche, an ihrer Spitze natürlich der Papst, hat Pläne, um die Herrschaft über ein angestammtes katholisches Land wiederzuerlangen. Sie schickt einen Vertreter, Don Rodriguez, nach Nano-Tikal, um dem Herrscher ein weiteres der extrem seltenen Maya-Codizes auszuhändigen, dass angeblich seit 600 Jahren in den Archiven des Vatikans schlummerte.

Fazit:

Um es kurz zu machen: “Der Zensor” hat seinen Platz in dieser exquisiten SF-Reihe zu Recht erhalten. Ich gebe zu, dass die Verknüpfung von Historie, alternativem Geschichtsverlauf und modernster Technologie zu meinen Lieblings-Sujets zählt. Aber Marcus Hammerschmitt reitet nicht auf solchen Elementen herum, sondern fügt sie intelligent in eine wirklich beklemmende Zukunftsvariante ein. Den einzigen Malus, den ich finden konnte – ohne danach gesucht zu haben -, war die Kürze des Romans. Gerade die gemeinsame Flucht von Yaqui und Enrique, der Wandel von aussichtsloser Flucht zur Lösung ihrer Probleme wird leider am Ende ein wenig gerafft beschrieben. Und auch das Ende kommt ein wenig kurz daher. Rund 50 Seiten mehr Lesespaß hätten aus diesem sehr guten Roman einen Bestseller gemacht, davon bin ich wirklich überzeugt. Also freuen wir uns auf die anderen und neuen Romane des Autors. Müßte ich Punkte vergeben, würde ich 9 von 10 verteilen.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Amazon.de

Weitere Titel des Autors:

2011 Azureus & Pygmalion, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8094-3
2010 Yardang, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8082-0
2007 Der Fürst der Skorpione, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-7046-3
2006 Das Herkules-Projekt, Sauerländer-Verlag, ISBN 3-7941-7043-2
2002 PolyPlay, Argument Verlag, ISBN 3-88619-974-7
2001 Der Zensor, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-970-3. Als Hörbuch Radioropa 2008: ISBN 978-3-86667-711-1
2000 Der Opal, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-960-0
1998 Target, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39347-5
1997 Wind, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39278-2
1995 Der Glasmensch, Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-38973-7

ZUM SFBASAR.DE-PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Marcus Hammerschmitt – Der Zensor.

Abgelegt unter Preisrätsel auf sfbasar.de, Science Fiction | 2 Kommentare »

Kein Durchkommen

Erstellt von Werner Karl am 26. September 2011

Bohnet Pleitgen
Kein Durchkommen

Argument Verlag
Ariadne Kriminalroman
ISBN 978-3-86754-183-1
Kriminalroman
1. Auflage 2010
Umschlaggestaltung: Martin Grundmann
Foto: © Vangardiner
Taschenbuch, 256 Seiten

www.argument.de
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Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zu den Autoren:

Ann-Monika Pleitgen, Managerin, Ehefrau und Co-Autorin des Schauspielers Ulrich Pleitgen, schrieb schon als Kind leidenschaftlich gern Kurzgeschichten. Ihr Sohn, der Physiker Dr. Ilja Bohnet, arbeitet am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY). Beim Schreiben des Kriminalromans Freitags isst man Fisch (Nikolas erster Fall, nominiert für den GLAUSER 2010 als bestes Debüt) entdeckten Mutter und Sohn ihre Autorenteam-Fähigkeiten und schufen die eigenwillige Krimifigur Nikola Rührmann. Ein dritter Fall soll folgen.

Zum Buch:

Wir schreiben das Jahr 1999 und Nikola Rührmann, genannt Nik oder Sput-Nik, ist älter geworden. Nach endgültigem Abschluss ihres Studiums arbeitet sie am Institut für Meteorologie in Hamburg in einer Arbeitsgruppe des CORVUS-Projektes. Leider läuft nicht alles nach Plan, denn der Satellit CORVUS liefert derzeit nicht mehr alle Messdaten, die erhofft und erwartet werden und darunter leidet vor allem die Arbeitsgruppe rund um Professor Rindeck, zu der auch Nikola gehört. Öffentliche Anfeindungen und Diskussionen über das Projekt und den Klimawandel an sich sind hier vorprogrammiert. Und dann verschwindet plötzlich Gerd, ein Kollege aus der Arbeitsgruppe und Nikola lässt sich von ihrem Chef überreden nach dem Kollegen zu suchen. Dessen Auffinden wäre natürlich auch wichtig, denn ohne ihn fehlen der Arbeitsgruppe weitere wichtige Daten und wie soll dann die Wetterwette gegen den berühmten Fernseh-Meteorologen Franz Seeler gewonnen werden?

Asphalt-Wilfried und Taxi-Christian sind natürlich auch mit von der Partie und unterstützen ihre alte Freundin wo sie nur können. Nur in Liebesdingen, da muss Nikola sich wohl selbst bemühen ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Die Trennung von Freundin Ulli liegt hinter ihr, aber Henri, die ganz plötzlich im Institut durch sonderbare e-mails auf sich aufmerksam macht, erweckt Nikolas weibliches Interesse. Schließlich liebt Frau Frau und diese Henri scheint schon wirklich klasse. Aber spielt sie vielleicht auf der gegnerischen Seite?

Mit „Kein Durchkommen“ nehmen die Autoren Bohnet/Pleitgen die politische Lage in Sachen Klimawandel unter die Lupe und verbinden dieses doch recht brisante Thema mit einer kriminellen Handlung.

Sehr lustig sind die immer wiederkommenden Einschübe in denen Nikola nach aktuellem und zu erwartendem Wetter befragt wird und in denen ihr Hauswirt wieder einmal Hilfe und Unterstützung benötigt.

Dieser Krimi ist keine leichte Kost. Er macht nachdenklich und fordert vom Leser  eigene Gedanken ein. Teilweise geht es sehr technisch zu, aber wenn man sich auf das Buch und seine interessante Geschichte einlässt, dann wird man gefangen genommen von der doch so anderen Sprache des Autorenduos und ein wenig auch von Hamburg, einer Stadt, die hier herbstlich und regnerisch daherkommt.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
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When the music´s over

Erstellt von Werner Karl am 21. September 2011

Myra Çakan
When the music´s over

Argument/Ariadne Verlag, Hamburg, 1999
Reihe “SF Social Fantasies”
Science-Fiction
Taschenbuch
Umfang 272 Seiten
ISBN 978-3-88619-945-7

www.argument.de
http://cakan.eu

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Titel erhältlich bei Amazon.de

Vorbemerkung zur Reihe “SF Social Fantasies” des Ariadne/Argument-Verlages:

Es ist eine Tatsache, das über Jahrzehnte hinweg, Science-Fiction den Stempel Trivialliteratur aufgedrückt bekommen hatte. Von wem? Von Vertretern der Hochliteratur und vor allem von Leuten, die keine Ahnung hatten und wahrscheinlich immer noch keine haben und sicher nicht mehr als zwei oder drei Bücher aus diesem Genre wirklich gelesen haben. Zugegeben gab und gibt es auch heute immer noch Texte – quer durch alle Genre -, die man mit diesem abwertenden Begriff bezeichnen kann und darf, aber längst gibt es nicht nur Hunderte, sondern nach Tausenden zählende Science-Fiction Bücher, die diesen Makel nicht tragen.

Zwischen den Jahren 1997 und 2004 hatte es sich der Ariadne/Argument-Verlag auf die Fahnen geschrieben, gegen das auch damals – trotz aller Erfolge im Buch- und vor allem im Filmbereich – hartnäckig existierende Vorurteil ein Gegengewicht zu setzen: Die Reihe “SF Social Fantasies”. Mit der Publikation längst vergriffener Juwelen des Genres in ungekürzten und überarbeiteten Neufassungen präsentierte man Fans und Kritikern (s. o.) des Genres Titel, die zeigten, dass es sehr wohl gute, nein sehr gute SF-Literatur gab und gibt. Welchen Gesetzen des gnadenlosen Buchmarktes es anzulasten ist, dass die Reihe nach rund 30 Titeln eingestellt wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Aber die Reihe hätte ein längeres Leben – und die Fans weiterhin Zugang zu längst vergriffenen Titeln – absolut verdient.

Gerade in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war es in vielen Verlagen Usus, Texte auf ein vorgegebenes Maß, das der Stärke und damit dem Standardpreis einer Reihe entsprach, ohne große Rücksicht zu kürzen. Ich denke da mit Grausen an die erste Auflage von “Dune – Der Wüstenplanet”; gekürzt von rund 650 Seiten auf 320! Die Zeit schien – zumindest bei den Verlagen – noch nicht reif zu sein, für dicke Bücher mit 500, 700 oder gar 1.000 Seiten. Bei vielen Fans führte das zu massiven Protesten und erst in späteren Jahren wagten – mit Erfolg – viele Verlage, die Originaltexte ungekürzt und mit variablen Taschenbuchpreisen auf den Markt zu bringen. Oft sind hier die 2. Auflagen das begehrte Objekt des Fans.

Und so zählt dann also diese kleine Reihe “SF Social Fantasies” zu den Highlights dessen, was Verlage auf den SF-Markt gebracht haben. Wir werden hier an dieser Stelle immer wieder Rezensionen zu Titeln aus dieser Reihe bringen.

Zur Autorin:

… kann ich nur dringend deren – für eine weibliche Autorin überraschend spacige – Website empfehlen. Dort finden sich auch zwei Interviews, die viel über die Autoren verraten. Hier noch mal der Link: http://cakan.eu

Zum Buch/Klappentext:

Hier kommt die Flut … In Europa sind ganze Länder überschwemmt, der Katastrophentourismus blüht. Crack war Popcorn gegen die neuen Alien-Drogen. Das World Wide Web ist längst abgeschaltet. In Hamburg setzt eine junge Reisende den Fuß an Land: Skadi aus dem Reich des ewigen Eises, randvoll mit Neugier und stillem Charisma. Ihre Töne sind hell, voller Fragen – nicht wund und düster wie die Songs von Blue, schwermütiger Gitarrist der Rockband Bladerunner. Nicht hart und grimmig wie Sunshine, Anführerin der Berliner Tunnel-Soldaten. Nicht zynisch-überdreht wie der straßenschlaue Nachwuchshacker Wiesel. Skadi, Blue, Sunshine und die anderen – niemand von ihnen hat eine Mission, alle wollen bloß überleben und gelegentlich die abscheulichen Vierfinger ärgern, die sich auf der Erde breit machen …

Fazit:

Den Titel des Buches hat sich Myra Çakan von der Band „The Doors“ geliehen (Album „Strange Days“, 1967). Und der Titel passt mit seinem düsteren und psychedelischem Ton perfekt zur Geschichte; sehr gut ausgewählt. Songtextzitat: „Music is your only friend, until the end … before I sink into the big sleep, I want to hear the scream of the butterfly”. Doch Schmetterling schreien nicht. Die Stimmung des Romans ist Cyperpunk pur: Durchgeknallt, düster, realitätsnah bis auf die nackte Haut. Dazu Aliens, die sich anfangs wie die lange erhofften Freunde aus dem All (ähnlich wie in „V – Die Besucher“) gebärden und doch in Wahrheit eine Invasion betreiben, die der Menschheit nur nach und nach bewusst wird. Bis es zu spät ist.

Copyright © 2011 by Werner Karl

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Weitere Titel der Autorin:
Begegnung in der High Sierra, Argument/Ariadne-Verlag, ISBN 978-3-88619-982-2
Downtown Blues, Argument/Ariadne-Verlag, ISBN 978-3-88619-965-5
Dreimal Proxima Centauri und zurück, Edition Phantasia, ISBN 978-3-93789-747-9
Zwischenfall an einem regnerischen Nachmittag, Argument/Ariadne-Verlag, ISBN 978-3-88619-988-4

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Taxi ins Chaos

Erstellt von Werner Karl am 13. August 2011

Martha Miller
Taxi ins Chaos

Dispatch to Death, USA, 2003
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 11/2006
TB, ariadne krimi 1151
ISBN 978-3-88619-881-8
Aus dem Amerikanischen von Else Laudan
Titelgestaltung von Martin Grundmann

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Die attraktive Anita Alvarez erzählt der Taxifahrerin Trudy Thomas eine rührselige Geschichte und bittet sie um Hilfe. Obwohl Trudy das Gefühl hat, dass etwas faul ist, lässt sie sich dazu hinreißen, die Nase in Dinge zu stecken, an denen sie besser nicht gerührt hätte. Nicht nur wird eine ihrer Kolleginnen ermordet, auch auf sie selber machen Unbekannte plötzlich Jagd. Trudy wird niedergeschossen, und Anita flüchtet mit ihrem Taxi.

Nun hat Trudy genug von Anitas Lügen und wendet sich an die Polizistin Tony Matulis – vielleicht zu spät: Die Beamtin wurde von dem Fall abgezogen. Sie liegt verletzt im Krankenhaus, und ihr Partner ist tot. Obwohl beide Frauen Antworten wollen, gibt es immer noch einige Dinge, die sie einander verschweigen. Und genau dieser Punkt, dass alle, die mit der Sache zu tun haben und etwas wissen, nicht die Karten auf den Tisch legen, führt dazu, dass es unnötige Tote und Verletzte gibt, sich das Drama in die Länge zieht. Wann immer Trudy glaubt, die Wahrheit zu erahnen, oder auszusteigen versucht, passiert etwas, dass alles auf den Kopf stellt und es ihr unmöglich macht, sich aus dem Fall herauszuhalten. Anita ist immer wieder für eine Überraschung gut, bleibt jedoch zwielichtig bis zum Schluss und wird einem durch ihr Verhalten auch nicht sympathisch. Stattdessen fühlt man mit Trudy, die mehrmals über den Tisch gezogen wird und eine Menge einstecken muss.

Tony Matulis, die treue Krimi-Fans aus „Neun Nächte“ (Bd. 1135) kennen, hat lediglich eine bedeutsame Nebenrolle inne. Man muss dieses Buch nicht gelesen haben, um sich in „Taxi ins Chaos“ zurechtzufinden, da beide Romane in sich geschlossen und nicht als Serie konzipiert sind. Bindeglied sind allein einige wiederkehrende Charaktere. Wie in vielen Krimis des Argument Verlags sind die Protagonistinnen lesbisch, doch selten wird dieser Aspekt zum Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse. Zwar fühlt sich Trudy zu Anita hingezogen, aber das ist auch schon alles und nicht der Grund, warum sie sich in die gefährliche Angelegenheit hinein ziehen lässt. Ihre Motive sind Neugierde und Hilfsbereitschaft, und Letzteres nutzt Anita weidlich aus.

„Taxi ins Chaos“ hält, was der Titel verspricht. Das rasante Tempo des Romans nimmt einen sofort gefangen. Es gibt keinen Leerlauf, ständig passiert etwas, und nie sind die Dinge so, wie man im ersten Moment glaubt. Erst zum Schluss hin lichtet sich das Chaos, und erneut wird man überrascht. Schätzt man realistisch angelegte Krimis mit glaubwürdigen Charakteren, die nachvollziehbare Fälle schildern, wie sie sich in unmittelbarer Nähe ereignen könnten, wird man von diesem Band bestens unterhalten.

Copyright © 2011 Irene Salzmann (IS)

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Knochenjob

Erstellt von Werner Karl am 12. August 2011

Katherine V. Forrest
Knochenjob
Kate Delafield 7

Sleeping Bones, USA, 1999
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 06/2000
TB, ariadne krimi 1125
ISBN 978-3-88619-855-9
Aus dem Amerikanischen von Britta Dutke
Titelgestaltung von Martin Grundmann

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Detective Kate Delafield vom LAPD und ihr neuer Partner Joe Cameron werden zu den La Brea Teergruben gerufen. Touristen entdeckten die seltsam verkrümmte Leiche eines alten Mannes, der durch einen Stich in die Nieren ermordet wurde. Sein Tod scheint im Zusammenhang mit einem Unterkieferknochen zu stehen, der am selben Tag im Museum auftauchte, da aber gar nicht hingehört, denn er ist erheblich älter als die anderen Funde. Paläoanthropologen identifizieren ihn als Teil des Schädels eines Pekingmenschen und sind davon überzeugt, dass es sich um eines jener Relikte handelt, die während der Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren gingen. Unverhofft schaltet sich die CIA ein, um den Verbleib der übrigen wertvollen Skelett-Teile aufzuklären und stören dabei empfindlich die Ermittlungen der Polizei.

Kate glaubt, den Täter entlarven zu können, und ausgerechnet im entscheidenden Moment kommen ihr die Agenten in die Quere. Daneben muss sie sich mit persönlichen Problemen auseinandersetzen:
Inwieweit kann sie Joe, der selber Geheimnisse zu hüten scheint, vertrauen? Ahnt er, dass sie eine lesbische Beziehung unterhält und kann sich damit arrangieren?
Wie soll sie mit ihrem Bruder umgehen, von dessen Existenz sie nicht wusste und der sie gern kennen lernen möchte?
Wie kann sie einer Bekannten, die von ihrem Ex-Mann bedroht wird, helfen, ohne das Gesetz zu brechen und alles noch schlimmer zu machen?
Und wohin steuert ihre Lebensgemeinschaft mit Aimee, insbesondere seit die attraktive Peri Kate Avancen macht?

Jeder „Kate Delafield“-Krimi ist in sich abgeschlossen, so dass man die Romane in beliebiger Reihenfolge lesen kann, wenngleich kleine Details (z. B. die wechselnden Beziehungen und Kollegen der Hauptfigur) auf die Chronologie verweisen. „Knochenjob“ ist bereits der siebte Band, der einen Fall der lesbischen LAPD-Detective schildert. Diesmal geht die Autorin weit in die Vergangenheit zurück, denn die Ursachen für den Mord, den Kate und ihr Partner Joe aufklären sollen, haben ihre Wurzeln im Zweiten Weltkrieg. Die Amerikaner versuchten, die Relikte des Pekingmenschen in Sicherheit zu bringen, doch gingen sie verloren. Vergeblich bemühten sich die Nationen, die sich um die Besitzrechte streiten, durch jene, die involviert waren und überlebt haben, eine Spur zu finden.

Erst als schon keiner mehr damit rechnete, wird ein Teil des Skeletts gefunden, und ausgerechnet derjenige, der die Wahrheit kannte, ermordet. Warum und wer dahinter steckt, wird erst am Schluss nach einer spannenden Schnitzeljagd enthüllt. Dabei spart die Autorin nicht mit ihrer Kritik am Verhalten vieler Nationen, die sich weigern, erbeutete Kunstschätze den Ländern zurückzugeben, denen sie gehören, an der unglücklichen Einmischung der Amerikaner in die Konflikte anderer, an der zwielichtigen Rolle der CIA in vielen heiklen Angelegenheiten – doch fließt dies nebenbei ein, so dass man nie das Gefühl hat, eine Lektion in Geschichte von einem Mahner mit erhobenem Zeigefinger erteilt zu bekommen. Die Ermittlungen wirken durch die Einbindung der privaten Probleme, denen sich die Protagonisten stellen müssen, sehr realistisch.

Auch hier wird nicht mit dem Finger auf Missstände gezeigt wie beispielsweise die Intoleranz, die homosexuellen Paaren entgegengebracht wird, die Lücken im Gesetz, die es Stalkern ermöglichen, ihre Opfer so lange zu bedrängen, bis etwas Schlimmes passiert, die gesellschaftliche Ächtung unverheirateter Mütter, die notgedrungen ihre Kinder allein bekommen und weggeben mussten/müssen.

So überzeugt „Knochenjob“ auf gleich zwei Ebenen durch die Verarbeitung unbequemer Themen. Die Protagonisten wirken glaubwürdig mit ihren Stärken und Schwächen und nachvollziehbaren Konflikten. Auch der flüssige Stil der Autorin gefällt. „Knochenjob“ ist ein sehr empfehlenswerter Titel für aufgeschlossene Krimi-Freunde, die kritische Themen und unkonventionelle Ermittler schätzen.

Copyright © 2011 Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Katherine V. Forrest – Knochenjob. Kate Delafield 7 auf sfbasar.de!

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Herrgotts Bscheißerle

Erstellt von Werner Karl am 15. Juni 2011

Silvija Hinzmann (Hrsg.)
Herrgotts Bscheißerle

Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 04/2011
TB, ariadne krimi 1196, Anthologie
ISBN 978-3-86754-196-1
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von © blende40 – Fotolia.com
Illustrationen im Innenteil von Ingrid Beckmann und Martin Grundmann

www.argument.de
www.ariadnekrimis.de
www.silvija-hintzmann.de
www.martingrundmann.de
http://ingridbeckmann.com

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Nach „Mord isch hald a Gschäft“, „Tödlichs Blechle“ und „A Schwob, a Mord?“ von Lisa Kuppler (Hrsg.) ist mit „Herrgotts Bscheißerle“ die vierte Schwaben-Krimianthologie im Argument Verlag erschienen, für die Herausgeberin Silvija Hinzmann 15 renommierte Autorinnen, darunter Christine Lehmann, Frigga Haug und Else Laudan, gewinnen konnte. In 16 Kurzgeschichten werden kulinarische Morde und andere Verbrechen begangen oder durch die Macht der Küche verhindert. Es sind Geschehnisse, wie sie sich, ohne dass es jemand ahnt, bei der bieder wirkenden, aber rachsüchtigen Nachbarin gegenüber oder gar bei der eigenen nach Gerechtigkeit strebenden Tante abspielen könnten. Fast immer steht eine Frau im Mittelpunkt, die einen konkreten Grund hat, sich für eine Untat zu revanchieren, ein Unglück zu verhindern oder der Gerechtigkeit nachzuhelfen. Sie alle gehen dabei sehr geschickt vor, so dass keine Spuren bleiben – denn die Küche bietet so manche Möglichkeit. Werden die Geschehnisse aus der Perspektive eines Mannes geschildert, hat er stets Dreck am Stecken und bekommt die ihm gebührende Strafe.

Eigentlich wurde Nele in Tatjana Kruses „Pulp-Kitchen“ angeheuert, um einen Star-Koch aus dem Weg zu räumen. Als jedoch einige Kollegen auftauchen, die dafür sorgen sollen, dass alles glatt geht, wechselt sie spontan die Seiten, denn die Maultaschen des Opfers sind diesen Schritt wahrlich wert …

In der Titelgeschichte „Herrgotts Bscheißerle“ von Sybille Baecker soll die Privatermittlerin Samira einen attraktiven jungen Mann, der seine Opfer – ausnahmslos verheiratete Frauen, die viel zu verlieren haben – nach einem One-Night-Stand mit pikanten Fotos erpresst, damit sie ihm Schweigegeld zahlen und seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen, auf diskrete Weise um die peinlichen Beweismittel bringen. Beate Rygierts „Amazing Grace“ ist Käthes überraschender Weihnachtsgast. Die junge Frau stammt aus Afrika, wurde durch ein Eheversprechen nach Deutschland gelockt und von ihrem Mann mehrmals misshandelt, so dass sie in ein Frauenhaus floh. Sie ahnt nicht, dass er ihr in der Weihnachtsnacht auflauern und sie umbringen würde. Die Polizei hat nichts gegen ihn in die Hand, und so wird Käthe, die Grace sehr gern hatte, aktiv.

Ulrike Wanners „Neckar-Chutney“ ist himmlisch und schickt den untreuen Ehemann in die Hölle, aber nicht durch Arsen, wie er glaubte. Dafür ist seine Frau, die mehr als nur die Scheidung will, viel zu gewitzt. Das sind bloß vier Beispiele für die vielseitigen ‚Schwabenmorde„, die auf pfiffige oder drastische Weise durchgeführt werden und beim Leser ein zufriedenes Recht so! bewirken, denn die Opfer sind niemals unschuldig und haben ihr Schicksal verdient, denn sie schlüpften durch die Maschen des Gesetzes, und hätten nicht die Protagonistinnen Eigeninitiative entwickelt, wären die Täter ungestraft davon gekommen. Man solidarisiert sich mit den Frauen, die für Gerechtigkeit sorgen, auch wenn man in der Realität die Maßnahmen eher nicht für gut heißen würde – aber es sind Geschichten, die unterhalten wollen und diesen Anspruch bestens erfüllen. Abgerundet wird mit den Rezepten, die in den Storys erwähnt oder innerhalb dieser beschrieben werden, und passenden Abbildungen. Die Rezepte laden zum Nachkochen ein – man muss ja nicht unbedingt das Arsen hinzufügen …

„Herrgotts Bscheißerle“ ist wieder eine großartige Schwaben-Krimianthologie aus dem Argument Verlag, die man allen Freunden von lukullischen Krimis mit Lokalkolorit wärmstens empfehlen kann.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Silvija Hinzmann (Hrsg.) – Herrgotts Bscheißerle.

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Das Leben ist schmutzig

Erstellt von Werner Karl am 13. Mai 2011

Anne Goldmann
Das Leben ist schmutzig

Argument Verlag, Hamburg, 03/2011
TB, ariadne Krimi 1194
Milieu-Studie, Drama
ISBN 978-3-86754-194-7
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Dream-Emotion, Fotolia.com

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Sie alle wohnen in einem Mehrfamilienhaus, das um 1870 gebaut wurde und irgendwo im modernen Wien steht: die Hausmeisterin Julia Wawerka und ihr Sohn Markus, für die ein neues Leben beginnt, nachdem der gewalttätige Ehemann und Vater verschwand; der ältere, wortkarge Beamte Sedlak; der freundliche, aber auf seine Weise eigentümliche Briefträger Wagner; der neugierige, ewig schlecht gelaunte Pensionär Herr Pöhz; die Langzeitstudentin Mona Bergmann, die ihr Leben endlich in den Griff bekommen möchte, als sie ihrem ‚Mr. Right„ begegnet; der ‚coole„ Bernhard Färber, der sich anscheinend für etwas Besseres hält und geheime Pläne verfolgt; die charmante Lehrerin Daniela Brandlhofer, die mit praktisch jedem zurechtkommt; die alte Frau Novak und ihr Hund Wastl; die fast immer abwesende Hausbesitzerin Frau Radl; die psychisch instabile Arbeitslose Marie Berger.

Durch das Haus kommen sie immer wieder zusammen, ob sie wollen oder nicht. Gleichgültigkeit und Neugierde, Besserwisserei und Schikanen, peinliche Geheimnisse und ihre Enthüllung, Freundschaften und Streitigkeiten sind an der Tagesordnung. Hin und wieder springt jemand über seinen Schatten und sorgt für eine Überraschung. Womit jedoch keiner gerechnet hat, das ist die Leiche, die die Reinigungskraft von Herrn Pöhz im Keller entdeckt – zwei Wochen alt, kaum noch zu identifizieren. Aber Julia erkennt in ihr eine Hausbewohnerin, die vor einiger Zeit verreisen wollte. Mit Hilfe der Mieter, die etwas beobachtet haben, wird der Exfreund der Toten festgenommen, doch weisen die Indizien auf einen anderen Täter hin. Marie Berger hat einen begründeten Verdacht, doch keiner will ihr Gehör schenken, als sie von einem Mörder mitten unter ihnen spricht. Julia Wawerka stößt auf den entscheidenden Hinweis und damit auf eine Person, die niemand verdächtigt hätte, und gerät dadurch selbst in Gefahr …

„Das Leben ist schmutzig“ ist praktisch die subtile Wiener Version der „Lindenstraße“ und ähnlicher Dramen, die sich in einem Haus abspielen, das zum Heim von vielen grundverschiedenen Menschen wurde. Wer selbst einmal in einem Mehrfamilienhaus wohnte, kennt all die Typen, die hier auftauchen, und ihre Verhaltensweisen. Obwohl lange Zeit nichts Aufregendes passiert, liest und liest man, ohne zu bemerken, wie die Seiten verfliegen, da die realistischen Schilderungen in den Bann ziehen. Man lernt die glaubwürdig beschriebenen Protagonisten und ihre nachvollziehbaren Probleme kennen, die teils klein und nichtig (wie die Feindschaft von Herrn Pöhz und dem Briefträger Wagner, für die es keine konkrete Ursache gibt), teils gravierend (wie die familiäre Situation der Wawerkas vor der Scheidung und die schlechte Gesellschaft, in die Markus gerät) sind. Während die einen gar nichts verändern wollen, weil sie bequem geworden sind oder weil sie den Ärger genießen, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen, bemühen sich die anderen voranzukommen, was oft mit Skepsis beobachtet, sogar mit Kritik bedacht wird.

Kein Wunder, dass einige sich lieber aus allem raushalten und nichts über sich preisgeben wollen! Anne Goldmann schildert die kleinen Szenen und die jeweiligen Akteure in kurzer, präziser Sprache, die das Wesentliche auf den Punkt bringt. Man nimmt ihr auch die plötzlichen Perspektivenwechsel innerhalb einer Szene nicht übel. Gemäß ihrer Charaktereigenschaften dürfen die Figuren ihre Mitmenschen und die Geschehnisse kommentieren, wobei man zu einigen Mietern eine Beziehung zu knüpfen beginnt (Julia und Markus Wawerka, Daniela Brandlhofer, Mona Bergmann), zu anderen hingegen aus unterschiedlichen Gründen Distanz wahrt (Frau Radl, Sedlak, Bernhard Färber, Marie Berger), wie es wohl auch im ‚wahren„ Leben wäre.

„Das Leben ist schmutzig“ ist in erster Linie eine gelungene Milieu-Studie, in die die Autorin ihre Erfahrungen aus verschiedenen Berufen (sie ist ausgebildete Sozialarbeiterin und arbeitet bereits seit Jahren in der Straffälligenhilfe) einfließen ließ, und nur ganz nebenbei auch ein Krimi, durch einen Mordfall, wie er sich in der Nachbarschaft jederzeit abspielen könnte: ungeplant und unbemerkt, eigentlich ein tragisches Unglück, das zufällig ans Licht kommt. Mit diesem Titel bleibt sich der Argument Verlag selbst treu, denn das Buch ist ein kleines Juwel, das man erst nach der letzten Seite aus der Hand legt und nicht so schnell vergisst, denn Vergleichbares findet man selten im Krimi-Bereich.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Anne Goldmann – Das Leben ist schmutzig.

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Anne Goldmann – Das Leben ist schmutzig auf sfbasar.de

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