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neuauflage

Kein Durchkommen

Erstellt von Werner Karl am 7. Dezember 2011

Bohnet Pleitgen (Ilja Bohnet & Ann-Monika Pleitgen)
Kein Durchkommen
Nicola Rührmann 2

Argument Verlag, Hamburg, 1. Auflage: 10/2010
TB, ariadne Krimi 1183
ISBN 978-3-86754-183-1
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Vangardiner

www.argument.de
www.ariadnekrimis.de
www.freitagsisstmanfisch.de/autoren.html
www.martingrundmann.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

1999, zehn Jahre nach „Freitags isst man Fisch“: Nicola Rührmann hat ihr Physik-Studium abgeschlossen und arbeitet am Hamburger Institut für Meteorologie. Im Rahmen des deutsch-spanischen CORVUS-Projekts wertet sie Satellitendaten aus. Der unerwartete Tod eines spanischen Forschers und das plötzliche Verschwinden eines Kollegen bringen Nicola dazu, Nachforschungen anzustellen. Dabei gerät sie an die hübsche Henry, ein Date, das auf einem Versehen beruht und das Nicola nur noch mehr Ärger einbringt. Es scheint abwegig, aber könnten Henry und ihr unbekannter Begleiter, der Nicola niederschlug, etwas mit den Vorfällen zu tun haben? Oder sind die Verdächtigen in den Reihen der Umweltaktivisten zu suchen? Dann werden auch noch die Daten des Vermissten aus der Datenbank gestohlen und gelöscht, ausgerechnet unmittelbar vor einem wichtigen TV-Auftritt der Meteorologen, bei dem es um ihr Renommee geht. Und im Kofferraum des Autos eines Kollegen liegt eine Leiche …

Nach dem großartigen Debüt-Roman „Freitags isst man Fisch“ von Dr. Ilja Bohnet und Ann-Monika Pleitgen, Sohn und Mutter, wartete man gespannt auf den nächsten „Nicola Rührmann“-Band: „Kein Durchkommen“. Die Handlung spielt erneut in Hamburg, aber zehn Jahre später. Die aufmüpfige Studentin ist nun etwas ruhiger geworden und arbeitet am Meteorologischen Institut, was Anlass genug für ihren Hauswirt ist, sie jeden Tag nach dem Wetter zu fragen, ein Running Gag, der sich nach einer Weile jedoch abnutzt. Noch immer ist die Protagonistin beiden Geschlechtern zugetan und verliebt sich auch diesmal in eine Frau; statt Kirsch-Wodka trinkt sie nun Havanna-Club und wirft die eine oder andere Pille ein, als ob sie nicht schon genug Albträume hätte.

In der Summe ist das schon ein bisschen zu viel des Guten, um Nicola zu einem Nicht-Spießer zu machen, denn es hätte durchaus genügt, an ihren politischen Aktivitäten und ihrer Belesenheit, aufgrund derer regelmäßig Zitate aus zeitgenössischen Büchern, Songs und Filmen eingebunden werden, festzuhalten. So geht in den Eskapaden der Hauptfigur leider das 90er Jahre-Flair etwas unter. Man mag sich beim Lesen an diese Zeit noch gut erinnern, insbesondere an den Umweltgedanke, der damals hoch gehalten wurde, doch anders als in ihrem Erstlingswerk, das die 80er Jahre lebendig werden lässt, will dasselbe Geniestück den Autoren mit diesem Roman nicht recht gelingen.

Auch die ständigen Einschübe aus einer fiktiven (?) Biografie, die an Ernest Hemingways „Wem die Stunde schlägt“ angelehnt ist und eine Mission während des Spanischen Bürgerkriegs schildert, sorgen zunächst nur für Verwirrung, wenngleich klar ist, dass hier irgendwo der Schlüssel zu allem verborgen sein muss, der dann offensichtlicher ist, als vermutet. In Folge hinterlässt das Buch einen zwiespältigen Eindruck, denn einerseits begleitet man die toughe, eloquente Heldin und ihre schrulligen Bekannten gern durch ihre Ermittlungen, welche zu einer überraschenden Lösung führen; doch andererseits meint man, dass etwas weniger Drumherum der Handlung mehr Tempo und Biss verliehen hätte. Allerdings hat das Autorenpaar die Messlatte mit „Freitags isst man Fisch“ auch sehr hoch angesetzt …

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Kreuzfeuer

Erstellt von Werner Karl am 7. Dezember 2011

Katherine V. Forrest
Kreuzfeuer
Kate Delafield 6

Apparition Alley, USA, 1997
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 06/1999
TB, ariadne krimi 1113
ISBN 978-3-88619-843-6
Aus dem Amerikanischen von Monika Brinkmann
Titelgestaltung von Martin Grundmann

www.argument.de
www.ariadnekrimi.de
www.katherinevforrest.com
www.martingrundmann.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Bei einem Polizeieinsatz wird Kate Delafield von der Kugel eines Kollegen getroffen. Sie hat Glück, dass die Verletzung nicht lebensgefährlich ist und sie ihren Beruf weiter ausüben kann. Allerdings soll sie eine Auszeit nehmen, bis die Wunde verheilt ist, sich psychologisch betreuen lassen und die unbequemen Fragen der Behörden beantworten, die in solchen Fällen herauszufinden versuchen, wer die Schuld an dem Vorkommnis trägt und ob etwa vorsätzlich auf den Kollegen geschossen wurde. Kate bezweifelt das, obwohl sie durchaus das Opfer eines homophoben Beamten sein könnte, der erfahren hat, dass sie mit einer Frau zusammen lebt. Und komischerweise melden sich auch die beteiligten Kollegen nicht. Haben sie lediglich ein schlechtes Gewissen, oder steckt doch mehr dahinter? Um sich abzulenken, nimmt sich Kate der Angelegenheit von Luke Taggart an, einem Polizisten, der glaubt, aus ähnlichen Gründen seinen Partner verloren zu haben und gleichfalls auf die Abschussliste geriet …

Katherine V. Forrest ist eine amerikanische Autorin, die sich für die Gleichstellung und die Akzeptanz homosexueller Paare einsetzt. Dieses Thema dominiert ihre „Kate Delafield“-Serie, eine äußerst realistische Krimi-Reihe, in der sich auch aktuelle Geschehnisse niederschlagen. Es ist keine heile Welt, in der die Protagonistin lebt, ganz im Gegenteil. Sie trennt strikt Beruf und Privatleben und überlegt sehr genau, wem gegenüber sie sich outen möchte. Allerdings wissen mehr Außenstehende von ihren Neigungen, als sie selber ahnt. In Folge liegt der Verdacht nahe, dass die Kugel, die sie traf, kein Irrläufer war, sondern sie hatte treffen sollen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein homophober Polizist die Karriere eines Kollegen ruiniert oder ihn sogar ermordet und dass die Behörden den Vorfall vertuschen. Trotzdem will Kate keine Parallelen sehen zwischen ihrem Fall und dem von Luke Taggart, der sie bittet, den Tod seines Freundes aufzuklären. Was Kate schließlich aufdeckt, überrascht, denn die Angelegenheit ist tragischer, als man erwartet hätte.

Die Atmosphäre des Romans ist düster, bitter und deprimierend. Die Polizeiarbeit steht im Vordergrund und kommt ohne Action-Szenen aus. Obwohl die Probleme, mit denen sich Homosexuelle konfrontiert sehen, thematisiert werden, hat man nie das Gefühl, es geschehe zum Selbstzweck und um mit anklagendem Finger auf die intoleranten Mitmenschen zu deuten. Beide Themen greifen nahtlos ineinander. Allerdings dürfte genau dieser Punkt ‚normale‘ Krimi-Fans, die ihren Macho-Detektiv mit kurz berockter Sekretärin auf dem Knie brauchen, etwas abschrecken. Andererseits werden die meisten Genre-Fans den Argument Verlag, der ‚etwas andere‘ Krimis offeriert, gut genug kennen, um zu wissen, womit sie zu rechnen haben. Aufgeschlossene Leser finden auf jeden Fall viele interessante Titel mit kritischen Inhalten, nicht alltäglichen Konflikten und nachvollziehbaren Charakteren. Katherine V. Forrests „Kate Delafield“ gehört dazu. (

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Der Zensor

Erstellt von Werner Karl am 7. Oktober 2011

Marcus Hammerschmitt
Der Zensor

Argument Verlag, Hamburg, 2001
(hier Titelbild der 2. Auflage von 2005)
Reihe “SF Social Fantasies”
Science Fiction
Taschenbuch
Umfang 256 Seiten
ISBN 978-3-88619-970-9

www.argument.de
www.hoerbuchnetz.de

Titel erhältlich bei Amazon.de

Vorbemerkung zur Reihe “SF Social Fantasies” des Ariadne/Argument-Verlages:

Es ist eine Tatsache, das über Jahrzehnte hinweg, Science-Fiction den Stempel Trivialliteratur aufgedrückt bekommen hatte. Von wem? Von Vertretern der Hochliteratur und vor allem von Leuten, die keine Ahnung hatten und wahrscheinlich immer noch keine haben und sicher nicht mehr als zwei oder drei Bücher aus diesem Genre wirklich gelesen haben. Zugegeben gab und gibt es auch heute immer noch Texte – quer durch alle Genre -, die man mit diesem abwertenden Begriff bezeichnen kann und darf, aber längst gibt es nicht nur Hunderte, sondern nach Tausenden zählende Science-Fiction Bücher, die diesen Makel nicht tragen.

Zwischen den Jahren 1997 und 2004 hatte es sich der Ariadne/Argument-Verlag auf die Fahnen geschrieben, gegen das auch damals – trotz aller Erfolge im Buch- und vor allem im Filmbereich – hartnäckig existierende Vorurteil ein Gegengewicht zu setzen: Die Reihe “SF Social Fantasies”. Mit der Publikation längst vergriffener Juwelen des Genres in ungekürzten und überarbeiteten Neufassungen präsentierte man Fans und Kritikern (s. o.) des Genres Titel, die zeigten, dass es sehr wohl gute, nein sehr gute SF-Literatur gab und gibt. Welchen Gesetzen des gnadenlosen Buchmarktes es anzulasten ist, dass die Reihe nach rund 30 Titeln eingestellt wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Aber die Reihe hätte ein längeres Leben – und die Fans weiterhin Zugang zu längst vergriffenen Titeln – absolut verdient.

Gerade in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war es in vielen Verlagen Usus, Texte auf ein vorgegebenes Maß, dass der Stärke und damit dem Standardpreis einer Reihe entsprach, ohne große Rücksicht zu kürzen. Ich denke da mit Grausen an die erste Auflage von “Dune – Der Wüstenplanet”; gekürzt von rund 650 Seiten auf 320! Die Zeit schien – zumindest bei den Verlagen – noch nicht reif zu sein, für dicke Bücher mit 500, 700 oder gar 1.000 Seiten. Bei vielen Fans führte das zu massiven Protesten und erst in späteren Jahren wagten – mit Erfolg – viele Verlage, die Originaltexte ungekürzt und mit variablen Taschenbuchpreisen auf den Markt zu bringen. Oft sind hier die 2. Auflagen das begehrte Objekt des Fans.

Und so zählt dann also diese kleine Reihe “SF Social Fantasies” zu den Highlights dessen, was Verlage auf den SF-Markt gebracht haben. Wir werden hier an dieser Stelle immer wieder Rezensionen zu Titeln aus dieser Reihe bringen.

Zum Autor:

Marcus Hammerschmitt, geboren 1967 in Saarbrücken ist Journalist und freier Schriftsteller. Er hat mehrere Science-Fiction und einige Sachbücher (s. u.) geschrieben. Mit einigen seiner Kurzgeschichten ist er mehrfacher Träger des Kurd-Laßwitz-Preises, sowie des Deutschen Science-Fiction Preises. Seit 1995 ist er Mitglied des Verbands deutscher Schriftsteller. Im sfbasar findet man einige Leseproben aus seinen neuesten Werken (“Das Herkules-Projekt” und “Azureus & Pygmalion”).

Zum Buch:

Im Jahr 2136 herrschen in Spanien und einigen Teilen Südeuropas die Mayas. Sie haben die vor 600 Jahren stattgefundene Invasion durch die Conquistadores überwunden und sich auf ihren Maya-Ursprung besonnen. Mit Hilfe modernster Nano-Technologie haben sie sich von ihren Unterdrückern befreit und in einer Gegenoffensive die iberische Halbinsel überrannt. In den ehemaligen Hauptstädten des spanischen Königreiches ragen Steinpyramiden und Tempel wie Hochhäuser aus dem Stadtbild auf. Auf den zermalmten Resten katholischer Kirchen und Kathedralen thronen nun sie als Zeichen der Macht.

Und die Mayas herrschen auch durch ihre angestammten Riten. Menschen – vorzugsweise Feinde, aber auch Landsleute – fallen blutigsten Ritualen zum Opfer. Natürlich fördert das Widerstand zutage und die FPLE (Frente patriótico para la Liberación de Espana) plant einen Anschlag auf die Hauptstadt Nano-Tikal. Sie will mit einem Schlag den Herrscher, Ahau Chan Balum, den Kopf des Maya-Geheimdienstes Ahau Yaqui und die gefürchteten Elitekrieger der Raben vernichten. Enrique, ein führender Kopf der Untergrundorganisation, macht sich auf den Weg, um eine Nano-Bombe fürchterlichster Art mitten ins Herz des Maya-Reiches zu bringen …

Doch auch die katholische Kirche, an ihrer Spitze natürlich der Papst, hat Pläne, um die Herrschaft über ein angestammtes katholisches Land wiederzuerlangen. Sie schickt einen Vertreter, Don Rodriguez, nach Nano-Tikal, um dem Herrscher ein weiteres der extrem seltenen Maya-Codizes auszuhändigen, dass angeblich seit 600 Jahren in den Archiven des Vatikans schlummerte.

Fazit:

Um es kurz zu machen: “Der Zensor” hat seinen Platz in dieser exquisiten SF-Reihe zu Recht erhalten. Ich gebe zu, dass die Verknüpfung von Historie, alternativem Geschichtsverlauf und modernster Technologie zu meinen Lieblings-Sujets zählt. Aber Marcus Hammerschmitt reitet nicht auf solchen Elementen herum, sondern fügt sie intelligent in eine wirklich beklemmende Zukunftsvariante ein. Den einzigen Malus, den ich finden konnte – ohne danach gesucht zu haben -, war die Kürze des Romans. Gerade die gemeinsame Flucht von Yaqui und Enrique, der Wandel von aussichtsloser Flucht zur Lösung ihrer Probleme wird leider am Ende ein wenig gerafft beschrieben. Und auch das Ende kommt ein wenig kurz daher. Rund 50 Seiten mehr Lesespaß hätten aus diesem sehr guten Roman einen Bestseller gemacht, davon bin ich wirklich überzeugt. Also freuen wir uns auf die anderen und neuen Romane des Autors. Müßte ich Punkte vergeben, würde ich 9 von 10 verteilen.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Amazon.de

Weitere Titel des Autors:

2011 Azureus & Pygmalion, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8094-3
2010 Yardang, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-8082-0
2007 Der Fürst der Skorpione, Sauerländer-Verlag, ISBN 978-3-7941-7046-3
2006 Das Herkules-Projekt, Sauerländer-Verlag, ISBN 3-7941-7043-2
2002 PolyPlay, Argument Verlag, ISBN 3-88619-974-7
2001 Der Zensor, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-970-3. Als Hörbuch Radioropa 2008: ISBN 978-3-86667-711-1
2000 Der Opal, Argument Verlag, ISBN 978-3-88619-960-0
1998 Target, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39347-5
1997 Wind, Suhrkamp, ISBN 978-3-518-39278-2
1995 Der Glasmensch, Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3-518-38973-7

ZUM SFBASAR.DE-PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Marcus Hammerschmitt – Der Zensor.

Abgelegt unter Preisrätsel auf sfbasar.de, Science Fiction | 2 Kommentare »

Kein Durchkommen

Erstellt von Werner Karl am 26. September 2011

Bohnet Pleitgen
Kein Durchkommen

Argument Verlag
Ariadne Kriminalroman
ISBN 978-3-86754-183-1
Kriminalroman
1. Auflage 2010
Umschlaggestaltung: Martin Grundmann
Foto: © Vangardiner
Taschenbuch, 256 Seiten

www.argument.de
www.freitagsisstmanfisch.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zu den Autoren:

Ann-Monika Pleitgen, Managerin, Ehefrau und Co-Autorin des Schauspielers Ulrich Pleitgen, schrieb schon als Kind leidenschaftlich gern Kurzgeschichten. Ihr Sohn, der Physiker Dr. Ilja Bohnet, arbeitet am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY). Beim Schreiben des Kriminalromans Freitags isst man Fisch (Nikolas erster Fall, nominiert für den GLAUSER 2010 als bestes Debüt) entdeckten Mutter und Sohn ihre Autorenteam-Fähigkeiten und schufen die eigenwillige Krimifigur Nikola Rührmann. Ein dritter Fall soll folgen.

Zum Buch:

Wir schreiben das Jahr 1999 und Nikola Rührmann, genannt Nik oder Sput-Nik, ist älter geworden. Nach endgültigem Abschluss ihres Studiums arbeitet sie am Institut für Meteorologie in Hamburg in einer Arbeitsgruppe des CORVUS-Projektes. Leider läuft nicht alles nach Plan, denn der Satellit CORVUS liefert derzeit nicht mehr alle Messdaten, die erhofft und erwartet werden und darunter leidet vor allem die Arbeitsgruppe rund um Professor Rindeck, zu der auch Nikola gehört. Öffentliche Anfeindungen und Diskussionen über das Projekt und den Klimawandel an sich sind hier vorprogrammiert. Und dann verschwindet plötzlich Gerd, ein Kollege aus der Arbeitsgruppe und Nikola lässt sich von ihrem Chef überreden nach dem Kollegen zu suchen. Dessen Auffinden wäre natürlich auch wichtig, denn ohne ihn fehlen der Arbeitsgruppe weitere wichtige Daten und wie soll dann die Wetterwette gegen den berühmten Fernseh-Meteorologen Franz Seeler gewonnen werden?

Asphalt-Wilfried und Taxi-Christian sind natürlich auch mit von der Partie und unterstützen ihre alte Freundin wo sie nur können. Nur in Liebesdingen, da muss Nikola sich wohl selbst bemühen ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Die Trennung von Freundin Ulli liegt hinter ihr, aber Henri, die ganz plötzlich im Institut durch sonderbare e-mails auf sich aufmerksam macht, erweckt Nikolas weibliches Interesse. Schließlich liebt Frau Frau und diese Henri scheint schon wirklich klasse. Aber spielt sie vielleicht auf der gegnerischen Seite?

Mit „Kein Durchkommen“ nehmen die Autoren Bohnet/Pleitgen die politische Lage in Sachen Klimawandel unter die Lupe und verbinden dieses doch recht brisante Thema mit einer kriminellen Handlung.

Sehr lustig sind die immer wiederkommenden Einschübe in denen Nikola nach aktuellem und zu erwartendem Wetter befragt wird und in denen ihr Hauswirt wieder einmal Hilfe und Unterstützung benötigt.

Dieser Krimi ist keine leichte Kost. Er macht nachdenklich und fordert vom Leser  eigene Gedanken ein. Teilweise geht es sehr technisch zu, aber wenn man sich auf das Buch und seine interessante Geschichte einlässt, dann wird man gefangen genommen von der doch so anderen Sprache des Autorenduos und ein wenig auch von Hamburg, einer Stadt, die hier herbstlich und regnerisch daherkommt.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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When the music´s over

Erstellt von Werner Karl am 21. September 2011

Myra Çakan
When the music´s over

Argument/Ariadne Verlag, Hamburg, 1999
Reihe “SF Social Fantasies”
Science-Fiction
Taschenbuch
Umfang 272 Seiten
ISBN 978-3-88619-945-7

www.argument.de
http://cakan.eu

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Amazon.de

Vorbemerkung zur Reihe “SF Social Fantasies” des Ariadne/Argument-Verlages:

Es ist eine Tatsache, das über Jahrzehnte hinweg, Science-Fiction den Stempel Trivialliteratur aufgedrückt bekommen hatte. Von wem? Von Vertretern der Hochliteratur und vor allem von Leuten, die keine Ahnung hatten und wahrscheinlich immer noch keine haben und sicher nicht mehr als zwei oder drei Bücher aus diesem Genre wirklich gelesen haben. Zugegeben gab und gibt es auch heute immer noch Texte – quer durch alle Genre -, die man mit diesem abwertenden Begriff bezeichnen kann und darf, aber längst gibt es nicht nur Hunderte, sondern nach Tausenden zählende Science-Fiction Bücher, die diesen Makel nicht tragen.

Zwischen den Jahren 1997 und 2004 hatte es sich der Ariadne/Argument-Verlag auf die Fahnen geschrieben, gegen das auch damals – trotz aller Erfolge im Buch- und vor allem im Filmbereich – hartnäckig existierende Vorurteil ein Gegengewicht zu setzen: Die Reihe “SF Social Fantasies”. Mit der Publikation längst vergriffener Juwelen des Genres in ungekürzten und überarbeiteten Neufassungen präsentierte man Fans und Kritikern (s. o.) des Genres Titel, die zeigten, dass es sehr wohl gute, nein sehr gute SF-Literatur gab und gibt. Welchen Gesetzen des gnadenlosen Buchmarktes es anzulasten ist, dass die Reihe nach rund 30 Titeln eingestellt wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Aber die Reihe hätte ein längeres Leben – und die Fans weiterhin Zugang zu längst vergriffenen Titeln – absolut verdient.

Gerade in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts war es in vielen Verlagen Usus, Texte auf ein vorgegebenes Maß, das der Stärke und damit dem Standardpreis einer Reihe entsprach, ohne große Rücksicht zu kürzen. Ich denke da mit Grausen an die erste Auflage von “Dune – Der Wüstenplanet”; gekürzt von rund 650 Seiten auf 320! Die Zeit schien – zumindest bei den Verlagen – noch nicht reif zu sein, für dicke Bücher mit 500, 700 oder gar 1.000 Seiten. Bei vielen Fans führte das zu massiven Protesten und erst in späteren Jahren wagten – mit Erfolg – viele Verlage, die Originaltexte ungekürzt und mit variablen Taschenbuchpreisen auf den Markt zu bringen. Oft sind hier die 2. Auflagen das begehrte Objekt des Fans.

Und so zählt dann also diese kleine Reihe “SF Social Fantasies” zu den Highlights dessen, was Verlage auf den SF-Markt gebracht haben. Wir werden hier an dieser Stelle immer wieder Rezensionen zu Titeln aus dieser Reihe bringen.

Zur Autorin:

… kann ich nur dringend deren – für eine weibliche Autorin überraschend spacige – Website empfehlen. Dort finden sich auch zwei Interviews, die viel über die Autoren verraten. Hier noch mal der Link: http://cakan.eu

Zum Buch/Klappentext:

Hier kommt die Flut … In Europa sind ganze Länder überschwemmt, der Katastrophentourismus blüht. Crack war Popcorn gegen die neuen Alien-Drogen. Das World Wide Web ist längst abgeschaltet. In Hamburg setzt eine junge Reisende den Fuß an Land: Skadi aus dem Reich des ewigen Eises, randvoll mit Neugier und stillem Charisma. Ihre Töne sind hell, voller Fragen – nicht wund und düster wie die Songs von Blue, schwermütiger Gitarrist der Rockband Bladerunner. Nicht hart und grimmig wie Sunshine, Anführerin der Berliner Tunnel-Soldaten. Nicht zynisch-überdreht wie der straßenschlaue Nachwuchshacker Wiesel. Skadi, Blue, Sunshine und die anderen – niemand von ihnen hat eine Mission, alle wollen bloß überleben und gelegentlich die abscheulichen Vierfinger ärgern, die sich auf der Erde breit machen …

Fazit:

Den Titel des Buches hat sich Myra Çakan von der Band „The Doors“ geliehen (Album „Strange Days“, 1967). Und der Titel passt mit seinem düsteren und psychedelischem Ton perfekt zur Geschichte; sehr gut ausgewählt. Songtextzitat: „Music is your only friend, until the end … before I sink into the big sleep, I want to hear the scream of the butterfly”. Doch Schmetterling schreien nicht. Die Stimmung des Romans ist Cyperpunk pur: Durchgeknallt, düster, realitätsnah bis auf die nackte Haut. Dazu Aliens, die sich anfangs wie die lange erhofften Freunde aus dem All (ähnlich wie in „V – Die Besucher“) gebärden und doch in Wahrheit eine Invasion betreiben, die der Menschheit nur nach und nach bewusst wird. Bis es zu spät ist.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Amazon.de

Weitere Titel der Autorin:
Begegnung in der High Sierra, Argument/Ariadne-Verlag, ISBN 978-3-88619-982-2
Downtown Blues, Argument/Ariadne-Verlag, ISBN 978-3-88619-965-5
Dreimal Proxima Centauri und zurück, Edition Phantasia, ISBN 978-3-93789-747-9
Zwischenfall an einem regnerischen Nachmittag, Argument/Ariadne-Verlag, ISBN 978-3-88619-988-4

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Taxi ins Chaos

Erstellt von Werner Karl am 13. August 2011

Martha Miller
Taxi ins Chaos

Dispatch to Death, USA, 2003
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 11/2006
TB, ariadne krimi 1151
ISBN 978-3-88619-881-8
Aus dem Amerikanischen von Else Laudan
Titelgestaltung von Martin Grundmann

www.argument.de
www.ariadnekrimis.de
www.marthamiller.net/
www.martingrundmann.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die attraktive Anita Alvarez erzählt der Taxifahrerin Trudy Thomas eine rührselige Geschichte und bittet sie um Hilfe. Obwohl Trudy das Gefühl hat, dass etwas faul ist, lässt sie sich dazu hinreißen, die Nase in Dinge zu stecken, an denen sie besser nicht gerührt hätte. Nicht nur wird eine ihrer Kolleginnen ermordet, auch auf sie selber machen Unbekannte plötzlich Jagd. Trudy wird niedergeschossen, und Anita flüchtet mit ihrem Taxi.

Nun hat Trudy genug von Anitas Lügen und wendet sich an die Polizistin Tony Matulis – vielleicht zu spät: Die Beamtin wurde von dem Fall abgezogen. Sie liegt verletzt im Krankenhaus, und ihr Partner ist tot. Obwohl beide Frauen Antworten wollen, gibt es immer noch einige Dinge, die sie einander verschweigen. Und genau dieser Punkt, dass alle, die mit der Sache zu tun haben und etwas wissen, nicht die Karten auf den Tisch legen, führt dazu, dass es unnötige Tote und Verletzte gibt, sich das Drama in die Länge zieht. Wann immer Trudy glaubt, die Wahrheit zu erahnen, oder auszusteigen versucht, passiert etwas, dass alles auf den Kopf stellt und es ihr unmöglich macht, sich aus dem Fall herauszuhalten. Anita ist immer wieder für eine Überraschung gut, bleibt jedoch zwielichtig bis zum Schluss und wird einem durch ihr Verhalten auch nicht sympathisch. Stattdessen fühlt man mit Trudy, die mehrmals über den Tisch gezogen wird und eine Menge einstecken muss.

Tony Matulis, die treue Krimi-Fans aus „Neun Nächte“ (Bd. 1135) kennen, hat lediglich eine bedeutsame Nebenrolle inne. Man muss dieses Buch nicht gelesen haben, um sich in „Taxi ins Chaos“ zurechtzufinden, da beide Romane in sich geschlossen und nicht als Serie konzipiert sind. Bindeglied sind allein einige wiederkehrende Charaktere. Wie in vielen Krimis des Argument Verlags sind die Protagonistinnen lesbisch, doch selten wird dieser Aspekt zum Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse. Zwar fühlt sich Trudy zu Anita hingezogen, aber das ist auch schon alles und nicht der Grund, warum sie sich in die gefährliche Angelegenheit hinein ziehen lässt. Ihre Motive sind Neugierde und Hilfsbereitschaft, und Letzteres nutzt Anita weidlich aus.

„Taxi ins Chaos“ hält, was der Titel verspricht. Das rasante Tempo des Romans nimmt einen sofort gefangen. Es gibt keinen Leerlauf, ständig passiert etwas, und nie sind die Dinge so, wie man im ersten Moment glaubt. Erst zum Schluss hin lichtet sich das Chaos, und erneut wird man überrascht. Schätzt man realistisch angelegte Krimis mit glaubwürdigen Charakteren, die nachvollziehbare Fälle schildern, wie sie sich in unmittelbarer Nähe ereignen könnten, wird man von diesem Band bestens unterhalten.

Copyright © 2011 Irene Salzmann (IS)

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Knochenjob

Erstellt von Werner Karl am 12. August 2011

Katherine V. Forrest
Knochenjob
Kate Delafield 7

Sleeping Bones, USA, 1999
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 06/2000
TB, ariadne krimi 1125
ISBN 978-3-88619-855-9
Aus dem Amerikanischen von Britta Dutke
Titelgestaltung von Martin Grundmann

www.argument.de
www.ariadnekrimi.de
www.katherinevforrest.com
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Detective Kate Delafield vom LAPD und ihr neuer Partner Joe Cameron werden zu den La Brea Teergruben gerufen. Touristen entdeckten die seltsam verkrümmte Leiche eines alten Mannes, der durch einen Stich in die Nieren ermordet wurde. Sein Tod scheint im Zusammenhang mit einem Unterkieferknochen zu stehen, der am selben Tag im Museum auftauchte, da aber gar nicht hingehört, denn er ist erheblich älter als die anderen Funde. Paläoanthropologen identifizieren ihn als Teil des Schädels eines Pekingmenschen und sind davon überzeugt, dass es sich um eines jener Relikte handelt, die während der Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren gingen. Unverhofft schaltet sich die CIA ein, um den Verbleib der übrigen wertvollen Skelett-Teile aufzuklären und stören dabei empfindlich die Ermittlungen der Polizei.

Kate glaubt, den Täter entlarven zu können, und ausgerechnet im entscheidenden Moment kommen ihr die Agenten in die Quere. Daneben muss sie sich mit persönlichen Problemen auseinandersetzen:
Inwieweit kann sie Joe, der selber Geheimnisse zu hüten scheint, vertrauen? Ahnt er, dass sie eine lesbische Beziehung unterhält und kann sich damit arrangieren?
Wie soll sie mit ihrem Bruder umgehen, von dessen Existenz sie nicht wusste und der sie gern kennen lernen möchte?
Wie kann sie einer Bekannten, die von ihrem Ex-Mann bedroht wird, helfen, ohne das Gesetz zu brechen und alles noch schlimmer zu machen?
Und wohin steuert ihre Lebensgemeinschaft mit Aimee, insbesondere seit die attraktive Peri Kate Avancen macht?

Jeder „Kate Delafield“-Krimi ist in sich abgeschlossen, so dass man die Romane in beliebiger Reihenfolge lesen kann, wenngleich kleine Details (z. B. die wechselnden Beziehungen und Kollegen der Hauptfigur) auf die Chronologie verweisen. „Knochenjob“ ist bereits der siebte Band, der einen Fall der lesbischen LAPD-Detective schildert. Diesmal geht die Autorin weit in die Vergangenheit zurück, denn die Ursachen für den Mord, den Kate und ihr Partner Joe aufklären sollen, haben ihre Wurzeln im Zweiten Weltkrieg. Die Amerikaner versuchten, die Relikte des Pekingmenschen in Sicherheit zu bringen, doch gingen sie verloren. Vergeblich bemühten sich die Nationen, die sich um die Besitzrechte streiten, durch jene, die involviert waren und überlebt haben, eine Spur zu finden.

Erst als schon keiner mehr damit rechnete, wird ein Teil des Skeletts gefunden, und ausgerechnet derjenige, der die Wahrheit kannte, ermordet. Warum und wer dahinter steckt, wird erst am Schluss nach einer spannenden Schnitzeljagd enthüllt. Dabei spart die Autorin nicht mit ihrer Kritik am Verhalten vieler Nationen, die sich weigern, erbeutete Kunstschätze den Ländern zurückzugeben, denen sie gehören, an der unglücklichen Einmischung der Amerikaner in die Konflikte anderer, an der zwielichtigen Rolle der CIA in vielen heiklen Angelegenheiten – doch fließt dies nebenbei ein, so dass man nie das Gefühl hat, eine Lektion in Geschichte von einem Mahner mit erhobenem Zeigefinger erteilt zu bekommen. Die Ermittlungen wirken durch die Einbindung der privaten Probleme, denen sich die Protagonisten stellen müssen, sehr realistisch.

Auch hier wird nicht mit dem Finger auf Missstände gezeigt wie beispielsweise die Intoleranz, die homosexuellen Paaren entgegengebracht wird, die Lücken im Gesetz, die es Stalkern ermöglichen, ihre Opfer so lange zu bedrängen, bis etwas Schlimmes passiert, die gesellschaftliche Ächtung unverheirateter Mütter, die notgedrungen ihre Kinder allein bekommen und weggeben mussten/müssen.

So überzeugt „Knochenjob“ auf gleich zwei Ebenen durch die Verarbeitung unbequemer Themen. Die Protagonisten wirken glaubwürdig mit ihren Stärken und Schwächen und nachvollziehbaren Konflikten. Auch der flüssige Stil der Autorin gefällt. „Knochenjob“ ist ein sehr empfehlenswerter Titel für aufgeschlossene Krimi-Freunde, die kritische Themen und unkonventionelle Ermittler schätzen.

Copyright © 2011 Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Katherine V. Forrest – Knochenjob. Kate Delafield 7 auf sfbasar.de!

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Immer Ärger mit den lieben Verwandten – Kurzkrimis aus Ost und West

Erstellt von Werner Karl am 20. Januar 2011

Silvija Hinzmann & Ruth Borcherding-Witzke (Hrsg.)
Immer Ärger mit den lieben Verwandten – Kurzkrimis aus Ost und West

Argument Verlag, Hamburg, 1. Auflage: 10/2009
TB, ariadne Krimi 1186
ISBN 978-3-86754-186-2
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos
von Victor Grigas (© Victorgrigas, East Side Gallery 2005),
Mauergemälde von Dmitry Vrubel: „God! Help me survive amid this mortal love“, 1989

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Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum 20. Jahrestag nach dem Mauerfall ist im Argument Verlag die Anthologie „Immer Ärger mit den lieben Verwandten“ erschienen, welche 14 Kurz-Krimis von ebenso vielen Autorinnen und Autoren präsentiert, die sich auf humorige, satirische, skurrile, nachdenkliche oder böse Weise mit dem Thema beschäftigten. Dabei bemühen sie sich, selber nicht zu werten, sondern erlebte Geschichte und all das einzubinden, was man von den Menschen in Ost und West immer wieder zu hören bekommt, fragt man sie, wie es früher war und was die Wiedervereinigung ihnen brachte. Auch nach all den Jahren gibt es immer noch eine Mauer – und zwar in vielen Köpfen.

Im Westen schaut man argwöhnisch nach drüben, ob dort gar nichts vorangeht und warum man immer noch den Soli zahlen muss, während man vielleicht selbst in einer armen Region wohnt, die eine Unterstützung bitter nötig hätte; und im Osten denkt so mancher, dass es im anderen Teil Deutschlands den Menschen besser geht und man auf sie als ‚arme Verwandte„ herab sieht. Erst jene, die im wiedervereinten Deutschland geboren und aufgewachsen sind, werden wohl diese Hürden überwinden können. Geschickt platziert wurde die Titel-Story „Immer Ärger mit den lieben Verwandten“ von Herausgeberin Ruth Borcherding-Witzke an erster Stelle, denn die schwarz-humorige Auseinandersetzung mit einem tödlichen Unglück stimmt auf den Band ein und macht neugierig auf die weiteren Geschichten. Christian bekommt Besuch von seinem Erbonkel aus dem Osten. Dieser stürzt – und ist tot. Was nun? Die Leiche muss verschwinden, denn wer würde unter den gegebenen Umständen an einen Unfall glauben?

Man kommt nicht aus dem Schmunzeln heraus angesichts der Tücken des Alltags, die eine Entdeckung mehr als wahrscheinlich machen. Geschickt spielt die Autorin mit bekannten Klischees, die in diesem Fall überhaupt nicht klischeehaft wirken, sondern gerade das Lachen provozieren. Am Schluss gibt es sogar noch eine Überraschung. Martin Conrath schildert in „Mauerengel“, wie ein Polizeibeamter einen alten Fall aufrollt und dabei an Dingen rührt, die er zu seinem eigenen Wohl besser hätte ruhen lassen sollen. Thematisiert werden die Gefahren, denen sich Flüchtlinge aus der DDR aussetzten, wenn sie versuchten, den Grenzstreifen zu überqueren. Viele wurden erschossen, andere zu speziellen Dienstleistungen gezwungen. Niemand weiß, wie viele solche Verbrechen sich ereignet haben, und so mancher Täter mag ungestraft davon gekommen sein. In der Geschichte wird literarische Rache an allen genommen, die Schuld auf sich luden.

In „Die Blutnacht von Uhlbach“ verknüpft Christine Lehrmann alte und jüngere Verbrechen, die mit Ausnahme von einer Untat aufgeklärt wurden. Schwabenreporterin Lisa Nerz wird prompt neugierig und stellt Fragen, die zu des Rätsels Lösung führen. Die Kurzgeschichte ist außerdem in „Notorisch Nerz“ zu finden, einer Sammlung mit acht „Lisa Nerz“-Krimis. Wie immer gelingt es der Autorin, eine niveauvolle Story zu erzählen, die auf Recherchen basiert und mit Wortspielen und Sprachexperimenten nicht geizt. Tatsächlich passiert nicht viel, aber die Dialoge haben es in sich. „Der Pass des Vergessens“ erlaubt es dem Protagnisten in Matthias Biskupeks Krimi, auf seinem Besuch im Westen unterzutauchen. Womit er nicht gerechnet hat, ist, dass der Bekannte, der sich mit den DDR-Papieren im Osten umsehen wollte, zu Tode kommt und postum literarische Lorbeeren erntet, die ihm gar nicht zustehen. Anschaulich beschreibt der Autor, welche haarsträubenden Auflagen Schriftsteller aus dem Osten hinnehmen mussten, wollten sie publizieren und die Erlaubnis erhalten, eine Einladung in den Westen annehmen zu dürfen. Viele ergriffen diese Chance und kehrten nicht mehr zurück, wobei sie vieles aufgeben mussten: Familie, Freunde, ihre ganze Habe – hier sogar die eigene Existenz.

Dies sind nur ein paar Beispiele für die vielen Themen, die in den Storys aufgegriffen werden. Überwiegend wird erlebte Geschichte verarbeitet – schlimme Dinge, von denen man früher nur ahnte, die oft tot geschwiegen wurden. Nun spricht man darüber und bindet sie in kurze Krimis ein, um den Geschehnissen die Bitterkeit und das Reale etwas zu nehmen, denn letztlich sind es Fiktionen, aber der wahre Kern lässt sich nicht verleugnen, und so wirken die meisten Geschichten eher düster und hinterlassen den Leser nachdenklich. „Immer Ärger mit den lieben Verwandten“ ist eine interessante Anthologie mit vielfältigen Beiträgen, die belegen, dass die Vergangenheit noch immer lebendig ist, dass sie die Menschen berührt und nicht so schnell vergessen wird.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Notorisch Nerz – Acht Eskapaden mit Lisa Nerz

Erstellt von Werner Karl am 9. Dezember 2010

Christine Lehmann
Notorisch Nerz – Acht Eskapaden mit Lisa Nerz

Argument, Hamburg, 03/2010
TB, ariadne krimi
ISBN 978-3-86754-181-7
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung einer Skulptur von Wolfgang Thiel

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„Notorisch Nerz“ beinhaltet „Acht kurze Nerze“, so der Argument Verlag auf dem Backcover-Text. Automatisch denkt man an die possierlichen Tiere, an wertvollen Pelz – und an die ‚Schwabenreporterin„ Lisa Nerz. Dem Krimi-Freund ist klar: Lisa Nerz ist auf jeden Fall drin, ihre unkonventionelle Art ist amüsant, aber sie kann auch so bissig sein wie das kleine Raubtier, und die Geschichten, die sich um sie ranken, sind wahre Perlen des Genres. Christine Lehmann verfasste bereits acht Romane mit Lisa Nerz in der Hauptrolle, außerdem acht Kurzgeschichten, von denen drei in Anthologien des Argument Verlags und die übrigen in anderen, zumeist kleinen Publikationen erschienen sind. Dank der vorliegenden Sammlung kann man nun auch die weniger bekannten und nur noch schwer zu findenden Erzählungen genießen.

In „Rotkuss“ begleitet Lisa Nerz ihren Freund, den Staatsanwalt Richard Weber, zu einer Kapitelsitzung der Weinbruderschaft. Obwohl in dieser Runde keine Frauen zugelassen sind, nimmt die androgyne Lisa, die sich gern als Mann ausgibt, an der Weinprobe teil. Dabei findet sie auf unangenehme Weise heraus, wir vor Kurzem eine Frau durch den Genuss des titelgebenden Weines zu Tode kam. „Der Spuk von Jena“ konfrontiert Richard mit einem Kapitel seiner Vergangenheit, über das er bisher mit niemandem gesprochen hat, da die Erinnerung ausgesprochen unschön ist. Zusammen mit einem Pfarrer aus dem Osten half er Ausreisewilligen, die DDR zu verlassen. Doch dann ging etwas schief, die Grenzer unterzogen Richard einem Verhör und drohten ihm mit jahrelanger Haft. Die Frage, ob der Pfarrer ihn damals verraten hat, belastet ihn noch immer.

„Lisa Nerz fährt Fahrrad“ in Stuttgart und ärgert sich wie so viele andere über rücksichtslose Autofahrer, die nicht auf die übrigen Verkehrsteilnehmer achten und einfach die Türen aufreißen oder anderen die Vorfahrt nehmen (dass es die Radfahrer nicht anders machen, findet keine Erwähnung …). Nach einer kleinen Tour durch Stuttgart, einem fiesen Porsche-Fahrer immer hinterher, stößt Lisa auf eine Leiche – und kennt auch den Mörder. „Der Engel von Ostheim“ findet die Beute eines Raubüberfalls und sinnt darüber nach, wie viel Gutes man mit dem Geld tun könnte. Interessiert schließt sich Lisa den Überlegungen der alten Frau an. „Der Zahlendolch“ ist im übertragenen Sinne die Mordwaffe, der ein genialer Mathematiker zum Opfer fällt, der seine Entlohnung vor der offiziellen Ehrung zu bekommen wünschte und sich dafür den falschen Partner suchte.

Etwas aus dem Rahmen fällt „Der Frauenkopfmord“, der sehr viel düsterer ist als die anderen Krimis mit ihrem vergnüglichen Augenzwinkern. Zudem scheint Lisa Nerz in diesem Fall keine große Rolle inne zu haben, bis sich das Verwirrspiel auflöst. „Die Blutnacht von Uhlbach“ verbindet mehrere Menschen. Nur ein Todesfall blieb bislang ohne Aufklärung – für Lisa ein Grund, unbequeme Fragen zu stellen. In „Das Vesperbrett“ helfen Lisa und Friederike einer alten Dame, ihre Einkäufe nach Hause zu bringen. Nebenbei erfahren die beiden eine Menge über die unkultivierten Ehemänner ihrer Bekanntschaft, die eines plötzlichen Todes starben. In Lisa und ihrer neuen Freundin keimt ein schrecklicher Verdacht …

In dem Nachwort, das auf jede Geschichte folgt, erklärt die Autorin, wo, wann und zu welchem Anlass die verschiedenen Erzählungen entstanden sind. Ihnen allen ist gemein, dass Lisa Nerz ihrer Rolle als neugierige, freche Reporterin gerecht wird und sie auf ungewöhnliche Weise zur Aufklärung der Fälle beiträgt. Die Handlung ist mit vorgegebenen Themen und aktuellen Anlässen wie dem Mauerfall verknüpft. Man merkt, dass den kurzen Geschichten genauso akribische Recherchen voraus gingen wie den Romanen. Zwar können sich die Charaktere auf den wenigen Seiten nicht im selben Maße entfalten, aber die Handlung ist komplex und atmosphärisch dicht, vor allem in „Der Zahlendolch“, der vielleicht besten und originellsten Story.

Schätzt man Spannung auf gehobenem Niveau, Lokalkolorit, eine wandelbare, gewitzte Heldin, ungewöhnliche Mordfälle und gelegentliche Sprachexperimente, wird man viel Freude an der „Lisa Nerz“-Reihe haben, die zu den Highlights des Argument Verlags zählt und vor allem Leserinnen, aber auch aufgeschlossene Leser anspricht.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Letzte Schicht

Erstellt von Werner Karl am 7. August 2010

Dominique Manotti
Letzte Schicht

Ariadne Kriminalroman
ISBN 978-3-86754-188-6
Kriminalroman, Wirtschaftskrimi
Deutsche Erstausgabe 2010
Aus dem Französischen von Andrea Stephanie
Umschlag: Martin Grundmann
Fotomotiv: © klikk – Fotolia.com
Taschenbuch, 252 Seiten

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Zur Autorin:

Dominique Manotti, 1942 geboren, kam erst mit fünfzig Jahren zum Schreiben und veröffentlichte seither sieben Romane. Ihre Bezugspunkte sind der amerikanische Schriftsteller James Ellroy, die neuzeitliche Wirtschaftsgeschichte und die 68er-Bewegung. Diese ungewöhnliche Kombination begründet Manottis dichten, unpathetischen Stil. Die Historikerin lehrte an verschiedenen Pariser Universitäten Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit, war als Gewerkschafterin in der CFDT aktiv und leitete als Generalsekretärin deren Pariser Sektion.

Zum Buch:

In einem kleinen französischen Städtchen, Pondange, in Lothringen gelegen, kommt es in einer kleinen Bildröhrenfabrik zu einem Arbeitsunfall.  Dieser Unfall der jungen schwangeren Fließbandarbeiterin Émilienne ist nicht der erste Unfall in der Fabrik, in der Arbeiter aus aller Herren Länder zu Dumpinglöhnen und unter schlechten Arbeitsbedingungen, Monat für Monat Leistung erbringen. Aber mit diesem Unfall und der Entlassung von Rolande Petite steigen Wut und Zorn der Arbeitnehmer und als auch noch bekannt wird, dass die in Aussicht gestellten Prämien wegen schlechter Wirtschaftslage nicht ausgezahlt werden sollen, gibt es kein Halten mehr. Die Belegschaft geht auf die Barrikaden, die Arbeit wird nieder gelegt und aus einigen kleinen Feuern entsteht plötzlich ein großer Brand. Wer ist dafür verantwortlich? Schnell fällt der Verdacht auf einen kleinen Arbeitnehmer, aber steckt er wirklich dahinter?

Dies ist die Ausgangslage für Manottis Wirtschaftskrimi rund um die Übernahme des Elektronik- und Rüstungskonzerns Thomson. Diesen wollen sowohl Alcatel als auch Matra übernehmen. Der Zuschlag fällt schließlich auf Matra und nun kommen die Gegner dieser Übernahme wieder auf den Spielplan, denn sie vermuten hinter dem Brand in der kleinen Fabrik, die zum Matra Konzern gehört, mehr als das, was an die Öffentlichkeit kommt. So macht sich die Gegenseite mit dem Privatermittler Charles Montoya auf in die Provinz um vor Ort Machenschaften aufzudecken, die jenseits der Legalität liegen.

Der Leser begleitet Montoya in die Welt der Arbeiter, in ihr Elend und ihre familiären Probleme, eine Welt voller Depressionen, Alkohol, Selbstmitleid und oft auch Brutalität. Darüber hinweg täuschen kann auch nicht die kurze Liebelei, die sich zwischen Montoya und Rolande entwickelt. Die Autorin vermittelt ein bedrückendes Bild und veranschaulicht ganz deutlich, dass der einzelne Arbeiter nur ein Spielball ist. Die Machenschaften der großen Wirtschaftsriesen sind grausam und undurchschaubar. Hier geht es nur um Wissen, Geld und Macht. Moral ist nicht gefragt.

Ein schonungsloser Kriminalroman, den man gelesen haben sollte.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Dominique Manotti im September 2011 live auf Deutschlandtour (plus Österreich!) – Weitere Infos auf sfbasar.de!

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