Bastei-Lübbe

Mondsplitter

Das Ende der Welt findet dieses Mal im Jahre 2024 statt, als ein Komet den Mond zerschmettert und ein gigantisches Trümmerstück auf die Erde zu fallen droht … – Routiniert abgespultes Katastrophen-Garn mit allen Elementen dieses Genres, was dem Leser eine schier unendliche Anlaufphase bis zur Apokalypse und viele, viele Handlungsfiguren beschert: Lesefutter für viele halb verdöste Feierabende.

Eiswelt

Obwohl sie von einem Planeten kommen, auf dem Schwefel als atembares Gas gilt, treibt es handelstüchtige Aliens auf die aus ihrer Sicht tödlich kalte Erde, wo sie ungeachtet aller Schwierigkeiten Kontakt mit einer Menschenfamilie aufnehmen … – Science-Fiction-Roman „für die Jugend“, geschrieben von einem Lehrer, der allerdings auch Schriftsteller war und den erhobenen Zeigefinger vermeidet. Die Aliens sind keine Feinde, primär die Physik sorgt für spannende Probleme, was heutige Leser abschrecken mag, aber nicht sollte, denn dies ist nostalgische SF-Unterhaltung der weiterhin lesenswürdigen Art.

Der Zeitsprung

Eine Atombomben-Explosion reißt den Bunker der US-Familie Farnham mitsamt seiner sechs Insassen in die Zukunft. Die neue Welt zeigt sich gleichermaßen paradiesisch wie gefährlich; der Neuanfang wird zusätzlich durch interne Streitigkeiten erschwert … – Während die Handlung als klassische Post-Doomsday-Story routiniert und spannend erzählt wird, kann die Figurenzeichnung nur als ärgerlich bezeichnet werden, da Autor Heinlein seine chauvinistischen Ansichten nicht unterdrückt und sich durch schauerliche Sexkapaden blamiert: ein zwiespältiges Vergnügen.

Die Saat des Zweifels

Der Untergang einer Segelyacht wird zum Höhepunkt eines komplexen Verbrechens, dessen Aufklärung einen kompromisslosen Polizisten vor große Probleme stellt, da sich aufgrund der mangelhaften Indiziensituation die Ermittlungslage ständig ändert … – Polizei-Krimi der gediegenen britischen Schule, d. h. actionfrei und ohne Überraschungen aber gut geplottet, handwerklich sauber ausgeführt und mit überzeugend gezeichneten Figuren: gutes Lesefutter für die Fans von Ian Rankin, Stuart MacBride oder Reginald Hill, auch wenn deren Qualität nicht erreicht wird.

Nordermoor

In der isländischen Hauptstadt Reykvavík wird ein alter Mann umgebracht. Das Opfer war ein Gewaltverbrecher, der vom Gesetz gedeckt wurde, bis ihn nun die Vergeltung ereilte. Kommissar Erlendur Sveinsson folgt hartnäckig den Spuren eines Verbrechens, das alle Beteiligten gern unter den Teppich gekehrt sähen … – Endlich wieder ein Krimi aus Skandinavien, der die kollektiven Vorschussbeeren verdient, die hierzulande für Texte aus dem Norden allzu großzügig vergeben werden. Tragik, Spannung, dazu ein leiser aber kundig eingesetzter Humor: „Nordermoor“ ist das gelungene deutsche Debüt eines Schriftstellers, der sein Handwerk versteht.

Das Mädchen im Fenster

Der brutale Mord an einem englischen Großgrundbesitzer führt zu einem kollektiv vertuschten Verbrechen, dessen Beteiligte zunehmend panisch alle Spuren zu verwischen versuchen, während ein hartnäckiger Polizist die dürren Indizien hartnäckig zusammenträgt und entschlüsselt … – Der erste Fall des britisch-argentinischen Ermittlers Guillermo Downes ist ein typischer englischer Kriminalroman, der zum Genre nichts Neues beiträgt, aber bekannte und bewährte Genre-Elemente sehr versiert zu einer spannenden Geschichte zusammenfügt.

Der schwarze Pfad

Eine Schriftstellerin, ihr Sohn und ein Geheimdienst-Offizier wollen eine junge Frau retten, die nicht nur von Satanisten entführt werden soll, sondern in den Nachtstunden vom Teufel besessen ist. Quer durch Frankreich bis in die englische Provinz führt die Jagd, an deren Ziel Satan schon ungeduldig mit dem Huf scharrt … – Ebenso klassisch wie trashig rührt Autor Wheatley spannend an, was die Populärkultur in Sachen Schwarzer Magie hergibt. Nicht grundlos (aber grausig schlecht) wurde dieses Garn verfilmt, denn es bietet Action, Archetypen und (sacht anrüchigen) Horror.

Die Invasion

Vom sechsten Mond des Saturn wollen schleimige Parasiten, die ihre Opfer übers Rückenmark ‚fernsteuern‘, die Erde erobern. Wackere US-Agenten sagen ihnen den Kampf an und setzen schließlich zum Gegenschlag im All an … – SF-Klassiker, der vor kaum verhohlener Invasions-Paranoia aus der Ära des Kalten Krieges nur so trieft. Ansonsten ein merkwürdig sprunghafter, d. h. spannender aber absolut unlogischer Reißer, der nostalgisch amüsiert und mit einigen guten Detaileinfällen unterhalten kann.

Tote schlafen nicht

In einem kleinen englischen Dorf zweifelt ein Historiker an der Schuld eines ortsansässigen Mörders. Er stellt Fragen und versucht sich ungeschickt als Detektiv, was den wahren Täter so nervös werden lässt, dass er den lästigen Schnüffler (mund-) tot machen möchte … – Sehr britischer Krimi, der hinter einer idyllischen Szenerie menschliche Abgründe offenlegt. Die Handlung bietet weder inhaltlich noch formal Neues, hebt sich aber wohltuend von den Seifenoper-Krimis ab, die andere Autoren bzw. Autorinnen in ähnlichen Kulissen verbrechen.

A Manhattan Ghost Story

Ein psychisch labiler oder besser: empfangsempfindlicher Fotograf plant in New York City ein Buchprojekt. Er lernt eine faszinierende Frau kennen, die allerdings schon tot ist. Diese Beziehung öffnet die Pforte zu einem Zwischenreich, in dem sich Menschen und Geister mischen. Je tiefer der Mann sich dort vorwagt, desto mehr verliert er sich … – Unkonventionelle Mischung aus Grusel- und Liebesgeschichte, wobei der Autor überraschende Schnittstellen herausarbeitet, während er die Realität seiner Hauptfigur zerfallen lässt: kein Roman für die Kopf-ab-Fraktion der Gruselfreunde.