Bastei-Lübbe

Die Saat des Zweifels

Der Untergang einer Segelyacht wird zum Höhepunkt eines komplexen Verbrechens, dessen Aufklärung einen kompromisslosen Polizisten vor große Probleme stellt, da sich aufgrund der mangelhaften Indiziensituation die Ermittlungslage ständig ändert … – Polizei-Krimi der gediegenen britischen Schule, d. h. actionfrei und ohne Überraschungen aber gut geplottet, handwerklich sauber ausgeführt und mit überzeugend gezeichneten Figuren: gutes Lesefutter für die Fans von Ian Rankin, Stuart MacBride oder Reginald Hill, auch wenn deren Qualität nicht erreicht wird.

Nordermoor

In der isländischen Hauptstadt Reykvavík wird ein alter Mann umgebracht. Das Opfer war ein Gewaltverbrecher, der vom Gesetz gedeckt wurde, bis ihn nun die Vergeltung ereilte. Kommissar Erlendur Sveinsson folgt hartnäckig den Spuren eines Verbrechens, das alle Beteiligten gern unter den Teppich gekehrt sähen … – Endlich wieder ein Krimi aus Skandinavien, der die kollektiven Vorschussbeeren verdient, die hierzulande für Texte aus dem Norden allzu großzügig vergeben werden. Tragik, Spannung, dazu ein leiser aber kundig eingesetzter Humor: „Nordermoor“ ist das gelungene deutsche Debüt eines Schriftstellers, der sein Handwerk versteht.

Das Mädchen im Fenster

Der brutale Mord an einem englischen Großgrundbesitzer führt zu einem kollektiv vertuschten Verbrechen, dessen Beteiligte zunehmend panisch alle Spuren zu verwischen versuchen, während ein hartnäckiger Polizist die dürren Indizien hartnäckig zusammenträgt und entschlüsselt … – Der erste Fall des britisch-argentinischen Ermittlers Guillermo Downes ist ein typischer englischer Kriminalroman, der zum Genre nichts Neues beiträgt, aber bekannte und bewährte Genre-Elemente sehr versiert zu einer spannenden Geschichte zusammenfügt.

Der schwarze Pfad

Eine Schriftstellerin, ihr Sohn und ein Geheimdienst-Offizier wollen eine junge Frau retten, die nicht nur von Satanisten entführt werden soll, sondern in den Nachtstunden vom Teufel besessen ist. Quer durch Frankreich bis in die englische Provinz führt die Jagd, an deren Ziel Satan schon ungeduldig mit dem Huf scharrt … – Ebenso klassisch wie trashig rührt Autor Wheatley spannend an, was die Populärkultur in Sachen Schwarzer Magie hergibt. Nicht grundlos (aber grausig schlecht) wurde dieses Garn verfilmt, denn es bietet Action, Archetypen und (sacht anrüchigen) Horror.

Die Invasion

Vom sechsten Mond des Saturn wollen schleimige Parasiten, die ihre Opfer übers Rückenmark ‚fernsteuern‘, die Erde erobern. Wackere US-Agenten sagen ihnen den Kampf an und setzen schließlich zum Gegenschlag im All an … – SF-Klassiker, der vor kaum verhohlener Invasions-Paranoia aus der Ära des Kalten Krieges nur so trieft. Ansonsten ein merkwürdig sprunghafter, d. h. spannender aber absolut unlogischer Reißer, der nostalgisch amüsiert und mit einigen guten Detaileinfällen unterhalten kann.

Tote schlafen nicht

In einem kleinen englischen Dorf zweifelt ein Historiker an der Schuld eines ortsansässigen Mörders. Er stellt Fragen und versucht sich ungeschickt als Detektiv, was den wahren Täter so nervös werden lässt, dass er den lästigen Schnüffler (mund-) tot machen möchte … – Sehr britischer Krimi, der hinter einer idyllischen Szenerie menschliche Abgründe offenlegt. Die Handlung bietet weder inhaltlich noch formal Neues, hebt sich aber wohltuend von den Seifenoper-Krimis ab, die andere Autoren bzw. Autorinnen in ähnlichen Kulissen verbrechen.

A Manhattan Ghost Story

Ein psychisch labiler oder besser: empfangsempfindlicher Fotograf plant in New York City ein Buchprojekt. Er lernt eine faszinierende Frau kennen, die allerdings schon tot ist. Diese Beziehung öffnet die Pforte zu einem Zwischenreich, in dem sich Menschen und Geister mischen. Je tiefer der Mann sich dort vorwagt, desto mehr verliert er sich … – Unkonventionelle Mischung aus Grusel- und Liebesgeschichte, wobei der Autor überraschende Schnittstellen herausarbeitet, während er die Realität seiner Hauptfigur zerfallen lässt: kein Roman für die Kopf-ab-Fraktion der Gruselfreunde.

Tanz der Toten

In Philadelphia treibt der ebenso irre wie geniale Serienkiller „Mr. Marseille“ sein Unwesen und drapiert seine Opfer wie Puppen. Die Polizei versucht der Mordserie ein Ende zu bereiten und stößt dabei auf die leichenreiche Vorgeschichte des Täters … – Band 8 der Balzano-&-Byrne-Serie zelebriert das inzwischen routinierte aber weiterhin spannende Katz-&-Maus-Spiel zwischen zusätzlich privatsorgengeplagten Ermittlern und einem Unhold, der ungemein kompliziert ein eigentlich simples Anliegen deutlich machen will: Was in der Realität an unzähligen Unvorhersehbarkeiten scheitern dürfte, wirkt in der Erzählung unterhaltsam, weist aber Verschleißerscheinungen auf.

Skinner – Der blaue Tod

Drei sehr unterschiedliche Wesen treffen sich auf dem Wasserplaneten Spatterjay. Sie schließen eine Zweckgemeinschaft, verfolgen aber trotzdem ihre eigene Pläne, ohne zu ahnen, dass sie selbst nur Schachfiguren in einem weitaus größer angelegtem Ränkespiel um Macht und Geld sind und nicht unbedingt überleben sollen … – Richtig guter, ‚altmodischer‘ Science Fiction-Abenteuerroman, der einfach nur unterhalten will, ohne sich oder seine Leser dabei für dumm zu verkaufen.

Codex Regius

Die anfänglich akademische Jagd auf eine mittelalterliche Handschrift entwickelt sich zum mörderischen Kampf mit fanatischen Alt-Nazis und Geheimbündlern, die ihre Teilnehmer in den 1950er Jahren durch Skandinavien und Zentraleuropa bis auf die ferne Insel Island führt … – Spannende Mischung aus ‚literarischem‘ Historienkrimi und „Coming-of-Age“-Story, die anders als (viel zu) viele Mystery-Munkel-Thriller talentfreier Dan-Brown-Klone den simplen aber gut umgesetzten Plot schlüssig mit der historischen Realität verzahnt.