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neuauflage

Gewöhnliche Sterbliche

Erstellt von Werner Karl am 3. September 2010

David Mack
Gewöhnliche Sterbliche
Star Trek Destiny 2 (von 3)

Cross Cult Verlag, 2010
Originaltitel: Star Trek – Destiny: Mere Mortials (2008)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 978-3-941248-84-7
Umfang: 418 Seiten
Übersetzerin: Stephanie Pannen
Cover Artwork: Martin Frei (und schon wieder sieht mein Rezi-Exemplar anders aus)

www.cross-cult.de
www.startrekromane.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Vorwort:

„Gewöhnliche Sterbliche“ ist der zweite Teil der Trilogie „Destiny“. Teil 1 siehe:
http://buchrezicenter.filmbesprechungen.de/genres/science/gotter-der-nacht/
Teil 3 und Abschluss der Miniserie „Verlorene Seelen“ demnächst bei Cross Cult.

Die Borg haben ihr Dogma Assimilation – zumindest gegenüber der Menschheit – aufgegeben und streben die radikale Vernichtung der Föderation und ihrer Verbündeten an. Und wenn der Krieg so weiter geht, werden sie ihr Ziel mehr oder weniger problemlos erreichen. Denn bis jetzt haben einzelne Borg-Kuben durchaus genügt, um Welten zu verbrennen, ganze Zivilisationen zu zerstören und jegliche Abwehr mühelos auszulöschen. Nur Kamikaze-Einsätze der Verteidiger haben den einen oder anderen Kubus abwehren und ausschalten können.

Zum Buch:

Doch wer sollte dies besser wissen als Captain Jean-Luc Picard, dem unaufhörlich die Stimme des Borg-Kollektivs und der Königin in seinen Gedanken dröhnen? Seit seiner Gefangennahme vor vielen Jahren besitzt und leidet er unter dieser besonderen Verbindung und das Grauen vor dem Untergang lässt ihn das Unvermeidliche ahnen. Mit seiner ENTERPRISE und der AVENTINE, dem Schiff seiner Kollegin Captain Ezri Dax, versucht er, den geheimnisvollen Knotenpunkt im Azurnebel zu erforschen. Dieser Knotenpunkt aus Dutzenden Wurmlochtunneln ist der Eintrittspunkt für die angreifenden Borg-Schiffe. Doch welcher? Einen nach dem anderen müssen die beiden reparaturanfälligen Schiffe erforschen und hoffen, den zu finden und wenn möglich zu schließen, der den Borg als Hintertür in den Alpha-Quadranten dient.

Föderations-Präsidentin Nanietta Bacco indes ist verzweifelt bemüht, alle verfügbaren Kräfte zu bündeln und eine Schlachtflotte aufzustellen, welche der zu erwartenden Borg-Flotte entgegentritt. Doch dabei darf sie den Schutz der Heimatsysteme nicht entblößen; schließlich gibt es im All keine starren Grenzen. Mit diplomatischen Geschick und noch mehr Tricks, allerlei Zugeständnissen und Finessen gelingt es ihr, die zum großen Teil zerstrittenen Völker der Milchstraße zu einer Flotten-Aufstellung zu bewegen. Mehr als 350 Schiffe machen sie endlich auf den Weg zum Azurnebel und sollen Picard und Dax im Kampf zur Seite stehen.

Captain Riker und die Besatzung der TITAN haben dagegen ganz andere Sorgen. Sie werden von den gottgleichen Caeliar festgehalten und das Außenteam – darunter die schwangere Frau Rikers, Deanna Troi – sitzen auf Neu Erigol fest. Ihnen droht das gleiche Schicksal wie Jahrhunderte zuvor dem Außenteam der COLUMBIA unter dem Kommando von Captain Erika Hernandez: Lebenslange Gefangenschaft… oder sogar noch länger.

Die ENTERPRISE und die AVENTINE leisten gute Arbeit bei der Erforschung des Wurmlochknotens. Doch dann trifft am Ende eines Wurmlochtunnels, den die beiden Schiffe gerade gemeinsam erkunden, ein Jagdgeschwader von Hirogen-Schiffen ein und ein gnadenloser Kampf im All und in den Schiffen beginnt. Und als wäre das nicht schon genug, sieht sich die mittlerweile im Azurnebel eingetroffene Föderationsflotte der Invasion der Borg ausgesetzt. Und es sind nicht Dutzende Schiffe, sondern Tausende…

Fazit:

Das alles hört sich spannender an, als es geschrieben ist oder wie es sein könnte. Denn der Autor nutzt diesen zweiten Teil hauptsächlich für die Sicht auf die Caeliar, ihr großes Projekt, auf die Rückschau in vergangene Jahrhunderte der Gefangenschaft Hernandez´, ihre Tragik und Entwicklung. Die Seiten mit o.g. Handlung sind leider der kleinere Teil des Romans. Doch diese machen für mich trotzdem den Gewinn aus. Eine Lösung ist für den regelmäßigen SF-Konsumenten durchaus in Sicht. Doch ob es so kommt…?

Schlussbemerkung allgemeiner Art zum Star-Trek-Universum in Film und Buch:

Man muss in der Realität keine vergleichbare Raumfahrttechnologie besitzen, um schon heute zu wissen, dass manche Regeln für Gefahren im All – erst recht im Raumkampf – auf der Hand liegen. Leider wird dies in einem solchen Maß in den kompletten ST-Serien ignoriert, dass ich mich – wahrscheinlich nicht als Einziger – daran massiv störe:

Es wird allenthalben auf das Anlegen von Raumanzügen oder massiven schweren Kampfanzügen verzichtet. Es vergeht nicht ein Film oder ein Buch, in dem nicht reihenweise Besatzungsmitglieder bei Kämpfen durch die Abteilungen geschleudert, verletzt und getötet werden. Seit Jahrzehnten ist es als nützlich und überlebenswichtig in der SF anerkannt, dass solche Vorkehrungen vorhanden sein müssen. Sicher mag es Kollisionen geben, bei denen die Besatzung als rotbrauner Matsch von den Wänden tropft, aber die in ST zigfach beschriebenen „leichteren“ Kollisionen zeitigen nur unnötige Opfer. Kein Schiffsausrüster, General oder Vorgesetzter würde so leichtsinnig die Überlebenschancen – und die weitere Kampffähigkeit! – seiner Truppe aufs Spiel setzen. Natürlich sieht es effektvoll aus, wenn allerlei Mensch und Alien durch die Luft fliegen.

Auch die Haare sind dann ergo militärtauglich kurz geschnitten, damit sich das eingeschränkte Sichtfeld Kämpfender – und erst Recht in einem geschlossenen Raumhelm – nicht als tödlich erweist. Dies alles mit irgendwelchen Schutzschirmen abzutun, ist fadenscheinig, da es ja schon zum Standard gehört, dass ebendiese i.d.R. ausfallen oder technisch bekämpft werden können (siehe hier z.B. aktuell die Energiedämpfer der Hirogen-Entertruppe).

Apropos Hirogen: Ein schönes Beispiel wie Elektronik-Geraffel (Lasergewehre, Tricorder usw. usw.) damit elegant ausgeschaltet werden und die fast waffenlosen Menschen plötzlich Schwerter schwingenden Killern gegenübertreten müssen. Einzig Worf hat sein klingonisches batleth. Jeder dämliche Taucher (nichts gegen Taucher) hat sein Tauchermesser dabei, warum also sollte eine Raumschiffsbesatzung nicht energieunabhängige Waffen in ausreichender Stückzahl an Bord haben.

Sicher gäbe es zu diesem Thema noch mehr zu sagen, aber dafür ist hier nicht der Raum. Doch sicher müsste ein Autor wie David Mack, und zig-andere, ihre Romanhandlung anders verlaufen lassen, wenn sie sich an diese m.M nach zwingenden Vorkehrungen halten würden. Vielleicht sollten Mack und Kollegen aus dem ST-Autoren-Team mal eine militärische Grundausbildung und einen Besuch im Kennedy-Space-Center absolvieren. Oder schlicht David Webers „Honor-Harrington“-Reihe lesen. Das ist Military-SF vom Feinsten. Und auch in zukünftigen Raumfahrtzeitaltern wird jeder Vorgesetzte darauf achten, dass seine Truppe mehr kann, als auf einen Knopf zu drücken!

Copyright © 2010 by Werner Karl (WK)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Star Trek: Nero

Erstellt von Werner Karl am 31. August 2010

Robert Orci, Alex Kurtzman, Mike Johnson, Tim Jones
Star Trek: Nero

Star Trek: Nero, Paramount, USA, 2009
Cross Cult, Ludwigsburg, 05/2010
SC, Comic, SF, Action
ISBN 978-3-941248-48-9
Aus dem Amerikanischen von Christian Langenhagen
Titelillustration und Zeichnungen von David Messina

www.cross-cult.de
www.startrek.com
http://davidmessinart.blogspot.com/

Titel erhältlich bei buch24.de
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Begleitend zum neuen „Star Trek“-Film, der das Franchise nachhaltig verändern sollte, sind auch eine ganze Reihe von Comics erschienen. Während „Countdown“ die Vorgeschichte erzählt, widmete sich „Spock“ den letzten Jahren des Halbvulkaniers, der noch einmal aktiv in die Geschichte eingriff. „Nero“ beschäftigt sich nun mit der Zeit, die der Romulaner zusammen mit seiner Besatzung in der Vergangenheit verbrachte, um auf die Rückkehr von Spock zu erwarten.

Nach dem Kampf mit der U.S.S. Kelvin und dem Kamikazeflug von George Kirk hat auch Neros Schiff schwere Schäden davon getragen. Die Überlegung ist nun, den Racheplan weiter zu verfolgen oder aufzugeben und nach Romulus zurückzukehren, um dort im Verborgenen die Katastrophe aufzuhalten. Zum Reparieren des Schiffes kommen sie allerdings nicht, da kurz nach der Schlacht bereits Klingonen-Kreuzer auftauchen und das kampf- und relativ manövrierunfähige Schiff aufbringen. Auch Gegenwehr nutzt nicht viel, da die Männer viel zu geschwächt und geschockt von dem sind, was sie durchgemacht haben. Nero und seine Crew werden nach Rura Penthe gebracht. Man foltert sie, um mehr über die Geheimnisse des weit fortentwickelten Schiffes zu erfahren, doch niemand verrät wirklich etwas, vor allem nicht der Kommandant. Mehr als zwanzig Jahre werden die Romulaner gefoltert und gedemütigt. Aber getreu dem Sprichwort, dass alles, was einen nicht umbringt, umso stärker macht, geben sie sich nicht auf. Schließlich gelingt ihnen mit einem menschlichen Gefangenen die Flucht auf ihr Schiff. Doch können sie wirklich entkommen …?

„Nero“ ist der Versuch, auch dem Bösewicht des Films einen Hintergrund zu geben und damit seine Handlungsweise plausibler zu machen. Allerdings gelingt das nur bedingt. Man kann zwar seinen Schmerz über den Verlust von Frau und Kind nachempfinden und die unbändige Wut verstehen, die ihn am Leben erhält, aber das ganze bleibt recht oberflächlich und wirkt ziemlich aufgesetzt. Die Autoren gehen bei der ganzen Sache nicht über gängige Klischees hinaus und füllen die Seiten lieber mit fruchtlosen Drohungen seitens der Klingonen, um wenigstens etwas Spannung in die Geschichte zu bringen. Letztendlich ist man nach der Lektüre nur in einem schlauer und versteht nun, warum die Romulaner nicht schon früher die Macht ihres Schiffes eingesetzt und sich so lange still verhalten haben und warum sie nur noch Rache und Vergeltung wollen, aber im Grunde dann doch nicht mehr weiter leben.

„Nero“ füllt damit zwar einige Lücken aus dem Film, aber wirklich befriedigend ist die Geschichte nicht, zumal es auch einige kleine Logikfehler gibt. Wenn die Klingonen das Schiff gut zwanzig Jahre in ihren Klauen hatten, warum sind dann keine Spuren von ihnen auf dem Schiff zu finden? Warum haben sie nicht alles, was nicht niet- und nagelfest war, entfernt?

Insgesamt erweist sich „Nero“ als wenig überzeugender Zusatz zum Film. Dem Comic fehlt es vor allem an Tiefe, an weiteren Hintergründen, die man sich nicht schon selbst denken kann, und lässt zudem auch ein wenig Spannung vermissen. Eingefleischte Fans werden sich sicherlich freuen, viele andere aber enttäuscht sein, dass der Band nicht wirklich neue Informationen enthüllt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Götter der Nacht

Erstellt von Werner Karl am 30. August 2010

David Mack
Götter der Nacht
Star Trek Destiny 1

Cross Cult Verlag, 2010
Originaltitel: Star Trek – Destiny: Gods of night (2008)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 978-3-941248-83-0
Umfang: 418 Seiten
Übersetzerin: Stephanie Pannen
Cover Artwork: Martin Freitag

www.cross-cult.de
www.startrekromane.de

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Vorwort:

Star-Trek-Romane gibt es mittlerweile in einer Vielzahl, welche es selbst eingefleischten Fans schwer macht, da den Überblick zu behalten. Da auch noch die Buchrechte zu einem Wanderpokal geworden sind, sei hier – zumindest für den Verlag Cross Cult – eine kleine Übersicht gestattet:
Star Trek – The Next Generation: aktuell 5 Romane; ab Band 1: „Tod im Winter“
Star Trek – Deep Space Nine: aktuell 5 Romane; ab Band 1: „Offenbarung, Buch I“
Star Trek – Vanguard: aktuell 5 Romane; ab Band 1: „Der Vorbote“
Star Trek – Titan: aktuell 4 Romane; ab Band 1: „Eine neue Ära“
…und schließlich nun: Star Trek – Destiny startet mit diesem Roman. (Esri Dax hat seltsamerweise auf meinem Buch eine andere Frisur?!)

Entgegen anderen Verlagen prangt auf dem Buchrücken deutlich eine 1 und der Klappentext weist ebenfalls auf die Minireihe und die Bandnummer hin. Dafür schon mal vielen Dank. Die Vorgehensweise anderer Verlage solche Serien-Bezeichnungen schon fast schamhaft zu verschweigen, gar zu verstecken, gründet auf der Angst, der ratlose Buchkäufer würde sich durch eben dieser Bezeichnung vom Kauf abhalten lassen. Ich sage: Das Gegenteil ist der Fall (siehe hierzu auch). Doch was tun, wenn Langzeitserien – eben wie Star Trek – Seiteneinsteiger überfordern? Cross Cult liefert hier anschaulich – und angenehm – die Antwort: Miniserien. Destiny ist als Trilogie konzipiert, zumindest behauptet das der Autor in seiner Danksagung und ich hoffe, es bleibt auch dabei. Nicht wegen der Qualität der Geschichte – die ist gut, so viel sei schon vorweg genommen -, sondern wegen eben o.g. Unübersichtlichkeit und erschwertem Einstieg.

Zum Buch:

Im Jahr 2381 steht die Föderation im Krieg. Eine neue Invasion des Borg-Kollektivs rollt an und noch immer hat die Menschheit als Gesamtes keine wirksame Abwehr gegen die riesigen Borg-Kuben, die eine Welt nach der anderen ansteuern und vernichten. Einzig die ENTERPRISE unter dem Kommando von Jean-Luc Picard verfügt über Transphasentorpedos, welche die mittlerweile verstorbene Admiralin Kathrin Janeway aus einer alternativen Zukunft der Föderation zugänglich gemacht hatte.

Doch die Führung der Sternenflotte hat allergrößte Bedenken, diese Technologie in allen Kampfschiffen der Föderation zu installieren. Die erschreckende und rasend schnelle Fähigkeit der Borg zur Assimilation fremder Technologie, würde diese einzig erfolgreiche Waffe rasch stumpf machen. Und so fällt eine Welt nach der anderen, Föderationsschiffe begehen verzweifelt Selbstmord, um wenigstens mit einem Kamikazemanöver das eine oder andere Borgschiff zu vernichten.

Über 200 Jahre zuvor – im Jahr 2156 – hat das Raumschiff COLUMBIA unter dem Kommando von Captain Erika Hernandez einen ganz anderen Kampf zu bestehen. Ein halbes Dutzend romulanischer Kriegsschiffe bedroht einen Konvoi, dessen einziger Schutz die COLUMBIA ist. Doch gleich zu Beginn wird die COLUMBIA durch ein romulanisches Computervirus dazu gebracht, den eigenen Konvoi samt hunderten Besatzungsmitgliedern vollständig zu vernichten. Die einzige Möglichkeit, der eigenen Zerstörung zu entgehen, ist ein unkontrollierter Warpsprung, der sie nur 1 Lichtjahr vom Kampfplatz wegbringen soll. Doch der Sprung schlägt fehl und die COLUMBIA landet in einer ganz anderen Region des Universums…

Und dort stoßen sie auf eine Welt mit einer haushoch überlegenen Intelligenz. Diese Caeliar beherrschen die Transwarptechnologie in einem Maße, wie die Menschheit es sich nicht vorstellen kann. Dumm nur, dass die Caeliar überhaupt nichts mit den jungen, barbarischen Völkern zu tun haben wollen, die gerade erst seit einigen Jahrhunderten Raumfahrt betreiben.

Picard, Riker, Hernandez und Ezri Dax, die Kommandantin der AVENTINE, kämpfen jeder in seiner Zeit gegen die Vernichtung der Menschheit durch die Borg. Und die Caeliar haben allen Grund, aggressive Primitivvölker zu meiden. Doch ein Teil eines Außenteams der COLUMBIA meutert und beschwört eine wirklich stellare Katastrophe herauf…

Fazit:

Mittlerweile sind auch bei Star Trek Zeitreisen und verschiedene Zeitebenen fester Bestandteil der Handlungen. Und gerade das ist ein weiterer Grund, solche Romane in der richtigen Reihefolge zu lesen. Ich habe „Götter der Nacht“ fast in einem Rutsch gelesen und es genossen.

Copyright © 2010 by Werner Karl (WK)

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Star Trek DS9: Sektion 31 – Der Abgrund

Erstellt von Michael Drewniok am 7. Juli 2010

Jeffrey Lang/David Weddle
Star Trek DS9: Sektion 31 – Der Abgrund

Originaltitel: Section 31 – Abyss (New York : Pocket Books 2001)
Dt. Erstausgabe: 2002 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 06/5729)
Übersetzung: Andreas Brandhorst
312 S.
ISBN-13: 978-3-453-21367-8
Diese Neuausgabe: April 2010 (Cross-Cult Verlag/Star Trek – Deep Space Nine 8.03)
Übersetzung: Christian Humberg
279 S.
ISBN-13: 978-3-941248-53-3

Titel bei Buch24.de
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Das geschieht:

Sektion 31, eine illegale Geheimorganisation innerhalb der Föderation, deren Mitglieder genetisch ‚verbesserte‘ Menschen sind, rekrutiert Dr. Julian Bashir, der ebenfalls ‚aufgerüstet‘ wurde, für einen Einsatz. Bashir, der auf der Raumstation „Deep Space Nine“ als Arzt dient, steht der Organisation ablehnend gegenüber. Dennoch stimmt er zu, als ihm Sektion-31-Agent Cole die Geschichte von Dr. Ethan Locken erzählt. Dieser war von der Organisation zum Planeten Sindorin geschickt worden. Tief in den Badlands existiert dort eine der Föderation unbekannte Brutstation für Jem’Hadar-Soldaten. Statt diese der Sektion 31 zugänglich zu machen, besetzte Locken die Anlage und programmierte die dort hergestellten Jem’Hadar so, dass sie ihm – und nur ihm – bedingungslos gehorchen. Seitdem baut Locken Sindorin zur Keimzelle einer „Neuen Föderation“ aus, über die er im Stil des Diktators Khan Noonien Singh herrschen will.

Bashir soll Locken ausschalten. Mit seiner Gattin Ezri Dax, der „Marquis“-Veteranin Ro Laren und dem Jem’Hadar Taran’atar fliegt der Doktor an Bord eines kleines Raumschiffs Sindorin an. Doch sie werden bereits erwartet. Locken lässt ihr Schiff abschießen und nimmt Bashir und Ezri gefangen, während Ro und Taran’atar unbemerkt abspringen und in den dichten Wäldern des Planeten untertauchen können.

Mit Bashir an seiner Seite will Locken seinen Traum einer durch Supermenschen geführten Galaxis verwirklichen. Zu Ezris Schrecken dringt er mit seinen Argumenten offenbar durch; Bashir droht Lockens Sirenengesängen zu erliegen. Währenddessen nehmen Ro Laren und Taran’atar Kontakt mit den Ingavi, den geheimen Bewohnern von Sindorin, auf. Gemeinsam will man Lockens Festung stürmen und die Brutstation zerstören …

Alte Helden in neuen Rollen

„Star Trek“ existiert seit mehreren Jahrzehnten und ist mit unzähligen Filmen, TV-Episoden, Romanen, Comics, Computerspielen u. a. Produkten nicht nur immens erfolgreich, sondern auch zu einem Synonym für „Wiederholung“ geworden: Wirklich Neues, Originelles hat sich in den Raumquadranten A bis D schon lange nicht mehr ereignet. Dies entspricht primär dem Willen des Franchises, das von der einstigen Erfolgsformel selbst dann nicht lassen wollte, als diese Anfang des 21. Jahrhunderts durch „Enterprise“ und „Star Trek: Nemesis“ eindrucksvoll ihre Wirksamkeit verloren hatte. Erst dann wurde die Konsequenz gezogen und mit dem elften Kinofilm 2009 eine alternative „Star Trek“-Zeitlinie etabliert.

Zumindest in den gedruckten „Star-Trek“-Abenteuern überstanden die bekannten Helden aus fünf Fernseh-Serien den großen Kataklysmus problemlos. Die neuen Romane schließen zum Teil sogar direkt an die Ereignisse der TV-Serien an. Auf diese Weise kam „Deep Space Nine“ 2001 zu einer achten Staffel, deren dritte ‚Episode‘ „Der Abgrund“ darstellt. Gleichzeitig gehört dieser Roman zu einer Mini-Serie, in der die Umtriebe der fragwürdigen Sektion 31 thematisiert werden, deren Tentakeln nicht bis zur DS9, sondern auch in die „Enterprises“ der Kapitäne Kirk und Picard sowie bis zur „Voyager“ von Captain Janeway reichten. (Da diese vierteilige Serie bereits vollständig in Deutschland erschienen ist, kam es 2010 zur kuriosen Neuauflage – samt neuer Übersetzung! – nur dieses dritten Bandes in einem anderen Verlag, der die Kontinuität der achten „DS9“-Staffel wahren möchte.)

Neue Rollen im bekannten Umfeld

Die Kenntnis der beiden „Deep-Space-Nine“-Vorgänger-Romane wird vorausgesetzt, denn die Ereignisse überlappen sich. Die Station wurde wieder einmal heftig gebeutelt, sodass der kurz vor TV-Toresschluss zum Föderations-Teufelspiloten und zur Hauptfigur aufgestiegene Ferengi Nog als Retter erscheinen und durch das Wurmloch über Bajor einen Energiekern aus dem Gamma-Quadranten heranschleppen muss. Für das eigentliche Geschehen sind die sich darum rankenden Ereignisse unwichtig, aber solches Beiwerk ist integrales Element des Serienvorbilds: Nebenhandlungen werden verknüpft, um auf diese Weise den roten Faden der „DS9“-Serie zu verstärken.

Auf diese Weise wird der Leser außerdem über Veränderungen auf dem Laufenden gehalten. Wenig blieb in der Station „Deep Space Nine“ so, wie es uns in sieben Fernseh-Staffeln vertraut geworden ist. Zentrale Figuren wie Benjamin Sisko, Odo oder Worf sind aus dem Geschehen verschwunden, neue Charaktere wurden eingeführt.

Dieser Neubeginn bot eine Chance, die jedoch nicht wirklich genutzt wurde: Die Abenteuer der ‚neuen‘ „DS9“-Crew entsprechen ziemlich genau denen der alten Haudegen. So musste es wohl auch kommen, da die „achte Staffel“ im bekannten „Star-Trek“-Universum spielt und deshalb deren fiktive Historie berücksichtigen muss. Diese ist jedoch Segen und Fluch zugleich.

Alles bleibt, wie es war

Der Trekkie liebt Nachrichten aus der ihm oft bis in ihre Details bekannten „Star-Trek“-Welt. Freilich ist diese nach vier Jahrzehnten in ihren grundsätzlichen Strukturen stark verkrustet, was der Hauptgrund für den Relaunch mit „Star Trek XI“ war. „Der Abgrund“ könnte dagegen die Vorlage für eine TV-(Doppel-) Folge aus jeder der letzten zwei oder drei „DS9“-Staffeln sein. Der Plot ist die x-te Auflage einer vielfach durchgespielten Situation.

In einem Nachwort zur deutschen Ausgabe erläutert Julian Wrangler die Brisanz des Themas „Genetische Aufwertung“ für die „Star-Trek“-Historie, die von den „Eugenischen Kriegen“ und der Tyrannei des Khan Noonien Singh und seiner Spießgesellen geprägt wurde. „Star-Trek“-Übervater Gene Roddenberry, Zeitgenosse der realen Pervertierung des Eugenik-Gedankens durch die Nazis sowie Zeuge einer Naturwissenschaft, die in den 1960er Jahren vor einer Zukunft zu stehen schien, in der auch die Manipulation des menschlichen Genoms möglich wirkte, hatte das allgemeine Unbehagen trivialisiert bzw. ihm mit der „Star-Trek“-Episode „Der schlafende Tiger“ („Space Seed“) eine allgemein verständliche Form verliehen. Die ‚Aufrüstung‘ des Menschen durch die Manipulation seines Genmaterials und vor allem die daraus resultierenden Risiken und Missbräuche wurden Teil des „Star-Trek“-Kanons und in den folgenden Jahrzehnten in allen Serien aufgegriffen.

„Star-Trek“-typisch führte dies zum endlosen Wiederkäuen längst bekannter Argumente vor höchstens variierten Hintergründen. „Der Abgrund“ bildet leider keine Ausnahme. Dass Julian Bashir genetisch getunt ist, wurde bereits in der TV-Ära von „DS9“ umfassend thematisiert. Nun setzt man ihn auf einen Mann an, der sich selbst „Khan“ nennt und bereits auf diese Weise signalisiert, dass mehrfach gedroschenes „Star-Trek“-Stroh noch einmal durchgewalkt wird. Könnte Dr. Bashir schwach werden, wenn Ethan Locken ihn umgarnt? Gattin Ezri Dax mag dies fürchten, der Leser lässt sich jedoch nicht aufs Glatteis führen, zumal Locken zwischendurch allzu leicht in einen TV-typischen, d. h. lächerlich übertriebenen Wahnsinn abgleitet. Die aus der Konfrontation zwischen Meister und Schüler resultierende Spannung wird nicht erzeugt, sondern vor allem behauptet.

Philosophie mit Action-Beiwerk

Im „Star-Trek“-Universum wird gern und viel geredet; „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ dürfte dort als Sprichwort in Vergessenheit geraten sein. Ein Problem taucht auf? Lasst uns darüber sprechen – ausgiebig, lange & am besten mit tragischer Musik im Hintergrund! Unaufhörlich kreist man um sich selbst, um gemäß der Roddenberryschen Zukunftsvision dabei zu reifen und die Schwächen der Vergangenheit zu überwinden.

Diese Haltung ist naiv, überholt und wurde sogar in der „Star-Trek“-Historie vorsichtig außer Kraft gesetzt. Diskutiert oder besser: debattiert wird dennoch mit ungebrochener Energie. Weil dies irgendwann selbst den langmütigsten Trekkie langweilt, wird die Weisheit des Wortes regelmäßig durch Action-Einlagen aufgelockert. Deshalb fliegen die eher handfest als geistreich gepolten Ro Laren und Taran’atar mit nach Sindorin, wo sie sich im Untergrund (aber zunächst ebenfalls ausgiebig redend) mit geknechteten Planetenbewohnern verbünden und eine SF-Standard-Revolte anzetteln, in der die Ingavi die Rolle der Ewoks übernehmen.

Das Geschehen endet in einer Mischung aus Gewalt und Tragik; auch dies ist „Star Trek“: Wenn geschossen und gestorben wird, so soll der Zuschauer/Leser wenigstens dadurch lernen. Die Naivität der auf diese Weise verbreiteten Botschaften hat nicht grundlos den Spott der Nicht-Trekkies beflügelt.

Trekkies in guten Händen

Obwohl „Der Abgrund“ alles andere als gute, d. h. originelle Science Fiction darstellt, gehört der Roman nach „Star-Trek“-Maßstäben zu den gelungenen Serien-Beiträgen. Das Autoren-Duo Lang & Weddle kennt sich perfekt im „Star-Trek“-Kosmos aus, den vor allem Weddle als Autor zahlreicher Drehbuch-Vorlagen für die TV-Serie „Deep Space Nine“ aktiv mitgestaltet hat. Der schematischen Handlung zum Trotz liest sich „Der Abgrund angenehm vertraut, weil der Grundton stimmt: Die bekannten Figuren handeln und denken serienkonform, die „Star-Trek“-Atmosphäre ist spürbar.

Diese Stimmung lässt sich schwer beschwören. Wie der regelmäßig lesende Trekkie aus leidvoller Erfahrung bestätigen kann, begnügen sich die meisten Autoren von „Star-Trek“-Romanen mit dem Versuch der möglichst deckungsgleichen Kopie – und scheitern. In diesem Punkt haben Lang & Weddle gute Arbeit geleistet. Wer also ‚nur‘ einen „Star-Trek“-Roman lesen möchte, der die TV-Ära wieder aufleben lässt, ist mit „Der Abgrund“ gut bedient. Da diese Zufriedenheit in einer Flut drittklassiger „Star-Trek“-Abenteuer keineswegs selbstverständlich ist, wird an dieser Stelle eigens darauf hingewiesen …

Autoren

David Weddle gehört nicht zum Söldner-Heer jener Autoren, die primär „tie-ins“, also Romane zu Filmen und TV-Serien, fabrizieren. Er schreibt vor allem Drehbücher für das Fernsehen. Auf der eindrucksvollen Liste seiner verfilmten Vorlagen finden sich Erfolgsserien wie „Star Trek: Deep Space Nine“, „Kampfstern Galactica“ oder „CSI Las Vegas“.

Sein Handwerk lernte Weddle buchstäblich von der Pike auf. Er besuchte die USC School of Cinematic Arts in Los Angeles. Hier lernte er seinen späteren Autoren-Partner Bradley Thompson kennen. Hilfreich erwies sich zudem die persönliche Bekanntschaft mit dem Regisseur Sam Peckinpah (1925-1984), dessen Autobiografie Weddle 1994 veröffentlichte.

Über Jeffrey Lang, der für einen „tie-in“-Autoren relativ wenig schreibt, ist nur bekannt, dass er mit seiner Familie in Bala Cynwyd im US-Staat Pennsylvania lebt und arbeitet.

[md]

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Star Trek – Next Generation 3: Quintessenz

Erstellt von Michael Drewniok am 15. März 2010

decandido-st-ng-quintessenz-coverKeith R. A. DeCandido
Star Trek – Next Generation 3: Quintessenz

Originaltitel: Q & A (New York : Pocket Books 2008)
Dt. Erstausgabe: Januar 2010 (Cross-Cult Verlag/Star Trek – The Next Generation 3)
Übersetzung: Stephanie Pannen
Cover: Martin Frei
274 S.
ISBN-13: 978-3-941248-63-2

Das geschieht:

Die aktuelle Forschungsmission des Föderations-Raumschiffs „Enterprise“ führt Captain Picard und seine Crew zum Planeten Gorsach IX. Zahlreiche Anomalien deuten auf einen künstlichen Ursprung hin. Die Untersuchung gestaltet sich schwierig, da das Landungsteam weder seinen Augen noch den Instrumenten trauen kann.

Während die „Enterprise“ um Gorsach IX kreist, öffnen sich überall im Universum gewaltige Dimensionsrisse. Man kann sie zwar sehen, doch sämtliche Sensoren fassen ins Leere. Die eigenartigen Erscheinungen breiten sich aus und verschlingen Sterne, Planeten und Raumschiffe, die in ihren Bannkreis geraten.

Dass er dem Rätsel auf der Spur ist, bleibt Picard, der ohnehin nichts von dem Chaos im Kosmos ahnt, verborgen. Ihn plagen andere Sorgen, denn ein alter und wenig geliebter Bekannter sucht die „Enterprise“ heim: Q, das mit gottähnlicher Macht aber nicht mit Manieren ausgestattete Wesen, ist wieder aufgetaucht und ärgert den Captain und seine Besatzung mit Spott und Bosheiten.

Picard fasst sich in Geduld, denn noch nie ist Q grundlos erschienen. Tatsächlich lässt der ungebetene Besucher bald die Katze aus dem Sack: Namenlose Geistwesen haben Gorsach IX präpariert. Sein Betreten setzte den Untergang des Universums in Gang; unabsichtlich wurde das Landungsteam der „Enterprise“ zum Auslöser der Apokalypse. Verzweifelt sucht Picard nach einem Weg, das Verhängnis aufzuhalten. Das ist der Moment, auf den Q gewartet hat, der nun in die Rolle des Retters schlüpft und Picard einen Ausweg weist. Picard traut ihm nicht, zumal der lästige Spötter selbst angesichts des Endes der Welt frivole Scherze treibt. In der Tat wird aus der Mission zur Rettung des Universums eine absurde Höllenfahrt …

Bärendienst am Trekkie-Kunden

In seinem Nachwort (S. 257-262) erinnert sich Autor DeCandido an den Auftrag, dessen Erfüllung wir diesen Roman verdanken: Zum 20-jährigen Jubiläum von „Star Trek – The Next Generation“ wollte das Franchise den (zahlenden) Trekkies nicht das übliche „tie-in“-Einheitsgarn, sondern etwas Besonderes präsentieren. Dabei waren selbstverständlich die Grenzen der „ST“-Bibel zu wahren, deren eng gefasste Regeln dafür sorgen, dass sich in den Quadranten A bis D nie wirklich etwas ändert. Außerdem ging der Job an Keith DeCandido, das menschliche Pendant eines Schreibautomaten, der – mit „Star-Trek“-Fakten gefüttert – erfahrungsgemäß innerhalb der knapp gesetzten Frist präzise so viele Wörter produziert, dass sie sich zu einem Buch fügen. Dieses kommt ex in die Läden und wird hopp verkauft, gelesen und vergessen.

Was dem Franchise in unserem Fall nur lieb sein kann, denn viel Leserärger mischt sich in die Frage, worin denn der Sinn einer Geschichte wie „Quintessenz“ liegen könnte? DeCandido schlägt viel Schaum, indem er seine Story mit unzähligen Zwischenspielen und Zeitsprüngen würzt, aber als der Berg dann kreißt, gebiert er nur ein Mäuslein: „Quintessenz“ wirkt wie die hastige Zusammenfassung einer auf Notizzetteln skizzierten Handlung.

Das Ende des Universums ist wohl selten so eindruckslos wie von DeCandido beschrieben worden. Dies passt gut zu einem Roman, der sich auf recycelte „Star-Trek“-Szenarien und das detailreiche Schwelgen in der Serien-Vergangenheit beschränkt. Der Verfasser will uns dies (siehe ebenfalls Nachwort) allen Ernstes als Konzept verkaufen. Damit dürfte er nicht einmal den langmütigsten Trekkie täuschen können, denn auch er (oder sie) mussten sich ja durch jene ersten einhundert Seiten kämpfen, auf denen DeCandido gänzlich auf eine stringente Handlung verzichtet.

Stillstand im Angesicht der Apokalypse

Stattdessen erzählt er vom Alltag an Bord der „Enterprise“ nach „Nemesis“, dem verhängnisvoll gefloppten Kinofilm. Das Kern-Team hat sich verändert; Riker und Troi haben abgemustert, Data ist tot, und im Hintergrund verteilt jetzt Admiral Janeway im Auftrag der Föderations-Bürokratie Arschtritte, so gut dies über Funk möglich ist. Neue Gesichter mischen sich unter die vertrauten Figuren, und es dauert, bis man sich zusammengerauft hat: Im TV-„Star Trek“ wäre dies der Stoff für jene Zwischenszenen, in denen es kräftig menschelt, wie dies gewiss auch in der Zukunft geschehen dürfte.

Freilich wurden solche Szenen in der Regel gut getimt mit einer ‚richtigen‘ Handlung vermischt präsentiert; kein Drehbuchautor wäre damit durchgekommen, in einer Serienfolge ausschließlich die Seifenoper spielen zu lassen. Außerdem wussten die Darsteller diese Einschübe zu spielen und zur Charaktervertiefung ihrer Figuren zu nutzen. Faktisch schufen sie jenes Repertoire des Zwischenmenschlichen, das DeCandido nur wiederkäut. Sieht man die Schauspieler nicht in ihren Rollen und hört ihre Stimmen nicht, sind solche Szenen nur Zeilenfüller.

DeCandido drischt ohnehin und vor allem in der ersten Hälfte seines Romans Stroh. Mit hohem Aufwand lässt er Picards „Enterprise“, Rikers „Titan“, ein klingonisches sowie ein romulanisches Kriegsschiff oder einen Ferengi-Frachter auf Dimensionsrisse stoßen. Für die eigentliche Handlung sind diese Nebenstränge, die inhaltlich beinahe deckungsgleich ablaufen, völlig belanglos.

Für das Finale wärmt DeCandido die abgestandene Story von den überlappenden Parallel-Universen auf. Plötzlich stehen der ‚echten‘ „Enterprise“ eine vom quicklebendigen Data kommandierte „Enterprise“, eine von Wesley Crusher geführte „Enterprise“, eine von den Klingonen eroberte „Enterprise“, eine „Enterprise“ aus dem bösen Spiegel-Universum, eine „Enterprise“ … ad nauseam. DeCandido würde dies wohl eine „Reminiszenz“ nennen. Tatsächlich ist es die denkfaule Wiederholung einer verbrauchten Idee.

Fäden verknäulen, wo kein Knoten nötig ist

Zu den besseren Einfällen des „Star-Trek“-Universums gehört die Figur Q. In einem Interview, das Julian Wangler mit Keith R. A. DeCandido führte (S. 270-274) stellt dieser sehr richtig fest, dass Qs seinen Aufstieg zum Publikumsliebling der Interpretation des Schauspielers John de Lancie verdankt. Dieser beherrschte die Balance auf den schmalen Graten zwischen Witz und Lächerlichkeit, zwischen Emotion und Gefühlsduseligkeit.

DeCandido hält sich eng an De Lancies Q und tut gut daran. Sobald Q auf der „Enterprise“ erscheint, kommt endlich Dynamik ins Geschehen. Zwar ist es traurig, dass erst kindlich-kindische Herausforderung die pompös würdige „Enterprise“-Crew in Bewegung bringt, doch Q ist immerhin Q geblieben, er bricht nicht unter der Last der eigenen Wichtigkeit beinahe zusammen: Bierernst war und ist noch immer das große Problem von „Star Trek“.

Für sein Auftauchen benötigt Q einen Grund. Selbst DeCandido wagt nicht, das Ende der Welt nur deshalb zu inszenieren. Seine Alternative ist keineswegs besser, weil als reine Schnapsidee allzu deutlich erkennbar: Er zieht mysteriöse Super-Wesen, noch mächtiger als die Q, aus dem Hut, deren Zeitvertreib u. a. aus der regelmäßigen Zerstörung des Universums besteht. Sie haben das derzeitige Ende bereits vor einiger Zeit eingeleitet – und das wird plötzlich zum Grund, weshalb Q seit beinahe zwei Jahrzehnten Picard piesackt. DeCandido erzählt die wichtigsten ihrer Begegnungen nach und konstruiert einen roten Faden, der auf Gorsach IX endet. Das ist weder erforderlich noch überzeugend, DeCandido gibt Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat. (Immerhin springt ein hübscher Originaltitel dabei heraus: „Q & A“ = „Questions & Answers“) Q ist ein Synonym für Unberechenbarkeit, die der Figur erhalten bleiben sollte.

Somit reiht sich „Quintessenz“ unrühmlich in die Reihe der ‚neuen‘ Abenteuer der „Next Generation“ ein. Was in 45 Fernseh-Minuten womöglich unterhalten könnte, langweilt, wenn es auf mehr als 250 Seiten ausgewalzt wird. Die Idee trägt nicht über diese Distanz, und DeCandido dürfte dies wissen. Doch bis der irritierte, vom „Star-Trek“-Gütesiegel gelockte Leser diesen „Jubiläums-Roman“ in der Hand hält, hat der fleißige Verfasser längst zwei, drei weitere „tie-in“-Romane fabriziert. Das Franchise setzt auf Masse statt Klasse, auf die bekannte Trekkie-Treue und auf den Sammeldrang der Fans, die auch Schlapp-SF wie „Quintessenz“ einen Platz in ihrem Bücherregal einräumen – interessant aber traurig, wie gut dieses System funktioniert!

Autor

Keith Robert Andreassi DeCandido wurde am 18. April 1969 in New York City, Stadtteil Bronx, geboren. Er studierte an der Fordham University und fungierte als Herausgeber der Universitäts-Zeitung. Diese Erfahrung war nützlich, denn nach seinem Abschluss arbeitete DeCandido für verschiedene Verlage. Außerdem produzierte er (mit John Drew) Anfang der 1990er Jahre eine TV-Show für das Privatfernsehen von Manhattan. „The Chronic Rift“ beschäftigte sich mit Science Fiction; die Show lebt bis heute als Podcast weiter.

Als Autor wurde DeCandido Ende der 1990er Jahre aktiv. Von Anfang an spezialisierte er sich auf die Produktion von „tie-ins“, Romanen zu und nach Filmen und TV-Serien wie „Buffy“, „Farscape“ oder „Supernatural“. Er schrieb Geschichten, die in den Videogame-Universen von „World of Warcraft“ oder „Resident Evil“ spielten und lieferte Story-Vorlagen für zahlreiche Comics. Die meisten Romane und Storys entstanden ab 2000 für das „Star-Trek“-Franchise; DeCandido trug zu sämtlichen Serien bei. Nicht sein Einfallsreichtum, sondern sein Tempo, seine Zuverlässigkeit sowie die Bereitschaft, sich einem vorgegebenen Handlungs- und Figurenrahmen zu unterwerfen, ließen ihn zu einem der begehrtesten „tie-in“-Autoren überhaupt aufsteigen. Bereits im Alter von 40 Jahren erhielt DeCandido 2009 einen „Lifetime Achievement Award“ der „International Association of Media Tie-in Writers“.

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Star Trek – Next Generation: Widerstand

Erstellt von Michael Drewniok am 31. Januar 2010

dillard-star-trek-ng-widerstand-coverJ. M. Dillard
Star Trek – The Next Generation: Widerstand

Originaltitel: Resistance (New York : Pocket Books 2007)
Dt. Erstausgabe: November 2009 (Cross-Cult Verlag/Star Trek – The Next Generation 2)
Übersetzung: Bernd Perplies
Cover: Tom Hallman
277 S.
ISBN-13: 978-3-941248-62-5

Das geschieht:

Endlich ist die „Enterprise“, das Flaggschiff der Föderation, nach langwieriger Reparatur der Schäden, die es im Kampf gegen den Usurpatoren Shinzon davongetragen hat, wieder startbereit. Auch die neue Besatzung ist vollständig. Die erste Reise ist eine Friedensmission und gilt als Routine-Unternehmen.

Captain Jean-Luc Picard kämpft mit dem Fortgang der meisten Senior-Offiziere, die gleichzeitig seine Freunde waren. Data ist tot, und gerade hat sich ein offenkundig seelisch angeschlagener Worf geweigert, die Position des 1. Offiziers zu übernehmen, die Picard ihm angetragen hatte. Gern würde der enttäuschte Captain den verschlossenen Klingonen vom Counselor aushorchen lassen, doch auch Deanna Troy hat die „Enterprise“ verlassen. Die Vulkanierin T’Lana soll sie ersetzen – und sie lehnt Worf mit unvulkanischer Deutlichkeit ab.

Sein größtes Problem hält Picard sorgfältig geheim: Seit einiger Zeit plagen ihn Albträume oder Visionen, in denen die Borg ihn, der einst als „Locutus“ in ihr Kollektiv assimiliert war, zu kontaktieren versuchen. Spätestens seit ihnen Captain (jetzt Admiral) Janeway im Delta-Quadranten eine vernichtende Niederlage bereiten und ihre Königin töten konnte, gelten die Borg als zerstreut und gefahrlos. Offensichtlich konnten sie sich neu konsolidieren, und nun richtet sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Alpha-Quadranten.

Mit seinem Verdacht steht Picard allein. Trotzdem bricht er die Friedensmission eigenmächtig ab und fliegt dorthin, wo tatsächlich die Borg nicht nur an einem gewaltigen Kubus arbeiten, sondern auch eine neue Königin heranzüchten, um anschließend rachedurstig über die Erde herzufallen …

„Next Generation“ 3.0

Schon wieder die Borg und ihre auf Captain Picard zwangsfixierte S/M-Queen? Was nach dem Willen des „Star-Trek“-Franchises für Freude, Spannung und gesteigerte Kauflust bei den Trekkies sorgen soll, lässt den nicht am Nasenring vom „ST“-Marketing geführten Leser die Stirn runzeln. Leider nicht zu Unrecht. Aus dem großen „Nemesis“-Knall, der es 2002 implodieren und beinahe enden ließ, hat das Franchise offenbar nicht wirklich seine Lehren gezogen. Im Film gelang inzwischen der Neustart, aber dort wurde ein radikaler Schnitt gewagt, der auf dem Buchmarkt ausblieb. Hier sollen diejenigen Trekkies aufgefangen werden, denen J. J. Abrams mit dem „Star Trek“-Spielfilm von 2009 zu weit ging.

Dabei wurde der Relaunch der „Next Generation“ generalstabsmäßig geplant. Dem gescheiterten „Nemesis“-Film folgte keine eigenständigen und separaten Abenteuer. Stattdessen erhielt die „NG“ eine achte Serienstaffel. Das hatte mit „Deep Space Nine“ gut funktioniert und wurde deshalb wiederholt. Ab 2005 entstand eine Folge von „NG“-Romanen, die sich zwar unabhängig voneinander lesen lassen, aber inhaltlich einem roten Faden folgen.

Gemächlich statt abenteuerlich

Das Konzept wirkt narrensicher: Anders als in Kino oder Fernsehen können Romanautoren problemlos auf Figuren zurückgreifen, deren Auftritte als Schauspieler viel zu teuer kämen. Da die Trekkies ihre bekannten Figuren lieben, wimmelt die neue „NG“-‚Serie‘ förmlich von ihnen. Die Autoren mussten sich nicht auf das „NG“-Universum beschränken. Crossover mit den anderen „ST“-Serien sind deshalb an der Tagesordnung. In „Widerstand“ bleibt es noch beim Namedropping – Data-Surrogat B-4 hat einen Gastauftritt, Admiral Janeway meldet sich über Funk und kündigt Seven of Nine an, selbst Katze Spot schleicht durch die Gänge –, aber das wird sich mit dem Fortschreiten der übergreifenden Handlung ändern.

Kühl kalkuliert strich das Franchise diverse „NG“-Hauptfiguren, um mit ihnen weitere Buchserien zu bevölkern; das Verfahren ähnelt der Anlage einer Pflanzung durch Ableger. So durchstreifen William Riker und Deanna Troy das All nunmehr an Bord der „Titan“; entsprechende Romane lassen sich käuflich erwerben.

Die Lücken werden mit neuen Figuren gefüllt. Sie sind jünger und müssen das aufwendige Procedere des Einlebens an Bord hinter sich bringen. Wieder einmal soll eine vulkanische Schönheit in allerlei emotionalen Verwicklungen keimfreie „ST“-Erotik generieren – geschenkt! Für weitere Seifenoper-Elemente sorgen private Traumata, die der Handlung in möglichst hohen Dosen beigemischt werden. Das drosselt das Tempo und zieht das Geschehen in die Länge. Außerdem liebt es ein nicht geringer Teil des „ST“-Publikums, wenn ihre Lieblinge im Netz zwischenmenschlicher Probleme zappeln; das gibt der Zukunft angeblich ein ‚menschliches‘ Gesicht und schafft Freiräume, in die emotional eher auf den Traum als auf die Tat setzende Leser/innen eigene Sehnsüchte & Sorgen projizieren können.

Die Furcht vor dem Neuen

Sind schon diese schaumigen Einlagen viel zu bekannt, kann auch der eigentliche Plot nicht begeistern. Richtig gute Bösewichte glänzen im „ST“-Universum schon lange durch Abwesenheit. Deshalb werden die alten Schurken wieder und wieder hervorgekramt. Die Borg waren einst ein guter Einfall. In einem Nachwort erzählt Julian Wangler ihre „ST“-Geschichte. Schon dabei wird freilich deutlich, wie das Franchise seit jeher von der Angst vor der eigenen Courage gebremst wird: Ursprünglich war das Borg-Konzept deutlich radikaler. Es wurde durch die Schöpfung der Borg-Queen verwässert. Aus gleichgeschalteten, geschlechtsneutralen, emotionsfreien und erschreckend fremdartigen Geschöpfen wurden die Drohnen einer diktatorischen, macht- und menschenmännergeilen Königin.

Auf diese Weise sollten die Borg dem Massengeschmack angeglichen werden. Tatsächlich verloren sie ihre eiskalte Bedrohlichkeit. Mit „Widerstand“ geht J. M. Dillard im Auftrag des Franchises einen Schritt weiter: Die von Picard und Janeway zweifach gekillte Borg-Queen reinkarniert und wirft sämtliche Assimilierungs-Gewohnheiten über den Haufen. Stattdessen steht Rache auf dem Programm: Die Borg tanzen nach der Pfeife einer Königin, die nur noch Menschen morden und vernichten will. Was der Bedrohung auf eine neue Ebene hieven soll, gibt den Borg den Rest: Sie degenerieren zu Allerwelts-Finsterlingen.

Dazu passt eine ebenfalls wiedergekäute „Enterprise“-Handlung. Picard wird wieder Locutus, seine Gefährten ringen geschockt die Hände, die Queen benimmt sich wie eine betrogene Geliebte. Das kennen wir, und der Aufguss ist keineswegs stärker. Klischee reiht sich an Klischee. Nur Dillards intime Kenntnis der „NG“-Historie rettet die lahme Geschichte über die volle Distanz: Nein, auch im zweiten Band ihrer neuen Abenteuer nimmt die „NG“-„Enterprise“ nicht wirklich Fahrt auf! Darüber trösten auch die gute Übersetzung der deutschen Ausgabe und die ungewöhnliche Cover-Gestaltung nicht hinweg.

Autorin

J. M. Dillard ist das Pseudonym der Schriftstellerin Jeanne Kalogridis, die am 17. Dezember 1954 im US-Staat Florida geboren wurde. An der University of South Florida studierte sie Mikrobiologie und Russische Literatur. Ab 1976 arbeitete sie zwei Jahre als Sekretärin, bevor sie für ein Studium der Sprachwissenschaft an die Universität zurückkehrte. Anschließend ging Kalegridis nach Washington und lehrte acht Jahre Englisch an der American University.

Sie gabe ihre Stellung auf, nachdem ihre parallel verfolgte Laufbahn als Schriftstellerin so gut Fahrt aufgenommen hatte, dass Kalegridis freie Autorin werden konnte. Zunächst verdingte sie sich als „J. M. Dillard“ in den Minen der „tie-in“-Industrie und produzierte Romane zu Filmen und Fernseh-Serien. Dabei spezialisierte sie sich auf das „Star-Trek“-Universum. Für das Franchise schrieb sie nicht nur für sämtliche Serien, sondern verfasste auch die Romane zu den Kinofilmen „Star Trek“ V bis X. Ihre Beiträge beschränken sich nicht auf die genaue Kenntnis der „Star-Trek“-‚Fakten‘ und schriftstellerische Routine. Deshalb gehören Dillard-Romane zu den lesenswerteren Franchise-Buchprodukten.

Unter ihrem Geburtsnamen veröffentlichte Kalogridis zwischen 1994 und 1996 eine Chronik der Familie Dracul, die lose auf Bram Stokers Horror-Klassiker „Dracula“ basiert. Ebenfalls unter ihrem richtigen Namen schrieb Kalegridis ab 2001 Historienromane. Sie verbinden Fakten mit Schmalz und sind sehr umfangreich, sodass sie eine große, vorwiegend weibliche Leserschaft finden. (3xPRT)

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B.U.A.P. Tödliches Terrain

Erstellt von Thomas Hofmann am 23. Dezember 2009

image-0021Mike Mignola, John Arcudi, Guy Davis
B.U.A.P. – Band 7 – Tödliches Terrain

Cross Cult Verlag, 2009
ISBN 978-3-936480-86-3
Comic, Hardcover, deutschsprachig
Originaltitel: B.P.R.D. Vol. 8: Killing Ground, 2008
Übersetzer: Frank Neubauer
Story: Mike Mignola, John Arcudi
Zeichnungen: Guy Davis
Farben: Dave Stewart
Umfang: 160 Seiten

www.cross-cult.de

Nun ist er endlich erschienen, der 7. Band der Hellboy-Spinoff-Serie B.U.A.P. Man hat sich im Hause Cross Cult etwas Zeit gelassen. Nun ja, gut Ding will Weile haben. Die Frage ist: Ist dieser Band denn auch ein gut Ding geworden?

Die Antwort auf diese Frage fällt nicht ganz so leicht. Hätte ich diesen Band als erstes von der Serie in die Hände bekommen, hätte ich ihn garantiert entnervt wieder weggelegt. Für einen Quereinsteiger ist er absolut nicht geeignet! Doch für den Fan der Serie und treuen Leser werden neue Mosaiksteinchen dem immer komplizierter anmutenden Handlungsgefüge hinzugefügt. Allerdings habe ich nach der Lektüre den Eindruck, dass ich nun mehr offene, denn gelöste Fragen habe. Das muss ja nicht schlecht sein, denn der Hunger nach Mehr ist so wieder angestachelt. – Doch wie lange wird es zur nächsten Ausgabe dauern?

Die Spezial-Agenten des B.U.A.P. Haben wieder sehr mit sich selbst zu tun. Dieser Zustand dauert ja bereits seit einiger Zeit an. Liz, die „Feuerbändigerin“ wird weiterhin von Träumen, die ihr die Erholung beim Schlaf rauben, gepeinigt. Die Visionen einer apokalyptischen Zukunft quälen sie. Es gibt aber Linderung. Ben Daimio, der zombiehafte Vorgesetzte der Truppe, offenbart diesmal wirklich Überraschendes und Essentielles seiner Vergangenheit; dies birgt aber enormes Gefahrenpotential für seine eigenen Leute. Seine Begegnung mit einem Jaguar-Gott im südamerikanischen Urwald blieb nicht ohne Folgen; dies wissen wir zwar auch schon seit einiger Zeit, aber hier bricht etwas Infernalisches aus. Ape ist mit einem Wendigo befasst, also einer Art Wer-Wesen Nordamerikas, dessen Gefangennahme wir bereits in „Die universelle Maschine“ miterleben durften. Der soll zurück nach Kanada, kann aber entkommen. Wer nun eine Verbindung zwischen den beiden Wer-Wesen (Daimio – Wer-Jaguar und dem Wendigo) vermutet, liegt verdammt gut. Was daraus aber noch wird, wird hier noch nicht ausgeführt.

Ach ja, und dann haben wir ja noch Johann, den „Gasmann“. Der konnte sich einen Riesenkörper aus Apes Abenteuer in Indonesien in „Garten der Seelen“ aneignen, sozusagen dort einziehen. Er genießt seine zurück gewonnene Körperlichkeit, wird dadurch aber mächtig von seinen Aufgaben abgelenkt.

Es ist also recht viel los, es wird aber nur relativ wenig zu einer Auflösung beigetragen. Entsprechend dicht wird mit grafischen und stilistischen Mitteln erzählt. Die Handlung springt seitenweise von Schauplatz zu Schauplatz, oftmals wird nur angedeutet; man muss als Leser ganz schön am Ball bleiben.

Die zeichnerische und vor allem die farbliche Gestaltung scheint mir einen weiteren Schritt nach vorn gemacht zu haben. Einige Bilder nehmen fast gemäldeartigen Charakter an, ohne insgesamt den bei Hellboy gewohnten minimalistischen Gesamteindruck zu durchbrechen. Was ebenso auffällt, sind die mitunter sehr blutigen Darstellungen, die im Detail fast in Splatter-Gefilde vordringen. Na ja, sicher kein Comic für die lieben Kleinen; dies aber auch schon nicht aufgrund des komplizierten und komplexen Plots und der entsprechenden Erzählweise.

Es war mir wieder ein Vergnügen, auf das ich leider zu lange warten musste. Und ich befürchte, dass man auch auf den Folgeband lange warten muss. Das ist etwas Schade, denn in mir lodert noch immer das B.U.A.P.-Fieber.

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Star Trek – Next Generation: Tod im Winter

Erstellt von Michael Drewniok am 20. Dezember 2009

friedman-stng-tod-winter-coverMichael Jan Friedman
Tod im Winter

Originaltitel: Death in Winter (New York : Pocket Books 2005)
Dt. Erstausgabe: September 2009 (Cross-Cult Verlag/Star Trek – The Next Generation 1)
Übersetzung: Stephanie Pannen
Cover: Martin Frei
306 S.
ISBN-13: 978-3-941248-61-8

Das geschieht:

Nach dem Tod des Klon-Praetors Shinzon befindet sich das Romulanische Reich in Aufruhr. Lange geknechtete Kolonialwelten nutzen die Gunst der Stunde, um gegen die Zentralgewalt aufzubegehren. Tal’Aura, Shinzons Nachfolgerin, sitzt nicht fest im Sattel. Ihre Kritiker will sie durch besondere Regierungsstrenge in Schach halten. Sie hat deshalb ihre Agentin Sela auf den Eisplaneten Kevratas geschickt. Diese soll jene Rebellen, die sich dort ernsthaft zu organisieren beginnen, ausspionieren, damit sie später durch einen gezielten Angriff vernichtet werden können.

In der Umlaufbahn der Erde wird das Föderationsraumschiff “Enterprise” gründlich überholt, nachdem es im Kampf gegen Shinzon fast zerstört wurde. Captain Jean-Luc Picard hat die meisten Mitglieder seiner bewährten Crew verloren. Nur Sicherheitschef Worf und Chefingenieur Geordi La Forge blieben an Bord. Selbst Dr. Beverly Crusher, Picards große und heimliche Liebe, mustert ab. Sie wurde von der Föderation auf eine humanitäre Geheimmission geschickt. Ausgerechnet auf dem Planeten Kevratas wütet seit vielen Jahren das “Blutfeuer”, eine tödliche Seuche. Die Romulaner interessiert die hohe Sterberate nicht, sodass die Kevrater die Föderation um Hilfe riefen – ein Affront gegen die Regierung, den die Romulaner nicht dulden.

Als Dr. Crusher auf Kevratas eintrifft, wird sie bereits erwartet. Kurze Zeit später gilt sie auf der Erde als verschollen und wahrscheinlich tot. Die Föderation beauftragt Picard, nach ihr zu suchen. An Bord eines Frachtraumschiffs reist er heimlich nach Kevratos. Begleitet wird Picard von Dr. Greyhorse, einem ehemaligen Kollegen Crushers, denn die Seuche soll weiterhin bekämpft werden. Die Romulaner benötigen wiederum nicht lange, um die Neuankömmlinge zu entdecken. Sie eröffnen die Jagd auf Picard und seine Gefährten, die aber deutlich schwieriger zu überrumpeln sind als Dr. Crusher …

“Nemesis” und die Folgen

Der Beinahe-Zusammenbruch des Romulanischen Reiches wurde nicht nur für dessen ehrgeizigen Praetor Shinzon zur Nemesis. Auch das “Star-Trek”-Franchise stand nach dem gleichnamigen Film von 2002 vor dem Kollaps. Ein simpel gestricktes Drehbuch mit einer wenig originellen Handlung sollte durch einen Overkill an Action und Spezialeffekten kompensiert werden. Das widersprach zu allem Überfluss auch dem Geist der “Next-Generation”-Serie, die in ihrem vierten Kino-Abenteuer von Spektakel zu Spektakel, von Charakterbruch zu Charakterbruch & von Logikfehler zu Logikfehler hastete.

Während das Franchise im Bereich Film sieben Jahren benötigte, um nach “Star Trek – Nemesis” neu Fuß zu fassen, lief das Geschäft mit den Romanen zur Serie (oder besser: zu den Serien) weiterhin gut. Da “tie-in”-Autoren nicht üppig entlohnt werden und die immensen Kosten eines Filmdrehs entfallen, barg der Plan, die “Next Generation” zumindest im Buch wieder aufleben zu lassen, nur ein überschaubares finanzielles Risiko aber viele Möglichkeiten.

Über die Planspiele in diesem Zusammenhang informiert Fun-Fiction-Autor und “Star-Trek”-Experte Julian Wangler in einem der beiden Nachworte zur deutschen Ausgabe von “Death in Winter”. Mit diesem Roman begann 2005 der Relaunch, durch den die “NG”-Saga elf Jahre nach dem Ende der TV-Serie quasi eine achte Staffel erhielt; eine Prozedur, die das Franchise zuvor mit der Fortsetzung von “Star Trek – Deep Space Nine” erfolgreich durchexerziert hatte.

“And now for something completely different …”

Im “Star-Trek”-Universum geschieht schon sehr lange nichts mehr ohne sorgfältige Vorplanung. Dass ein Franchise die Überraschung als Risikofaktor hasst, liegt in seiner Natur, die es als profitorientierte Geldmaschine definiert. Trotzdem konnte man nach “Nemesis” und “Star Trek – Enterprise” nicht einfach weitermachen wie bisher, da die Fans der alten, eher schlecht als recht über die Jahre gebrachten Muster offensichtlich müde waren.

Also wurde die “Next Generation” einem behutsamen Lifting unterzogen. Was sich in “Nemesis” ankündigte, wurde umgesetzt: Die klassische Crew der “Enterprise-E” hat sich fast vollständig in alle Winde des Weltalls zerstreut. Captain Picard muss zentrale Führungspositionen neu besetzen. Er kämpft er mit den Problemen, die ihm der Verlust seiner ‘Familie’ bereitet. Data ist tot, Commander Riker mit Deanna Troi auf die “Titan” gewechselt. Nur Worf und Geordie La Forge sind ihm geblieben; sogar Beverly Crusher ist verschwunden.

Die komplizierte, seltsame und weder in der TV-Serie noch in den Kinofilmen jemals geklärte Liebesgeschichte zwischen Picard und Crusher – von Julian Wangler in einem weiteren Nachwort rekonstruiert – ist einer der Fixpunkte von “Tod im Winter”. Zweites Standbein ist die Installation einer neuen ‘Familie’, mit der Picard auf neue Weltraum-Reisen gehen wird, wobei die individuellen Eigenheiten der ‘Neuen’ die “Star-Trek”-typischen Menscheleien garantieren werden. Die Storyline wird in der “NG”-Gegenwart nach Shinzon verankert, denn selbstverständlich giert der Trekkie nach Neuigkeiten aus der Zukunft.

“The same procedure as every year …”

Die werden ihm freilich nur tröpfchenweise verabreicht. Der “NG”-Relaunch weist leider nur zu gut bekannte Mängel auf. Mit “Tod im Winter” startet eine neue Serie. Dieser erste Band ist vor allem Einleitung. Ständig werden große Neuigkeiten – Revolution auf Romulus! Meuterei in der romulanischen Flotte! Die “Enterprise-E” wird runderneuert! – angekündigt, die jedoch höchstens ansatzweise umgesetzt werden. “Tod im Winter” bleibt eine 300-seitige Ouvertüre. Der Leser wird auf kommende Bände vertröstet und mit einem x-beliebigen Planetenabenteuer abgespeist.

Denn Beverly Crushers und Picards Odysseen auf dem Eisplaneten Kevratas bilden simple “Star-Trek”-Routine, wie wir sie aus mehr als 170 TV-Episoden kennen. Es wird gefangen, geflüchtet, gerauft & in letzter Sekunde entkommen. Die Kevrater bleiben blass bis nichtssagend, ihr gar grausames Schicksal – Seuche & Romulaner-Knute – lässt kalt. Vor dem geistigen Auge des Lesers erstehen dazu die typischen “Star-Trek”-Pappkulissen, die von den üblichen, in exotische Lumpen gekleideten und notdürftig maskierten Statisten bevölkert werden.

Auch die politischen Verwicklungen im Romulanischen Imperium drehen sich im Kreis. Tal’Aura, Sela & Co. benehmen sich so eindimensional brutal und gemein, wie es die Romulaner seit jeher zu tun pflegen. Die dabei zelebrierten S/M-Rituale wirken eher lächerlich als erschreckend. Schon immer projizierte “Star Trek” leicht verfremdete irdische Moralvorstellungen und Glaubensfragen auf pseudo-exotische ‘Außerirdische’. In “Tod im Winter” sind es halt Romulanismen, die ermüdend breitgetreten werden, statt endlich so etwas wie eine Handlung in Gang zu bringen.

Alte Besen kehren – aber nicht gut

Wie sollte auch ein echter Neuanfang gelingen, wenn aufgerechnet ein Autor wie Michael Jan Friedman angeheuert wird? Friedman gehört zu den Veteranen des “Star-Trek”-Franchises. Er schreibt seit zwei Jahrzehnten Romane zu allen bekannten Serien, außerdem Drehbücher und Scripte für “Star-Trek”-Comics. Sein zweifellos profundes Hintergrundwissen ließ er darüber hinaus in diverse “Star-Trek”-’Sachbücher’ einfließen. Kurz gesagt: Friedman weiß, wie das Franchise-Universum funktioniert.

Das macht ihn keineswegs zu einem besonders guten Schriftsteller. Aus Sicht des Franchises ist das sekundär. Wichtiger ist: Friedman wird schreiben, was weder die strengen Trekkies, denen jedes Detail der Gesamt-Saga geläufig ist, noch die ‘normalen’ Leser vor den Kopf stoßen wird. Zudem liefert er prompt und pünktlich. Originalität und Raffinesse gehören dagegen nicht zu seinem Repertoire. “Tod im Winter” wimmelt von faulen Tricks, mit denen der Verfasser über die Runden kommen will.

So startet Friedman gleich mit zwei Prologen in die Handlung. Er täuscht damit eine Bedeutsamkeit vor, die sich bei kritischer Lektüre als nichtig erweist bzw. Seiten schinden soll. Super-Agent Manathas bleibt trotz des “San-Francisco”-Prologs ein Stereotyp, Beverly Crushers Mission auf Kevratas würde bei ersatzloser Streichung des “Arvada-III”-Prologs ebenso funktionieren. Die Gastauftritte von Worf, La Forge und Admiral Janeway sind sinnfreies “name dropping”; die alten Kämpen sollen wenigstens erwähnt werden, um nostalgische Alt-Leser zu locken.

Die Liebesgeschichte zwischen Picard und Crusher ist gleichzeitig steif und an Peinlichkeit schwer zu überbieten. Sie drückt aufs Tempo und erschöpft sich in Allgemeinplätzen. Übel ist das angeflanschte und dieser merkwürdigen Liebe gewidmete Finale, das eine entlarvende Mischung aus Klischee und Gleichgültigkeit darstellt.

Wie kann & wird das weitergehen?

Nein, “Tod im Winter” ist alles andere als ein gelungener Start in eine neue “NG”-Ära. Stattdessen passt sich dieses Garn beunruhigend gut in die endlose Reihe der “Star-Trek”-Routine-Romane ein, mit denen der Heyne-Verlag um 2000 Schiffbruch erlitt, weil sie niemand mehr lesen wollte. Ungeachtet dessen startet der Cross-Cult-Verlag, bei dem das Franchise eine neue deutsche Heimat fand, eine regelrechte “Star-Trek”-Offensive. Immer neue Reihen werden gestartet, kein Monat vergeht ohne die Veröffentlichung neuer Titel. Sollten diese immerhin schön gestalteten, sauber übersetzten und mit informativen Nachworten ergänzten Romane ihr inhaltliches Niveau nicht deutlich steigern, ist es keine Unkerei, das absehbare Ende auch der neuen “Star-Trek”-Offensive anzukündigen.

Autor

Michael Jan Friedman ist einer jener “prose mechanics”, die für die “tie-in”-Produktion unentbehrlich sind, weil sie schnell und billig Lesefutter liefern können. Vor knapp einem Vierteljahrhundert als ‘richtiger’ Schriftsteller gestartet, ließ sich Friedman schon Ende der 1980er Jahre für das “Star-Trek”-Franchise rekrutieren. Seitdem schreibt er nicht nur für alle bekannten Serien, sondern auch für neue, nur in Buchform erscheinende “Star-Trek”-Inkarnationen. Darüber hinaus scriptet Friedman “Star-Trek”-Comics, verfasst Drehbücher, ‘Sachbücher’ zum “ST”-Universum sowie alles, was das Franchise für verkäuflich hält.

Dadurch noch längst nicht  ausgelastet, stellt Friedman seine flinke, glatte Feder auch anderen Franchises zur Verfügung. Er hat diverse “Marvel”-Helden und -Schurken von Comic- zu Romanfiguren umgearbeitet oder neue Abenteuer von “Lois & Clark” erdacht. Die simplen, eingefahrenen, routiniert abgewandelten Handlungsmustern folgenden und durchaus lesbaren Romane sind für den raschen Verbrauch bestimmt, Masse ist wichtiger als Klasse. Damit ist Friedmans Werk übergreifend charakterisiert.

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The Surrogates

Erstellt von Günther Lietz am 13. Dezember 2009

Robert Venditti, Brett Weldele
The Surrogates

(sfbentry)

OT: The Surrogates
Text: Robert Venditti
Artwork: Brett Weldele
Ü: Christian Langhagen
Lettering: Amigo Grafik
Ausstattung: US-Format, Hardcover, vierfarbig, 208 Seiten
ISBN: 978-3-941248-31-1
Verlag: Cross Cult, 2009

Rechtzeitig vor dem für Januar 2010 angekündigten deutschen Starttermin des Films „The Surrogates“ veröffentlicht der CrossCult-Verlag die zugrunde liegende, gleichnamige Comic-Mini-Serie des US-Publishers „Top Shelf Productions“ als exzellent edierten Hardcover-Sammelband.

Man schreibt das Jahr 2054: enorme Fortschritte sowohl in der Robotik als auch der Computertechnologie haben es möglich gemacht, dass der Mensch nicht mehr leibhaftig mit der Außenwelt oder anderen Individuen interagieren muss, sondern sich durch menschenähnliche Roboter – sogenannte Surrogaten – vertreten lassen kann, mit denen er durch einen Virtual-Reality-Link verbunden ist, während er selbst sein künstliches Ich aus seinen sicheren vier Wänden heraus steuert.

In den Vereinigten Staaten beträgt der Anteil jener Menschen, die durch diese Simulacra nicht nur im Privaten, sondern auch in ihrer Funktion als Staatsbedienstete – Polizisten, Feuerwehrleute, etc. -  ein Leben des schönen Scheins führen, welches ihnen in früheren Zeiten verwehrt gewesen wäre, über 90 Prozent. Ein Gegenbild zu dieser an Äußerlichkeiten orientierten Gesellschaft wird von der religiös motivierten Anti-Surrogaten-Ideologie der Dread-Bewegung entworfen, welche im Jahre 2039 einen gewalttätigen Aufstand probte und in dessen Folge ein Reservat für sich erstreiten konnte, zu dem die Roboter keinen Zugang haben.

Die sichere und heile Welt von Polizei-Lieutenant Harvey Greer und seinem Partner, Sergeant Pete Ford, bekommt Risse, als ein Terrorist auftaucht, der versucht, die Menschen aus ihrer selbst gewählten Isolation zu befreien, indem er mit der Botschaft, „Lebt!“, Surrogaten mittels gigantischer Stromschläge zerstört.

Nachdem auch Greers künstliches Ich ein Opfer des Täters geworden ist und die Spur zudem in das Reservat der Dreads und zu deren Anführer, dem Propheten Zaire Powell III, zu führen scheint, entschließt sich der Polizist, die Ermittlungen in persona zu führen, was nicht nur bei seinem Partner, sondern auch seiner Ehefrau für Unverständnis sorgt. Doch die Spur zu den religiösen Fanatikern verläuft im Sande, denn der Terrorist erweist sich selbst ein Surrogat, allerdings ein ganz besonderes Modell. Als schließlich auch der Prophet den Tod findet, droht die Lage zu eskalieren. Ein erneuter Aufstand der Dread-Bewegung, welcher in einem Blutbad enden wird, scheint unausweichlich, sollte es Greer nicht gelingen, den wahren Drahtzieher dingfest zu machen.

Ökonomisch erfolgreiche dystopische Gesellschaftsentwürfe, die ohne Superhelden, ohne     Gewaltexzesse und/oder ohne hohlen Pathos auskommen, sind im US-amerikanischen Comic nach wie vor Mangelware. Umso erstaunlicher ist es, dass Vendittis ruhig inszenierte „Social SF“-Tristesse nicht nur von den üblichen Verdächtigen – verkopften Kritikern – sehr wohlwollend aufgenommen wurde, sondern auch den Geschmack eines breiten Publikums zu treffen scheint. Das lässt für das Genre hoffen.

„The Surrogates“ ist die Abrechnung mit einer Gesellschaft, in der sich das Individuum zunehmen über den äußeren Schein definiert, in der Rassen- und Geschlechtsunterschiede faktisch egalisiert sind und sich die Schichtzugehörigkeit allenfalls über die Ausstattung des Roboters erahnen lässt, einer Gesellschaft, in der Freiheit und Gleichheit zu bloßen Derivaten von Äußerlichkeit verkommen.

In der Figur des Polizisten Harvey Greer dekliniert Venditti die Kehrseite der perfekten Selbstinszenierung durch, die Sinnlosigkeit der Existenz, das Fehlen von Nähe und den Mangel an persönlichem Glück in einer Welt, in der die menschlichen Grenzen den Grenzen einer Technologie entsprechen. Dabei geht der Autor in seiner Auseinandersetzung behutsam vor und verzichtet weitgehend auf einen gen Himmel gereckten moralischen Zeigefinger, zumal auch die Ideologie der Dreads wegen ihrer fundamental-religiösen Attitüde und einer innewohnenden Perspektivlosigkeit nicht als tragfähiger Gegenentwurf zur Surrogaten-Welt taugt.

An dieser Stelle kommt das grandiose Artwork Weldeles zum Tragen: seine monochromen, in trüben Farben kolorierten Bilder, die skizzenhaften, vor den Hintergründen verschwindenden, durchsichtigen Figuren, denen es an eigener Körperlichkeit zu mangeln scheint, konterkarieren visuell vom ersten Panel an das vollmundige Versprechen der Technologie, „Das Leben … nur besser!“.

„The Surrogates“ unterscheidet sich mit seinem ganzheitlicheren Ansatz auch konzeptionell vom normalen Comic-Mainstream. Zum einen erhält die Welt des Jahres 2054 durch eingestreute fiktionale Textbeiträge zusätzliche Tiefe, wobei diese Texte allerdings für das Verständnis des Comics nicht notwendig wären, zum anderen erzeugt eine real erscheinende Anzeigen-Kampagne der fiktiven Firma „Virtual Self Industries“ mit hochemotional inszenierten Botschaften, deren suggestiver Wirkung man sich kaum entziehen kann, ein großes Maß an Beklemmung sowie ein Gefühl der Manipulierbarkeit.

Eine umfangreiche Galerie von Front- und Backcovern, informative Einblicke in den künstlerischen Schaffensprozess, an dessen Anfang das Skript und an dessen Ende die fertige Seite steht, eine Pinup Gallery, für die unter anderem Comic-Größen wie Greg Ruth („Freaks of the Heartland“) oder Steve Lieber („Whiteout“) Beiträge geleistet haben, sowie ein Interview mit den beiden kreativen Köpfen hinter dem Comic lassen in editorischer Hinsicht keinerlei Wünsche offen und belegen einmal mehr Cross Cults Anspruch, dem deutschen Publikum nicht nur inhaltlich hochwertige Comics zu offerieren.

Ein inhaltlich wie grafisch grandioses SF-Comic, das auch in seinen konzeptionellen Ansatz über das hinaus geht, was uns der amerikanische Comic-Markt regelmäßig beschert.

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Bergeweise Trümmer

Erstellt von Günther Lietz am 13. Dezember 2009

Eric Powell
Bergeweise Trümmer

(sfbentry)

Serie: The Goon Band 4
OT: The Goon: Heaps of Ruination
Text & Zeichnungen: Eric Powell
Hellboy Sequenz und Dialog: Mike Mignola / Farben: Dave Stewart
Farbliche Unterstützung: Robin Powell, Shaynne Corbett, Barry Gregory und Ben Coke
Ü: Frank Neubauer
Lettering: Amigo Grafik
Ausstattung: A5, Hardcover, vierfarbig, 144 Seiten
ISBN: 978-3-941248-23-6
Verlag: Cross Cult, 2009

Goon und Franky hängen wie so oft in oder – besser – in der Nähe von  „Norton’s Bar“ rum, als sie der gespenstische Hilferuf des zombiefressenden Zombies Bussard erreicht, welcher als Gefangener des Namenlosen Priesters und dessem Lakaien Grave allerlei enervierende Foltereien zu ertragen hat. Gutherzig wie die beiden Schwerenöter nun einmal sind, sammeln sie ihre Verbündeten – die grenzdebilen Mudd-Brüder, Werwolf Merle sowie Dr. Hieronymous Alloy – begeben sich zum Turm des Zombiepriesters und kloppen sich durch Horden untoter Kreaturen den Weg zu Bussard frei.

Nach getaner Arbeit jedoch hält das Leben weitere Fährnisse für unsere Helden bereit: sei es das vielaugige Alien, das mit seinem gewaltsamen Dahinscheiden unter Goons Fäusten in einem quasi letzten Aufbäumen einen gigantischen, spanisch radebrechenden, Godzilla-ähnlichen Sauroiden namens „El Lagarto Hombre“ gebärt, seien es tantakelbewehrte Kreaturen des bösen Priesters, die Goon und Franky mit tatkräftiger Unterstützung eines roten Typen mit abgesägten Hörnern und einer steinernen Faust in dampfenden Schleim verwandeln, oder sei es die untote, vampirische Schönheit, die zwar Franky in einen liebestollen Idioten verwandeln kann, bei Goon jedoch auf emotionales Granit beißt und daraufhin ihrerseits ihr kaltes Herz für grobschlächtige Kerle entdeckt.

Aliens, haushohe Monster, mehr oder weniger wahnsinnige Wissenschaftler, tonnenweise stinknormale Zombies und einige bizarre Wesen sind die Zutaten, die auch den vierten Band der Goon-Reihe zu einer kurzweiligen, an Absurdität kaum zu überbietenden Tour de Force durch die Stereotype der Pulp-Literatur werden lassen.

Doch dieser vierte Band zeichnet sich nicht nur durch beinharte Action aus, sondern durch den Auftritt zweier besonderer Figuren: Hellboy, der als Geschöpf Mike Mignolas schon seit Jahren Kultstatus besitzt, und  El Lagarto Hombre, jene mexikanische Riesen-Echse, die ganz einfach Kultstatus erringen muss (alles andere ließe mich von meinem Comic-Glauben abfallen). Ein winziger Wermutstropfen trübt allerdings in diesem Zusammenhang das Gesamtbild, denn – wie so oft bei Cross-Overs – wird die Geschichte um Hellboy und Goon keinem der beiden Charaktere wirklich gerecht, verlieren beide im direkten Vergleich eher, als dass sie von Synergien profitieren.

Im Artwork gelingt Powell nach wie vor nicht nur die mitreißend dynamische Visualisierung von Gewaltexzessen, sondern auch der Entwurf beeindruckend markanter Figuren mit sehr hohem Wiedererkennungswert.

Als redaktionelles Schmankerl bietet Cross Cult neben einigen Zeichnungen aus Powells Skizzen-Buch ein nicht ganz ernst gemeintes, satirisches Rezept für das Entwerfen von Cross-Overs sowie  einen notgedrungen oberflächlichen, historischen Abriss über Team Ups und Cross Overs  auf dem amerikanischen Comic-Markt.

Geil!

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