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neuauflage

Die schwarze Göttin

Erstellt von Werner Karl am 21. August 2011

Guy Davis, John Arcudi, Mike Mignola
Die schwarze Göttin
B.U.A.P. 9

CrossCult, Cross Cult; Auflage: 1., Aufl. (April 2011)
ISBN-13: 978-3-942-64929-2
Comic & Mangas
Hardcover, vierfarbig
Umfang 150 Seiten

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Wie es ausschaut, ist dies der vorletzte Band. Das könnte auch gut sein, denn die Handlung lässt sich nicht mehr steigern. Alles zielt auf das dicke Ende hin.

Die Kerntruppe der B.U.A.P. ist auf der Suche nach ihrer Mitstreiterin, Liz Sherman, die in dem Vorgänger-Band von einem Magier entführt wurde. Dabei müssen sie auch herausbekommen, mit wem sie es hier als Entführer zu tun haben. Neben dieser sehr persönlichen Geschichte kochen die latenten weltbedrohenden Gefahren hoch. Die „Frösche“, die Krieger aus der erdinneren Hohlwelt und andere Monster suchen die Erdoberfläche heim, haben in Band 8 bereits München zerstört und rücken auch hier massiv an.

Ihr neuer Feind heißt Martin Gilfryd, der im 19. Jahrhundert zum Magier und Wissenden heran reifte. Seine Rolle stellt sich nun im Zuge der Recherchen und seiner Selbstdarstellung, der in Band 9 erfreulicher Weise breiten Raum gewährt wird, als eine ganz andere dar, als zuvor. Er verkörpert ein altes, hyperboreaisches Erbe, will die mysteriöse Vril-Kraft nutzen und ist wohl nicht das weltenzerstörende Monstrum, für das sie ihn halten.

Die Autoren greifen also mal wieder tief in die Neue-Mythen-Hokuspokus-Kiste. Allerdings wird über diese Zusammenhänge, die viel erklären, die auch den Bogen zu einem Urahnen der B.U.A.P, Lobster Johnson, schlägt, eher erzählt. Die eigentliche Handlung beseht – mal wieder, muss ich leider schreiben – aus einer großen Klopperei. Der dramaturgische Aufbau des Buchs ähnelt sehr dem Vorgänger: Anfangs wird viel und oft auch kryptisch erzählt. Schnelle Bild- und Zeitebenen-Wechsel machen den Leser fast nervös. Dann kommt es zu einer großen Schlacht, diesmal wieder im Tibet. Wir sind wieder da, wo es in Band 1 begann; der Kreis schließt sich; noch ein Indiz, dass es nun bald zu ende geht mit der Serie…

Den Leser erwarten also viele Offenbarungen, Erklärungen und Zusammenhänge. Fäden werden zusammen gefügt. Das ist gut so. Am Ende fällt auch eine Entscheidung. Die mag dann noch nicht so sehr überraschen. Wenn der Magier Recht behält, war es ein Fehler, was Abe Sapien und seine Leute taten, aber es war erst mal befreiend.

Interessanter Weise kam mir Abe diesmal wilder und ungestümer, bedrohlicher vor. Das mag aber an der Aura liegen, die Gilfryd umgab. Der Gas-Mann Johann Kraus hatte auch darunter zu leiden, bzw. wurde zum „Täter“, eher wider Willen…

Den Betrachter erwarten im ersten Teil viele Szenenwechsel und dann großartige Schlachtpanoramen. Hier wird diesmal nicht gekleckert, das kann ich schon mal verraten.

In dem Nachwort wird von einem Wrestler aus den 50ern erzählt, der wohl das Vorbild zu Lobster Johnson wurde; recht interessant.

Copyright © 2011 by Thomas Hofmann

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Deimos

Erstellt von Günther Lietz am 27. Juni 2011

Mike Grell
Deimos
The Warlord, Band #2

(sfbentry)

OT: Showcase Presents: Warlord Volume One
Autor & Zeichnungen: Mike Grell
Tusche: Mike Grell, Joe Rubinstein, Vincew Colletta
Ü: Christian Langhagen
Lettering: Rowan Rüster / Amigo Grafik
Ausstattung: HC, 17×26 cm, sw, 208 Seiten
ISBN: 978-3-941248-88-5
Verlag: CrossCult, 2010

Der zweite Hardcoversammelband aus Cross Cults Warlord-Reihe enthält neben einem redaktionellen Teil – eine Galerie der Original-Cover sowie den ersten Teil eines umfangreichen Interviews mit Mike Grell – die Hefte #11 bis #21, wie gehabt als Schwarzweiß-Edition.

Den Auftakt dieser Ausgabe bildet eine Geschichte, in der Morgan Travis’ Mitstreiter – die russische Ex-Wissenschaftlerin Mariah sowie der ehemalige Gladiator und Herrscher Machiste – über den Charakter des Warlord sinnieren, indem sie gemeinsame Erlebnisse Revue passieren lassen.

Doch Skataris bietet wenig Raum für Kontemplation; schon bald steht den drei Freunden ein Feind gegenüber, der von der Oberwelt kommt, mit modernsten Waffen ausgerüstet ist und der Travis aus persönlichen Gründen den Tod geschworen hat. Und in der Tat gelingt es dem Eindringling um den Preis seines eigenen Lebens, den Warlord an die Schwelle und in das Reich des Todes zu führen, in ein Reich, in dem nur Morgans Willenskraft den Unterschied zwischen Leben und endgültigem Vergessen ausmacht.

Sobald der Held aus dem imaginären Reich zurückgekehrt ist, begibt er sich in Begleitung Mariahs und Machistes in die Stadt Shamballah, wo er seine Geliebte, Tara, vermutet, nicht ahnend, dass er damit das Herz der Russin bricht, die sich in heimlicher Liebe zu ihm verzehrt. Kaum dass sie die Stadt erreicht haben und er Tara in seine Arme schließen will, entbrennt zwischen den beiden Frauen zwar ein hitziger Kampf, doch erst als Machiste sich von ihm lossagt erkennt Travis – zu spät – die Gefühle Marahs. Doch die unerwiderte Liebe ist nicht die eigentliche Überraschung, die Shamballa für ihn bereit hält: es ist ein Baby, ein Sohn, den er gemeinsam mit Tara hat.

Das Familienglück ist jedoch von nur kurzer Dauer: nicht nur, dass eine unbekannte energetische Kraft die Stadt aus dem Untergrund zu bedrohen scheint, auch der totgeglaubte Erzmagier Deimos ist zurückgekehrt und entführt das Baby, um die Eltern zu treffen. Für Tara und Travis beginnt damit eine Quest, die sie zu gefährlichen Orten führt, die sie auf unbekannte und tödliche Gegner treffen lässt und die schlussendlich in einem Kampf auf Leben und Tod zwischen dem Warlord und seinem magisch gealterten Kind gipfelt.

Auch der zweite Sammelband präsentiert einen munteren Genre-Mix aus Fantasy, SF, klassischer Abenteuer-Story und Superhelden-Comic, wobei die Geschichten und insbesondere die Figuren einen anachronistischen, angestaubten Charme versprühen. Handeln und – übertriebenes – Posing in Rollenbildern und -stereotypen, die in modernen Comics in der hier dargestellten Vordergründigkeit zu einer echten Rarität geworden sind, lassen Gedanken an “Das Lied von der Glocke” von Friedrich Schiller aufkommen: … Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben, muß wirken und streben und pflanzen und schaffen, erlisten, erraffen, muß wetten und wagen, das Glück zu erjagen …..  Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder, und herrschet weise im häuslichen Kreise, und lehret die Mädchen und wehret den Knaben, und reget ohn Ende die fleißigen Hände, und mehrt den Gewinn mit ordnendem Sinn …

Zwar versucht Grell, in der ersten Geschichte seinem Helden einen Hauch von Softness zu verleihen, indem er ihn beim Anblick eines getöteten Einhorns in Tränen ausbrechen lässt, doch – abgesehen davon, dass diese Szene für sich genommen deutlich zu dick aufgetragen und fast schon bizarr wirkt – stützt die Behauptung heldischen Sanftmutes spätestens ab der zweiten Story wieder haltlos in sich zusammen, wenn es für Travis Morgan heißt: Brust raus, Bauch rein, aufrechte Haltung, das Kinn kühn nach vorne gereckt, den Blick in weite Fernen schweifen lassen.

Womit wir beim Artwork wären: nach wie vor leidet diese Edition am Fehlen von Koloration. Die hochdynamischen Zeichnungen und Seiten-Layouts, die die klassischen Paneleinteilungen regelmäßig sprengen, sind zu filigran, zu überfrachtet – und das nicht nur mit Schraffuren – und oftmals zu kontrastarm, als dass sie ohne farbliche Ausdifferenzierung den Blick zu führen oder hinreichend lange zu halten vermögen

Leichte, lockere Abenteuer-Comics, die zwar inhaltlich nicht mehr ganz zeitgemäß sind, die aber dennoch unangestrengte Unterhaltung bieten und noch unterhaltsamer sein würden, hätten man ihnen etwas Farbe spendiert.

Copyright (c) 2011 by Frank Drehmel

Bei Buch24.de

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Verlorene Seelen

Erstellt von Werner Karl am 9. März 2011

David Mack
Verlorene Seelen
Star Trek: Destiny 3

Star Trek – Destiny: Lost Souls, USA, 2010
Cross Cult, Asperg, 10/2010
TB, Science Fiction
ISBN 978-3-941248-85-4
Aus dem Amerikanischen von Stephanie Pannen
Titelbild von Paramount Pictures Corporation

www.cross-cult.de
www.startrekromane.de
www.davidmack.pro/
www.paramount.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Lage im Alpha-Quadranten spitzt sich im dritten Band der neuen Romanserie „Star Trek: Destiny“ zu: Noch immer sind die Borg auf dem Vormarsch, und diesmal scheint nichts und niemand sie aufhalten zu können. Die bekannten Zivilisationen kämpfen nur mehr noch um ihr Leben, und langsam macht sich Resignation breit. Wenn es jetzt noch Rettung geben soll, dann muss ein Wunder geschehen. Das wissen auch Ezri Dax und Jean-Luc Picard, die mit ihren Schiffen immer noch an vorderster Front stehen und nach Lösungen suchen. Vor allem der Captain der Enterprise hat viel zu verlieren.

Da kehrt überraschend Captain Riker mit der U.S.S. Titan zurück. An Bord befindet sich ein Hoffnungsschimmer: Captain Hernandez aus dem 22. Jahrhundert, die lange Jahre bei dem zivilisatorisch und technisch hochstehenden Volk der Caeliar gelebt hat und nun hofft, den Menschen und anderen Völkern der Föderation helfen zu können. Sie hat der Titan die Flucht aus dem Machtbereich ihrer Retter ermöglicht, auch wenn die Crew dafür ihr Außenteam zurücklassen mussten. Aber vielleicht ist das die letzte Hoffnung für Deanna Troi und ihr ungeborenes Kind, die beide im Sterben liegen.

Riker leidet schwer darunter, sie verlassen zu haben, aber nun konzentriert auch er sich mit den anderen auf die Krise und den letzten Kampf gegen die Borg. Denn Captain Hernandez hat einen überraschenden Vorschlag. Dank der Veränderungen an ihrem Körper kann sie sich den kybernetisch-physischen Wesen anpassen und zu einer Königin werden, die das Volk zu kontrollieren vermag. So bereitet man sie als Köder vor. Der Plan gelingt, enthüllt aber auch eine schreckliche Wahrheit, mit der niemand gerechnet hat, nicht einmal die Caeliar. Captain Hernandez erkennt Zusammenhänge und Verbindungen zu dem Zwischenfall, den sie mit ihrem Schiff ausgelöst hat, und Ereignissen, die bald siebentausend Jahre zurückliegen. Sie lassen die Borg plötzlich in einem ganz anderen Licht dastehen.

Kann es eine lebensbejahende Lösung für den Krieg geben, der die Galaxis auszulöschen droht? David Mack bejaht dies und demonstriert in seinem Roman auch, wie das vonstatten gehen kann. Nun führt er die Fäden, die er in den anderen Bänden ausgelegt hat, gelungen zusammen und zeigt, wie die einzelnen Ereignisse und Handlungsebenen miteinander verbunden sind und wer welche Auswirkungen verursacht hat. Dabei bleibt er seinem Stil und der inhaltlichen Richtung treu, die sich sehr stark an die Direktiven von Gene Roddenberry anlehnen. Die wissenschaftlichen Erklärungen wirken im Kontext glaubwürdig und sind nachvollziehbar, offensichtliche Logikfehler gibt es keine.

Dennoch verliert die Geschichte nicht an Spannung. Dadurch, dass er sich bewusst auf die Menschen konzentriert und die Geschehnisse aus der Sicht von Einzelschicksalen erzählt, bleibt auch der Zuschauer nahe an der Dramatik und fiebert mit. Obwohl der Autor von Schauplatz zu Schauplatz springt, kommt man nicht durcheinander, da man sich die Personen sehr gut einprägt und problemlos wiedererkennt. Tatsächlich läuft das Kopfkino an und entführt mehrere Stunden in eine andere Welt, weil man den Roman nicht aus der Hand legen kann, der am Ende auch noch mit einem netten Twist aufwartet.

Alles in allem ist „Verlorene Seelen“ ein angemessener Abschluss der Trilogie „Star Trek: Destiny“, da alle Fragen angemessen, intelligent und stimmungsvoll beantwortet werden, die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden ist. Setting und Figuren entsprechen ebenfalls dem Bild, das man aus der TV-Serie kennt. Fans und ‚normale‘ SF-Leser werden jedenfalls gleichermaßen zufrieden sein.

Copyright © 2011 by Christel Scheja (CS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Hellboy 11: Der Krumme

Erstellt von Thomas Hofmann am 13. Februar 2011

Hellboy 11: Der Krumme
von Duncan Fegredo, Mike Mignola, Richard Corben

A5, Hardcover, vierfarbig,192 Seiten
ISBN 978-3-941248-78-6

www.cross-cult.de

Titel bei erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Vermutlich haben die meisten Leute diese Hellboy-Geschichte nie zu Gesicht bekommen.“ Schöner Satz, irgendwie. Wenn der auch zu einer der Stories des Bandes ausgeführt wurde, so denke, ich dass er – so formuliert – auf alle Stories zutrifft. Ist aber nicht schlimm, denn so gänzlich unpopulär ist der Rote lange nicht mehr!

Wurde bis Band 10 (der deutschen Ausgabe) die Story um Hellboy vorangetrieben, lässt der 11. Band etwas Ruhe eintreten. Die hier versammelten Erzählungen boten in erster Linie anderen Zeichner als dem derzeitigen Stamm-Zeichner die Möglichkeit, sich im HB-Universum auszutoben. Allerdings gibt sich der Meister – Mike Mignola – auch die Ehre. So befindet sich hier also die derzeit letzte Story, die Mignola auch gezeichnet hat.

Die Erzählungen setzen irgendwie auch in der Meta-Geschichte an, sind aber zum Teil den Ereignissen des vorherigen Bandes vorangesetzt, erklären ein paar Figuren. Insofern ist das, was hier erzählt wird, auch wichtig für den Fortgang des Mythos um den Höllenjungen.

Ich fange mal von hinten an.

„Wie Koschej unsterblich wurde“ und „Baba Jagas Festmahl“ greifen wieder einmal in die Schatzkiste russischer Folklore und Märchen, wo sich Mignola ja schon des öfteren bediente. Dies kann man nicht oft genug hervorheben, meine ich, denn es ist sicher nicht alltäglich, dass ein US-Amerikaner auf russische Motive zurückgreift, um diese auch in ihrer Exotik und bizarren Wirkung voll zur Geltung kommen zu lassen. Da ist mehr als nur der „böse Russe“ als Feind ehrenwerter westlicher Geheimagenten oder so.

Mignola sucht auf der ganzen Welt nach Sagen, Märchen, Legenden, die er verwenden kann; er hat daran ein echtes Interesse und präsentiert sie hier einem interessierten Publikum. Das macht neugierig.

Hmm, nun kam mir bei der Lektüre ein – wahrscheinlich abwegiger – Gedanke: Sein Interesse Russland und der Name „Hellboy“: Ob – vielleicht – Mignola die russische-sowjetischen Schriftsteller Boris und Arkadi Strugazki kennt? Erschienen sind sie ja auch in den USA. Das gibt es so eine Erzählung, auf Deutsch: „Der Junge aus der Hölle“. Klar, hat mit der Figur des Hellboy reinweg gar nichts zu tun. Und soweit ich es finden konnte, war der amerikanische Titel: „The Kid from Hell“ (erschienen 1982 in dem Band „Escape Attempt“, im Macmillan Verlag). Na ja, aber es könnte ja sein…

Die Geschichte um den unsterblichen Krieger Koschej, der HB in Band 10 das Leben schwer machte, kommt gänzlich ohne HB aus. Es wird seine Biografie beleuchtet. Er war nicht immer der Bösling, wurde aber betrogen und halbtot von einem Drachen adoptiert. Das hat so sein Vorzüge, aber auch Nachteile.

Ebenso in der Short-Story um die Hexe Baba Jaga. Sie wird von einem ihrer Opfer ordentlich geleimt. Ist ein bisschen makaber…

Die längste Geschichte ist einem Weird Tales Autor gewidmet, der etwas in Vergessenheit und in den Schatten der Großen des Genres geraten ist: Manly Wade Wellman. Wie man schnell herausbekommt, ist durchaus auch im Deutschen einiges von ihm erschienen. Allerdings hat sich da im literarischen Gedächtnis nicht viel festgesetzt zu haben. Schön, dass er hier ausführlichst in einem Nachwort vorgestellt wird.

Er widmete sich unter anderem verstärkt der Mythologie der Apalachen. Die Wälder verbergen so einige dunkle Geheimnisse. Auch hier lohnt es sich, mal nachzuforschen, denn es ist schon interessant, wie sich im Grunde in kurzer historischer Zeit eigenständige Kulturen abgelegener, isolierter Menschengruppen herausgebildet haben, die auch von den Kreuzungen und Begegnungen europäischer Siedler und amerikanischer Ureinwohner ableitete. So werden hier z.B. die Melungeous erwähnt, von denen ich zuvor nie was gehört hatte.

Die lange Titelstory wurde von Richard Corben gezeichnet. Ich muss gestehen, dass mir sein Stil am Ende doch nicht so gut gefällt. Ich kenne ihn als Autor / Zeichner leicht frivoler Fantasy-Geschichten, in den großbusige Damen die Hauptrolle spielen. Das kann er. Nun ja, da guckt man auch gerne hin. In die unheimlichen Gefilde der Hinterwäldler passt er m.M.n nicht so sehr, denn seine Horrorfratzen wirken durch die runden Grundformen, die Corben gerne verwendet, auf mich eher lustig. Allerdings kann er sehr schön mit Schatten spielen, was durchaus eine gruslige Wirkung erzielt.

„Der Krumme“ spielt 1958, aber es könnte auch 1858 sein. Der Krumme ist so eine Figur aus den Wäldern der Apalachen, auch Mr. Witkins genannt. Er ist ein Unruhestifter, so etwas wie die böse, dunkle Kehrseite des Amerikanischen Traums. Er war einer der ersten weißen Siedler. Er heizte den Zwist zwischen den Siedler und den Indianern an, um daraus seinen Profit zu ziehen. Er war im Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der englischen Krone, spielte im Bürgerkrieg einen Doppelrolle. Irgendwann wurde er ob seiner Verbrechen gehängt, aber der Teufel schickte ihn auf die Erde zurück, um nun statt Gold Seelen zu sammeln.

Er ist in der Story der Anführer von Hexen. Wie hier Hexen dargestellt werden, habe ich bis dato selten so dezidiert und speziell vorgeführt gesehen. Das allein macht die Story sehr lesenswert!

Ein junger Mann versucht des Fluches des Krummen zu erwehren, den er sich als junger Hexer einfing. Hellboy hilft dabei, aber im Grunde kommt die Geschichte fast ohne Zutun des Roten aus.

Mein Favorit in dem Band ist „Die in Schiffen übers Meer fahren“. Hier lernte ich den Grafiker Jason Shawn Alexander. Der Mann hat’s drauf, alle Wetter! Wenn ich das richtig recherchiert habe, dann ist er auch sonst als ernsthafter Grafiker, Künstler unterwegs, also nicht nur als Comic-Zeichner, wobei ich diese Zunft keineswegs abwerten möchte.

Es geht um den Schädel des Piraten Blackbeard, der zum verfaulten Körper findet. Hier hat HB ordentlich was dreinzukloppen.

Auch wieder was gelernt: „Mr. Scratch“ ist der Teufel in frühen amerikanischen Volkssagen. Na ja, das muss man ja wissen, wenn man The Simpson sieht…

„Die Kapelle von Moloch“ – Mignolas aktuelle HB-Story (als Zeichner). Er erfindet einen Ritterorden (um sich nicht vorwerfen zu lassen, dass er nicht historisch korrekt sei, wenn er auf reale Figuren zurückgreift) und leistet by the way eine Hommage an den Künstler des Unheimlichen, Goya. Sehr fein!

Nun, auch wenn ich mich inhaltlich etwas ausgebremst fühle, da die großen, unheilvollen Entwicklungen,die Mignola in Band 10 ankündige, kein Stück vorwärts gekommen sind, so ist der Band aber sehr schön, abwechslungsreich, lehrsam, wie man lesen konnte. Insofern eine Empfehlung!

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The Rocketeer

Erstellt von Thomas Hofmann am 31. Dezember 2010

The Rocketeer
Alle Abenteuer in einem Band
von Dave Stevens
Album, Hardcover, vierfarbig, 160 Seiten
ISBN: 978-3-941248-36-6

www.cross-cult.de

Das Buch ist ein Fest! Up, up and away! Das habe ich ja lange nicht mehr gelesen. Dieser Spruch für krachige space operas passt natürlich auch auf dieses Geschichte. Hier wird pulp auf hervorragende Weise nachgeahmt. Das macht einfach Laune.

Dazu die Bilder: Der Autor und Zeichner orientierte sich an Pin Ups älterer Semester, adäquat zum Setting seiner Story. Die Personen, insbesondere die weiblichen (im Grunde ist ja eine Dame, die hier in Szene gesetzt wird) strahlen im besten Licht. Das wirkt sicher etwas theatralisch, kommt aber gut.

Allerdings sind das schon die Highlights der Rocketeer-Comics. Der Plot, die Story, das Drumherum, geben nicht allzu viel her, muss ich sagen. Es ist eine einfache Geschichte eines einfachen jungen Kerls, der in der Flugshow-Zirkusmilieu sein Glück sucht, durch einen dummen Zufall an ein streng geheimes Regierungs-Objekt gerät, weil er es Gangstern abnimmt, und sich dadurch ältlichen Gefahren aussetzt. Dabei versucht er nur, sein Glück zu machen, seiner Angebeteten zu imponieren und etwas Money zu verdienen. Ja, das war’s im Grunde.

Wer kein allzu großen Wert auf eine stimmige und vielschichtige Geschichte legt, aber dafür einfach tolle Bilder sehen möchte, ist mit diesem Band bestens betraten. Der Style der 30er und 40er hat ja auch was, aber man hätte mehr daraus machen können.

Dafür sind alle Geschichten aus den 80ern enthalten, dazu ein sehr informatives Nachwort. In Bälde wird es wohl auch Neues vom Rocketeer geben, auch wieder bei Cross Cult.

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Die universelle Maschine

Erstellt von Werner Karl am 31. Dezember 2010

Die universelle Maschine
B.U.A.P.,  Band 5

(sfbentry)
OT: BPRD: The Universal Machine
Text:Mike Mignola & John Arcudi
Zeichnungen: Guy Davis
Farben: Dave Stewart
Ü: Frank Neubauer
Lettering: Amigo Grafik
Ausstattung: 144 Seiten, HC, A5-Format
ISBN: 978-3-936480-84-9
Verlag: Cross Cult, 2008

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Roger ist tot! Gefallen im Kampf gegen die Frösche! Doch nicht alle Freunde sind bereit, den Tod des Homunkulus zu akzeptieren. Insbesondere Johann Kraus und Dr. Kate Corrigan suchen nach einem Weg, das künstliche Wesen zu regenerieren. Das Original-Manuskript des „Flamma Reconditus“ soll eine Formel enthalten, mit der sich der Körper des Toten rekonstruieren lassen könnte. Daher begeben sich Corrigan und ihr Assistent Andrew Devan nach Aleben in Frankreich, wo ein exzentrischer Sammler bizarrer Objekte das gesuchte Buch in seinem Besitz haben soll. Für die beiden B.U.A.P.-Agenten entwickelt sich die augenscheinlich leichte Studien-Reise jedoch schnell zu einem Alptraum. Corrigan wird durch ein Zeitportal in die Vergangenheit des Ortes entführt, wo sie mit dem Sammler – Thierry – um ihr Leben und das ihrer Freunde verhandeln muss und dabei Gefahr läuft, von den furchteinflößenden Bediensteten des Mannes zerfleischt zu werden. Unterdessen erfährt – und erlebt – der in der kleinen Ortschaft zurückgebliebene Devon, dass sich die Bewohner des Nachts in intelligente Monster verwandeln.

Während die beide Wissenschaftler in Frankreich um ihr Leben kämpfen, sinnieren im Hauptquartier der Behörde in Colorado Captain Daimio, Liz Sherman, Abe Sapien sowie Johann Kraus gemeinsam über die Vergänglichkeit des Lebens und geben Geschichten aus ihrer eigenen Vergangenheit zum Besten, die erklären könnten, warum sie so sind, wie sie sind; Geschichten über unerfüllte Liebe, das Grauen im vietnamesischen Dschungel oder das Mitleid erregende Schicksal eines Unschuldigen, der sich – aus dem Leben gerissen – in ein Monster verwandelt. 

Zeichnete sich der vierte Band durch vordergründige Action und eine hausbackene Story aus, so läuft in diesem fünften Teil das kreative Team zu wahrer Hochform auf. Sowohl die Einblicke in das Seelenleben und die Vergangenheit der Protagonisten, als auch der Handlungsbogen um die mysteriöse Entführung strahlen eine so fesselnde Intensität, eine so morbide und unheimliche Atmosphäre aus, dass zumindest ich das Tradepaperback gleich ein zweites Mal gelesen habe, kaum dass ich die Geschichte beendet hatte. Doch nicht nur der viktorianische Horror machen „Die universelle Maschine“ zu einem Faszinosum, sondern auch die spritzigen Dialoge bis hin zum pathetischen Schlusswort überzeugen mit ihrem lakonischen Sarkasmus, ihrer emotionalen Anteilnahme und/oder dem engagierten Interesse.

Einmal mehr herausragend sind Guy Davis’ Zeichnungen in Verbindung mit Dave Stewarts Koloration. Davis Dämonen, Monster, Mutationen gehören zum Unheimlichsten und Eindrucksvollsten, was das Genre zu bieten hat. Wo andere Künstler regelmäßig mit ihren bis ins Letzte ausgearbeiteten, fast schon fotorealistischen Gore- und Splatter-Details regelmäßig scheitern, weil im Expliziten die Langeweile wohnt und die Figuren unterm Strich einfallslos und konventionell wirken, genügen hier dem Zeichner wenige leicht gesetzte, fast schon fahrig wirkende Striche um etwas Ausdrucksstarkes zu schaffen, seien es die Bediensteten in des Sammlers Schloss, denen grafisch Motive aus Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ zugrunde liegen, ein einzigartig düsterer Wendigo, eine bizarre Jaguar-Gottheit oder die Dämonen, für die alte Kirchenschriften oder Breugel-Gemälde Pate gestanden haben könnten.

Fazit: Grafisch wie inhaltlich das bisherige Highlight der Serie: atmosphärisch dicht, originell, informativ und grandios unheimlich visualisiert.

Copyright © 2010 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Schwarze Flamme

Erstellt von Werner Karl am 30. Dezember 2010

Schwarze Flamme
B.U.A.P., Band 5

(sfbentry)
OT: BPRD: The Black Flame
Text:Mike Mignola & John Arcudi
Zeichnungen: Guy Davis
Farben: Dave Stewart
Ü: Gunther Nickel & Christian Endres
Lettering: Amigo Grafik
Ausstattung: 160 Seiten, HC, A5-Format
ISBN: 978-3-936480-23-8
Verlag: Cross Cult, 2007

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Der Krieg gegen die Frösche scheint ein aussichtsloser Kampf. So viele dieser Kreaturen die Agenten der B.U.A.P. auch töten, es tauchen Massen von neuen Wesen auf. Als es Captain Daimio, dem Homunkulus Roger, Liz Sherman und ihren Leuten schließlich gelingt, in der Kanalisation mehrere Brutmütter zu vernichten, ist dieses ein erster Lichtblick im Kampf um die Herrschaft über die Erde.

Doch die Agenten haben die Rechnung ohne den größenwahnsinnigen Tycoon – Mr.Pope – des Zinco-Konzerns gemacht. Dessen Mitarbeitern gelingt es, einige Frösche gefangen zu nehmen, sie einer Art geistiger Kontrolle zu unterwerfen und schließlich mit ihnen zu kommunizieren. Nachdem dann der Konzernlenker die Identität einer mystischen Figur namens Schwarze Flamme angenommen und sich in dieser Erscheinung zum Herren über die Froschwesen erhoben hat, verzeichnen die B.U.A.P-Agenten eine generelle Änderung im Verhalten der Ungeheuer: nicht nur, dass sie intelligenter agieren, auch ihr Mut scheint zu wachsen; und das zu einer Zeit, in der Liz Sherman, geplagt von Visionen, nicht mehr auf der Höhe ihrer feurigen Kräfte ist und Abe Sapien  Fragen nach seiner Vergangenheit zu schaffen machen.

Während der Krieg ein erstes Opfer des „inneren Zirkels“ des B.U.A.P.-Teams fordert, versucht die Schwarze Flamme, durch ein magisches Ritual einen uralten, kosmischen Dämon, Katha-Hem, zu beschwören und hat Erfolg: eine gigantische Wesenheit wandelt nunmehr über die Erde, die ganze Städte verschlingen kann; und die einzige Person, die ihr im Weg stehen könnte, ist die labile Liz Sherman.

Auch wenn der Krieg gegen die Frösche in einem gewaltigen, monströsen Finale endlich zu einem Ende gebracht wird, so stellt dieser vierte B.U.A.P.-Sammelband den bisherigen Tiefpunkt der Serie dar. Nicht nur, dass ein Mitglied der Gruppe gleichsam en passant getötet wird, was vielleicht realistisch und eventuell sogar notwendig sein mag, was aber in seiner unspektakulären Art für mich zunächst von geringer Wertschätzung des Charakters zeugt, sondern auch die anderen Figuren bleiben vergleichsweise schwach und diffus. Das Hauptaugenmerk liegt eindeutig dem Beenden des Alben übergreifenden Handlungsbogens der Froschplage zu letztlich jedem Preis; einem Preis, der hier in vordergründiger Action und einem nach klassischer Super-Schurken-Manier konzipierten Gegenspieler besteht, welcher von Guy Davis zwar stylish in Szene gesetzt wird, aber ansonsten äußerst fahl daher kommt.

So ist es überhaupt nur Zeichner und Koloristen zu verdanken, dass „Schwarze Flamme“ trotz der flachen Story unterm Strich unterhaltsam bleibt, denn gerade Davis versteht es wie kein Anderer, sowohl den kleinen Horror für zwischendurch, als auch cthuloide, kosmische, gigantische Monstrositäten beängstigend plastisch – fast schon realistisch, falls das Wort in diesem Zusammenhang überhaupt angebracht ist – in Szene zu setzen.

Fazit: Glücklicherweise macht das gewohnt grandiose Artwork die enttäuschend dahin dümpelnde Story vollends wett.

Copyright © 2010 by Günther Kurt Lietz

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Offenbarung

Erstellt von Werner Karl am 29. Dezember 2010

Offenbarung
Star Trek – Deep Space Nine

(sfbentry)
OT: Star Trek – Deep Space Nine: Avatar Book 1
Autor: S.D. Perry
Ü: Christian Humberg
ISBN: 978-3-941248-51-9
Seiten: 282
Verlag: CrossCult, 2009

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Wenige Monate sind seit dem Ende des großen Krieges, der mit der bedingungslosen Kapitulation des Dominion endete, in den Quadranten gegangen. Im Föderationsgebiet und auf Seiten der Alliierten leckt man die Wunden, zählt die Toten und bemüht sich ansonsten um den  Wiederaufbau zerstörter Infrastrukturen. Bedauerlicherweise vergisst man darüber den Schutz der stark in Mitleidenschaft gezogenen Raumstation „Deep Space Nine“, sodass der Angriff dreier Dominion-Schiffe aus dem Wurmloch heraus die fast schon als Altmetall durchgehende Station nicht nur überraschend trifft, sondern auch zahlreiche weitere Tote fordert. Für Commander Kira, welche die Nachfolge des prophetisch verflüchtigten Siskos angetreten hat, gestaltet sich dieser Überfall allerdings nur als ein Ärgernis unter mehreren: kurz zuvor wurde erstens eine alte bajoranischen Freundin, Ishanti Reyla, vor dem „Quarks“ ermordet, da sie ihr augenscheinlich etwas Wichtiges mitteilen wollte, zweitens erweist sich die mit der Ermittlung beauftragte Sicherheitschefin Ro Laren aus Kiras Perspektive als gewohnt renitent und schlussendlich findet man etwas später an Bord der Station einen getarnten Jem’Hadar, der behauptet von den Gründern geschickt worden zu sein.

Während es auf der Station drunter und drüber geht, findet Picard an Bord der Enterprise E in den Badlands eines verschollenes Propheten-Dingens, das nicht nur ein Außenteam zum Halluzinieren bringt, sondern das er als der gute Mensch, der er ist, den Bajoranern zu übereignen gedenkt. Auf DS9 sind zwischenzeitlich Ro Larens Ermittlungen im Fall der gemeuchelten Reyla mit dem Auffinden einer geheimnisvollen Prophezeiung in eine unangenehme Richtung abgedriftet, denn in diesem Text ist von vielen Tausend Toten die Rede, die im Zuge des Auftauchens des zweiten Sohnes des Abgesandten, des Kindes also, mit dem Kasidy Yates gerade schwanger geht, zu erwarten sind.

Stephani Danelle Perry gehört zu jenen typischen Serien-Tie-in-Autorinnen, die in belletristischer Hinsicht zwar wenig Lesenswertes vorzuweisen haben, die jedoch – für mich unerklärlich – immer wieder mal als Auftragsschreiberlinge ran dürfen. Immerhin – und das ist das Positive – war ich in (fast) freiwilliger Kenntnis vieler ihrer Romane auf das vorbereitet, was andere – unbedarfte – Leser dieses „Romans“ mit voller Härte getroffen hätte: Langeweile und ein dämliches Dauergrinsen ob der völlig hirnrissigen Story. Ein idiotischeres Ausgangsszenario als jenes, welches uns Perry wohl nicht ganz freiwillig präsentieren muss, ist kaum denkbar: die strategisch und taktisch wichtigste Raumstation des gesamten Quadranten wird quasi ohne Schutz gelassen, weil die Föderation auf irgendwelchen Hinterweltlerplaneten mit dem – zweifellos notwendigen – Wiederaufbau und der Beseitigung von Kriegsfolgen befasst ist; und das, obgleich ein potenziell tödlicher, hochgerüsteter und unberechenbarer Feind nur ein Wurmloch entfernt sitzen könnte. Angesichts solch taktischer bzw. strategischer Raffinesse verwundert es, dass die brillanten Födi-Führer darauf verzichtet haben, auf der anderen Seite des Transit-Tunnels in der Zone des Bösen eine sonnensystemgroße Leuchtreklame mit dem blinkenden Schriftzug „Einladung zum fröhlichen Marodieren im Alpha-Quadranten. Jem’Hadar erhalten Gruppenermäßigung“ aufzubauen.

Das strunzdumme Szenario ist das eine, langweilige Protagonisten und ein Stil, gegen den sich deutsche Steuerrichtlinien wie geballte Dichtkunst ausnehmen das andere. Daran, dass Figuren mit viel Blabla umständlich eingeführt werden, um kurz darauf einen Mitleid erregenden Tod zu erleiden, hat man sich ja schon gewöhnt – insbesondere schlechte Autoren sehen das oft als probates Mittel, um einen Leser emotional in die Story einzubinden, auch wenn es eigentlich nie klappt -, dass jedoch relativ starke Serien-Charaktere fast geschlossen zu übellaunigen Nervtötern verkommen, überfordert selbst tolerante Leser. Die ständig innerlich quengelnde Kira geht einem irgendwann so sehr auf die Testikel, dass man ihr zurufen möchte, „Ey Alte! Schieß endlich in den Wind! Geh zurück nach Bajor und bastel in einem Kloster Drehkörper-Imitate für Touristen!“. Ezri Dax und Bashirs Liaison genügt in ihrer Plattheit und Klischeehaftigkeit voll und ganz den feuchten Gedanken einer pubertierenden Zwölfjährigen, Ferengi-Nerd Nog nervt quasi von Natur aus und Picards wichtigste Aufgabe besteht darin, eine Begründung für sein Konterfei auf dem Roman-Cover zu liefern.

Einzig Ro Laren, Quark, Commander Vaughn und – man mag es nach sieben Staffeln DS9 kaum glauben – Jake Sisko, der blasse Erstgeborene seines im Wurmloch entschwundenen Alten, bringen etwas Licht in das Dunkel, wobei dieses Licht bei Lichte betrachtet kaum mehr als ein Glimmen ist. Äußerst betrüblich ist zudem, dass man das messianische Propheten- und Prophezeiungs-Gedöns erneut zu einem Aufhänger für eine Geschichte innerhalb des Star Trek-Universums macht. Fans werden zwar einwenden, dass das zu DS9 gehört wie der Dampf zur Kacke, aber nach meinem Dafürhalten wirkt – und wirkte – so etwas gerade im um Pseudo-Wissenschaftlichkeit bemühten Star Trek so deplatziert wie die Q, die allerdings im Gegensatz zum bajoranischen Vedek-Geseier wenigstens amüsant sind.

Die größten Pluspunkte dieses Romans sind erstens seine Kürze – man muss nicht allzu lange leiden – und zweitens ein chronologischer Abriss über die wichtigsten Ereignisse der TV-Show sowie eine etwas ausführlichere Abhandlung Julian Wanglers über den Dominion-Krieg selbst.

Fazit: Der ideenarme und vergebliche Relaunch-Versuch einer schlechten Autorin. Es kann mit DS9 nur bergauf gehen … allerdings noch nicht im nächsten Roman, denn der ist ebenfalls von S.D. Perry.

Copyright © 2009 by Günther Kurt Lietz

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Preisrätsel / Gewinnspiel 3 x 1 (KOSTENLOSES!) Exemplar: BUCHTITEL: Offenbarung. Star Trek – Deep Space Nine.

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Deimos

Erstellt von Thomas Hofmann am 10. Dezember 2010

Warlord 2: Deimos
von Mike Grell
US-Format, Hardcover, sw + 16 Farbseiten, 192 Seiten
ISBN 978-3-941248-88-5

www.cross-cult.de
www.thewarlord.ca

Travis Morgan ist inzwischen gut etabliert in der Hohlwelt im Innern unserer Erde; einer Welt, in der sich Atavismen aller Art toll erhalten haben: Urzeittiere und wahrlich prähistorische Verhaltensweisen der Menschen: Es wird gerne zuerst gehauen, dann gefragt.

Der Held ist zumindest äußerlich auch wirklich ein Held. Im Ersten Kapitel dieses zweiten Buches gibt es auch sehr erhabene Statements in Sachen Freiheit und Gerechtigkeit. Allerdings zeigt der Warlord immer wieder, dass ihm das Zuhauen auch so was wie Spaß bereitet. Schön ist, dass dies zum Teil vom Autor auch ironisch gebrochen wird, er seine Figuren nicht zu ernst nimmt.

Der geneigte Leser und Betrachter wird ansonsten wie im ersten Band wieder in eine sehr exotische, wilde und gefährliche Welt geworfen. Die Handlung ist ordentlich straff, nicht sehr anspruchsvoll, aber spannend und bewegt sich auch auf einen Höhepunkt zu.

Travis ist nämlich Vater geworden und der eigentlich besiegte, tot geglaubte Bösewicht Deimos erfreut sich seiner Rachegelüste, die er auslebt, indem er den Sohn des Warlord entführt.

Bei der Reise durch die exotischen Gefilde Skartaris’ erleben der Warlord, seine russische Begleiterin und sein Freund mit der Morgensternhand so einige Abenteuer.

So begegnet unser Held dem Tod persönlich – dieser tritt ihm aber in Form einer schönen Frau entgegen; na , das ist doch mal was!

Interessant, dass der Autor hier eine besondere Gestaltungsweise wählt: alle Penales sind gleich große Hälften einer Seite, längs aufgeteilt. In dieser Geschichte wird The Warlord fast philosophisch.

Erwähnenswert ist da noch eine sehr klassische UFO-Story: Aliens als letzte Überlebende ihres durch eine Supernova zerstörten Planeten suchen geeignete Menschendamen zum Erhalt ihrer Art.

Es gibt auch einen lustig anzuschauenden Mini-Magier, der über die Zeiten hinweg seinen Zauber auf die Abenteurergemeischaft ausübt.

Er findet seinen Sohn, der magisch gealtert ist und von Deimos als Waffe gegen seinen Vater eingesetzt wird. Hier gewinnt die Geschichte eine deutlich tragische Note.

Insgesamt machte die Lektüre wieder Laune; die Schwarz-Weiß-Zeichnungen zwingen zum genauen Betrachten, was sich durchaus lohnt, denn Grell kann zeichnen, das steht nun mal fest. Auch wenn die Posen seiner Figuren – wie schon zum ersten Band bemerkt – ziemlich theatralisch und überzogen wirken. Dazu, neben mitunter platten Wendungen, auch wieder flotte und ein wenig zynisch wirkende Sprüche.

Was Grell hier als Weltbild vermittelt, hat er sich im Vietnamkrieg angeeignet; aus dem Interview, der diesem Band angefügt ist, geht dies deutlich hervor; sicher ist es für den Leser nicht unwichtig zu wissen, was hinter dem Warlord steckt.

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Warlord 1: Skartasis

Erstellt von Thomas Hofmann am 21. November 2010

Warlord 1: SkartasisCover zu Warlord Band 1
von Mike Grell
Cross Cult
US-Format, Hardcover, sw + 16 Farbseiten, 192 Seiten
ISBN 978-3-941248-87-8

www.cross-cult.de
www.thewarlord.ca

The seventies rules!

Habe mich wie ein Kind auf die Lektüre gefreut und gestürzt. Selber habe ich diese Hefte natürlich nicht gelesen – damals. Das wäre ja unter „Schmutz und Schund“ aus dem „Westen“ streng verboten; daher wurde ich als DDR-Comic-Leser mit Mosaik, Fix und Fax, Antomino und Erich Schmitt sozialisiert. Na, auch nicht übel, aber…

Ja, die 70er und 80er. Habe mir beim Lesen gleich Platten von E.L.O. aufgelegt. Das waren noch Zeiten, als so ein Album eine knappe Dreiviertelstunde lief. Und ähnlich ist es mit dem Comic: Kurz und knackig, rasant, auf den Punkt gebracht. Tatsächlich – um mal Äpfel mit Birnen zu vergleichen – wenn ich mir da z.B.die aktuellen Superhelden-Comics ansehen: Viele bunte Seiten, viel Getöse, aber was passiert da eigentlich?

Nun, The Warlord ist zunächst mal nicht in Farbe. Die Herausgeber entschieden sich für eine „edle Schwarz-Weiß-Edition“. Das fordert dem Leser / Betrachter mehr Aufmerksamkeit ab. Ansonsten lässt die Ausstattung nichts zu wünschen übrig: Sehr fester Hardcover-Einband im Leder-Look, satte 200 Seiten, ein ordentlich großes Format, eine farbige Cover-Galerie und eine sehr gute Vorstellung des Autors und Zeichners, Mike Grell. Die ist sicher auch notwendig, denn der Stoff ist nicht ganz unproblematisch. So ein bisschen kann ich die Bedenken der Jugendschützer damals schon verstehen, wenn sie bei solchen Geschichten die Lippen verziehen würden (und warum so etwas bei „uns“ nicht erscheinen konnte…). In der Form, wie der Verlag mit dem Stoff umgeht (Nachwort, Präsentation) steht aber fest, an wen sie sich wenden.

Worum geht es?

Der US-Air Force Pilot Travis Morgan wird bei einem Spionageflug über der UdSSR von einer Abwehrrakete getroffen und flüchtet über den Nordpol. Leider stürzt er irgendwo im Norden Kanadas ab – denkt er zumindest. Komisch nur, dass da Palmen wachsen und es auch ziemlich heiß ist..

Was er bald heraus bekommt: Er ist über ein riesiges Loch ins Innere der Erde geflogen. Auf der Innenseite der Erdkugel gibt es eine andere Welt: Skataris, bevölkert von Sauriern, Säbelzahntigern und Menschen, die wie eine Mischung aus Wikingern und Römern wirken und sich ebenso wild gebärden wie die Urzeittiere.

In dieser Welt ist es immer Mittag, eine Sonne steht immer am Zenit. Es gibt auch keinen Horizont. Wie sich herausstellt, stimmt auch so einiges andere nicht, so zum Beispiel mit dem Ablauf der Zeit. Zeitmessung scheint überhaupt nicht zu gehen, was dem Autor freie Hand beim Timing seiner Abenteuer gewährt. Zeit sei relativ, kann man da lesen, das sie aber auf eine irrwitzige Weise verläuft, hat Einstein so sicher nicht formuliert. Die damit verbundenen Ungereimtheiten nimmt er auch in Kauf, fördert sie sogar und bietet sie sozusagen rotzfrech seinen Lesern an: Da legt sich unser Bruchpilot zum Beispiel das erste Mal schlafen und wacht mit einem Vollbart auf.

Es gibt eine Meta-Story: Die Völker dieser Innenwelt sind die Nachfahren der Flüchtlinge des untergegangenen Atlantis, leider gab es wohl auch atomare Vernichtungskriege, in deren Folge einige Menschen degenerierten. Halbwesen (Mensch, Tier) entstanden. Mit den Überresten, auch Robotern, einem kanibalistischen Cyborg, einer fliegenden Stadt usw. sieht sich der Held konfrontiert.

Travis Morgan kommt sehr schnell mit dieser ihm fremden Welt zurecht. Er wird zum mörderischen Barbaren, der Probleme mit dem Schwert löst, zum Spartakus wird, einen Tyrannen besiegt, der aber am Ende doch wieder auftaucht, natürlich vollbusige Damen an seiner Seite weiß und Krieger und Monstren meuchelt. Natürlich: Die Frauen haben hier nicht viel an; die Männer übrigens auch nicht. Als eine Frau in die Welt kam, hat sie sich auch so einen Fummel angezogen. Allerdings hat der Autor dies begründet; denn ihre moderne Kleidung aus dem XX. Jh. fällt in dieser archaischen Welt mehr auf; sie muss sich halt anapassen.

Die Stories halten sich nicht mit langen Reden um den hießen Brei auf. Sie kommen schnell zur Sache, was meist rasante Kämpfe bedeutet. Die Plots sind daher sicher nicht sehr raffiniert, aber Langweile kommt nicht auf.

Die einfachen Geschichten transportieren eine Ideologie, die allerdings mit einem Augenzwinkern präsentiert wird; zumindest möchte ich da so herauslesen. Mitunter ist das Pathos einfach überzogen, in der Mitte dieses Bandes schien mir auch eine deutliche selbst-ironische Note hinzuzukommen, dazu die schon angedeuteten logischen Ungereimtheiten, die hier im vollen Bewusstsein eingebaut werden. Die Sprüche sind teilweise echter Wahnsinn, in einer Weise überzogen, dass sie unmöglich ernst gemeint sein können.

Mike Grell präsentiert hier einen Haudrauf, der sich seiner Männlichkeit und Körperkraft erfreut, der nie lange fackelt (wobei diese „Erst Hauen, dann Fragen“-Mentalität sich an einer Stelle als eindeutig falsch erweist und den Helden und seine Freunde in eine Falle tappen lässt – ich vermute aber, das tut der Einfalt keinen Abbruch…), der bewusst das Recht des Stärkeren propagiert. Er entwickelt in der Urwald-Hitze der Welt des ewigen Mittags einen Hang zum Spaß am Töten. Das ist sicher befremdlich. Aber auch Freiheit und Selbstbestimmung, auch der mitkämpfenden Frauen sind Ideale. Der US-Pilot spricht Russisch; eine russische Wissenschaftlerin rettet er vor seinen eigenen Landsleuten; es gibt ganz klare antirassistische Statements; all das dürfte in der Hochzeit des Kalten Krieges für diesen Rahmen mutig gewesen sein.

Die Posen sind oft theatralisch überzogen: Männer scheinen grundsätzlich Bärte zu haben und immer sehr breitbeinig dazustehen. Die Kämpfe sind zwar kraftvoll, wirken aber eher wie ausgefeilte Choreografien.

Ist man sich der diversen Überreizungen bewusst, und auch in der richtigen Stimmung, kann man diese alten Geschichten einfach nur genießen. Ich habe es getan und freue mich schon sehr auf den nächsten Band.

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