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Das letzte Einhorn

Erstellt von Werner Karl am 3. November 2009

das-letzte-einhornPeter S. Beagle
Das letzte Einhorn

Nach dem gleichnamigen Roman „Das letzte Einhorn“
Klett-Cotta, Stuttgart, 1975
The Last Unicorn, USA, 1968
Der Hörverlag, München, 2/2009
7 CDs in Plastiktütchen in einer aufklappbaren Papp-Box, Hörbuch, Fantasy, Kunstmärchen
ISBN 9783867173506
Laufzeit: ca. 503 Min.
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Schweier
Vollständige Lesung von Andreas Fröhlich
Titelgestaltung von Alexandra Dohse unter Verwendung eines Fotos von Masterfile/Glen Wexler Unicorn
Booklet à 4 Seiten

www.hoerverlag.de
www.peterbeagle.com/
www.the-last-unicorn.net/
www.grafikkiosk.de

Als der Beschützer anderer Tiere lebt „Das letzte Einhorn“ in einem Wald ruhig vor sich hin, bis es durch Zufall erfährt, dass es möglicherweise das Letzte seiner Art ist. Ein Schmetterling erzählt ihm, dass König Haggard die anderen Einhörner mit Hilfe des Roten Stiers gefangen genommen hat. Um sie zu befreien, bricht das Einhorn zu einer langen, gefahrvollen Wanderung auf. Schon bald wird es von Mommy Fortuna, einer Hexe, eingefangen und der Mitternachtsmenagerie hinzugefügt. Der drittklassige Zauberer Schmendrick erkennt, dass das Einhorn echt ist und nicht durch Magie zur Illusion eines Fabelwesens wurde. Er befreit es und schließt sich ihm an. Als nächstes fallen sie einer Räuberbande in die Hände. Zwar können sie entkommen, doch Molly Grue, die Gefährtin des Hauptmanns, lässt sich nicht abschütteln.

Es gelingt den dreien tatsächlich, den Roten Stier zu finden, der das Einhorn sogleich angreift. Nun zeigt Schmendrick, was wirklich in ihm steckt: Um das Einhorn zu retten, wirkt er einen Zauber, der das Fabelwesen in die schöne Lady Amalthea verwandelt. In dieser Gestalt gelangt sie in das Schloss von König Haggard, dessen Sohn Lir sich in sie verliebt. Zunächst hält Lady Amalthea Prinz Lir auf Distanz, denn sie ist ein magisches Wesen und kein Mensch, doch je länger sie in dieser Gestalt gefangen ist, umso menschlicher wird sie – und schließlich beginnt sie zu vergessen, was sie ist und wonach sie sucht…

Die Geschichte um „Das letzte Einhorn“ basiert auf einer Novel von 1968, die später vom Autor umgeschrieben und in die Gegenwart verlegt wurde. Bekannt wurde der Titel vor allem durch den gleichnamigen Trickfilm aus dem Jahr 1982, für den man Sprecher wie Christopher Lee und Angela Lansbury sowie für die musikalische Untermalung Jimmy Webb als Songwriter (u. a. für The 5th Dimension, Supremes) und die Folk-Band America („Tin Man“, „A Horse with no Name“ etc.) gewinnen konnte. Ein Theaterstück folgte, und Beagle schrieb ab 2005 weitere Erzählungen über einige der Charaktere. Beagle selber ist ein Multi-Talent: Autor von Fantasy- und Non-Fantasy-Geschichten, Drehbuchautor, Folk-Gittarist und Sänger. Was sicher nicht jeder weiß, ist, dass er der Verfasser des Drehbuchs von „Star Trek: The Next Generation 71 – Sarek“ und der Trickfilm-Version von „Der Herr der Ringe“ ist.

„Das letzte Einhorn“ ist mehr ein Kunstmärchen als ein konventioneller Fantasy-Roman, denn der Autor greift charakteristische Motive auf, die man vom Märchen kennt: Archetypen, Aufgaben, der Konflikt von Gut und Böse, Belohnung und Strafe, Zahlensymbolik. So trifft man auf Figuren wie den Zauberer, die Räuberbraut, den König und Tiere wie das Einhorn, die Harpyie, den sprechenden Schmetterling etc. Das Einhorn macht es sich zur Aufgabe, seine Artgenossen zu finden; Schmendrick und Molly Grue, die von ihm fasziniert sind, wollen ihm helfen. Sie begegnen schrulligen und selbstsüchtigen Menschen, die ihnen Steine in den Weg legen, hin und wieder aber auch Personen, die gebunden sind und allenfalls kleine Hinweise geben dürfen. Am Schluss siegt, wie man es sich gewünscht hat, das Gute über das Böse, und jeder bekommt weitgehend das, was er verdient hat. Eine wichtige Zahl ist die 3 (neben der 5, der 7, der 9, der 13…), und auch hier suchen drei nach den Einhörnern (das Einhorn selbst, Schmendrick, Molly Grue), gerät das Einhorn dreimal in Schwierigkeiten (die Mitternachtsmenagerie, das reiche Dorf, die Räuber), bevor es den Roten Stier findet usw.

Auch sprachlich folgt der Autor der Tradition, bedient sich dabei aber auch vieler Vergleiche, die eher modern wirken. Dazu passend gewählt wurde die Stimme von Andreas Fröhlich, der beispielsweise „Eragon“ las und die Hauptfigur von „DODO“ spricht. Nach heutigen Maßstäben mag die wehmütige Geschichte zu verschnörkelt und kryptisch, zu arm an Action und Klamauk oder Romantik sein, aber das etwas reifere Publikum, das mit dem Fantasy-Programm von Klett-Cotta groß wurde und in den 1970/80er Jahren Romane las wie „Der Herr der Ringe“, „Die letzte Amazone“, „Die vier Zweige des Mabinogi“, „Die Brautprinzessin“ usw. Die Fans dieser Titel werden auch „Das letzte Einhorn“ mögen und dem Hörbuch aufgeschlossen gegenüber stehen. Das Hörbuch wird ab 8 Jahren empfohlen, aber Kinder haben eher andere Präferenzen, während die Erwachsenen, die den Film und/oder das Buch kennen, die eigentliche Zielgruppe stellen. (IS)

Titel bei Amazon.de:
Das letzte Einhorn

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Ilias

Erstellt von Werner Karl am 1. November 2009

Unbenannt-1Homer
Ilias

In einer Neufassung von Raoul Schrott
Der Hörverlag, München in Zusammenarbeit mit hr2 kultur,
Frankfurt und Deutschlandfunk, Köln, 10/2008
21 CDs in Plastikhüllen in einer aufklappbaren, stabilen Pappbox,
Hörbuch, Literatur, Geschichte, Kultur, Abenteuer
ISBN 9783867171885
ca. 1180 Min.
Nach dem gleichnamigen Buch „Ilias“ von Raoul Schrott, Hanser Verlag, München, 9/2008
Gelesen von Manfred Zapatka
Akustische Einrichtung, Komposition und Regie: Klaus Buhlert
Wissenschaftliche Beratung: Peter Mauritsch
Aussprachebetreuung: Thomas Poiss
Dramaturgie: Manfred Hess
Titelgestaltung von Yasmin Eroglu/Der Hörverlag nach einer Vorlage von
Peter-Andreas Hassiepen, München, Titelfoto von Westgiebel, Aphaia-Tempel (Glyptothek, München)
Fotos von Noel Tovia Motoff
64-seitiges Booklet mit Informationen und Fotos

www.hoerverlag.de
www.hr2.de/
www.dradio.de/

Jeder kennt Homer und seine berühmten Epen „Ilias“ und „Odyssee“, die den Kampf um Troja und die Irrfahrten des Odysseus beschreiben. Was man über den Dichter weiß, ist wenig, denn die Quellen stammen überwiegend aus späteren Jahrhunderten und sind oft widersprüchlich. Manche Spekulationen gehen dahin, dass Homer ein blinder Wanderdichter gewesen sei, wieder andere vermuten mehrere Verfasser hinter dem Namen. Ebenso abweichend sind die Datierungsversuche der Epen. Aufgrund von Vergleichen mit ähnlichen Werken vermutet man, dass sie um 660 v. Chr. entstanden sind. In der „Ilias“ und „Odyssee“ verarbeitete Homer historische Ereignisse und Sagen, die in der Region verbreitet waren. Anders als viele Bücher, die die Epen in eingedeutschten Hexametern oder in Prosa-Form wiedergeben und sie durch verwandte Erzählungen ausschmücken, konzentriert sich Raoul Schrott in seiner Neufassung auf den Urtext, der mit dem Zorn des Achill, dem Agamemnon eine Beute-Sklavin weg nahm, beginnt und mit dem Tode Hektors, aber vor dem des Achill endet. Die Ereignisse des zehnten Kriegsjahres werden beschrieben, zum einen in der Welt der Menschen, zum anderen in der der Götter – auf der Bühne durch zwei Ebenen verdeutlicht. Die Götter beeinflussen aus Launen heraus die Schicksale der Menschen und liefern mit all ihren Begierden und Intrigen ein Spiegelbild der menschlichen Verhaltensweisen.

Vermutlich am bekanntesten ist die Jugendbuch-Version von Gustav Schwab, „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums“, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die nach damaligen pädagogischen Gesichtspunkten gekürzt, interpretiert und kompiliert wurde. So findet man in dieser nicht nur eine chronologisch aufgebaute Geschichte, die mit dem Streit dreier Göttinnen um den Apfel der Eris ihren unheilvollen Verlauf nimmt, neben der Entführung der schönen Helena auch die Opferung der Iphigenie thematisiert und ihren Höhepunkt mit der Einnahme von Troja erreicht; sondern auch verwandte Sagen wie die von „Herakles“, „Die Argonauten“, „Die Aenaeis“ usw. Mit dieser oder vergleichbaren Fassungen hat Raoul Schrotts Bearbeitung überhaupt nichts gemein, und legt man die erste CD ein – die Erinnerung an Gustav Schwab o. a. im Hinterkopf -, wird man sehr überrascht.

Jede CD beginnt mit kurzen, einstimmenden musikalischen Klängen. Der Sprecher Manfred Zapatka trennt strikt zwischen dem narrativen Rahmen und den Dialogen, denen er durch Überbetonung Lebendigkeit und Individualität einzuhauchen versucht. In vielen Fällen wird einem Wortwechsel ein Zitat in Altgriechisch vorangestellt, damit der Zuhörer eine Vorstellung von der Satzmelodie erhält und wie die Aufführungen einst geklungen haben könnten. Besonders gewöhnungsbedürftig sind hierbei die Worte, die den Helden in den Mund gelegt werden. Natürlich handelt es sich bei Menelaos, Diomedes, Nestor auf der einen, Priamos, Paris, Aeneas – und sie sie alle heißen – auf der anderen Seite um raue Männer, die eigentlich Krieger, Piraten und Plünderer sind und keine schöngeistigen Dialoge führen, und auch die Götter, darunter Zeus, Poseidon, Hera und Athene, sind in dieser Hinsicht sehr menschlich. Allerdings wirkt ihre Ausdrucksweise stellenweise schon zu modern und gewollt jugendlich-derb.

Das sehr informative 64-seitige Booklet geht auch auf diesen Punkt ein:
Raoul Schrott bemühe sich, eine zeitgenössische Umsetzung der „Ilias“ zu schaffen, die jedoch nach Kriterien interpretiert wurde, die den Zeitgeist der Antike anhand des aktuellen Forschungsstandes berücksichtigen. Das ist ihm zweifellos gelungen, denn man findet keine Wertung nach heutigen Maßstäben. Ferner wird ausführlich auf den Hintergrund Homers und des Epos’ eingegangen, auf die antike Sprache und Bühnentechnik, den Wandel bzw. Reifeprozess, den die Charaktere durchlaufen, u. v. m., was besonders für Altphilologen, Germanisten, Historiker und Theaterwissenschaftler interessant ist. Die „Ilias“ in der Neufassung von Raoul Schrott wird gewiss so manche Kontroverse auslösen, denn sie ist ganz anders als all die sonstigen Versionen dieses Epos’.

Vor allem an die moderne Sprache muss man sich gewöhnen. Nach zwei, drei CDs ist das für aufgeschlossene Hörer allerdings kein Problem mehr. Dann bietet die sehr schön gestaltete Box mit 21 CDs einen anspruchsvollen Vortrag über rund 20 Stunden. Da nahezu EUR 80.- für ein Hörbuch, von dem man nicht weiß, ob es einem gefallen wird, viel Geld sind, sollte man die Möglichkeit der Hörprobe auf der Verlagsseite nutzen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Interessiert man sich für Literatur und die Antike, sollte man dem Titel eine Chance geben. (IS)

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Tony Hill & Carol Jordan 01 – Das Lied der Sirenen

Erstellt von Werner Karl am 27. Oktober 2009

tony-hill-carol-jordan-01-das-lied-der-sirenenVal McDermid
Tony Hill & Carol Jordan 01 – Das Lied der Sirenen

Nach dem Roman „Das Lied der Sirenen”, Kraur, München, 1997
The Mermaids Singing, GB, 1993
Der Hörverlag, München, 2/2009
2 CDs auf Displays in aufklappbarer Pappbox, Krimi-Hörspiel
ISBN
9783867172615
Laufzeit: ca. 129 Min.
Aus dem Englischen von Manes H. Grünwald
Hörspielbearbeitung von Sven Stricker
Sprecher: Heikko Deutschmann, Leslie Malton, Boris Alinovic, Florentine Lahme, Felix Manteuffel u. a.
Musik von Jan-Peter Pflug
Titelgestaltung von Alexandra Dohse unter Verwendung eines Fotos von Ilona Wellmann/Trevillion Images
Fotos im Innenteil von Claudia Frickemeier
In der Box befestigtes, 6-seitiges Booklet

www.hoerverlag.de
www.valmcdermid.com
www.val-mcdermid.de
www.grafikkiosk.de
www.myspace.com/tonzimmer

Der Tod von vier jungen Männern schockiert die Bevölkerung und sogar hart gesottene Polizisten: Jedes der Opfer war ledig, angeblich homosexuell, wurde gefoltert und grauenhaft verstümmelt. An keinem Tatort gibt es Hinweise auf den Mörder. Alles ist sorgfältig inszeniert, fast schon wie ein Kunstwerk. Als eine der Leichen als Kollege identifiziert wird, ist klar, dass der Täter die Beamten herausfordern will. Da diese lange auf der Stelle treten, wird ihnen der Profiler Tony Hill zugeteilt. Mit Ausnahme von Carol Jordan, die das Team leitet, ist niemand sonderlich begeistert darüber, dass ein Psychologe ihre Arbeit unterstützen soll. Tony und Carol kommen sich während der Recherchen zögerlich näher, doch ab einem bestimmten Punkt scheint es eine Barriere zu geben, die Tony nicht überwinden kann. Tatsächlich geht er in seiner Arbeit auf, denkt sich in den Mörder hinein, hält mit ihm geistige Zwiesprache und findet auf diese Weise auch Dinge über sich selbst heraus, die ihm nicht gefallen. Aber es kommt noch schlimmer für Tony: Der Täter wird auf ihn aufmerksam…

Aufgeschlossenen Krimi-Freunden dürfte Val McDermid keine Unbekannte sein. Beispielsweise im Argument Verlag erschienen ihre „Lindsay Gordon“- und „Kate Brannigan“-Serien, in denen jeweils eine lesbische Journalistin bzw. Privatdetektivin ihre Nase in gefährliche Angelegenheiten steckt. In die spannenden Storys eingebaut ist stets die Kritik an einer Gesellschaft, die Homosexualität ablehnt, Bekennende ausgrenzt und nicht selten sogar terrorisiert. Auch die Gleichberechtigung der Frau, die weitgehend nur auf dem Papier existiert, wird thematisiert. Viele Männer und erschreckenderweise auch Geschlechtsgenossinnen reagieren negativ auf eine selbstbewusste, intelligente Frau in leitender Position und würden sie am liebsten zurück zu den ‚drei Ks’ (Küche, Kinder, Kirche) verbannen.

Diese Motive spielen im vorliegenden Psycho-Thriller ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Täter wird als ‚Schwulenmörder’ bezeichnet, so mancher Beamte outet sich als ‚Schwulenhasser’ und Chauvinist, selbst der Profiler hat Probleme mit seiner eigenen Sexualität. Es gibt immer wieder Seitenhiebe, die sich gegen die Intoleranz, Verlogenheit und Sensationsgier der Menschen richten. Im Vordergrund steht jedoch der spannende Fall, in dem ein grundverschiedenes Ermittlerpaar versucht, einen perversen Psychopathen aufzuspüren. Anhand der vagen Hinweise erstellt Tony Hill ein Täterprofil und kommt dem Mörder gefährlich nahe, so dass dieser nun nach dem Leben des Psychologen trachtet.

Die Autorin bedient sich einer gepflegten Sprache, schockiert aber immer wieder mit drastischen Beschreibungen und Ausdrücken, wenn sich der Fokus auf den Täter und seine Grausamkeiten richtet. Dies wird auch in der Hörspiel-Version des Titels gekonnt umgesetzt und schreckt den Zuhörer regelmäßig auf, der gebannt die Geschehnisse verfolgt. Die Besetzung der Rollen vermag zu überzeugen. Fast bildlich kann man sich die ehrgeizige Carol Jordan, den innerlich zerrissenen Tony Hill und all die anderen vorstellen. Die düstere Hintergrundmusik von Jan-Peter Pflug und die realistische Geräuschkulisse tragen gleichfalls dazu bei, dass man sich von der unheilvollen Atmosphäre einfangen lässt.
Wer den Roman „Das Lied der Sirenen“ gelesen hat, kann unmittelbar vergleichen, ob die Hörspielfassung gelungen ist. Geht man unbedarft an den Titel heran, bekommt man einen spannend inszenierten Psycho-Thriller geboten, der sich um interessante Charaktere rankt und Lust auf mehr macht. Mittlerweile umfasst die Serie sechs Bücher; von daher darf man sich gewiss auf weitere faszinierende „Tony Hill & Carol Jordan“-Hörspiele freuen. (IS)

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Tony Hill & Carol Jordan 01 – Das Lied der Sirenen

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Das Graveyard-Buch

Erstellt von Werner Karl am 6. Oktober 2009

das_graveyard_buch1Neil Gaiman
Das Graveyard-Buch

Gekürzte Lesung nach dem gleichnamigen Jugendbuch „Das Graveyard-Buch“, Arena Verlag, Würzburg, 1/2009
The Graveyard Book, USA, 2008
Der Hörverlag, München, 2/2009 (Produktion: 2008)
5 CDs im Jewel-Case, Hörbuch, Jugendbuch, Mystery, Fantasy
ISBN 9783867174244
Laufzeit: ca. 380 Min.
Aus dem Englischen von Reinhard Tiffert
Lesefassung von Tanja Weimer
Gelesen von Jens Wawrczeck
Soundeffekte von Andreas Manhardt
Titelbildgestaltung von Chris Riddell
Foto von N. N.
1 Booklet à 4 Seiten

www.hoerverlag.de
www.arena-verlag.de
www.neilgaiman.com
www.chrisriddell.com

‚Ein Mann namens Jack’ tötet eine junge Familie. Allein das eineinhalb Jahre alte Baby entgeht dem Massaker. Auf einem Friedhof wird es von dem Geister-Ehepaar Owens an Sohnes statt aufgenommen. Zu seinem Vormund wird der geheimnisvolle Silas ernannt, der im Gegensatz zu den anderen Friedhofsbewohnern öfters Ausflüge in die Menschen unternimmt. Sie nennen das Kind Nobody – kurz: Bod – Owens und ziehen ihn auf wie einen der ihren.

Als Bod etwa fünf Jahre alt ist, lernt er Scarlett Perkins kennen, ein gleichaltriges Mädchen, das ab und zu auf dem alten Friedhof mit ihm spielt, aber nicht mehr kommen darf, nachdem sie für eine Weile verschwunden war, weil sie zusammen mit Bod ein Grab erforschte. Wenig später zieht Scarlett mit ihren Eltern in eine andere Stadt, und Bod fühlt sich einsam.

Schließlich freundet er sich mit der toten Hexe Lisa an. Um ihr, die man einfach nur verscharrt hat, eine Freude bereiten, möchte er ihr einen Grabstein schenken. Erstmals wagt sich Bod in die Menschenwelt, was beinahe schief geht, denn er hat nicht mit der Gier und Tücke der Lebenden gerechnet. Was er nicht ahnt, ist, dass dadurch ‚der Mann namens Jack’ auf ihn aufmerksam wird, der ihn noch immer töten will.

Das Schicksal bringt Bod und Scarlett schließlich wieder zusammen. Bod möchte mehr über seine Herkunft wissen, und Scarlett zieht einige Erkundigungen ein. Behilflich ist auch der nette Mr. Frost, der sein wahres Gesicht zeigt, als er die Teenager in seiner Gewalt glaubt. Er bekommt außerdem Verstärkung, von ‚einigen Männern namens Jack’ – und nun wird es wirklich kritisch für Bod und Scarlett. Sie fliehen zum Friedhof…

Als erwachsener Leser sollte man Kinder- und Jugendbücher nicht rundweg als ‚Kinderkram’ ablehnen, denn hier finden sich immer mehr Titel, die an ein All Age-Publikum adressiert sind. Beste Beispiele sind Joanna K. Rowlings „Harry Potter“, Stephenie Meyers „Bella und Edward“ oder Lian Hearns „Clan der Otori“. Nicht selten gibt es von diesen Romanen eine Jugendbuch- und eine völlig identische Belletristik-Ausgabe.

Die Titel von Neil Gaiman sind ebenfalls nicht ‚nur’ für Kinder. Der britische Autor ist bestens bekannt durch „Die Bücher der Magie“, „Sandman“, „Coraline“, „Angela“, „Alice Cooper“ u. v. m. „Das Graveyard-Buch“ wird zwar schon Phantastik-Freunden ab 10 Jahren empfohlen, aber es ist so spannend erzählt und geschickt aufgebaut, dass auch ein reiferes Publikum gebannt liest bzw. lauscht.

Erzählt wird die Geschichte von Bod Owens, die in mehrere Abschnitte unterteilt ist und sich auf Schlüsselerlebnisse konzentriert: seine Adoption durch die Geister der Verstorbenen, die Freundschaften mit Scarlett und Lisa, lehrreiche/gefährliche Besuche in der Menschenwelt, die Begegnung mit den Ghuls und anderen, die ihm Kenntnisse vermitteln, die er benötigt, um nicht ein leichtes Opfer von Jack, dem Mörder seiner Familie, zu werden. Silas, Miss Lupescu und die übrigen bemühen sich, den Jungen zu beschützen, denn zumindest einige von ihnen wissen mehr, und auch Bod will schließlich die Wahrheit erfahren, wodurch er mehr als nur einen Jack auf seine und Scarletts Spur führt.

Fühlt man sich eingangs ein wenig an Rudyard Kipplings „Dschungelbuch“ und Lewis S. Carrolls „Alice im Wunderland“ erinnert, so stellt man schon bald fest, dass Neil Gaiman eigenen Pfaden folgt und selbst aus bekannten Motiven etwas Neues zu schaffen vermag. Seine Vampire, Werwölfe, Ghule und Geister sind immer ein wenig anders als die Wesen der gängigen Roman-Vorlagen. Durch Bod tangiert ihre Welt die der Menschen, die Grenzen verwischen, und fast erscheinen der Friedhof und seine Bewohner realer – auf jeden Fall sympathischer – als alles, was jenseits der Mauern liegt.

Jens Wawrczeck als Sprecher trägt seinen Teil dazu bei, dass man dem Hörbuch fasziniert bis zum Schluss folgt. Man kann nur staunen, wie es ihm immer gelingt, seine Stimme dem jeweiligen Charakter anzupassen und ihn oder sie lebendig werden zu lassen. Es ist, als würden mehrere Sprecher wirken und nicht nur einer. Eine großartige Leistung!
Alles in allem bietet das „Graveyard-Buch“ ein phantastisches Lese- bzw. Hörvergnügen für kleine und große Fans des gruseligen Genres, so wie man es von Neil Gaiman erwarten darf. Dank des großen Stimmumfangs von Jens Wawrczeck kann man den Vortrag als rundum gelungen bezeichnen und das Hörbuch wärmstens empfehlen. (IS)

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Das Graveyard-Buch

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Fünf Miss Marple Krimis: Mord im Pfarrhaus

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Juli 2009

Agatha Christie
Fünf Miss Marple Krimis: Mord im Pfarrhaus

(gekürzte Lesung) The Murder at the Vicarage, GB, 1930, aus dem Englischen von Antoinette Gittinger, gelesen von Hans Kremer, 978-3-89940-792-1, Laufzeit: ca. 189 Min.
16 Uhr 50 ab Paddington, 4.50 from Paddington, GB, 1957, aus dem Englischen von Dinka Mrkowatschki, gelesen von Beate Himmelstoß, 978-3-89940-794-5, Laufzeit: ca. 168 Min.
Bertrams Hotel, At Bertram’s Hotel, GB, 1965, aus dem Englischen von Tanja Handels, gelesen von Beate Himmelstoß, 3-89940-709-1, Laufzeit: ca. 218 Min.
Die Tote in der Bibliothek, The Body in the Library, GB,
1942, aus dem Englischen von Tanja Handels, gelesen von Traudel Sperber, 978-3-89940-786-0, Laufzeit: ca. 218 Min.
Fata Morgana, They Do It with Mirrors, GB, 1952, aus dem Englischen von Susanna Daum, gelesen von Katja Brügger, 978-3-89940-788-1, Laufzeit: ca. 191 Min.
Der Hörverlag, München, 5/2008
15 CDs, je 3 pro Jewel-Case, mit Papp-Banderole, Krimi-Hörbuch, 978-3-80717-169-1, Laufzeit: ca. 975 Min., gesehen 5/09 für ca. EUR 28.99
Hörspielfassung von Sarah Kilgarett, Keith Darvill, Michelene Wandor
Titelfoto auf der Banderole: Margaret Rutherford als Miss Marple in „Mörder Ahoi“ von Cinetext
Titelgestaltung der CDs und der jeweils 4-seitigen Booklets von TÜMMERSdESIGN

www.hoerverlag.de
http://agathachristie.com/
www.tuemmersdesign.de

Die britische Autorin Agatha Christie (1890 – 1976) schrieb zahlreiche Krimis und schuf so originelle Figuren wie Hercule Poirot und Miss Marple, die Dank des Fernsehens ein Gesicht erhielten, wurden sie doch von so großartigen Schauspielern wie Peter Ustinov und Margaret Rutherford glänzend in Szene gesetzt. In Folge sind weder Agatha Christie noch ihre Charaktere in Vergessenheit geraten und erfreuen weiterhin Jung und Alt mit ihren spannenden Fällen.

Der Hörverlag hat nun die zunächst einzeln erschienenen Hörbücher als Box aufgelegt, so dass man zum kleinen Preis von ca. EUR 30.- in den Genuss von gleich fünf Titeln kommt. Es handelt sich hierbei um gekürzte Lesungen, die in unterschiedlicher Lebhaftigkeit und Lautstärke vorgetragen werden. Nur „Mord im Pfarrhaus“ wird von einem Mann gesprochen; alle anderen Hörbücher haben weibliche Vortragende, die man von anderen Hörproduktionen, aus Rundfunk und TV kennt.

Hat man nur die Filme gesehen, nicht aber die Buchvorlage gelesen, dann wird man überrascht: Die Rolle der Miss Marple ist im Buch bzw. Hörbuch verhältnismäßig klein. Sie mischt sich zwar überall ein, ist aber überwiegend eine heimliche Beobachterin und Lauscherin, die sich selber nicht in Gefahr begibt.

Stattdessen findet sie den einen oder anderen Helfer und Zuträger, dessen Aktionen im Film auf die Titelfigur übertragen wurden. Dadurch stehen die Nebencharaktere stärker im Fokus, was der Handlung jedoch nicht zum Nachteil gereicht.

Die Autorin lässt die Protagonisten so agieren, denken und sprechen, wie es seinerzeit und in den jeweiligen Schichten üblich war. Mit einem Funke Selbstironie wird dabei auch die Dünkelhaftigkeit der upper classes auf die Schippe genommen, die einen Mensch nach Herkunft und Äußerlichkeiten, nicht aber nach seiner Intelligenz und seinen Leistungen beurteilt(e).

Mord im Pfarrhaus: Oberst Protheroe ist ein unangenehmer Zeitgenosse, und es gibt mehrere Personen, die ihn gern tot sehen würden. Als er dann tatsächlich ermordet in der Pfarrei aufgefunden wird, kommen eine Menge persönlicher Dramen ans Licht, bis der Täter überführt werden kann.

16 Uhr 50 ab Paddington: Eine Freundin von Miss Marple glaubt, in einem vorbeifahrenden Zug einen Mord beobachtet zu haben, doch niemand wird vermisst, und es scheint auch keine Leiche zu geben. Miss Marple entdeckt den einzigen Ort, an dem die Tote heimlich hätte aus dem Zug geschafft werden können.
Eine junge Bekannte von ihr lässt sich dort als Bedienstete anstellen und beginnt herumzustöbern.

Bertrams Hotel: Das geschichtsträchtige Londoner Etablissement hat sich den Flair der guten, alten Zeit bewahrt, sehr zur Freude einheimischer Gäste, die in Erinnerungen schwelgen, und der Touristen, die sich England und die Engländer genau so vorgestellt haben. Die Polizei glaubt jedoch, guten Grund dafür zu haben, das Hotel im Auge zu behalten, und einige Beobachtungen der aufmerksamen Miss Marple liefern wichtige Hinweise.

Die Tote in der Bibliothek: Ein junges Mädchen wird ermordet in der Bibliothek der Bantrys entdeckt. Miss Marple findet heraus, dass Mr. Jefferson, ein älterer Witwer, Ruby hatte adoptieren wollen. Hat er sich ihrer entledigt, nachdem er erfahren hatte, dass es bereits einen Mann in ihrem Leben gab? Sind es die Verwandten, die sich sorgten, dass ihr erhofftes Erbe geringer ausfallen würde? Oder hatte noch jemand ein Motiv?

Fata Morgana: Miss Marple besucht eine alte Freundin. Es scheint, als versuche jemand, diese zu vergiften. Dann geschieht ein Mord nach dem anderen. Wer und vor allem was steckt dahinter?

Alle Krimis sind spannend, sorgfältig aufgebaut und atmosphärisch dicht. Bis zum Schluss kann man nur spekulieren, sich irren und erneut raten, wer der Mörder und was sein Motiv ist. Zwar hat Miss Marple keine Glanzauftritte wie in den Filmen, aber sie gibt regelmäßig wichtige Hinweise, weil sie als alte Dame übersehen und unterschätzt wird und darum vieles sieht und hört, was andere verbergen wollen. Durch Nachdenken und Dank ihres Erfahrungsschatzes zieht sie aus allen Informationen die richtigen Schlussfolgerungen. Ihr kommt die Rolle des Deus ex Machina zu, aber trotzdem hat man nie den Eindruck, als würde die Handlung ohne Miss Marple in einer Sackgasse stecken bleiben.

Mag man Krimis ‚von früher’, die mehr auf Charme und Subtilität als auf Action setzen, wird man viel Freude an den Hörbüchern haben. Fehlt es an Zeit oder Lust zum Lesen, dann sind die „Fünf Miss Marple Krimis“ des Hörverlags ein idealer Begleiter z. B. während der Hausarbeit, in der U-Bahn oder im Auto. Der kleine Preis für die Box erfreut außerdem. (IS)

Titel bei Amazon.de
Fünf Miss Marple Krimis

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Das Spiel der Könige

Erstellt von Günther Lietz am 20. März 2009

Rebecca Gablé
Das Spiel der Könige

der Hörverlag, München, 10/2008
Hörspielfassung nach dem Roman „Das Spiel der Könige“, Ehrenwirth Verlag, 8/2007
7 CDs in (Twin-)Jewel-Cases im Pappschuber, Hörspiel, Belletristik, Geschichte, Romanze, Drama, 978-3-86717-306-3, Laufzeit: ca. 450 Min., gesehen 11/08 für EUR 23.95
Hörspielbearbeitung: Ariane Skupch
Regie: Axel Pleuser
Titelgestaltung von Alexandra Dohse unter Verwendung von Bildern von Bibliothèque Nationale, Paris/The Bridgeman Art Library und Musée Conde, Chantilly/The
Seite 13 von 50
Bridgeman Art Library
Karte aus Hermann Kinder/Werner Hilgemann/Manfred Hergt: „dtv-Atlas Weltgeschichte Bd. 2“, Grafische Gestaltung der Abbildungen von Harald und Ruth Bukor, dtv Verlag, München, 1964
Fotos von Cinetext/Creaps, interfoto/Moore, Interfoto/Ohlenbostel
Musik: Gerd Nesgen
Sprecher: Max von Putendorf, Udo Schenk, Hans-Michael Rehberg, Doris Kunstmann u. a.
3 Booklets à 4 Seiten mit Karte, Liste der Sprecher, Inhaltsangabe. Weitere Informationen zum historischen Hintergrund, der Autorin und einigen Sprechern auf den Einlagen der Jewel-Cases und der Pappbox.
www.hoerverlag.de
www.gable.de
www.grafikkiosk.de

Rebecca Gablé, geb. 1964 in Wickrath, studierte Literaturwissenschaften und Mediävistik in den Fächern Germanistik und Englisch. Ihre dabei erworbenen Kenntnisse wendet sie seit den 1990er Jahren als Autorin an, erst im Genre Krimi/Thriller, später wechselte sie zum historischen Roman.

„Das Spiel der Könige“ ist ein in sich abgeschlossener Roman, doch finden sich Figuren daraus oder deren Verwandte auch in anderen Büchern Rebecca Gablés, die chronologisch davor oder danach angesiedelt sind. Der Titel bezieht sich auf das Schachspiel, bei dem die Figuren nach Belieben auf bestimmte Felder gesetzt und geopfert werden – eine Metapher für den skrupellosen Umgang der Herrscher mit ihren treuen Vasallen und dem einfachen Volk, die wegen des Machthunger einzelner leiden und sterben müssen.

Die Handlung spielt in England in den Jahren der Rosenkriege 1455 – 1485. Die Adelshäuser York (rote Rose) und Lancaster (weiße Rose), beide Seitenlinien der Plantagenets, führen ihre Herrschaftsansprüche auf König Edward III zurück und beginnen einen erbitterten Krieg um die Thronfolge. Die Auseinandersetzungen werden erst durch die Eheschließung von Henry Tudor (Henry VII) als Erbe der Lancasters mit Elizabeth of York beendet.

Vor dem Hintergrund von 30 Jahren Bürgerkrieg agieren historisch belegte und fiktive Persönlichkeiten. Hauptfiguren sind Julian und Blanche of Waringham, die sich wie die meisten ihrer Zeitgenossen für eine Seite entscheiden müssen und viel Leid erfahren, bis die Unruhen vorbei sind.

Julian hält an seiner Treue zum Haus Lancaster und dessen schwachen König Henry VI fest. Tatsächlich wird er sogar der Liebhaber der Königin Margarete von Anjou, die als Französin beim englischen Volk unbeliebt ist und verbissen um den Erhalt ihrer Macht kämpft. Nach der Niederlage der Lancastrianer und der Thronbesteigung durch Edward IV wird Julian mit einer Feindin zwangsverheiratet. Nach anfänglichem Misstrauen verlieben sich die beiden und kämpfen schließlich für Henry Tudor.

Blanche wird die dritte Frau eines grausamen Yorkisten und kann sich seinen Quälereien erst entziehen, nachdem sie ihm die Hand abschlug und nach Wales floh. Dort findet sie ihr Glück an der Seite Jasper Tudors, darf ihn aber nicht heiraten, da ihr Mann noch lebt und nach ihr sucht. Jasper kommt später mit Julian zusammen, und gemeinsam bereiten sie die Landung von Henry Tudor in England vor.

Das sind nur zwei Beispiele für die verschiedenen Einzelschicksale, die „Das Spiel der Könige“ beleuchtet. Jeder muss tragische Verluste hinnehmen, und einige finden sogar den Tod. Es werden Allianzen geschmiedet und wieder gebrochen. Intrigen und Verrat bringen mal der einen, mal der anderen Seite Vorteile. Auf Augenblicke des Glücks folgen Tragödien.

Die Autorin lässt die Vergangenheit vor dem inneren Auge des Lesers bzw. Zuhörers lebendig werden und offeriert eine Mischung aus spannendem Abenteuer, Drama und Romantik. Die versierten Sprecher und die musikalische Untermalung leisten einen wichtigen Beitrag, dass man sich schnell in den Bann der Geschichte ziehen lässt.

Allein die Vielzahl der Personen, wer wer und mit wem verbündet oder verwandt ist, macht es manchmal etwas schwierig, der Hörfassung zu folgen. Die Leser des Romans dürften es hier etwas einfacher haben, zumal das Buch mit Stammbäumen und Erläuterungen aufwartet. Vergleichbares hätte man sich auch für das Hörspiel gewünscht, bei dem man leider ein ‚richtiges’ Booklet einsparte und nur wenige Informationen auf den Einlagen der Juewl-Cases verteilte.

„Das Spiel der Könige“ bietet auch in der Hörfassung kurzweilige Unterhaltung und spricht vor allem die Freunde romantischer Historiendramen an. Man sollte sich für das Hören der CDs Zeit nehmen und die spannende, detailreiche Geschichte in Ruhe genießen. (IS)

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Das Spiel der Könige – Das Hörspiel

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7 schlaflose Nächte

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. Februar 2009

Der Hörverlag/Focus (Produktion)
7 schlaflose Nächte

Andrea Camilleri: „Die Ermittlungen des Commissario Collura“, gelesen von Miroslav Nemec
Mary Higgins Clark: „Kurzer Prozess“, gelesen von Sabine Postel
Marc Levy: „Um ein Haar“, gelesen von Dietmar Bär
Daphne Du Maurier: „Zum Tode erwacht“, gelesen von Udo Wachtveitl
Jo Nesbo: „Serum“, gelesen von Axel Milberg
Anne Perry: „Digbys erster Fall“, gelesen von Eva Mattes
Ruth Rendell: „Die Maus in der Ecke“, gelesen von Andrea Sawatzki
Der Hörverlag, München, 1/2008
7 CDs im Box-Seit mit Display in Pappbox, Hörbuch/vollständige Lesungen, Krimi, 978-3-86717-243-1, Laufzeit: ca. 486 Min., gesehen 12/08 für EUR 19.99
Aus den Originaltexten von verschiedenen Übersetzern
Titelfotos von Ulrike Schamoni/Agentur Focus, Cinetext/Creaps, Ruth Kappus/defd, Cinetext, picture-alliance/dpa, Cinetext/RM
Fotos der Sprecher aus verschiedenen Quellen

www.hoerverlag.de

Sieben mal Spannung verspricht die Krimi-Box „7 schlaflose Nächte“, deren einzelne Erzählungen von bekannten Schauspielern gelesen werden. Die Geschichten stammen von bekannten Autoren des Genres, so dass man als Insider ungefähr weiß, was man zu erwarten hat.

„Die Ermittlungen des Commissario Colluras“ hören auch nicht auf, wenn dieser sich auf einem Kreuzfahrtschiff eigentlich etwas entspannen soll. Viele kleine Fälle gilt es zu lösen, und oft ist die Angelegenheit anders, als es zunächst den Anschein hatte.

„Kurzen Prozess“ macht Nelly, als sie erfahren muss, dass ihr Ehemann sie um den gemeinsamen Lotteriegewinn betrogen hat und diesen nun mit seiner neuen Freundin genießen will. Aber ist es zu dem tödlichen Schuss wirklich so gekommen, wie die Polizei und Nelly selbst glauben?

„Um ein Haar“ hätte der Einbrecher Jeff getötet, wäre seine Frau Susan nicht beherzt dazwischen gegangen und hätte den Mann erschossen. Komisch ist nur, dass die Polizei gar nichts von dem Vorfall weiß und Susan plötzlich Geheimnisse vor ihm hat.

In „Zum Tode erwacht“ stellt ein Privatdetektiv Recherchen an: Warum hat sich Mary, die mit Sir John glücklich verheiratet war und ein Kind erwartete, erschossen? Je tiefer der Ermittler in der Vergangenheit gräbt, umso mehr zeichnet sich eine Tragödie ab. Soll er Sir John die Wahrheit mitteilen und dadurch das Andenken an die geliebte Frau zerstören?

Als Ken Abott in Geldnöte gerät, entsinnt er sich seines Vaters, der sich nach Afrika auf eine Schlangenfarm zurückgezogen hat. Der alte Mann wird von einer Schlange gebissen, und Ken hat es gar nicht eilig, ihm „Das Serum“ zu geben, denn sein Erbe würde alle Probleme lösen.

Auf einer Party stirbt Daisy Beech, eine charmante und intelligente Frau. Jemand hat sie erstickt! Das Zimmermädchen Digby und der Butler Ridgeway treten in die Fußstapfen von Sherlock Holmes und Dr. Watson, um „Digbys ersten Fall“ zu lösen.

Tom Peterlee wurde brutal erschlagen. Es gibt mehrere Personen, die ein Mordmotiv haben. „Die Maus in der Ecke“ hat sich gewehrt…

Die einzelnen Geschichten bieten reichliche Abwechslung, entführen sie doch ins viktorianische Zeitalter genauso wie in die Gegenwart, geschehen die Morde in Europa, Amerika oder Afrika, in einfachen Verhältnissen und in der High Society. Mal sind die Fälle düster und beklemmend, dann wieder mit einem Funken Humor erzählt. So ist wahrlich für jeden Geschmack etwas dabei.

Den Sprechern ist es gelungen, sich in die Figuren und die Atmosphäre der jeweiligen Erzählung hinein zu versetzen und die Geschehnisse so vorzutragen, dass man gespannt von Anfang bis Ende lauscht.

Die Gestaltung der Box erfreut durch solide Sets mit Display und Informationen zu den Autoren und Sprechern nebst Fotos. Dass kein separates Booklet beigefügt wurde, fällt gar nicht auf.

Als Geschenk für Krimi-Fans – und natürlich zum Behalten – ist „7 schlaflose Nächte“ gerade zu ideal, denn die vielfältige Sammlung bietet sieben spannende Hörvergnügen, die Lust auf mehr machen. (IS)

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7 schlaflose Nächte . Hochspannung mit TV-Stars

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Die Buddenbrooks

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. Februar 2009

Thomas Mann
Die Buddenbrooks

Nach dem Drehbuch von Heinrich Breloer und Horst Königstein und dem gleichnamigen Gesellschaftsroman, der erstmals im S. Fischer Verlag, Berlin, 1901, erschien
Der Hörverlag, München, 10/2008
2 CDs im Box-Set mit Display, Hörspiel, Belletristik, Drama, 978-3-86717-280-6, Laufzeit: ca. 173 Min., EUR 19.95
Regie Hörbuch: Marie-Luise Goerke/Serotonin
Produktion: Bavaria Film/Pirol Film Produktion/Colonia Media
Sprecher: Friedhelm Ptok, Armin Mueller-Stahl, Jessica Schwarz, August Diehl, Iris Berben u. a.
Musik: Hans Peter Ströer
Titelgestaltung von N. N.
Integriertes Booklet à 8 Seiten mit Informationen zu den Sprechern

www.hoerverlag.de
www.buddenbrooks-derfilm.de

„Die Buddenbrooks“ gilt als der erste große Gesellschaftsroman in deutscher Sprache. Thomas Mann verfasste die Erzählung nach dem Vorbild seiner Familiengeschichte in den Jahren 1897 – 1900. Der Roman erschien im S. Fischer Verlag (der heute noch als Fischer Verlag in Frankfurt eines der bedeutendsten Verlagshäuser für Belletristik ist) 1901 in zwei Bänden, 1903 in einem Band. Der hohe Preis verhinderte zunächst einen größeren Umsatz. 1918 waren nach kostengünstigeren Auflagen bereits 100.000 Ex. verkauft worden, 1930 nach Erscheinen der preiswerten Volksausgabe 1.000.000 Ex. 1929 erhielt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur für dieses Werk, das bis heute über 6.000.000 Mal verkauft wurde.

Das vorliegende Hörspiel basiert auf dem Fernsehfilm „Die Buddenbrooks“ und wartet mit den Originalstimmen auf. Geschildert werden Aufstieg und Untergang einer reichen Lübecker Kaufmannsfamilie im 19. Jahrhundert. Drei Generationen werden beobachtet, allerdings mit etwas anders gelagerten Schwerpunkten gegenüber dem Buch:

Jean Buddenbrook leitet die Geschäfte im Sinne seines verstorbenen Vaters weiter und mehrt den Reichtum der Familie. Der ältere Sohn Thomas tritt in seine Fußstapfen, während der etwas jüngere Christian lieber den Schauspielerinnen Avancen macht. Thomas übernimmt nach dem Tod des Vaters die Geschäfte.

Tochter Tony verliebt sich in einen Sozialisten, muss jedoch eine standesgemäße Ehe eingehen. Der Hamburger Kaufmann Bendix Grünlich vertuscht, dass er hohe Schulden hat und kann sich auch durch die reiche Mitgift nicht sanieren. Als die Wahrheit ans Licht kommt, zerbricht die ohnehin unglückliche Ehe. Tony heiratet erneut, wird jedoch von Alois Permaneder, der keinerlei Ehrgeiz zeigt, ebenfalls enttäuscht. Nachdem sie ihn mit der Köchin überraschte, reicht sie die Scheidung ein.

Thomas zieht eine angemessene Partie dem Blumenmädchen vor, mit dem er heimlich liiert war, und vermählt sich mit Gerda Arnoldsen. Doch auch hier gibt es Dissonanzen, da die Hingabe seiner Frau an die Musik seine Eifersucht weckt. Der gemeinsame Sohn entwickelt auch bald mehr Interesse an den schönen Künsten als am Geschäft, wodurch sich das Paar weiter entfremdet. Schließlich wird Thomas zum Senator gewählt.

Unterdessen zeigt Christian auch weiterhin keinerlei Ambitionen, sich für das Familienunternehmen zu engagieren, im Gegenteil: Er verabscheut die Arbeit, und seine Schulden kosten die Familie viel.

Einige glücklose Unternehmungen und unzuverlässige Partner lassen das Vermögen immer mehr schrumpfen. Und die Tragödie geht noch weiter…

Auch wenn man das Buch nicht gelesen oder/und den Film nicht gesehen hat, so zieht einen die Vorstellung der Schauspieler bzw. Sprecher in den Bann. „Die Buddenbrooks“ ist ein Familiendrama, das charakteristisch ist für jene Zeit des Umbruchs, in der die Patrizierfamilien Macht und Reichtum verloren, während die unteren Schichten für ihre Rechte kämpften und erstarkten. Wer sich starr an die alten Werte von einst klammerte, verpasste den Anschluss an die neue Ära und konnte letztlich nur scheitern.

Obwohl die Hauptfiguren unterschiedliche Wege einschlugen, wollte keiner die Zeichen der Zeit erkennen, und so ist keinem von ihnen Glück vergönnt. Thomas vermochte nie, sein großes Vorbild, seinen Vater, zu erreichen. Christian, der sich für das süße Leben entschied, fiel ihm schließlich zum Opfer. Tony wurde sowohl in der arrangierten wie auch in der Ehe aus Liebe enttäuscht, da ihre Erwartungen zu hoch waren. Selbst Gerdas schöne Zeit an Thomas’ Seite wärt nur kurz, und nach einem letzten schweren Verlust kehrt sie in ihre Heimat zurück.

Das Hörspiel folgt der Familienchronik und hebt die wichtigsten Ereignisse hervor. Spannung schöpft es aus dem Drama an sich, aus den tiefen Stürzen, die sich stets einer Phase des Erfolgs anschließen. Interessiert man sich für die modernen Klassiker und für Geschichten dieser Art, dann wird man von dem Titel gewiss nicht enttäuscht.

Die Gestaltung des Hörspiels ist angemessen: 2 CDs im Box-Set mit Display und Booklet. Schön wäre es gewesen, wenn dieses Fotos sowie Informationen zu Thomas Mann und seinem Werk und nicht nur zu den Sprechern der Hauptrollen beinhaltet hätte. (IS)

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Buddenbrooks: Das Hörspiel zum Film

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