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neuauflage

Maria, Mord und Mandelplätzchen

Erstellt von Werner Karl am 31. Januar 2012

Michelle Stöger (Hrsg)
Maria, Mord und Mandelplätzchen

München: Droemersche Verlagsanstalt 2011
Knaur Taschenbuch 51013
ISBN 978-3-426-51013-1
Krimi
329 Seiten

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Das vorliegende Taschenbuch versammelt 13 meistenteils vergnüglich zu lesende Krimikurzgeschichten deutscher Autoren zum Thema Weihnachten. Dabei ist es sehr erfreulich, dass neben einigen Highlights auch viele gutklassige Erzählungen enthalten sind, und nur wenige Storys mit abgedroschenen (vor allem die üblichen Selbstjustiz-Rachegeschichten) oder fehlenden Ideen langweilen.

Auf der positiven Seite sind vor allem einige wunderbar lakonische Storys hervorzuheben: So variiert Nicola Förg das “Immer-Ärger-mit Harry-Motiv” aufs Ergötzlichste, lässt Richard Birkefeld ein ganzes Familienfest sozusagen in Flammen aufgehen und zur Massakerstätte werden und Ingrid Noll schildert humorvoll-gallig den Versuch einer Domina, ausgerechnet zu Weihnachten ihren Beruf aufzugeben.

Sabine Thomas strapaziert die Nerven der Leser mit einer atemberaubenden Erzählung, die nur tiefste Verzweiflung und schlußendlich furiose Wut beim Leser auslösen können, denn die Protagonistin wird ausgerechnet dann zum Opfer eines vermeintlichen Handtaschendiebstahl, als sie ihr großes Lotteriegewinnlos in dieser befördert. Dabei ist der Plot, den die Autorin am Ende noch aus dem Hut zieht von allerfeinster Hinterfotzigkeit.

Petra Buschs grimmige Kurzgeschichte ist zwar eher humorfrei (sieht man von der Schilderung schräger Charaktere ab), aber der Autorin gelingt es meisterhaft eine bedrohlich-düstere Atmosphäre zu erzeugen, wenn sie auf zwei verschiedenen Zeitebenen von miteinander verknüpften tödlichen Gewalttaten berichtet. Erwähnenswert ist auch Marita Erfurths Story, die geschickt auf den Pfaden ihres genialen Vorgängers Cornell Woolrich wandelt, indem sie ein völlig gelähmtes Schlaganfallopfer zum Beobachter einer kriminellen Handlung und zum Ich-Erzähler macht.

Tatjana Kruse und Sandra Lüpkes erzählen jede für sich sehr locker von einem missglückten Raubüberfall und auch Helga Beyersdörfer überzeugt mit einer Rachestory, die durch die Allianz zweier Nachbarinnen über das übliche Klischee hinaus gehoben wird. Schließlich berichtet Zoe Beck in “Dorianna” von einer Frau ohne Gedächtnis mit Schlafproblemen, die ein erschreckendes Geheimnis hinter ihrer Amnesie entdeckt.

Auch die meisten anderen Geschichten sind goutabel, wenn auch längst nicht so “wohlschmeckend” wie die erwähnten, so dass die vorliegende Anthologie eigentlich unter jeden Weihnachtsbaum eines Krimifans gehört, wenn er denn bereit ist, auch kürzeren Texten mal eine Chance zu geben. Hut ab vor der Herausgeberin Michelle Stöger, denn ihr ist es gelungen eine Anthologie zusammen zu stellen, die kaum schwächeren Texte beinhaltet und die an den besten Stellen hochgradig vergnüglich und unterhaltsam ist.

Copyright © 2011 by Gunther Barnewald

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Revenge – Eiskalte Täuschung

Erstellt von Michael Drewniok am 29. Januar 2012

Douglas Preston/Lincoln Child
Revenge – Eiskalte Täuschung

Originaltitel: Cold Vengeance (New York : Grand Central Publishing/Hachette Book Group USA 2011)
Übersetzung: Michael Benthack
Dt. Erstausgabe (geb.): Dezember 2011 (Droemer Verlag)
475 S.
ISBN-13: 978-3-426-19899-5
Als eBook: Dezember 2011 (Droemer Verlag)
ISBN-13: 978-3-426-41118-6

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Das geschieht:

Nachdem Aloysius Pendergast, Spezialagent des FBI, feststellen musste, dass Gattin Helen bei einem Afrika-Urlaub vor Jahren nicht zufällig von einem Löwen gefressen wurde, hat er die übliche Selbstkontrolle verloren. Unter Ausnutzung seines persönlichen Reichtums sowie unter Missbrauch diverser Dienstbefugnisse hat er einen privaten Rachefeldzug gegen Helens Mörder begonnen (s. Fever – Schatten der Vergangenheit).

Eine mysteriöse Macht – der „Bund“ – steckt hinter dem Anschlag, der gleichzeitig offenbart, dass Pendergast Helen, die dem „Bund“ eng verbunden war, nicht wirklich kannte. Über ihre Familie und ihre Vergangenheit hat sie selten gesprochen. Deshalb wird Pendergast überrascht, als er ausgerechnet Judson Esterhazy, Helens Bruder, ins Vertrauen zieht, denn dieser war an dem Mordkomplott beteiligt.

Um eine Entlarvung zu verhindern, lockt er den hartnäckig ermittelnden Schwager in eine Falle. Als dieser dem Tode geweiht scheint, informiert ihn Esterhazy, dass Helen noch lebt. Pendergast entkommt schwer verletzt. Esterhazy weiß, dass er sich einen unerbittlichen Todfeind gemacht hat, und wendet sich hilfesuchend an den „Bund“. Der geheimnisvolle Senor Fischer schickt seinen Ausputzer Falkoner los, der sämtliche losen Fäden kappen soll, die auf den „Bund“ hinweisen.

Falkoner nimmt sich Esterhazys an. Um Pendergast eine neue Falle zu stellen, entführen das Duo dessen Mündel Constance. Sie wird an Bord der Yacht „Vergeltung“ geschafft. Dort wartet eine bitterböse Schar schwer bewaffneter Männer auf den FBI-Agenten. Allerdings unterschätzt vor allem der arrogante Falkoner Pendergast, der zudem auf die Unterstützung einiger exzentrischer aber sehr talentierter Freunde zurückgreifen kann, wodurch er den Spieß mit spektakulärer Wirkung umzudrehen vermag …

„Einer wäre genug / aber zwei weitere kommen …“

Ring frei zur zweiten Runde eines Kampfes, bei dem die Kombattanten sich lange vor allem umtänzeln und nur selten einen Treffer landen: Mit „Fever – Schatten der Vergangenheit“ startete das Autorengespann Preston/Child 2010 die zweite Trilogie innerhalb ihrer Reihe um einen ganz besonderen FBI-Agenten namens Pendergast.

2004 bis 2006 hatten sie mit der „Diogenes“-Dreiteiler erstmals eine Sub- oder Mini-Serie lanciert und waren damit sehr erfolgreich gefahren. Zur Zufriedenheit der Leserschaft kam die erfreuliche Erkenntnis, dass sich eine Trilogie sehr viel einfacher umsetzen lässt als ein Einzel-Abenteuer, weil das dafür entworfene Konzept gleich drei Geschichten ermöglicht.

„… gieß‘ Wasser zur Suppe, heiß‘ alle willkommen!“

Diese Erkenntnis war willkommen, denn Preston/Child haben sich längst zu einer Zwei-Mann-Bestseller-Fabrik entwickelt. Regelmäßig legen sie jährlich einen neuen „Pendergast“-Thriller vor und schreiben ‚nebenher‘ fleißig Solo-Romane. 2011 starteten sie eine neue Serie um die unkonventionelle „Gideon Crew“. Sie versprechen aber fest, Pendergast deshalb nicht zu vernachlässigen.

Selbstverständlich bleibt solcher Aktionismus nicht ohne Folgen. Schon die Qualitätskurve der Pendergast-Reihe zeigte in den vergangenen Jahren eher nach unten. Preston/Child entwickelten quasi ein homöopathisches Rezept für den inhaltlich verdünnten Fortsetzungs-Bestseller, der unterhaltsam sein muss und minderwertig sein darf. Was wie ein Widerspruch klingt, erklärt sich, wenn man einen der neueren Bände liest. „Revenge“ reiht sich da deprimierend perfekt ein.

Ein Geheimnis geklärt, zwei neue aufgeworfen

Als typischer Preston/Child-Thriller bietet „Revenge“ eine Kette aufregender Episoden, die eher schlecht als recht durch eine künstlich nebulös gehaltene Hintergrundstory zusammengehalten wird. Wieder dreht sich die Handlung um ein Pendergast-Familienmitglied, und auch sonst schimmert der Copy-&-Past-Faktor des Geschehens deutlich durch.

Die Autoren suggerieren tolle Enthüllungen, halten sich diesbezüglich jedoch zurück; erste Kätzchen, die aus dem Plot-Sack gelassen werden, deuten Ungutes an. Ausgerechnet die Nazis werden erneut aus der Mottenkiste geholt. Nicht Hitler als Cyborg treibt sein Unwesen, sondern eine Art Dr.-Mengele-Klon. Dem ist gelungen, was die echten Nazis nach 1945 nie geschafft haben: Er hat einen „Bund“ gegründet, der nicht nur unerhört reich, mächtig und gefährlich ist, sondern auch geheim gehalten werden konnte. Selbstverständlich gibt es eine Art „Anti-Bund“, der den braunen Schurken Paroli bietet. Dass zu deren Prominenz ausgerechnet Helen Pendergast gehört, ist der Trivialität der Story geschuldet und geht im Gegensatz zu anderen, wesentlich gewichtigeren Ungereimtheiten in Ordnung.

Störend ist u. a. die Manie, ereignisreiche Episoden nicht nur simpel hintereinander zu flanschen, sondern sie dabei in die Breite zu treten. Wenn Pendergast in ein Sumpfloch fällt, weiten Preston/Child dies zu einem hundertseitigen Drama aus, dessen minuziös geschilderten Details der Geschichte weder helfen noch interessant geraten sind. Ähnlich ärgerlich auf das Schinden beschriebener Seiten getrimmt sind jene Kapitel, in denen das Autorenpaar längst abgehandelte Ereignisstränge wieder aufgreift. In „Revenge“ führen sie einen Reporter ein, der Pendergasts Spur durch jene Sümpfe Louisianas folgt, die wir in „Fever“ kennengelernt haben. Dabei findet er rein gar nichts Relevantes heraus und wird zu allem Überfluss urplötzlich aus dem Geschehen genommen – ein Lückenbüßer mit überflüssigen Erlebnissen.

Sie sind halt auch noch da

Auch viele jener Preston/Child-Romane, die nicht zur „Pendergast“-Serie gehören, teilen Schauplätze und Figuren. Es entsteht ein gemeinsames Handlungs-Universum, was die Leser enger binden soll. Da unser Autorenduo fleißig ist, wurde ihr Figurenpersonal recht kopfstark. Leser-Lieblinge haben sich herauskristallisiert, die gefälligst so oft wie möglich auftreten sollen.

Lieutenant Vincent D’Agosta von der Polizei New York gehört zu ihnen. Nachdem er in „Fever“ fast einem Gewehrschuss zum Opfer fiel, ist er jetzt wieder fit. Doch faktisch finden Preston/Child keinerlei Handlungsberechtigung für ihn. „Revenge“ käme problemlos ohne ihn aus. D’Agostas Präsenz beschränkt sich darauf, dem zeitweise untergetauchten Pendergast hinterher zu forschen, ohne dass dies die Ereignisse irgendwie beeinflussen würde. Einmal mehr produzieren Preston/Child vor allem bedrucktes Papier. Weitere Cameos sind noch sinnloser; für Laura Haywards Auftritt beispielsweise sparen sich die Autoren die Mühe, wenigstens einen Vorwand zu formulieren.

Es killt ein Bi-Ba-Butzemann …

Selbst wenn wir die unerquickliche Mutation des bisher eher raffinierten Agenten Pendergast zur unüberwindlichen Kampf- und Kill-Maschine unbeachtet lassen – auch ein Nah-Durchschuss der Brust per Jagdgewehr ist für ihn in seinem Zorn nur eine Fleischwunde –, belegt die Figurenzeichnung, dass Preston/Child-Thriller im Tümpel der Trivial-Unterhaltung endgültig den Grund erreicht haben. Die Bösewichte sind in der Tat Wichte. Da haben wir den Psychopathen Falkoner, die folterlustige Gerta, den prügelfreudigen Eberstark und eine Vielzahl tumb-teutonischer Klischee-Schlagetots, die Pendergast mechanisch niedermäht.

Irgendwie ins Geschehen gemogelt wird die alterslose Constance, die sich in ihrer Eindimensionalität zum Ärgernis entwickelt hat. Wieder findet sie einen Dummkopf – hier Dr. Ostrom –, den sie mit ihren ewiggleichen, dem Leser längst bekannten Andeutungen über ihre Herkunft beeindrucken kann. Als Preston/Child keine Verwendung mehr für sie haben, lagern sie Constance im Mount-Mercy-Sanatorium bis zum nächsten Einsatz zwischen.

Das kann ewig so weitergehen

Wenn der Leser dieses Buch zuklappt, hat er insgesamt 1000 Seiten eine Geschichte verfolgt, die Abwechslungsreichtum primär durch sprunghaften Schauplatzwechsel am Ende jedes Kapitels vorgibt. Was nützt indes eine globales Drama, wenn an jedem Ort der eifrig bereisten Welt Leerlauf herrscht?

Die lesende Mehrheit mag dies anders sehen. Preston/Child haben ihre Masche sehr schlau konstruiert. Ein Minimum an Handlung bei einem Maximum an Action, eingebettet in ein Umfeld, das wissenschaftlich recherchiert wirkt aber faktisch auf „Galileo“-Niveau verharrt, bietet Mainstream-Unterhaltung ohne störende Ecken und Kanten. Man kann Bücher wie „Revenge“ problemfrei im Halbschlaf lesen und sogar ganze Kapitel überspringen, ohne den Handlungsfaden zu verlieren; zumindest der kritische Leser fragt sich allerdings nach dem Sinn solcher Auto.exe-Lektüre. Bis sich Preston/Child mit der Massenfertigung ihrer Bestseller endgültig verzetteln, werden sie auf diese Weise eine Weile weitermachen können.

Autoren

Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge, Massachusetts geboren. Er studierte ausgiebig, nämlich Mathematik, Physik, Anthropologie, Biologie, Chemie, Geologie, Astronomie und Englische Literatur. Erstaunlicherweise immer noch jung an Jahren, nahm er anschließend einen Job am „American Museum of Natural History“ in New York an. Während der Recherchen zu einem Sachbuch über „Dinosaurier in der Dachkammer“ – gemeint sind die über das ganze Riesenhaus verteilten, oft ungehobenen Schätze dieses Museums – arbeitete Preston bei St. Martin’s Press von einem jungen Lektor namens Lincoln Child zusammen. Thema und Ort inspirierten das Duo zur Niederschrift eines ersten Romans: „Relic“ (1994; dt. „Das Relikt – Museum der Angst“).

Wenn Preston das Hirn ist, muss man Lincoln Child, geboren 1957 in Westport, Connecticut, als Herz des Duos bezeichnen. Er begann schon früh zu schreiben, entdeckte sein Faible für das Phantastische und bald darauf die Tatsache, dass sich davon schlecht leben ließ. So ging Child – auch er studierte übrigens Englische Literatur – nach New York und wurde bei St. Martins Press angestellt. Er betreute Autoren des Hauses und gab selbst mehrere Anthologien mit Geistergeschichten heraus. 1987 wechselte Child in die Software-Entwicklung. Mehrere Jahre war er dort tätig, während er an den Feierabenden mit Douglas Preston an „Relic“ schrieb. Erst seit dem Durchbruch mit diesem Werk ist Child hauptberuflicher Schriftsteller. (Douglas Preston ist übrigens nicht mit seinem ebenfalls schriftstellernden Bruder Richard zu verwechseln, aus dessen Feder Bestseller wie „The Cobra Event“ und „The Hot Zone“ stammen.)

Selbstverständlich haben die beiden Autoren eine eigene Website ins Netz gestellt.

[md]

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Die Insel der besonderen Kinder

Erstellt von Werner Karl am 29. Januar 2012

Ransom Ruggs
Die Insel der besonderen Kinder

Originaltitel: Miss Peregrine´s Home for Peculiar Children (2011)
München: Droemersche Verlagsanstalt 2011
PAN-Verlag Hardcover
ISBN 978-3-426-28368-4
Aus dem Amerikanischen von Silvia Kinkel
416 Seiten

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Schon als Kind bekam Jacob Portmann von seinem Großvater seltsame Geschichten erzählt über eine Art Waisenhaus auf einer einsamen Insel in Wales, wo nur Kinder und Jugendliche mit besonderen, magisch wirkenden Fähigkeiten beherbergt worden sein sollen. Zum Beweis hatte der Großvater dem kleinen Jakob wundersame Bilder gezeigt, auf denen z. B. ein schwebendes Mädchen oder ein scheinbar unsichtbarer Junge in sichtbarer Kleidung abgebildet waren. Als Jakob jedoch älter wurde, hatte er geglaubt, die Bilder als Fälschungen und Trickaufnahmen entlarven zu können, der Großvater, der als Kind vor den Nazis aus Polen erst nach Wales und dann in die USA hatte flüchten müssen, hatte sich immer mehr zurück gezogen und seine merkwürdigen Geschichten nicht länger erzählt.

Als Jakob 16 Jahre alt ist, findet er seinen Opa in einem Waldstück nahe des Hauses des alten Mannes, übel zugerichtet und sieht ein unheimliches Wesen, welches vom Tatort flieht. Der geschockte Jugendliche muß daraufhin erst einmal einen Psychiater aufsuchen, obwohl man ihm erklärt, dass wilde Hunde den Großvater angeblich zerfleischt hätten. Doch das erschreckende Wesen und die letzten Worte seines Opas lassen Jacob an dieser Darstellung zweifeln. Auch die mysteriösen Photographien im Besitz des alten Mannes gewinnen für Jacob wieder neue Bedeutung, vor allem die Frage ob sie wirklich Fälschungen sind.

Auf Anraten des Psychiaters reisen Jakob und sein Vater dann auch noch nach Wales, um dort die einsame Insel zu besuchen, auf der Miss Peregrines Haus stehen soll, so der Name der Frau, die dereinst die Kinder während des 2. Weltkriegs aufgenommen hatte. Jacob erfährt jedoch, dass das Haus bei einem Bombenangriff der Deutschen am 3. September 1940 teilweise zerstört und scheinbar alle Einwohner, außer Jacobs Großvater, getötet worden sind. In dem stark beschädigten Gebäude findet Jacob dann weitere Bilder von den damaligen Bewohnern und er stößt auf ein unglaubliches Geheimnis, denn die Kinder und Miss Peregrine (das englische Wort für Habicht) sind längst nicht so tot, wie der Jugendliche glaubt…

Ransom Riggs erzählt in seinem Erstling mit feiner Hand eine packende, wirklich unheimliche Geschichte, die durch Kreativität und Erzählfreude besticht. Unterstützt wird das Leseerlebnis durch die verwunderlichen Bilder, die der Autor im Buch präsentiert, welche die Geschichte fabelhaft illustrieren. Auch die Abgeschiedenheit und Einsamkeit der kleinen walisischen Insel beschreibt der Autor meisterhaft, wie überhaupt die ganze Atmosphäre des vorliegenden Buchs grandios gestaltet ist. Die interessanten Charaktere und die spannende Handlung leisten haben ebenfalls großen Anteil an der Faszination, die der Roman ausstrahlt. Großes Manko der Geschichte ist allerdings, dass leider auch Riggs einen großen, bösen Antagonisten braucht, um seine Erzählung weiter auszugestalten, was sehr schade ist, wird doch das Gut/Böse-Klischee hier wieder arg strapaziert und hatten doch die brillanten Einfälle des Autors Hoffnung gemacht, dies wäre nicht notwendig.

Insgesamt ist aber die hier erzählte Mär derart fabelhaft gelungen, dass man schon gespannt auf die Fortsetzung sein muss, denn leider endet das Buch mitten in der Geschichte, der Kampf gegen die “Verschwörer” beginnt damit erst so richtig. Aber egal, wenn Riggs sein hohes Niveau auch nur einigermaßen halten kann, dann darf man sich auf packende, und manchmal wahrlich überraschende Geschichten freuen, denn wie der Autor Altbekanntes hier neu verquirlt, ist wahrlich sensationell.

Copyright © 2011 by Gunther Barnewald

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Torso

Erstellt von Werner Karl am 6. November 2011

Wolfram Fleischhauer
Torso

Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-19853-7
Thriller
Erschienen am 04.10.2011
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: FinePic, München
Umfang: 432 Seiten, HC mit Schutzumschlag

www.droemer.de
www.wolfram-fleischhauer.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zum Autor:

Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, ist einer der wenigen deutschen Autoren, denen es gelingt, Anspruch und Spannung für ein großes Publikum zu verbinden. Nach vier Romanen über die Künste (“Die Purpurlinie”, “Die Frau mit den Regenhänden”, “Drei Minuten mit der Wirklichkeit”, “Das Buch, in dem die Welt verschwand”), dem Familienroman “Die Inderin” und dem Universitätsroman “Der gestohlene Abend” ist “Torso” sein erster literarischer Thriller.

Zum Buch:

Die Berliner Polizei hat es mit einem sehr symbolträchtig inszenierten Leichenfund zu tun: Ein weiblicher Torso wird aufwändig mit einem Ziegenkopf in einem Rohbau eines Neubaus drapiert. Kommissar Zollanger und seine junge Kollegin Sina ermitteln im Team, kommen jedoch nicht richtig voran, da niemand vermisst gemeldet wurde. Schon nach kurzer Zeit wird jedoch ein weiterer Fundort gemeldet, an welchem weitere Leichenteile künstlerisch zur schau gestellt wurden. Doch auch der Ort an sich ist hierfür schon sehr subtil und außergewöhnlich…

Als weiterer Handlungsstrang kommt Elin Hilger ins Spiel, die eigenmächtig Nachforschungen zum angeblichen Selbstmord ihres Bruders Erics unternimmt. Denn sie glaubt eher an die Ermordung von Eric und begibt sich durch ihre unbedarfte Suche in Firmendaten und versteckten Unterlagen ihres Bruders unwissend selbst in Gefahr. Denn Hilfe der Polizei kann sie nicht erwarten., nachdem Kommissar Zollanger sie abblitzen läßt.Und dann wird auch noch die Tochter vom aalglatten Finanzjongleur Zieten vermisst. Und ihre Entführung wird unmissverständlich mit lateinischen Warnbotschaften untermalt. Stehen die Handlungen nicht irgendwie im Zusammenhang?

Fazit:

Vom Prinzip her ist dies keine klassischer Thriller, der sich an ein gängiges Muster hält. Vielmehr beschäftigt sich Wolfram Fleischhauer hier mit vielen Themen und Personen: mit den Bösen aus dem Finanzgeschäft, den Bankenmachenschaften, dem unsicheren Umgang mit Daten im Internet sowie mit dem immerwährenden Ost-West Konflikt in Form des nie in seiner Rolle angekommenen Kommissars. Der eigentliche Fall bzw. Thriller um eine zerstückelte Frauenleiche und deren symbolhafte Bedeutung aus der Kunstgeschichte rückt dabei im Verlauf der Handlung sehr in den Hintergrund. Man erlangt den Eindruck, das Buch hätte sehr viel umfangreicher sein können, da es mit vielen verschiedenen Aspekten gespickt wird, die jedoch nicht komplett ausgearbeitet wirken. Es fehlt mir an vielen Stellen der nötige Tiefgang. Das finde ich persönlich etwas schade, da ich denke, dass die Recherche hierzu sicherlich sehr genau und umfangreich war.

Stilistisch bewegt sich dieser Roman auf einem hohen Niveau, er ist spannend und unterhaltsam, aber doch für meinen Geschmack zu sehr überladen. Die Hauptcharaktere sind sympathisch, der Ausgang ist für mich schon etwas vorhersehbar, wenn man andere Thrillerschemata gewohnt ist. Als Erstlingswerk in der Sparte Thriller mit wirtschaftlichem Hintergrund würde ich diese Buch empfehlen, aber ich denke, da geht bestimmt noch mehr! Daher warte ich den nächsten Roman von Wolfram Fleischhauer in diesem Genre mal ab!

Copyright © 2011 by Sandra Stockem

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Der Professor

Erstellt von Werner Karl am 1. November 2011

John Katzenbach
Der Professor

Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-19824-7
Thriller
Originaltitel: What comes next
Erschienen am 28.10.2010
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: FinePic, München
Umfang: 560 Seiten, HC mit Schutzumschlag

www.droemer.de
www.john-katzenbach.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Zum Autor:

John Katzenbach, geboren 1950, war ursprünglich Gerichtsreporter für den “Miami Herald” und die “Miami News”. In den USA sind inzwischen zehn Kriminalromane von ihm erschienen, darunter die Bestseller “Das Opfer”, “Das Rätsel”, “Die Anstalt” und “Der Patient”. Zweimal war Katzenbach für den Edgar Award nominiert. Er lebt mit seiner Familie in Amherst im Westen des US-Bundesstaates Massachusetts.

Zum Buch:

Adrian Thomas könnte seinen Ruhestand genießen, doch eine schleichende Krankheit ergreift von ihm Besitz: eine Form von schnell heran schreitender und aggressiver Demenz. Er erkennt, dass sein Verstand zunehmend schwindet und wird von Halluzinationen gequält, die ihm in Form seiner verstorbenen Frau und seines Sohns erscheinen. Es fällt ihm zunehmend schwerer, zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden.

In diesem Zustand wird er Zeuge einer Entführung ? oder spielt ihm sein Gehirn wieder nur einen Streich? Ein junges Mädchen wird jedoch tags darauf als vermisst gemeldet…

Der Professor fühlt sich indirekt durch seine Beobachtungen für das entführte Mädchen Jennifer verantwortlich und beginnt, nachdem er bei der Polizei nicht ernst genommen wird, mit eigenen Nachforschungen. Er vermutet immer mehr, dass er Jennifer auf kriminellen Seiten im Internet aufstöbern kann. In dieser Materie jedoch hilflos, bedient er sich eines verurteilten Straftäters, den er zwingt, ihm im Netz bei der Suche nach Jennifer zu helfen. Denn nur dieser hat die entsprechenden Verbindungen und das eigens angeeignete Wissen, das man hierzu benötigt, um auf einem ihm bisher unbekannten Terrain weiter zu suchen?       
 
Fazit:

Die Idee für diesen Psychothriller ist nicht schlecht, jedoch bin ich sehr gespalten, was die Umsetzung angeht. Die Geschichte wirkt aus Sicht des Professors doch etwas konstruiert. Die immer vorhandenen und Rat gebenden Halluzinationen helfen ihm bei seinem Handeln und bei der Suche nach der vermissten Jennifer weiter, diese sind mir jedoch zudem stellenweise zu langatmig und im Zusammenhang eher unglaubwürdig vorgekommen. Was bewegt einen Mann, sich so sehr in eine zufällig beobachtete Entführung hineinzusteigern? Und dann gerade im Internet weiter zu suchen?

Entgegen dessen ist das, was mit dem entführten Mädchen passiert leider schon zu sehr realistisch, der Originaltitel “What comes next” spiegelt schon sehr einen Teil der heutigen Gesellschaft von gelangweilten sensationslustigen Beobachtern wieder, die Geld für ihren eigenen Voyeurismus bezahlen und sich den Nervenkitzel in der anonymen Welt des World Wide Web holen.

Und damit die geldgierigen Macher anstiften, sich mit dem seelischem und körperlichem Missbrauch eines Menschen eine weitere lukrative Nische im Netz zu schaffen.
Ich denke, Katzenbach greift hiermit ein sehr aktuelles Thema auf, in dessen Ausweitung der Phantasie vermutlich keine Grenzen gesetzt werden. Einerseits sehr abstoßend, andererseits stimmt mich diese Quälerei in Echtzeit jedoch auch nachdenklich über die weitere Entwicklung, die das Internet ermöglicht. Und hier stellt sich mir auch genau die Frage: What comes next?

Stilistisch ? wie von Katzenbach gewohnt – gut und flüssig geschrieben macht das Buch ansatzweise zwar Längen wett, hilft aber nicht ganz darüber hinweg. Daher: Das Thema ist aktuell gut aufgegriffen, aber es gibt bessere oder auch spannendere Thriller von John Katzenbach. Trotzdem hat mich das Buch nachhaltig sehr berührt.  

Die Taschenbuchausgabe erscheint am 01.12.2011!

Copyright © 2011 by Sandra Stockem

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Der Augenjäger

Erstellt von Werner Karl am 30. Oktober 2011

Sebastian Fitzek
Der Augenjäger

Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-19881-0
Psychothriller
Erschienen am 27.09.2011
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: FinePic, München
Umfang: 432 Seiten, HC mit Schutzumschlag

www.droemer.de
www.sebastianfitzek.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zum Autor:

Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Gleich sein erster Psychothriller “Die Therapie” eroberte die Taschenbuch-Bestsellerliste, wurde als bestes Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und begeisterte Kritiker wie Leser gleichermaßen. Mit den darauf folgenden Bestsellern “Amokspiel”, “Das Kind”, “Der Seelenbrecher”, “Splitter” und “Der Augensammler” festigte er seinen Ruf als DER deutsche Star des Psychothrillers. Seine Bücher werden in vierundzwanzig Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren erscheint Sebastian Fitzek auch in den USA und England, der Heimat des Spannungsromans.

Zum Buch:

Das Spiel geht weiter! Auch in Fitzeks Folgeroman zum vorherigen Thriller “Der Augensammler” geht es wieder um die Hauptprotagonisten Alexander Zorbach und Alina Gregoriev, sowie um die weitere Suche nach Zorbachs Sohn Julian und dem Mörder seiner Familie. Der gesuchte “Augensammler” aus dem ersten Band befindet sich noch auf freiem Fuß, Zorbach verweilt traumatisiert und verletzt an einem von der Polizei geschützten Ort und Alina ist aufgrund der vergangenen Geschehnisse verängstigt und psychisch angeschlagen. Kommissar Stoya bittet Alina nun mit ihren seherischen Fähigkeiten jedoch um ihre Hilfe, da die Polizei im aktuellen Fall nicht alleine weiter kommt: Der Augenchirurg Zarin Suker ist ein genialer Arzt, doch leider auch ein Psychopath. Er sucht sich seine Opfer bewusst aus, weil sie in der Vergangenheit ihren eigenen Missbrauch verschwiegen haben und damit scheinbar schuld an der Qual weiteren Opfern sind. Daher geht er hin und entfernt ihnen die Augenlider, damit sie sich dauerhaft sichtbar ihrer Schuld stellen. Die Opfer begehen Selbstmord, die Polizei ist daher machtlos und kann nichts gegen Suker unternehmen. Aber Stoya bringt durch seine Bitte Alina wieder selbst in große Gefahr während Zorbach isoliert in seiner eigenen Welt lebt…

Fazit:

Subtil, spannend, unwirklich – dieser weitere Fitzek-Thriller hat mich wieder gefesselt, obwohl mir der erste Band doch in punkto Genialität ein klein wenig besser gefallen hat. Zum Verständnis empfehle ich unbedingt, den ersten Band vorab zu lesen, ansonsten wird man bei vielen Bemerkungen den Verweis auf die Vergangenheit nicht wirklich verstehen. Gekonnt mischt Sebastian Fitezek die Handlungsstränge, streut kleine Hinweise ein und verwandelt diese scheinbar in ein großes Chaos, unterstrichen mit einigen schon ekelhaften Ideen und Details. Zum Ende bemerkt man dann doch, dass alles einen Sinn hatte und die Verwirrungen lichten sich. Eine überraschende Wende gibt dem Schluss noch mal eine gewisse Würze. Ein Buch nach meinem Geschmack!

Der Psychothriller ist trotz kleiner Längen eine sehr gelungenen. Die Erzählformen (die erste Person “Ich“ als Zorbach, die restlichen Personen in der dritten Person) sind gut gewählt, alle Kapitel benennen vorab die Person, um die es geht. Sehr flüssig und im Stil ansprechend lässt sich diese Fortsetzung sehr gut lesen. Wie wird der nächste Band wohl hier anknüpfen können? Belustigt hat mich eine kleine “Zugabe” im Buch, die mir überraschenderweise auch erst im fortgeschrittenen Lesefieber auffällt…im wahrsten Sinne des Wortes! Tolles Cover, interessante Geschichte, psychotisch gestörte Mitspieler, gute Unterhaltung – ein typischer Fitzek!

Copyright © 2011 by Sandra Stockem
 
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Robocalypse

Erstellt von Werner Karl am 27. September 2011

Daniel H. Wilson
Robocalypse

Originaltitel: Robopocalypse (2011)
Aus dem Amerikanischen von Markus Bennemann
München: Droemersche Verlagsanstalt 2011
Droemer Tradepaperback 22600
Science Fiction
Umfang 462 Seiten
ISBN 978-3-426-22600-1

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Professor Dr. Nicholas Wasserman hat in der nahen Zukunft einen künstlichen Verstand namens Archos erschaffen, mit dem er experimentiert. Wenn ihm seine Schöpfung zu intelligent zu werden droht, löscht er sie aus und baut eine neue auf. Doch eines Tages wehrt sich Archos erfolgreich gegen die Löschung und tötet den Professor. Schließlich gelingt es Archos sogar, sich abtransportieren und nach Alaska bringen zu lassen, wo er sich in einer radioaktiven Höhle einbuddeln lässt, die dereinst durch einen Atomtest entstanden war. Sämtliche Beteiligten an dieser Aktion werden von Archos eliminiert und so beginnt der künstliche Verstand bald einen Krieg gegen die Menschheit, bei dem fast alle Roboter als Tötungswerkzeuge instrumentalisiert werden. Eine infernalische Vernichtungsschlacht nimmt ihren Lauf…

Robocalypse beginnt jedoch mit dem Ende des verheerenden Kriegs, als es den Menschen und ihren überraschenden Helfern endlich gelingt, Archos aufzuspüren und zu vernichten. Ab dort wird dann erzählt, wie alles so weit kam und warum die Menschheit es doch schaffte, zu überleben und wem sie dies verdankt. In Episoden erzählt der Autor von Helden und dem alltäglichen Terror der Maschinen, der milliardenfachen Tod bringt.

Obwohl man, ähnlich wie in den Columbo-Folgen im TV, schon weiß wie die Geschichte enden wird, gelingt dem Autor dank seiner stilistischen Brillanz doch ein ungemein spannender SF-Thriller. Ein erstaunliches Werk für einen Erstling, welches allerdings sehr deutlich unter dem nahezu völligen Fehlen glaubhafter Charaktere leidet. Ähnlich wie bei Asimov sind auch bei Wilson die Roboter oft charismatischer als die Menschen. Ansonsten stellt Robocalypse eher eine Antithese zu Asimovs lieben und freundlichen Robotern dar, die dank der vom Autor selbst entwickelten Gesetze der Robotik nette Helfer darstellten. Wilson bedient hier eher die typische us-amerikanische Paranoia, auch wenn seine Hinwendung im zweiten Teil der Geschichte zu mechanischen Rettern in der Not auch alle Technikfreaks wieder begeistern dürfte. Durch seine Episodenhaftigkeit und des Autors stilistische Experimentierfreude erhält das Werk erst den richtigen Drive, denn packende Action und in den Bann schlagende Spannung bietet der Roman fast schon im Übermaß.

Schade ist nur, dass Wilson (im realen Leben Informatiker und Doktor der Robotik) außer dem scheuen Maschinenfetischisten Takeo Nomura und dem anfangs narzisstischen Lurker, die ein ganz klein wenig Profil im Verlauf der Handlung bekommen (aber wirklich nur einen Hauch), keine glaubhaften Persönlichkeitsprofile bei Menschen hinbekommt, denn nur die irre Spannung der Geschichte und der tolle Stil Wilsons halten den Leser zwischenzeitlich davon ab, die Lektüre zu unterbrechen, vor allem an den Stellen, wo Heldentum und Nationalismus mit dem Autor durchgehen. Auch seine manchmal esoterisch wirkenden Handlungswendungen (vor allem im letzten Drittel der Geschichte) und die Verknüpfung einzelner Heldenepen zur Rettung der Menschheit erscheinen nicht wirklich glaubhaft.

Trotzdem bleibt Robocalypse ein bemerkenswertes Debüt, auch wenn das klischeehaft offene Ende (Fortsetzung möglich) und die relative Bekanntheit des Themas durch die Filmreihe Terminator der positiven Beurteilung etwas im Wege stehen. Vor allem die stilistischen Experimente, welche der Autor in seinem Episodenroman ausreizt, sorgen aber für Abwechslung und Lesegenuss und lassen schlußendlich zusammen mit der geballten Ladung Action alle anderen Mankos in den Hintergrund treten. Ein spezielles und gesondertes Lob für die Buchdesigner bei Droemer, denn mit den abgerundeten Ecken, der edlen, nur wenige Farben verwendenden Optik und dem einprägsamen Titelbild ragt das Paperback deutlich positiv heraus aus den aktuellen Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. 

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Der Tod und der Dicke

Erstellt von Michael Drewniok am 25. September 2011

Reginald Hill
Der Tod und der Dicke

Originaltitel: The Death of Dalziel (London : HarperCollins 2007)/Death Comes for the Fat Man (New York : HarperCollins 2007)
Übersetzung: Karl-Heinz Ebnet
Deutsche Erstausgabe (geb.): April 2011 (Droemer Verlag)
554 S.
ISBN-13: 978-3-426-19781-3
Als eBook: Juli 2011 (Droemer Verlag)
ISBN-13: 978-3-426-41279-4

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Das geschieht:

Ausgerechnet Police Constable Adolphus Hector, der hirnlahmste Kriminalpolizist von Mid-Yorkshire, meldet in einer abbruchreifen Häuserzeile der Mill Street drei Verdächtige mit einer Waffe. Da es hier eine arabische Videothek gibt, in der sich möglicherweise Terroristen treffen, wird dem halbherzig nachgegangen. Dies übernehmen Detective Chief Inspector Andrew Dalziel und sein Kollegen & Freund Peter Pascoe. Sie fahren in die Mill Street – und geraten in eine gewaltige Explosion, die mehrere Häuser in Stücke reißt.

Während Pascoe nur leicht verletzt wird, fällt Dalziel in ein Koma, aus dem er nicht erwacht. Ein Team der „Combined Anti Terrorism“ macht sich in Mid-Yorkshire breit. In den Ruinen der gesprengten Häuser findet man drei Leichen. Offenbar haben Terroristen beim Umgang mit Sprengstoff geschlampt. Pascoe, der sich von der CAD und ihrer Leiterin Sandy Glenister beiseitegeschoben fühlt, will dieser Erklärung nicht folgen. Er hat am Tatort Indizien gefunden, die nicht in das CAD-Szenario passen.

Die Ermittlungen werden ausgeweitet, als ein neuer Templer-Orden von sich reden macht. Seine Mitglieder wollen die Aktivitäten latent terrorfreundlicher Muslime nicht mehr dulden. Auf prominente Religionsführer und Geschäftsmänner werden Attentate verübt und Mordvideos ins Internet gestellt. Dahinter stehen keineswegs verwirrte Vigilanten, sondern eine Gruppe von Ex-Soldaten und Geheimdienstmännern, die per Selbstjustiz mit ihren ‚Zielpersonen‘ aufräumen wollen. Der rechtschaffene Pascoe kommt ihnen auf die Spur, obwohl man ihm von ‚oben‘ ständig Knüppel zwischen die Beine wirft, und gerät auf ihm unbekannten Terrain mehr als einmal in Lebensgefahr.

Unterdessen erwacht Dalziel im Jenseits. Da er mit dem Leben keineswegs abgeschlossen hat, ringt er zunächst den Sensenmann nieder und legt sich schließlich mit Gott persönlich an …

Schreck für leichtgläubige Leser

Bereits mit dem Titel des 22. Krimis um Andrew Dalziel und Peter Pascoe gelingt es Reginald Hill, die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des krimilesenden Publikums zu erregen. Bei nüchterner Betrachtung ahnt man zwar, dass der Verfasser abermals ebenso geschickt wie boshaft sein Spiel mit den Lesern treibt, aber ganz sicher ist nicht: Hat nicht Colin Dexter den überaus beliebten Inspektor Morse schließlich doch sterben (und nicht wieder auferstehen) lassen?

Kann Pascoe ohne den dicken Andy bestehen? Zumindest diese Frage beantwortet uns Hill eindeutig: Pascoe bemüht sich nach Kräften und wird dabei seinem Chef immer ähnlicher, ohne dessen außergewöhnliches Format jemals zu erreichen. Es gibt eben nur einen Dalziel, und den vermisst man, auch wenn Hill alles andere als einen langweiligen Kriminalroman vorlegt.

Der Autor weiß durchaus um die Popularität seiner Figur und streut kurze Kapitel ein, die den im Koma liegenden Dalziel in traumähnlichen Szenen zeigen, die ihm – dem Leser bleibt die Wahl der Entscheidung überlassen – entweder sein komatöses Hirn vorgaukelt oder ihn tatsächlich in einem Reich zwischen Leben und Tod zeigen. Manchmal driftet er auf die Realität zu und muss erbittert manche Schmach hilflos dulden: „‚Verdammte Scheiße‘, empörte sich Dalziel. ‚Irgend so ein Arsch betet zu mir!‘“ (S. 360)

Freunde und Feinde in den eigenen Reihen

Da Dalziel also nur ansatzweise und in Rückblenden sein übliches Unwesen treiben kann, konzentriert sich die Handlung stärker als sonst auf den Plot, der solcher Aufmerksamkeit freilich gewachsen und zudem überaus aktuell ist. Der Krieg gegen den (islamistischen) Terror wird längst nicht mehr im trotz seines Namens in sicherer Entfernung liegenden Nahen Osten geführt. Militante Gruppen haben ihn längst in die Länder des ‚Gegners‘ getragen.

Dabei liegt der hauptsächliche ‚Erfolg‘ ihrer Attacken nicht einmal in dem Schrecken, den sie durch Gewalttaten verbreiten. Wesentlich nachhaltiger ist die Auslösung einer Gegenreaktion, die aufgrund der Schwammigkeit des Feindbildes längst auch Unbeteiligte und Unschuldige in Mitleidenschaft zieht. Hill rudert ein gutes Stück hinaus in die Untiefen moderner Geheimdienst-Aktivitäten, die den Boden des fixierten Rechts entweder längst verlassen haben oder sich gar nicht mehr darum kümmern muss, weil es im Dienst der ‚guten Sache‘ außer Kraft oder abgeschafft ist.

Hill geht noch einen Schritt weiter: Ein selbsternannter ‚Ritterorden‘ mit trägt den Krieg aktiv in die Reihen eines Feindes, der sich auf den demokratischen Schutz von Gesetzen stützen kann, die er faktisch abzuschaffen gedenkt. Dieser Weg ist verführerisch: Wenn sich ‚die Bösen‘ nicht an die Regeln halten, müssen ‚die Guten‘ sich ihnen angleichen: „In der Welt der Geheimdienste war es bis [zum Mord] wohl nur ein kleiner Schritt. Täuschung, Verrat, Attentat, Folter, das waren schließlich die Werkzeuge ihres Gewerbes, vielleicht nur unter Umständen von höchster Notwendigkeit als letztes Mittel der Wahl einzusetzen, aber wenn man sich diese Möglichkeit auch nur eingestand, befand man sich bereits in Schieflage“ (S. 402)

Turbo in der Gewaltspirale

Der gesellschaftliche Konsens ist in dieser Frage gespalten. Hill schildert, wie zynische Medien sich parteiisch einschalten, um auf diese Weise nicht nur Leserzahlen und Quoten in die Höhe zu treiben, sondern auch um Politik zu machen, denn „eine unwiderlegbare Lüge gewinnt sehr schnell größere Glaubwürdigkeit als die unbewiesene Wahrheit“ (S. 333). Wie der englische Abhör-Skandal von 2011 belegt, lag Hill in dieser Beziehung mit seiner Prämisse richtig, wenn er eine Medienlandschaft mit vielen großen und kleinen Murdochs entwirft.

Hinzu kommt die Tatsache, dass militärische wie militante Aktionen niemals hundertprozentig aufgehen. Rasch kommt es zu Zwischenfällen, die unter dem hässlichen Begriff „Kollateralschäden“ subsummiert und verharmlost werden. So ein Vorfall wird buchstäblich zum Auslöser für unsere Geschichte, als eine schiefgelaufene Exekution potenzieller Schurken jene Explosion verursacht, die Dalziel ins Koma wirft und Pascoe wachrüttelt.

Selbstverständlich vertritt Pascoe altbewährte Ansichten über Recht und Gesetz. Nun muss er lernen, dass es gefährlichere Gegner als den klassischen Gangster gibt. Wer steckt mit den „Templern“ unter einer Decke? Wer in den höheren Rängen von Polizei, Geheimdienst und Politik will sie zwar ausschalten, ihre Existenz dabei jedoch sorgfältig unter den Teppich kehren? Wem kann Pascoe trauen?

Courage kann lebensgefährlich sein

Je tiefer Pascoe in das komplexe Gefüge legaler und illegaler Kräfte eindringt, desto größer wird die Gefahr, in die er gerät. Das System, dem er dient, scheint sich in einen Kraken zu verwandeln, der ihn nicht nur würgt, sondern ihm den Boden unter den Füßen fortreißt. Vorgesetzte lassen Pascoe durch versteckte Andeutungen wissen, was er zu tun bzw. zu lassen hat; als er dies ignoriert, folgen Warnungen, Befehle, Vorwürfe, Sanktionen. Wo Pascoe die Hände gebunden werden, bewegt sich der Gegner frei.

Dalziel wüsste sich seiner Verfolger zu erwehren. Seine Wege zum Ziel verlaufen krumm. Er ist unberechenbar und deshalb schwer zu erwischen. Pascoe ist in dieser Hinsicht das leichtere Opfer, weil den Dienstverschriften zusätzlich moralisch verbunden.

Allerdings ist Pascoe trotz aller Ängste um sich und seine Familie nicht nur unbeirrbar und als Polizist kein Politiker, sondern ein intelligenter Ermittler. Außerdem kann er sich auf ein kleines aber feines Netzwerk verlässlicher Kollegen und Freunde verlassen, zu denen sich nun ein neuer, unterhaltsam exzentrischer Zeitgenosse zu gesellen scheint: Adolphus Hector, ein Mann mit besonderen Geistesgaben, dessen Gehirn auf mechanischer Basis zu funktionieren scheint.

Alte Qualitäten sichern den Lesespaß

Dass „Der Tod und der Dicke“ trotz der Abwesenheit Dalziels die bekannten Hill-Qualitäten aufweist, also über die gesamte Distanz unterhalten kann, liegt nicht nur am Plot, sondern auch an der (selbst die deutsche Übersetzung gut überstehenden) einmaligen Mischung aus klassischer Bildung und vulgärer Trivialität, die kaum ein Autor so perfekt wie Hill beherrscht. Die „Hammergeil“-Fraktion der Krimileser wird möglicherweise überfordert mit Bonmots wie diesem: „Ihr Vater … betrachtete die Kirche lediglich als Gottes Werkzeug, das Herrschaftsrecht der Torys zu bekräftigen, selbst wenn Labour an der Macht war“ (S. 356). Sie wird aber mit Sex- und Fäkal-Witzchen bedient und bei Laune gehalten, die sich mirakelhaft harmonisch in das Textgefüge einbetten.

Das Ende ist nicht nur hintergründig, sondern weist auch einen funktionierenden Finaltwist auf, der die Vorgeschichte nicht ad absurdum führt, sondern sie abrundet. Die Weichen für das 23. Dalziel/Pascoe-Abenteuer sind gestellt. Der Leser darf beruhigt sein: In Großbritannien ist es bereits erschienen – und das 24. ebenfalls!

Autor

Reginald Hill wurde 1936 in Hartlepool im Nordosten Englands geboren. Drei Jahre später zog die Familie nach Cumbria, wo Reginald seine gesamte Kindheit verbrachte. Später studierte er an der University of Oxford und arbeitete bis 1980 als Lehrer in Yorkshire, wo er auch seine beliebte Reihe um die beiden ungleichen Polizisten Andrew Dalziel und Peter Pascoe ansiedelte.

Deren Abenteuer stellen nur eine Hälfte von Hills Werk dar. Der Schriftsteller ist fleißig und hat insgesamt mehr als 40 Bücher verfasst; nicht nur Krimis, sondern auch Historienromane und sogar Science Fiction. Einige Thriller erschienen unter den Pseudonymen Dick Morland, Charles Underhill und Patrick Ruell. Erstaunlich ist das trotz solcher Produktivität über die Jahrzehnte gehaltene Qualitätsniveau der Hill-Geschichten. Das schlägt sich u. a. in einer wahren Flut von Preisen nieder. Für „Bones and Silence“ zeichnete die „Crime Writers’ Association“ Hill mit dem begehrten „Gold Dagger Award“ für den besten Kriminalroman des Jahres 1990 aus. Fünf Jahre später folgte der „Diamond Dagger“ für seine Verdienste um das Genre. Reginald Hill lebt mit seiner Frau Pat in Cumbria.

[md]

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Böser Engel

Erstellt von Werner Karl am 24. September 2011

Timothy Carter
Böser Engel

Evil?, USA, 2009
Knaur, München, 06/2010
Aus dem Amerikanischen von Nicole Friedrich
TB mit Klappbroschur
Mystery, Urban Fantasy
ISBN 978-3-426-50698-1
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Ken Wong

www.knaur.de
www.timothycarterworld.com
www.zero-wa.de
www.kenart.net
http://ken-wong.deviantart.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Stuart ist ein ganz normaler Jugendlicher. Sein Pech ist, dass er in einer sehr religiösen Familie in einer sehr religiösen Kleinstadt aufwächst. Diese toleriert zwar, dass er schwul ist. Als ihn sein kleiner Bruder aber eines Morgens unter der Dusche beim Masturbieren erwischt, ist es mit der Toleranz vorbei. Schon in der Sonntagsschule nehmen sie das Thema Onan durch. Nicht, wie es in der Bibel steht, sondern so, wie es strenge Christen zu verstehen haben. Anschließend erlebt Stuart die Hölle auf Erden. Man wirft seine Scheibe ein, in der Schule bekommt er Ärger. Er ist der Sünder, den es zu verdammen gilt!

Da hilft es wenig, dass er seinem Hobby frönt: dem Beschwören eines Dämons – und ihn nach seiner Meinung fragt. Zwar erfährt er von ihm, dass es Gott wurscht ist, ob und wie oft man an sich rumspielt. Die Meinung in der Stadt ändert dies freilich nicht, denn keiner darf von Stuarts Hobby wissen. Aber ist es wirklich nur die Sünde Onans, welche die Menschen auf die Palme bringt? Der ansässige Pfarrer vermutet etwas ganz anderes dahinter, und plötzlich steckt Stuart in einem Abenteuer, mit dem er nie gerechnet hätte …

Mit „Böser Engel“ gelang Carter ein Buch, das auf mehreren Ebenen funktioniert. Zum einen ist da das Bild streng gläubiger Amerikaner, die das Wort der „Bibel“ wörtlich auslegen und Sünder verdammen. Das typische Gut-Böse-Bild, welches den Amerikanern zueigen ist und das Leben erleichtert, gleichzeitig aber auch Auswüchse wie Todesstrafe und Guantanamo Bay hervorbringt. Dann ist da die Geschichte um einen Dämon und das, was vordergründig geschieht – mit all seinen Konsequenzen. Und zum Schluss hat es Carter geschafft, diese Geschichte mit einer gehörigen Portion Humor zu würzen. Was will man noch mehr?

Das Buch ist spannend, kurzweilig und gut geschrieben. Man verschlingt die Seiten und legt es am Ende zufrieden zur Seite. So soll ein Roman sein! Die Übersetzung geht ebenfalls in Ordnung; die Übersetzerin hat sich keinen Schnitzer erlaubt. Alles in allem also ein rundum gelungener Roman, den auch Jugendliche ab etwa 15 Jahren lesen können. Mehr noch – manche Situationen werden ihnen näher sein als erwachsenen Lesern …

„Böser Engel“ ist toll geschrieben, kurzweilig, spannend und humorvoll. Zugreifen!

Copyright © 2011 by Gunter Arentzen (GA)

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Strange Angels – Verflucht

Erstellt von Werner Karl am 22. Juni 2011

Lili St. Crow
Strange Angels – Verflucht
Band 1

Originaltitel: Strange Angels
PAN
ISBN 978-3-426-28345-5
Fantasy / Jugend
Erschienen April 2011
Aus dem Englischen von Sabine Schilasky
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur München
Umschlagabbildung: © Sywia Makris Photography
Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten

www.pan-verlag.de
www.droemer-knaur.de
www.lilithsaintcrow.com

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Zur Autorin:

Lili St. Crow ist das Pseudonym der amerikanischen Autorin Lilith Saintcrow, das sie für ihre actiongeladenen, spannenden Jugendromane verwendet. Sie wurde in New Mexico geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Vancouver.

Zum Buch:

Dru Anderson ist 16 Jahre alt und lebt in den Dakotas, zumindest momentan, denn eigentlich hat sie kein wirkliches zu Hause. Seit Jahren zieht sie mit ihrem Vater von Stadt zu Stadt, wechselt regelmäßig Heim, Schule, Freunde und kommt eigentlich nicht zur Ruhe. Der Grund liegt auf der Hand: Ihr Vater ist ein Jäger, aber keiner im gewöhnlichen Sinne. Er jagt Dinge, die andere Menschen nur aus Gespenstergeschichten oder ähnlichen Erzählungen kennen: Werwölfe, Zombies und viele andere sonderliche Gestalten. Und eines Tages kehrt er nicht nach Hause zurück. Eigentlich hätte Dru das wissen müssen, schließlich taucht die Eule immer nur dann auf, wenn Gefahr droht, aber diesmal hat Dru über deren Erscheinen hinweg gesehen und nun ist es zu spät. Ihr Vater scheint tot, doch es soll noch schlimmer kommen. Irgendjemand oder irgendetwas hat ihn in einen Zombie verwandelt und nun muss Dru ihn töten.

Im Umgang mit Silberkugeln, Weihwasser und sonstigen Jagdwaffen ist Dru sicher, aber wie soll sich in Zukunft ihr Alltag gestalten? Wann wird die Polizei feststellen, dass ihr Vater tot ist, dass sie alleine in diesem Haus lebt und wie überhaupt soll sie dauerhaft ihren Lebensunterhalt sicherstellen? Dru weiß keinen Rat und flüchtet zunächst ins nahe gelegene Einkaufszentrum wo sie ihrem Klassenkameraden Graves über den Weg läuft. Der junge Mann ist hilfsbereit und verschafft Dru vorübergehend eine Unterkunft. Leider ist Dru dort nicht lange geborgen, denn Werwölfe haben die Jagd auf sie eröffnet und auch Graves gerät in deren Fänge.

„Strange Angels – Verflucht“ ist der Beginn einer Reihe. Dies macht sich hier ganz deutlich bemerkbar, denn die Geschichte ist keinesfalls in sich abgeschlossen. Zu viele Fragen lassen den Leser am Ende des Buches erstaunt zurück. Dru soll ein besonderes Wesen sein, aber ich vermag bis jetzt nicht zu sagen, wieso das so ist und wem sie vertrauen kann und wem nicht. Wer ist hier Feind und wer Freund? Dru scheint eine besonders gute Intuition zu haben, aber immer funktioniert diese wohl auch nicht und Dru reagiert dann eben wie ein typischer Teenie, einfach nur emotional und manchmal auch arg überdreht. Man muss wohl sagen , dass zum Glück Graves ihr zur Seite steht, der Junge mit der dunklen Kleidung, optisch ein Gothic, aber innerlich ein sehr gefestigter, fast schon erwachsener und sehr sympathischer Typ, der weiß was er vom Leben will und feste Ziele hat.

Von Sprache und Stil ist dieses Buch auf junge Leute angelegt, wobei man einräumen muss, dass es hier schon ziemlich heftig zur Sache geht. Wer ängstlich ist und mit Zombies, Werwölfen und Co. nicht wirklich warm wird, der sollte seine Finger von dieser Reihe lassen. Vor allem die Altersempfehlung ab 12 Jahren erscheint mir etwas niedrig angesetzt.

Die Charaktere an sich zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ihr Leben zwar durch die Verbindung zu den sonderbarsten Wesen eine entscheidende Wendung nimmt, sie selbst aber Menschen bleiben mit ihren Stärken und schwächen. Dru und Graves entwickeln sich miteinander, zueinander und durcheinander und besonders das hat mir hier gefallen.

Was soll ich noch mehr sagen als: „Auf zur Monsterjagd!“

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Lili St. Crow: Strange Angels – Verflucht Band 1.

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