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neuauflage

Der Tod und der Dicke

Erstellt von Michael Drewniok am 25. September 2011

Reginald Hill
Der Tod und der Dicke

Originaltitel: The Death of Dalziel (London : HarperCollins 2007)/Death Comes for the Fat Man (New York : HarperCollins 2007)
Übersetzung: Karl-Heinz Ebnet
Deutsche Erstausgabe (geb.): April 2011 (Droemer Verlag)
554 S.
ISBN-13: 978-3-426-19781-3
Als eBook: Juli 2011 (Droemer Verlag)
ISBN-13: 978-3-426-41279-4

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Das geschieht:

Ausgerechnet Police Constable Adolphus Hector, der hirnlahmste Kriminalpolizist von Mid-Yorkshire, meldet in einer abbruchreifen Häuserzeile der Mill Street drei Verdächtige mit einer Waffe. Da es hier eine arabische Videothek gibt, in der sich möglicherweise Terroristen treffen, wird dem halbherzig nachgegangen. Dies übernehmen Detective Chief Inspector Andrew Dalziel und sein Kollegen & Freund Peter Pascoe. Sie fahren in die Mill Street – und geraten in eine gewaltige Explosion, die mehrere Häuser in Stücke reißt.

Während Pascoe nur leicht verletzt wird, fällt Dalziel in ein Koma, aus dem er nicht erwacht. Ein Team der „Combined Anti Terrorism“ macht sich in Mid-Yorkshire breit. In den Ruinen der gesprengten Häuser findet man drei Leichen. Offenbar haben Terroristen beim Umgang mit Sprengstoff geschlampt. Pascoe, der sich von der CAD und ihrer Leiterin Sandy Glenister beiseitegeschoben fühlt, will dieser Erklärung nicht folgen. Er hat am Tatort Indizien gefunden, die nicht in das CAD-Szenario passen.

Die Ermittlungen werden ausgeweitet, als ein neuer Templer-Orden von sich reden macht. Seine Mitglieder wollen die Aktivitäten latent terrorfreundlicher Muslime nicht mehr dulden. Auf prominente Religionsführer und Geschäftsmänner werden Attentate verübt und Mordvideos ins Internet gestellt. Dahinter stehen keineswegs verwirrte Vigilanten, sondern eine Gruppe von Ex-Soldaten und Geheimdienstmännern, die per Selbstjustiz mit ihren ‚Zielpersonen‘ aufräumen wollen. Der rechtschaffene Pascoe kommt ihnen auf die Spur, obwohl man ihm von ‚oben‘ ständig Knüppel zwischen die Beine wirft, und gerät auf ihm unbekannten Terrain mehr als einmal in Lebensgefahr.

Unterdessen erwacht Dalziel im Jenseits. Da er mit dem Leben keineswegs abgeschlossen hat, ringt er zunächst den Sensenmann nieder und legt sich schließlich mit Gott persönlich an …

Schreck für leichtgläubige Leser

Bereits mit dem Titel des 22. Krimis um Andrew Dalziel und Peter Pascoe gelingt es Reginald Hill, die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des krimilesenden Publikums zu erregen. Bei nüchterner Betrachtung ahnt man zwar, dass der Verfasser abermals ebenso geschickt wie boshaft sein Spiel mit den Lesern treibt, aber ganz sicher ist nicht: Hat nicht Colin Dexter den überaus beliebten Inspektor Morse schließlich doch sterben (und nicht wieder auferstehen) lassen?

Kann Pascoe ohne den dicken Andy bestehen? Zumindest diese Frage beantwortet uns Hill eindeutig: Pascoe bemüht sich nach Kräften und wird dabei seinem Chef immer ähnlicher, ohne dessen außergewöhnliches Format jemals zu erreichen. Es gibt eben nur einen Dalziel, und den vermisst man, auch wenn Hill alles andere als einen langweiligen Kriminalroman vorlegt.

Der Autor weiß durchaus um die Popularität seiner Figur und streut kurze Kapitel ein, die den im Koma liegenden Dalziel in traumähnlichen Szenen zeigen, die ihm – dem Leser bleibt die Wahl der Entscheidung überlassen – entweder sein komatöses Hirn vorgaukelt oder ihn tatsächlich in einem Reich zwischen Leben und Tod zeigen. Manchmal driftet er auf die Realität zu und muss erbittert manche Schmach hilflos dulden: „‚Verdammte Scheiße‘, empörte sich Dalziel. ‚Irgend so ein Arsch betet zu mir!‘“ (S. 360)

Freunde und Feinde in den eigenen Reihen

Da Dalziel also nur ansatzweise und in Rückblenden sein übliches Unwesen treiben kann, konzentriert sich die Handlung stärker als sonst auf den Plot, der solcher Aufmerksamkeit freilich gewachsen und zudem überaus aktuell ist. Der Krieg gegen den (islamistischen) Terror wird längst nicht mehr im trotz seines Namens in sicherer Entfernung liegenden Nahen Osten geführt. Militante Gruppen haben ihn längst in die Länder des ‚Gegners‘ getragen.

Dabei liegt der hauptsächliche ‚Erfolg‘ ihrer Attacken nicht einmal in dem Schrecken, den sie durch Gewalttaten verbreiten. Wesentlich nachhaltiger ist die Auslösung einer Gegenreaktion, die aufgrund der Schwammigkeit des Feindbildes längst auch Unbeteiligte und Unschuldige in Mitleidenschaft zieht. Hill rudert ein gutes Stück hinaus in die Untiefen moderner Geheimdienst-Aktivitäten, die den Boden des fixierten Rechts entweder längst verlassen haben oder sich gar nicht mehr darum kümmern muss, weil es im Dienst der ‚guten Sache‘ außer Kraft oder abgeschafft ist.

Hill geht noch einen Schritt weiter: Ein selbsternannter ‚Ritterorden‘ mit trägt den Krieg aktiv in die Reihen eines Feindes, der sich auf den demokratischen Schutz von Gesetzen stützen kann, die er faktisch abzuschaffen gedenkt. Dieser Weg ist verführerisch: Wenn sich ‚die Bösen‘ nicht an die Regeln halten, müssen ‚die Guten‘ sich ihnen angleichen: „In der Welt der Geheimdienste war es bis [zum Mord] wohl nur ein kleiner Schritt. Täuschung, Verrat, Attentat, Folter, das waren schließlich die Werkzeuge ihres Gewerbes, vielleicht nur unter Umständen von höchster Notwendigkeit als letztes Mittel der Wahl einzusetzen, aber wenn man sich diese Möglichkeit auch nur eingestand, befand man sich bereits in Schieflage“ (S. 402)

Turbo in der Gewaltspirale

Der gesellschaftliche Konsens ist in dieser Frage gespalten. Hill schildert, wie zynische Medien sich parteiisch einschalten, um auf diese Weise nicht nur Leserzahlen und Quoten in die Höhe zu treiben, sondern auch um Politik zu machen, denn „eine unwiderlegbare Lüge gewinnt sehr schnell größere Glaubwürdigkeit als die unbewiesene Wahrheit“ (S. 333). Wie der englische Abhör-Skandal von 2011 belegt, lag Hill in dieser Beziehung mit seiner Prämisse richtig, wenn er eine Medienlandschaft mit vielen großen und kleinen Murdochs entwirft.

Hinzu kommt die Tatsache, dass militärische wie militante Aktionen niemals hundertprozentig aufgehen. Rasch kommt es zu Zwischenfällen, die unter dem hässlichen Begriff „Kollateralschäden“ subsummiert und verharmlost werden. So ein Vorfall wird buchstäblich zum Auslöser für unsere Geschichte, als eine schiefgelaufene Exekution potenzieller Schurken jene Explosion verursacht, die Dalziel ins Koma wirft und Pascoe wachrüttelt.

Selbstverständlich vertritt Pascoe altbewährte Ansichten über Recht und Gesetz. Nun muss er lernen, dass es gefährlichere Gegner als den klassischen Gangster gibt. Wer steckt mit den „Templern“ unter einer Decke? Wer in den höheren Rängen von Polizei, Geheimdienst und Politik will sie zwar ausschalten, ihre Existenz dabei jedoch sorgfältig unter den Teppich kehren? Wem kann Pascoe trauen?

Courage kann lebensgefährlich sein

Je tiefer Pascoe in das komplexe Gefüge legaler und illegaler Kräfte eindringt, desto größer wird die Gefahr, in die er gerät. Das System, dem er dient, scheint sich in einen Kraken zu verwandeln, der ihn nicht nur würgt, sondern ihm den Boden unter den Füßen fortreißt. Vorgesetzte lassen Pascoe durch versteckte Andeutungen wissen, was er zu tun bzw. zu lassen hat; als er dies ignoriert, folgen Warnungen, Befehle, Vorwürfe, Sanktionen. Wo Pascoe die Hände gebunden werden, bewegt sich der Gegner frei.

Dalziel wüsste sich seiner Verfolger zu erwehren. Seine Wege zum Ziel verlaufen krumm. Er ist unberechenbar und deshalb schwer zu erwischen. Pascoe ist in dieser Hinsicht das leichtere Opfer, weil den Dienstverschriften zusätzlich moralisch verbunden.

Allerdings ist Pascoe trotz aller Ängste um sich und seine Familie nicht nur unbeirrbar und als Polizist kein Politiker, sondern ein intelligenter Ermittler. Außerdem kann er sich auf ein kleines aber feines Netzwerk verlässlicher Kollegen und Freunde verlassen, zu denen sich nun ein neuer, unterhaltsam exzentrischer Zeitgenosse zu gesellen scheint: Adolphus Hector, ein Mann mit besonderen Geistesgaben, dessen Gehirn auf mechanischer Basis zu funktionieren scheint.

Alte Qualitäten sichern den Lesespaß

Dass „Der Tod und der Dicke“ trotz der Abwesenheit Dalziels die bekannten Hill-Qualitäten aufweist, also über die gesamte Distanz unterhalten kann, liegt nicht nur am Plot, sondern auch an der (selbst die deutsche Übersetzung gut überstehenden) einmaligen Mischung aus klassischer Bildung und vulgärer Trivialität, die kaum ein Autor so perfekt wie Hill beherrscht. Die „Hammergeil“-Fraktion der Krimileser wird möglicherweise überfordert mit Bonmots wie diesem: „Ihr Vater … betrachtete die Kirche lediglich als Gottes Werkzeug, das Herrschaftsrecht der Torys zu bekräftigen, selbst wenn Labour an der Macht war“ (S. 356). Sie wird aber mit Sex- und Fäkal-Witzchen bedient und bei Laune gehalten, die sich mirakelhaft harmonisch in das Textgefüge einbetten.

Das Ende ist nicht nur hintergründig, sondern weist auch einen funktionierenden Finaltwist auf, der die Vorgeschichte nicht ad absurdum führt, sondern sie abrundet. Die Weichen für das 23. Dalziel/Pascoe-Abenteuer sind gestellt. Der Leser darf beruhigt sein: In Großbritannien ist es bereits erschienen – und das 24. ebenfalls!

Autor

Reginald Hill wurde 1936 in Hartlepool im Nordosten Englands geboren. Drei Jahre später zog die Familie nach Cumbria, wo Reginald seine gesamte Kindheit verbrachte. Später studierte er an der University of Oxford und arbeitete bis 1980 als Lehrer in Yorkshire, wo er auch seine beliebte Reihe um die beiden ungleichen Polizisten Andrew Dalziel und Peter Pascoe ansiedelte.

Deren Abenteuer stellen nur eine Hälfte von Hills Werk dar. Der Schriftsteller ist fleißig und hat insgesamt mehr als 40 Bücher verfasst; nicht nur Krimis, sondern auch Historienromane und sogar Science Fiction. Einige Thriller erschienen unter den Pseudonymen Dick Morland, Charles Underhill und Patrick Ruell. Erstaunlich ist das trotz solcher Produktivität über die Jahrzehnte gehaltene Qualitätsniveau der Hill-Geschichten. Das schlägt sich u. a. in einer wahren Flut von Preisen nieder. Für „Bones and Silence“ zeichnete die „Crime Writers’ Association“ Hill mit dem begehrten „Gold Dagger Award“ für den besten Kriminalroman des Jahres 1990 aus. Fünf Jahre später folgte der „Diamond Dagger“ für seine Verdienste um das Genre. Reginald Hill lebt mit seiner Frau Pat in Cumbria.

[md]

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Böser Engel

Erstellt von Werner Karl am 24. September 2011

Timothy Carter
Böser Engel

Evil?, USA, 2009
Knaur, München, 06/2010
Aus dem Amerikanischen von Nicole Friedrich
TB mit Klappbroschur
Mystery, Urban Fantasy
ISBN 978-3-426-50698-1
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung eines Motivs von Ken Wong

www.knaur.de
www.timothycarterworld.com
www.zero-wa.de
www.kenart.net
http://ken-wong.deviantart.com/

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Stuart ist ein ganz normaler Jugendlicher. Sein Pech ist, dass er in einer sehr religiösen Familie in einer sehr religiösen Kleinstadt aufwächst. Diese toleriert zwar, dass er schwul ist. Als ihn sein kleiner Bruder aber eines Morgens unter der Dusche beim Masturbieren erwischt, ist es mit der Toleranz vorbei. Schon in der Sonntagsschule nehmen sie das Thema Onan durch. Nicht, wie es in der Bibel steht, sondern so, wie es strenge Christen zu verstehen haben. Anschließend erlebt Stuart die Hölle auf Erden. Man wirft seine Scheibe ein, in der Schule bekommt er Ärger. Er ist der Sünder, den es zu verdammen gilt!

Da hilft es wenig, dass er seinem Hobby frönt: dem Beschwören eines Dämons – und ihn nach seiner Meinung fragt. Zwar erfährt er von ihm, dass es Gott wurscht ist, ob und wie oft man an sich rumspielt. Die Meinung in der Stadt ändert dies freilich nicht, denn keiner darf von Stuarts Hobby wissen. Aber ist es wirklich nur die Sünde Onans, welche die Menschen auf die Palme bringt? Der ansässige Pfarrer vermutet etwas ganz anderes dahinter, und plötzlich steckt Stuart in einem Abenteuer, mit dem er nie gerechnet hätte …

Mit „Böser Engel“ gelang Carter ein Buch, das auf mehreren Ebenen funktioniert. Zum einen ist da das Bild streng gläubiger Amerikaner, die das Wort der „Bibel“ wörtlich auslegen und Sünder verdammen. Das typische Gut-Böse-Bild, welches den Amerikanern zueigen ist und das Leben erleichtert, gleichzeitig aber auch Auswüchse wie Todesstrafe und Guantanamo Bay hervorbringt. Dann ist da die Geschichte um einen Dämon und das, was vordergründig geschieht – mit all seinen Konsequenzen. Und zum Schluss hat es Carter geschafft, diese Geschichte mit einer gehörigen Portion Humor zu würzen. Was will man noch mehr?

Das Buch ist spannend, kurzweilig und gut geschrieben. Man verschlingt die Seiten und legt es am Ende zufrieden zur Seite. So soll ein Roman sein! Die Übersetzung geht ebenfalls in Ordnung; die Übersetzerin hat sich keinen Schnitzer erlaubt. Alles in allem also ein rundum gelungener Roman, den auch Jugendliche ab etwa 15 Jahren lesen können. Mehr noch – manche Situationen werden ihnen näher sein als erwachsenen Lesern …

„Böser Engel“ ist toll geschrieben, kurzweilig, spannend und humorvoll. Zugreifen!

Copyright © 2011 by Gunter Arentzen (GA)

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Strange Angels – Verflucht

Erstellt von Werner Karl am 22. Juni 2011

Lili St. Crow
Strange Angels – Verflucht
Band 1

Originaltitel: Strange Angels
PAN
ISBN 978-3-426-28345-5
Fantasy / Jugend
Erschienen April 2011
Aus dem Englischen von Sabine Schilasky
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur München
Umschlagabbildung: © Sywia Makris Photography
Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten

www.pan-verlag.de
www.droemer-knaur.de
www.lilithsaintcrow.com

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Zur Autorin:

Lili St. Crow ist das Pseudonym der amerikanischen Autorin Lilith Saintcrow, das sie für ihre actiongeladenen, spannenden Jugendromane verwendet. Sie wurde in New Mexico geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Vancouver.

Zum Buch:

Dru Anderson ist 16 Jahre alt und lebt in den Dakotas, zumindest momentan, denn eigentlich hat sie kein wirkliches zu Hause. Seit Jahren zieht sie mit ihrem Vater von Stadt zu Stadt, wechselt regelmäßig Heim, Schule, Freunde und kommt eigentlich nicht zur Ruhe. Der Grund liegt auf der Hand: Ihr Vater ist ein Jäger, aber keiner im gewöhnlichen Sinne. Er jagt Dinge, die andere Menschen nur aus Gespenstergeschichten oder ähnlichen Erzählungen kennen: Werwölfe, Zombies und viele andere sonderliche Gestalten. Und eines Tages kehrt er nicht nach Hause zurück. Eigentlich hätte Dru das wissen müssen, schließlich taucht die Eule immer nur dann auf, wenn Gefahr droht, aber diesmal hat Dru über deren Erscheinen hinweg gesehen und nun ist es zu spät. Ihr Vater scheint tot, doch es soll noch schlimmer kommen. Irgendjemand oder irgendetwas hat ihn in einen Zombie verwandelt und nun muss Dru ihn töten.

Im Umgang mit Silberkugeln, Weihwasser und sonstigen Jagdwaffen ist Dru sicher, aber wie soll sich in Zukunft ihr Alltag gestalten? Wann wird die Polizei feststellen, dass ihr Vater tot ist, dass sie alleine in diesem Haus lebt und wie überhaupt soll sie dauerhaft ihren Lebensunterhalt sicherstellen? Dru weiß keinen Rat und flüchtet zunächst ins nahe gelegene Einkaufszentrum wo sie ihrem Klassenkameraden Graves über den Weg läuft. Der junge Mann ist hilfsbereit und verschafft Dru vorübergehend eine Unterkunft. Leider ist Dru dort nicht lange geborgen, denn Werwölfe haben die Jagd auf sie eröffnet und auch Graves gerät in deren Fänge.

„Strange Angels – Verflucht“ ist der Beginn einer Reihe. Dies macht sich hier ganz deutlich bemerkbar, denn die Geschichte ist keinesfalls in sich abgeschlossen. Zu viele Fragen lassen den Leser am Ende des Buches erstaunt zurück. Dru soll ein besonderes Wesen sein, aber ich vermag bis jetzt nicht zu sagen, wieso das so ist und wem sie vertrauen kann und wem nicht. Wer ist hier Feind und wer Freund? Dru scheint eine besonders gute Intuition zu haben, aber immer funktioniert diese wohl auch nicht und Dru reagiert dann eben wie ein typischer Teenie, einfach nur emotional und manchmal auch arg überdreht. Man muss wohl sagen , dass zum Glück Graves ihr zur Seite steht, der Junge mit der dunklen Kleidung, optisch ein Gothic, aber innerlich ein sehr gefestigter, fast schon erwachsener und sehr sympathischer Typ, der weiß was er vom Leben will und feste Ziele hat.

Von Sprache und Stil ist dieses Buch auf junge Leute angelegt, wobei man einräumen muss, dass es hier schon ziemlich heftig zur Sache geht. Wer ängstlich ist und mit Zombies, Werwölfen und Co. nicht wirklich warm wird, der sollte seine Finger von dieser Reihe lassen. Vor allem die Altersempfehlung ab 12 Jahren erscheint mir etwas niedrig angesetzt.

Die Charaktere an sich zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ihr Leben zwar durch die Verbindung zu den sonderbarsten Wesen eine entscheidende Wendung nimmt, sie selbst aber Menschen bleiben mit ihren Stärken und schwächen. Dru und Graves entwickeln sich miteinander, zueinander und durcheinander und besonders das hat mir hier gefallen.

Was soll ich noch mehr sagen als: „Auf zur Monsterjagd!“

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Lili St. Crow: Strange Angels – Verflucht Band 1.

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Todesstoß

Erstellt von Werner Karl am 20. Juni 2011

Karen Rose
Todesstoß
1. Teil der Hat-Squad-Serie

Originaltitel: I Can See You (Mai 2010)
Verlag Droemer Knaur
ISBN 978-3-426-66357-8
Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr: 2011
Übersetzer: Kerstin Winter
Umfang 656 Seiten

www.karenrosebooks.com/index.php
www.droemer-knaur.de/autoren/Karen+Rose.165203.html

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zur Autorin:

Karen Rose studierte an der Universität von Maryland, Washington, D. C. Ihre hochspannenden Thriller sind preisgekrönte internationale Topseller, die in viele verschiedene Sprachen übersetzt worden sind. Auch in Deutschland standen “Todesschrei” und “Todesbräute” monatelang unter den Top 20 auf der _Spiegel_-Bestsellerliste. Wenn Karen Rose nicht gerade Thriller schreibt oder auf Weltreise ist, lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Florida. Mehr Infos über die Autorin unter: www.karenrosebooks.com

Zum Buch:

In Minneapolis ereignen sich einige auf den ersten Blick eindeutige Selbstmorde. Doch Eve Wilson, selber bereits Opfer eines äußerst brutalen Mordanschlags und aufgrund dessen gezeichnet, spürt, dass mehr dahinter steckt, als Probandinnen ihrer eigenen Modellstudie im Rahmen ihres Psychologiestudiums an der Universität, bei der es um ein Onlinerollenspiel und das Verhalten der User geht, verschwinden und tot wieder auftauchen, als vermeintliche Selbstmörderinnen.

Eve arbeitet nebenher in einer Bar, in der viele der Hat Squad-Mitglieder verkehren und so begegnet ihr auch Noah Webster, charismatischer Ermittler und zwischen den beiden entspinnt eine Liebesgeschichte, die beide nicht wollen, gegen die sie sich aber nicht wehren können.

Als mehr und mehr Userinnen des Onlinespiels tot aufgefunden werden, gerät Eve in Panik und befürchtet, dass ihr Leben erneut in Gefahr sein könnte. Eine aufregende Jagd, nicht immer mit lauteren Mitteln, nach dem Killer, der sich seine Opfer geschickt im Cyberspace sucht, beginnt.

Fazit:

In diesem Auftakt zu einer neuen Serie lernt man als Leser eine Menge Personen kennen und muss sie erst einmal sortieren. Zumindest ging es mir so! Ich habe mir wahrhaftig aufgeschrieben, wer wozu und zu wem und zu wessen Vergangenheit gehört. Aber wenn man einmal weiß, worums geht, kann man sich wunderbar auf die Handlung einlassen. Die tragische Vergangenheit Eves, Noahs ebenso traurige jüngere Vergangenheit, das brisante Thema Onlineportale/-Spiele und deren Gefahren, all das kann man sehr gut nachempfinden und mitfühlen.

Es bleibt allerdings bei 656 Seiten nicht aus, dass etwas langatmige und weniger spannende Längen entstehen, wo ich persönlich denke, das hätte man straffer gestalten können oder z.B. die Vorgeschichte Eves auf die noch kommenden Bände zu der Reihe verteilen.

Aber alles in Allem war es eine sehr spannende, mitreißende Story, mit einer Liebesgeschichte, die nicht zu aufdringlich in den Vordergrund gerückt wurde, aber sehr schön die Geschichte untermalt und die ich bei so einem Buch auch schon fast erwarte. Ergeben sich doch daraus wieder völlig neue Verwicklungen und Gefahren, auch in der Zukunft, die die Autorin ja für alle Beteiligten vorgesehen hat!

Copyright © 2011 by Sabine Kettschau

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Weitere Bücher der Autorin:

Eiskalt ist die Zärtlichkeit 978-3-42662-860-7
Das Lächeln Deines Mörders 978-3-42662-861-4
Des Todes liebste Beute 978-3-42663-337-3
Der Rache süßer Klang 978-3-42663-464-6
Nie wirst Du entkommen 978-3-42663-530-8
Heiß glüht mein Hass 978-342663-816-3
Todesschrei (1. Teil des Todeszyklus) 978-3-42663-889-7
Todesbräute (2. Teil des Todeszyklus) 978-3-42650-298-3
Todesspiele (3. Teil des Todeszyklus) 978-342650-299-0
Feuer (2. Teil der Hat-Squad-Serie) erscheint Okt. 2011 978-3-426-50301-0

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Karen Rose – Todesstoß. 1. Teil der Hat-Squad-Serie.

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Fever – Schatten der Vergangenheit

Erstellt von Michael Drewniok am 20. Februar 2011

Douglas Preston/Lincoln Child
Fever – Schatten der Vergangenheit

(sfbentry)
Originaltitel: Fever Dream (New York : Grand Central Publishing/Hachette Book Group USA 2010)
Übersetzung: Michael Benthack
Dt. Erstausgabe (geb.): Januar 2011 (Droemer Verlag)
528 S.
ISBN-13: 978-3-426-19891-9
Als eBook: Januar 2011 (Droemer Verlag)
ISBN-13: 978-3-426-40745-5

Titel bei Buch24.de
Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Während eines Besuches im Stammsitz seiner aussterbenden Familie nimmt Aloysius Pendergast, Spezialagent des FBI, erinnerungsvoll jene Jagdbüchse zur Hand, die zwölf Jahre zuvor verhängnisvoll versagte. Damals gehörte sie seiner Gattin Helen, mit der Pendergast eine Jagdsafari im afrikanischen Sambia unternahm. Dort wurden sie gebeten, einen Löwen zu erlegen, der zum Menschenfresser geworden war. Die Jagd endete tragisch, denn Pendergast wurde von dem wütenden Tier schwer verletzt und Helen getötet, nachdem ihre Büchse versagte.

Nun erkennt Pendergast, dass dieses Gewehr sabotiert und Helen in eine Falle gelockt wurde. Voller Zorn beschließt er, den Mörder zu stellen und zu richten. Doch die Fährte ist nach vielen Jahren längst kalt. Pendergast bittet seinen Freund Lieutenant Vincent D’Agosta von der Polizei New York um Hilfe. Dieser lässt sich vom Dienst freistellen und begleitet Pendergast auf eine Menschenjagd, die ihn erst nach Afrika, kreuz und quer durch den Süden der USA und schließlich beinahe auf den Friedhof führt.

Die Sucher rekonstruieren Helens seltsame Wege in den letzten Monaten ihres Lebens. So fahndete sie fieberhaft nach dem verschollenen Bild eines berühmten Tiermalers, stahl zwei konversierte Bälge einer ausgerotteten Vogelart und schließlich einen lebendigen Papagei. Vor allem finden Pendergast und D’Agosta überall dort, wo Helen aktiv wurde, Belege für Ausbrüche unerhörter Genialität, denen mörderischer Irrsinn folgte.

Irgendwo in den Tiefen eines Sumpfes in Louisiana kreuzen sich alle Spuren. Dorthin macht sich Pendergast auf. Er wird schon erwartet – von Helens Mörder, der sehr gute Gründe hat, den FBI-Agenten zu stoppen, wobei Mord nur die geringste Schuld ist, die er auf sich geladen hat …

Geschüttelt und gerührt

Abenteuer und Routine: zwei Begriffe, die man eigentlich nicht miteinander kombinieren möchte. Wie dies zumindest unterhaltungsliterarisch möglich ist, beweisen uns Douglas Preston & Lincoln Child seit vielen Jahren mit ihrer Serie um den FBI-Agenten Aloysius X. L. Pendergast. In „Fever“ modifizieren sie behutsam – dazu unten mehr – das Konzept, ohne es jedoch in Frage zu stellen; wer durchschnittlich zwei neue Romane pro Jahr veröffentlicht, neigt nicht dazu, erfolgreich Bewährtes in Frage zu stellen.

Auch „Fever“ ist deshalb die übliche Schnitzeljagd. Der Leser besucht mit seinen Helden pittoreske Schauplätze und wird mit flach aber farbenfroh gezeichneten Figuren konfrontiert. Vor allem die Schurken sind überlebensgroß, allgegenwärtig und brandgefährlich. Trotzdem wird ihnen zuverlässig im großen Finale das Handwerk gelegt. Bis es soweit ist, spult das Autorenduo sein Programm ab, wobei der Faktor Geschwindigkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Er trägt den Leser über logische Löcher und Unwahrscheinlichkeiten hinweg, sodass erst nach der Lektüre – über die deshalb nur ein Rezensent nachdenken sollte – diverse Fragezeichen aufleuchten. Wie bescheuert muss beispielsweise ein Mörder sein, der einem Löwen die Mähne rot färbt und zum Menschenfresser dressiert, statt einen ‚Unfall‘ zu inszenieren? Es klingt aber toll, und um des Effektes willen dreht unser Autorenduo jederzeit gern der Realität den Rücken zu. (Hat denn in zwölf Jahren wirklich niemand Helens Flinte kontrolliert?)

Zumal Preston & Child zwar Routiniers aber auch Profis sind. Soll heißen: Sie machen sich ihren Job zwar so einfach wie möglich, doch sie verstehen ihr Handwerk. „Fever“ liest sich deshalb trotz unzähliger Klischees sehr unterhaltsam, konzentrieren sich dabei auf die zentrale Handlung und belassen es bei nur einem Nebenstrang, der als Investition in die Zukunft zu werten ist, da er rein gar nicht mit dem „Fever“-Geschehen zu tun hat.

Trilogie des (hoffentlich nicht allzu) Offensichtlichen

Mit „Fever“ starten Preston & Child die „Helen“-Trilogie. Es ist nicht der erste Dreisprung der Serie. In „Burn Case“, „Dark Secret“ und „Maniac“ trat Pendergast 2004 bis 2006 gegen seinen tückischen Bruder Diogenes an. Schon damals stellte sich zumindest der kritische Leser die Frage, ob wirklich drei Bände notwendig waren, diesem Strolch – so genial er angeblich war – den Garaus zu machen. Die Antwort lautete „Nein“, doch deutet eine Trilogie Bedeutungsschwere an und nötigt den Leser zudem, zum Anschlussband zu greifen, weil er den Ausgang der Geschichte erfahren möchte.

In der Tat scheinen primär verkaufstaktische Motive hinter der „Helen“-Trilogie zu stehen. Wer Pendergasts Gattin ins Jenseits beförderte, wird in Teil 1 geklärt und gerächt. Die Erklärung ist nach den vielen komplizierten Rätseln enttäuschend banal, was ein weiterer Grund für die ‚Fortsetzung‘ sein könnte: Warte ab, Leser, da kommt noch mehr, und wenn du die vollen drei Bände durchhältst, wirst du mit einem echten Mysterium belohnt!

Nur: Glaubt das eigentlich wirklich jemand? Schon in der „Diogenes“-Trilogie leimten Preston & Child drei nur oberflächlich kombinierte Abenteuergeschichten zusammen, die auch ohne Oberthema Bestand gehabt hätten. Entsprechend setzen die Autoren für „Cold Vengeance“, den zweiten Band des „Helen“-Dreiteilers, die Grundstory auf den Anfang zurück. Zur einzigen Verbindung wird das Überleben der grauen Schurken-Eminenz im Hintergrund. Nicht einmal deren Identität ist ein Geheimnis; Preston & Child setzen uns früh über sie in Kenntnis. Ein Cliffhanger soll den Spannungsbogen vollenden: Besagter Schuft lädt den ahnungslosen Pendergast auf eine Jagdexpedition ein, die er nicht überleben soll. Wie soll dieser abgegriffene Trick funktionieren, da wir doch sehr genau wissen, dass Pendergast überleben wird? Schließlich gibt es noch einen dritten Teil, in dem er antreten muss.

Wall der scheinbaren Wunder

Schatzsuche und Indizienforschung in vergessenen Tunnelgewölben, verfallenden Mordhäusern, musealen Lagerräumen, alligatorverseuchten Sümpfen: Wieder einmal verschlägt es den feingeistigen Pendergast an seltsame Orte, die der Leser fesselnd findet, weil er selbst sich dort nicht plagen muss. Preston & Child verstehen es, solche Schauplätze in einfachen Worten plastisch darzustellen. Sie lassen dazu die Formensprache des Films einfließen, sodass diese Passagen sich in Szenen verwandeln, die vom geistigen Auge ausgestattet und abgespielt werden. Da Mysterium auf Mysterium folgt, fallen die faulen Tricks nicht stark ins Gewicht: Angedeutete Wunder entpuppen sich als Fehlinterpretationen, Sackgassen und vor allem Nebelkerzen, mit der die Handlung in die Länge gezogen wird.

Die echten Überraschungen halten sich in Grenzen. Pendergasts rechte Hand D’Agosta wird auf halber Buchstrecke durch eine Kugel bis auf weiteres außer Gefecht ge- und durch seine Lebensgefährtin Laura Hayward ersetzt, die dem Leser aber ebenfalls bekannt ist: Preston & Child siedeln nicht nur die Pendergast-Serie, sondern auch ihre davon unabhängigen Romane in einem gemeinsamen Kosmos an. Das Figurenpersonal ist dadurch flexibel, Lieblinge können jeweils dort eingesetzt werden, wo sich ihr Publikum über sie freut: Preston & Child gehen auch hier sehr ökonomisch vor.

Schlag auf Schlag

Pendergast selbst zeigt in „Fever“ Gefühle und Nerven. Die Autoren haben den Agenten als geheimnisvollen Alleskönner mit Teflon-Persönlichkeit eingeführt. Je öfter Pendergast auftritt, desto näher müssen Preston & Child ihm buchstäblich zu Leibe rücken und ihm neue Charakterzüge andichten, ohne die ursprüngliche Überlegenheit völlig aufzuweichen – ein Seiltanz, dem das Duo keineswegs immer gewachsen ist. Der Pendergast in „Fever“ wird allzu offensichtlich in seine Rächer-Rolle gepresst. Sie steht ihm nicht, und entsprechend schlecht wird sie deshalb vermittelt.

Echte Ausfälle, d. h. peinliche Passagen, die den Leser zum Fremdschämen zwingen, bleiben uns dieses Mal bis auf eine Ausnahme erspart. Die hat es freilich in sich, müssen wir doch eine Bande vertierter Rednecks dabei beobachten, wie sie die schöne Laura zum Striptease zwingen. (Pendergast erteilt den geilen Lümmeln später eine Lektion, denn für solche Gefühlswallungen fordert der US-Mainstream zuverlässig Strafe.)

Obwohl Preston & Child regelmäßig Solo-Romane vorlegen und darüber hinaus gemeinsam eine zweite Serie um den Ermittler Gideon Crew gestartet haben, bleibt der Veröffentlichungsrhythmus der Pendergast-Romane gewahrt. Der Mittelband der Trilogie erscheint 2011, mit dem Abschluss ist 2012 zu rechnen. Ob sich die auf 1500 Seiten in die Länge gezogenen Abenteuer tatsächlich zu einer ‚runden‘ Gesamtgeschichte fügen werden, bleibt abzuwarten. „Fever“ ist als Trilogie-Starter nur bedingt gelungen. Als kunterbuntes Abenteuer kann der Roman allerdings überzeugen; er ist sogar besser als die meisten Pendergast-Thriller der Vorjahre geraten.

Autoren

Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge, Massachusetts geboren. Er studierte ausgiebig, nämlich Mathematik, Physik, Anthropologie, Biologie, Chemie, Geologie, Astronomie und Englische Literatur. Erstaunlicherweise immer noch jung an Jahren, nahm er anschließend einen Job am „American Museum of Natural History“ in New York an. Während der Recherchen zu einem Sachbuch über „Dinosaurier in der Dachkammer“ – gemeint sind die über das ganze Riesenhaus verteilten, oft ungehobenen Schätze dieses Museums – arbeitete Preston bei St. Martin’s Press von einem jungen Lektor namens Lincoln Child zusammen. Thema und Ort inspirierten das Duo zur Niederschrift eines ersten Romans: „Relic“ (1994; dt. „Das Relikt – Museum der Angst“).

Wenn Preston das Hirn ist, muss man Lincoln Child, geboren 1957 in Westport, Connecticut, als Herz des Duos bezeichnen. Er begann schon früh zu schreiben, entdeckte sein Faible für das Phantastische und bald darauf die Tatsache, dass sich davon schlecht leben ließ. So ging Child – auch er studierte übrigens Englische Literatur – nach New York und wurde bei St. Martins Press angestellt. Er betreute Autoren des Hauses und gab selbst mehrere Anthologien mit Geistergeschichten heraus. 1987 wechselte Child in die Software-Entwicklung. Mehrere Jahre war er dort tätig, während er an den Feierabenden mit Douglas Preston an „Relic“ schrieb. Erst seit dem Durchbruch mit diesem Werk ist Child hauptberuflicher Schriftsteller. (Douglas Preston ist übrigens nicht mit seinem ebenfalls schriftstellernden Bruder Richard zu verwechseln, aus dessen Feder Bestseller wie „The Cobra Event“ und „The Hot Zone“ stammen.)

Selbstverständlich haben die beiden Autoren eine eigene Website ins Netz gestellt, auf der man großzügig mit Neuigkeiten versorgt (und mit verkaufsförderlichen Ankündigungen gelockt) wird.

[md]

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Der Professor

Erstellt von Werner Karl am 19. Februar 2011

John Katzenbach
Der Professor

Originaltitel: What comes next
Droemer
ISBN 978-3426198247
Psychothriller
Deutschsprachige Ausgabe 2010
aus dem Amerikanischen übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer
Umschlaggestaltung ZERO Werbeagentur, München
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 560 Seiten

www.droemer.de
www.johnkatzenbach.de

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Zum Autor

Psychoanalyse und Verbrechen – beides ist für den 1950 in Jersey geborenen und Massachusetts lebenden Autor John Katzenbach nichts Unbekanntes. Seine Mutter ist Psychoanalytikerin, er selbst war in Jersey und Miami als Gerichtsreporter tätig. Die Liebe zum Schreiben entdeckte er bereits sehr früh. Katzenbachs bevorzugtes Genre sind Psychothriller. Seiner Feder entstammen neben „Der Professor“ bislang acht weitere Bücher, darunter „Der Patient“ oder auch „Die Anstalt“. Zu diesen Büchern schrieb er darüber hinaus die Drehbücher, da ihm die filmische Umsetzung vorheriger Romane nicht zufriedenstellte. Neben dem Schreiben interessiert sich Katzenbach für Baseball, Hunde und Politik.

Zum Buch

Eine jugendliche Ausreißerin wird von einem Pärchen entführt und festgehalten. Ihre Misshandlungen werden gefilmt und exklusiven Klubmitgliedern via Internet zur Verfügung gestellt. Sie ist nicht die Erste und wird aller Voraussicht nach auch nicht die Letzte sein.

Ihre Entführer – ein junges Pärchen – bedienen eine gierige Fangemeinde, die gut zahlt, um bei www.whatcomesnext.com live oder als Zusammenfassung mitzuerleben, was mit Nummer 4 geschieht. Teilweise dürfen sie selbst mitbestimmen, was als nächstes geschieht.

Der Professor. Alleinstehend, an Wahnvorstellungen leidend, dement. Eigentlich will er sich nach der niederschmetternden Diagnose das Leben nehmen. Doch zufällig wird er Zeuge der Entführung und damit zur Schlüsselfigur zur Rettung des Mädchens. Doch wie sehr kann und darf er der Erinnerung an diesen Vorfall vertrauen.

Meine Meinung

Wer den Klappentext oder sonstige kurze Inhaltsangaben zum Buch liest, glaubt vielleicht schon zu wissen, worauf er sich einlässt. Blutig-schockende Gewaltexzesse. Tatsächlich? Nein. Katzenbach beschreibt Jennifers Martyrium anders. Er beleuchtet weniger die schockierenden Details der körperlichen Misshandlung, sondern richtet sein Augenmerk – und damit auch das seiner Leser – auf die Isolation von Nr. 4. Als Nr. 4 kann sich die entführte Jennifer von dem Grauen über das, was ihr geschieht, distanzieren. Doch in genau dieser Distanz liegt auch die Gefahr, ihre Identität, und damit die Hoffnung auf ein Überleben, zu verlieren. Auch die Charaktere ihrer Entführer sind logisch und gut aufgebaut. Nichts von dem, was sie tun, wirkt aufgesetzt oder zu weit hergeholt. Während andere Geschichten von Schilderungen blutiger und völlig übertriebener Exzesse leben, sorgt Katzenbach genau durch das Weglassen solcher Szenen für Gänsehaut. Die Nebenfiguren, die Voyeure hinter den PCs, werden realistisch gezeichnet. Ihre Gier, ihr Verhalten lässt sich problemlos in die Verhaltensmuster derer übertragen, die völlig legale Fernsehsendungen verfolgen, um ihre voyeuristischen Tendenzen zu bedienen, die uns seit einigen Jahren geradezu heimsuchen. Nichts scheint zu eklig, nichts zu brutal, ja – auch nichts zu banal, solange sie es aus sicherer Entfernung betrachten können. Und dann ist da noch der Professor, der Jennifer zu retten versucht.

Katzenbach hat letztlich drei bzw. vier Handlungsstränge miteinander vereint. Einen bildet Jennifer, einen/zwei ihre Entführer bzw. deren Fangemeinde und einen der Professor in seinem Versuch, das Mädchen zu retten. Dieser Professor ist eine Figur, die in gewisser Weise ebenfalls fasziniert, die mich jedoch andererseits nicht völlig überzeugt hat. Grundsätzlich fand ich die Idee, eine kranke – ihrer Erinnerungen nicht mehr ganz sichere – Figur in die Waagschale zu werfen, nicht schlecht. Da der Professor jedoch nicht nur dement ist, sondern auch an Wahnvorstellungen leidet, die ihn wiederum sehr konkret und stetig auf die Spur von Jennifer bringen, musste ich manchmal beim Lesen dieser Kapitel die Zähne zusammenbeißen. Dieser Handlungsstrang erschien bisweilen zu langatmig und dann auch zu bizarr.

Obwohl ich sagen muss, dass ich es zusammenfassend gesehen durchaus in gewisser Weise schlüssig fand, dass ein Kranker auf recht abstrakte Weise versucht, sich zusammenzureißen, um etwas Wichtiges zu erledigen, bevor er stirbt. Im Fall des Professors bemüht er seine verstorbene Frau, seinen verstorbenen Bruder und seinen ebenfalls bereits verstorbenen Sohn in geisterähnlichen Erscheinungen. Der Professor kämpft gegen seine Krankheit an, weiß, dass er seine Aussetzer und Wahnvorstellungen hat und versucht es analytisch zu lösen, wie er es eben aus seiner Karriere als Psychologieprofessor kennt. Gleichzeitig versucht er für mein Dafürhalten, seine eigene Vergangenheit zu verarbeiten. Das Gefühl von allen verlassen worden zu sein ebenso wie das Gefühl versagt zu haben. Er kann sich nicht auf die Lebenden berufen, weil die seine Aussagen aufgrund seiner Diagnosen aller Voraussicht nach in Zweifel ziehen werden. Also sucht er Hilfe bei den Verstorbenen. Allerdings war mir dieser Strang dann in seiner zum Erfolg führenden Konsequenz zu weit hergeholt und deshalb nicht wirklich passend.

Wiederum gut fand ich den Epilog, mit dem Katzenbach seinen Roman ausklingen lässt.

Fazit

„Der Professor“ hat mir trotz des eben erwähnten Mankos gut gefallen. Er ist nichts für schwache Nerven und Paranoiker, aber eindeutig etwas für Fans des Genres, das leise aber nachhaltig unter die Haut geht. Auf einer Skala von 1 bis 5 Punkten vergebe ich 4,5 Punkte.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)

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Angelus

Erstellt von Werner Karl am 18. Februar 2011

Danielle Trussoni
Angelus

Originaltitel: Angelology
Droemer
ISBN 978-3426198780
Roman
Dt. Erstausgabe 2010
Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
Umschlaggestaltung Zero Werbeagentur München
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 656 Seiten

www.droemer.de
www.danielletrussoni.org

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Zur Autorin

Nach ihrem Studium in Geschichte und englischer Literatur an der Universität von Wisconsin-Madison lebt und arbeitet die 1973 geborene Danielle Trussoni heute als freie Schriftstellerin sowohl in den Staaten als auch in Bulgarien. Neben ihrer Tätigkeit für „The New York Times Book Review“, „The New York Times Magazine“ oder auch „The Telegraph Magazine“ wurde 2006 ihr Buch „Falling Through the Earth: A Memoir“ veröffentlicht. Dieses Buch stand im gleichen Jahr auf der Liste der Besten Bücher der New York Times und heimste mehrere Auszeichnungen ein. Mit „Angelus“ erscheint bei uns der erste Roman der Autorin.

Zum Buch /Meine Meinung

Ein schwarzer, mit weiß-silbernen Ornamenten und einem Siegelring verzierter Schutzumschlag, über den sich ein rot-glänzendes Band – könnte auch ein Tuch sein – schlängelt, schützt die gebundene Hardcoverausgabe. Sieht (für mich) spannend aus und wer den Klappentext liest, kann ebenfalls neugierig werden.

Dementsprechend groß waren meine Erwartungen, mit denen ich an den Roman herangegangen bin. Die von Trussoni kunstvoll verwobenen Beschreibungen der Engel wie der Angelologen zogen mich anfangs in ihren Bann, verlangten dann aber zunehmend Durchhaltevermögen. Eine mehrmals gelesene Einstufung in das Genre Krimi/Thriller hat mich anfangs zudem etwas irritiert. Denn, obwohl Mord, Entführung und der Kampf ums Überleben thematisiert werden, passt Trussonis Roman für mich nicht in dieses Genre hinein und ich würde ihn eher im Fantasybereich ansiedeln. Doch zum eigentlichen Inhalt.

Die Nephilim, aus der altisraelischen Mythologie als riesenhafte Mischlinge aus männlichen Götterwesen und Menschenfrauen bekannt, tauchten bereits in Texten aus dem Entstehungsprozess der Bibel auf. Obwohl die apokryphen Texte selbst nicht aufgenommen wurden, findet man die Erwähnung der Nephilim im ersten Buch Mose 6, 5. Sie sollen von großer Boshaftigkeit und die Vorfahren der Riesen der Vorzeit gewesen sein.

Gemäß Trussonis Roman leben sie beispielsweise noch in New York mitten unter den Menschen, obwohl diese in den seltensten Fällen etwas davon ahnen. Sie wurden über die Jahrhunderte hinweg von Angelologen bekämpft, weil sie für das Böse in dieser Welt stehen. Und sie wollen unbedingt in den Besitz eines göttlichen Instruments kommen. Einer Leier, die die Welt für immer ins Verderben stürzen könnte, sollte sie in die falschen Hände geraten. Aus diesem Grund sind auch die Angelologen hinter dem Instrument her. Doch genau genommen weiß von den Nephilim weder jemand, wie besagte Leier wirklich funktioniert, noch wo sie gerade ist. Nur so viel ist bekannt: Abgesehen davon, dass sie denjenigen, der sie betrachtet, in ihren Bann zieht, kann sie die im Laufe der Zeit durch ihre Vermischung mit den Menschen degenerierten Nephilim heilen. Es gibt beziehungsweise gab mehrere göttliche Instrumente, doch diese eine Leier ist es, die ein mitleidiger Erzengel den ins Innere der Erde verbannten, verdammten und gestürzten Engeln (den Vätern der Nephilim) gebracht hat.

Die Nonne Evangeline, deren Mutter und Großmutter bereits als Angelologen tätig waren, wird durch eine einfache Anfrage mit der Bitte um Einsicht ins Klosterarchiv in diesen jahrhundertealten Kampf hineingezogen und erfährt stückchenweise Dinge, die bis dahin unvorstellbar für sie waren. Dinge, die ihr peu au peu offenbaren, dass sie weit mehr ist als eine bloße Nonne, die ihr Leben ihrem Gott und dem Kloster gewidmet hat. Ebenfalls ohne sein bewusstes Zutun wird der junge Collegedozent Verlaine, der sich nebenbei mit Beratertätigkeiten über Wasser hält und schwarz für Auktionshäuser tätig ist, in die Sache hineingezogen. Und da ist noch Percival Grigori, der Auftraggeber von Verlaine. Für Menschen ein reicher Geschäftsmann, doch in Wirklichkeit ein dem Tod geweihter Nephilim. Von seiner eigenen Familie wegen seiner krankheitsbedingten Schwäche verachtet, versucht er über Verlaine Informationen zu bekommen, die ihn letztlich zu der begehrten Leier führen sollen.

Soweit so gut, die Idee klang (und klingt) faszinierend, keine Frage. Die Umsetzung ist jedoch etwas anderes.

Das Buch selbst ist in drei Teile – Sphären genannt – gegliedert. Der Erste zog mich, wie eingangs erwähnt, in seinen Bann. Doch bereits darin stört eine stilistische Kleinigkeit. Durch die in Klammern geschriebenen Jahreszahlen wirken bestimmte Passagen wie ein Lexikaeintrag oder wie ein Auszug aus Archivunterlagen. Über dieses Manko hilft zu diesem Zeitpunkt jedoch noch der plakative Schreibstil der Autorin hinweg. Dieser führte dazu, dass ich mich rasch in die Umgebung der Geschichte einfinden konnte. Die Hauptfigur Evangeline kann trotz ihrer Zugehörigkeit zu der etwas angestaubt wirkenden Klostergemeinschaft, durchaus als modern bezeichnet werden. Allerdings scheint sie die Einzige zu sein, die so zeitgemäß ist.

Mit Beginn des zweiten Teils versiegte die anfängliche Begeisterung jedoch rasch. Dieser Abschnitt der Geschichte zieht sich zu sehr in die Länge. Das dürfte daran liegen, dass sich diverse nur leicht variierte thematische Wiederholungen darin finden. Erschwerend tauchen gewisse Bezeichnungen (Angelologen und Liebe betreffend) mit geradezu penetranter Regelmäßigkeit auf und der bisherige, positiv-plakative Stil bekommt einen künstlich hervorgerufenen, gefühlsbeladenen, ja überladenen Touch. Evangeline, Verlaine und Percival werden nahezu durch die sterbenskranke Nonne Celestine verdrängt. Diese erzählt Evangeline rückblickend vom Europa des 2. Weltkriegs und einer Expedition (die zu konkreteren Hinweisen auf den Aufenthaltsort der Leier und dem eigentlichen Fund beziehungsweise deren Sicherstellung führte). Leider liest sich Celestines Erzählung wie ein abgewandelter Vortragstext. Ihre vermeintlich „tiefe“ Liebe zu einer Studienkollegin oder auch ihren Professoren, ihre Überzeugung für die Sache an sich; all das straft sich selbst Lüge, durch ihr Verhalten und Denken. Sympathie oder Verständnis kam bei mir weder für Celestine noch für die erzählerisch heraufbeschworenen Angelologen auf. Vielmehr stellte sich frühzeitig die Frage, ob es nicht besser wäre, wenn diese einfach die Finger von allem gelassen hätten. Zu offensichtlich wissen die Nephilim selbst gar nicht, wo sie suchen sollen. Sie heften sich einfach an die Fersen der Angelologen.

Im zweiten Teil kristallisiert sich auch zunehmend heraus, wie Evangelines Familie (Mutter, Großmutter und ihr inzwischen verstorbener Vater) in die Sache verstrickt ist. Auch dieser Part der Geschichte fordert dem Leser einiges an Durchhaltevermögen ab. Bis es soweit ist, muss Evangeline eine Art Puzzle lösen, welches ihre Großmutter initiiert hat. Dies hat mich ganz für sich allein genommen fast dazu gebracht hat, das Buch beiseitezulegen. Die Logik der anscheinend immensen Dringlichkeit der Sicherstellung der Leier verpufft angesichts der beschriebenen Inszenierungen. Obwohl auch dieser Buchteil durchaus eine eigene Faszination haben mag, empfand ich den Wechsel zu abrupt, zu unpassend und einfach zu langatmig.

Der dritte Teil bringt Trussonis LeserInnen dann wieder in die Jetztzeit. In den noch immer anhaltenden Versuch der Nephilim in den Besitz der Leier zu kommen und in Evangelines und Verlaines Versuch, genau das zu verhindern. Was nur zu gelingen scheint, wenn sie die einzelnen Teile der im Zweiten Weltkrieg in die Staaten verbrachten Leier wiederfinden. Auch diese Suche gestaltete sich für mich eher wie eine schlecht organisierte Schnitzeljagd. In diesem Teil wird Evangelines Geheimnis und ihre Verbindung zu dem sterbenskranken Nephilim Percival Grigori gelüftet. Zumindest für die, die es noch nicht geahnt haben.

Ich kann weder sagen, dass Trussonis Schreibstil mich absolut begeistert noch völlig abgeschreckt hat. Nur dass ich stellenweise fast dachte, zwei verschiedene Autoren hätten an diesem Roman mitgewirkt. Der ist nicht wirklich schlecht, wirklich gut jedoch auch nicht. Das Verhältnis des ersten und dritten Teils zu Teil zwei ist wenig ausgewogen, die Übergänge zu wenig fließend. Das mürbe machende Versteckspiel um die Leier ist von so vielen kompliziert wirkenden und sich dann doch einfach schrecklich leicht lösenden Zufällen gespickt, dass die im zweiten Teil abrupt verlustig gegangene Spannung in dritten Teil nicht mehr aufkommen kann. Der Schluss birgt, obwohl gut angedacht, auch keine Überraschung, da sich bereits lange zuvor eine zunehmende Vorhersehbarkeit der Handlung eingeschlichen hat. Endet die Geschichte nach 600 Seiten? Nein, nicht wirklich. Sie deutet fast schon auf einen Folgeband hin.

Fazit

Alttestamentarische Engelszuordnungen nehmen leider die Spannung, obwohl sie durchaus interessant sind. Mir wurde beim Lesen wieder einmal bewusst, das die Begriffe Gut und Böse lediglich eine willkürlich getroffene Definition von Menschen darstellen. Mord bleibt Mord, ob er nun von den „bösen“ Engeln oder von den „guten“ Angelologen begangen wird. Ich habe mir nach dem, was ich im Vorfeld gelesen hatte, mehr von dem Roman versprochen und würde auf einer Skala von 1 bis 5 Punkten allenfalls 3 Punkte vergeben.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens

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Die Expedition

Erstellt von Werner Karl am 22. Januar 2011

Monika Bittl
Die Expedition

Droemer Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-19802-5
Roman
1.Auflage 04.10.2010
Umfang: 304 Seiten, gebunden

www.droemer-knaur.de
www.monikabittl.de

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Zur Autorin:

Monika Bittl, 1963 in einem kleinen Dorf im Altmühltal geboren und dort aufgewachsen, hat Germanistik und Psychologie studiert und lange als Journalistin gearbeitet. Seit 1992 ist sie freie Autorin und schreibt u.a. mit großem Erfolg Drehbücher. Für “Sau sticht” erhielt sie 1996 den Bayerischen Fernsehpreis. Monika Bittl lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in München. Ihr erster Roman “Irrwetter” ist 2006 bei Droemer erschienen; 2008 folgte “Bergwehen”.

Zur Handlung:

Dieser Roman beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Schauplatz dieses Romans beginnt in München im Jahr 1903. In kleinen wechselnden Episoden lernen wir fünf Frauen kennen, die von ihrer Herkunft und finanziellem sowie familiären Hintergrund nicht unterschiedlicher sein könnten:
Die behäbige Ludmilla, verheiratet aber sehr unzufrieden mit ihrem Hausfrauendasein und dem Bevormunden ihres Ehemannes, ertränkt ihren Unmut heimlich in Alkohohl. Die geschwätzige Rosa, Ludmillas junge Hausangestellte, die in einem Bergdorf aufgewachsen ist und Lawinen erspüren kann. Adele, Sproß einer adeligen Familie und zum äußeren Schein verheiratet, aber glücklich mit ihrer Möglichkeit, ein Studium absolvieren zu können, obwohl dies ihre ganze Kraft kostet und sie trotz ihrer Intelligenz von Depressionen und Wahnvorstellungen gebeutelt wird. Henny, allein erziehend und äußerlich provokativ aufgrund ihrer Kurzhaarfrisur und des Tragens von Hosen zu ihrer Umgebung eingestellt, Künstlerin und Lebefrau mit wenig finanziellen Mitteln. Und als 5. Mitglied Emily, Ärztin – aber auf der Flucht, weil sie in England ihren tyrannischen Ehemann umgebracht hat.

Diese Frauen treffen durch mehrere Zufälle aufeinander. Als erste weckt Ludmilla das Interesse von Henny, als sie im alkoholischen Vollrausch in einer Gastwirtschaft von ihrer waghalsigen Idee schwärmt, die Alpen überqueren zu wollen. Als Henny sie nach Hause schleppt und Feuer und Flamme von ihrer Idee ist, taucht sie am nächsten Tag im gutbürgerlichen nüchternen Leben der erschrockenen Ludmilla auf und die Planung und Umsetzung dieses verrückten Unterfangens nimmt seinen Lauf.

Doch die Tatsache, dass diese Alpenüberquerung alleine von fünf Frauen vorbereitet und durchgeführt werden soll, ist zur damaliger Zeit eine zwar große Sensation, die die Menschen und Presse wachrüttelt, wird andererseits aber auch öffentlich belächelt. Dass das Vorhaben trotz reiflicher Planung nicht ohne Probleme bleibt, ist schade aber leider auch vorhersehbar…

Meine Meinung:

Dies ist ein Roman, der für mich persönlich sehr nachhaltig wirkt. Nach meinem Empfinden geht es zwar als Angelpunkt um eine Expedition von fünf Frauen über die winterlichen Alpen, doch im Hintergrund der Erzählung steckt sehr viel mehr. Hier wird gezeigt, wie schwer es vor gut hundert Jahren war, sich in einer männlich dominierten Welt als Frau mit einem Wunsch oder die Umsetzung eines Traums durchzusetzen. Gesellschaftliche Zwänge machen es den Frauen nicht leicht, ihr Unternehmen durchzusetzen. Angesprochen werden durch die unterschiedlichen Frauen Themen wie allein Erziehende, die ihr Kind finanziell auch mit unmoralischen Dingen durchbringen müssen, Frauen, die studieren wollen und glücklicherweise über die Rückendeckung des Gatten verfügen aber auch die althergebrachte Aufgabe, dass Frauen sich um Kinder und Haushalt zu kümmern haben und sich nicht in die Geschäftswelt einmischen sollen. Alle fünf Frauen bauen für sich eine gewisse Stärke im Verlauf der Vorbereitungen auf, um sich durchzusetzen, jede mit ihren eigenen Schwierigkeiten behaftet. Dadurch, dass man als Leser mit allen Charakteren mitfühlen kann, wird diese geplante Lebensaufgabe sehr lebendig und man fiebert mit den Sehnsüchten und dem Wunsch des Gelingens  mit.

Das Buch ist in einzelne kleine Kapitel aufgeteilt, mit dem jeweiligen Vornamen überschrieben. Die Frauen berichten den Fortgang der Geschichte jeweils aus ihrer Perspektive, die Schreibweise und der jeweilige Ausdruck passen sich erstaunlich gut an die Eigenarten  der Erzählerin an. Dies lässt die Empfindungen und Sichtweisen sehr unterschiedlich aber auch lebendig wirken. Man erfährt viel über ihre Gedanken und die Einschätzungen der anderen “Expeditionsteilnehmerinnen”.

Das Cover des Buches gefällt mir persönlich sehr gut, da es sehr minimalistisch gehalten Personen und Hunde schemenhaft in einer Schneelandschaft zeigt. Leider ist jedoch der Klappentext auch sehr spärlich gehalten, so dass ich aufgrund dieser Beschreibung nicht nach dem Buch gegriffen hätte. Da mich jedoch eine Leseprobe hierzu schon neugierig gemacht hat, bin ich froh, dass ich dieses Buch gelesen habe.
 
Daher mein abschließender Eindruck: Ein interessantes unterhaltsames Buch über die Schwierigkeiten vor 100 Jahre als Frau zu leben, unbedingt zu empfehlen!

Copyright © 2011 by Sandra Stockem

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Die Geheimnisse des Brückenorakels – Weltenwanderer

Erstellt von Werner Karl am 7. Januar 2011

Melissa Fairchild
Die Geheimnisse des Brückenorakels – Weltenwanderer
Band 2

Originaltitel: This Gentle Concord
PAN Verlag
ISBN 978-3-426-28323-3
Fantasy / Jugend
Deutsche Erstausgabe Dezember 2010
Aus dem Englischen von Karin Dufner
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: FinePic, München
Hardcover, 336 Seiten

www.droemer-knaur.de
www.pan-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Melissa Fairchild wurde 1973 im britischen Lake District geboren und lebt heute mit ihrem Mann und Sohn in Manchester. Als Kind liebte sie nichts mehr, als sich von ihren Eltern an langen Abenden, wenn der Regen kalt gegen die Fensterscheiben prasselte, die Geschichten von William Shakespeare erzählen zu lassen und sich in eigene Phantasiewelten zu träumen. Melissa Fairchild studierte Geschichte und arbeitet als Lehrerin – aber ihre große Leidenschaft sind weiterhin phantastische Abenteuer, die sie nun selbst schreibt, um sie später ihrem Sohn vorlesen zu können.

Zum Buch:

Mit “Weltenwanderer” setzt die Autorin Melissa Fairchild die Reihe um die Geheimnisse des Brückenorakels fort. Der Leser trifft nun in der Menschenwelt erneut auf den jungen Avi, der mittlerweile im Haushalt seiner Freundin Hannah und deren Mutter als Untermieter lebt. Er hat einen Job als ungelernter Arbeiter gefunden und arbeitet mit Begeisterung auf einer Baustelle. Alles scheint perfekt, die Gedanken an die andere Welt Londons, das Reich der Feen, weit weg. Doch dann tauchen in London plötzlich Schiffe auf, Fünfmastbarken, und in Avi regt sich ein Verdacht. Schnell bewahrheitet sich dann auch, was noch vor kurzem unmöglich schien: Das London der Menschen und das magische London der Feen nähern sich immer mehr einander an. Schon dringen mehr Wesen in die Menschenwelt ein und auch Kellen, der König der Goblins, scheint einen Weg gefunden zu haben in die Menschenwelt einzudringen und das mit nur einem Ziel: Die Menschheit zu unterwerfen. Da bleibt Avi kaum eine Möglichkeit und so entschließt er sich in das Feenreich zurückzukehren und den Kampf gegen Kellen aufzunehmen. Begleitet wird er von Hannah, seiner Menschenfreundin, und Unterstützung bekommt er natürlich von Brucie, seiner Elfenfreundin.

Vor dem Kampf gegen Kellen jedoch möchte Avi auch seinen Vater, den Kobold Oren, retten. Dieser ist seit geraumer Zeit in einer Zwischenwelt, dem Déopnes, gefangen. Aus dieser Welt aber soll es keinen Rückweg geben. Nur Kellen und Oren selbst ist es einmal gelungen das Déopnes wieder zu verlassen, aber die Erinnerung daran scheint verschwunden.

Die Geheimnisse des Brückenorakels – Weltenwanderer ist ein schöner Fantasyroman für jung und alt, der mehr als nur eine magische Welt beschreibt. Hier geht es auch um Liebe, wahre Gefühle, Zuneigung und den Wert des Lebens. Avi verkörpert alles Gute in sich. Wo er nur kann, will er immer die richtige Entscheidung treffen und auch seinen Feinden nicht wirklich etwas Böses. Von Hannah wird er darin absolut unterstützt. Ihre Zuneigung füreinander ist noch keine wahre Liebe wie unter Erwachsenen, dafür erscheinen die zwei Protagonisten auch noch zu jung, aber die Liebe entwickelt sich mit den Erfahrungen, die Avi und Hannah machen, immer weiter.

Etwas gestört hat mich an der Geschichte die zu knappe und auch für mich nicht wirklich greifbare Beschreibung der Zwischenwelt, des Déopnes. Diese Welt, schien sie doch im ersten Band so wichtig und bedeutsam, kommt mir hier irgendwie zu kurz. Der Ausweg aus ihr wird zu schnell und zu einfach gefunden. Die Beschreibungen sind zu flach und nicht wirklich nachvollziehbar.

Alles in  allem aber ist dieses Buch eine wirklich fantastische Geschichte, die kurzweilige Unterhaltung garantiert. Schöne Ansätze und Ideen formen hier vor allem für Jugendliche eine Geschichte, die den Alltag vergessen lässt und den Leser eintauchen lässt in eine andere Welt.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

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Die Geheimnisse des Brückenorakels – Himmelsauge

Erstellt von Werner Karl am 3. Januar 2011

Melissa Fairchild
Die Geheimnisse des Brückenorakels – Himmelsauge
Band 1

Originaltitel: A Shadow’s Touch
PAN Verlag
ISBN 978-3-426-28312-7
Fantasy / Jugend
Deutsche Erstausgabe Dezember 2009
Aus dem Englischen von Karin Dufner
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: mauritius images / Alamy; mauritius images / age
Hardcover, 384 Seiten

www.droemer-knaur.de
www.pan-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Autorin

Melissa Fairchild wurde 1973 im britischen Lake District geboren und lebt heute mit ihrem Mann und Sohn in Manchester. Als Kind liebte sie nichts mehr, als sich von ihren Eltern an langen Abenden, wenn der Regen kalt gegen die Fensterscheiben prasselte, die Geschichten von William Shakespeare erzählen zu lassen und sich in eigene Phantasiewelten zu träumen. Melissa Fairchild studierte Geschichte und arbeitet als Lehrerin – aber ihre große Leidenschaft sind weiterhin phantastische Abenteuer, die sie nun selbst schreibt, um sie später ihrem Sohn vorlesen zu können.

Das Buch:

Avi erwacht in einem städtischen Londoner Krankenhaus und kann sich an nichts erinnern. Nach und nach erfährt er, dass er vor eine U-Bahn gelaufen ist. Die Ärzte sind verwundert, denn Avis Verletzungen, die er normalerweise gar nicht überlebt hätte, heilen in einer rasanten Geschwindigkeit. Kaum hat der Junge das realisiert, tauchen auch schon merkwürdige Gestalten im Krankenhaus auf, die nichts Gutes verheißen. Da bleibt Avi nur die Flucht, obwohl er eigentlich gar nicht weiß wohin er fliehen soll und wem er überhaupt trauen kann. Zum Glück jedoch begegnet ihm bei seiner Flucht das Mädchen Hannah, mit der er sehr schnell Freundschaft schließt. Gemeinsam machen sich die Kinder daran Avis Vergangenheit zu ergründen, doch zunächst geschieht noch etwas Unvorstellbares: Bei einem Besuch von Hannahs sterbenskranker Mutter nimmt Avi deren Hand und wie durch ein Wunder ist die Frau von diesem Moment an geheilt.

Die Reise der zwei jungen Menschen bringt sie aus dem heutigen London der Sterblichen in eine Parallelwelt: Das Feenreich. Beide Welten existieren nebeneinander. Einst waren sie ein einziges Reich, aber dann wurden sie getrennt. Eine Prophezeiung besagt, dass die beiden Welten wieder vereint werden, wenn der Erstgeborene der Feenkönigin den Thron besteigt. Leider nur können derzeit nur Elfen zwischen den Welten wechseln und andere Bewohner nur mit Hilfe von bestimmten Übergängen, aber das ist gar nicht so einfach wie gedacht. Als sich dann herausstellt, dass Avi der Sohn der Feenkönigin Arethusa ist und Avi nach und nach mit Hilfe eines Erinnerungsbuches sein Gedächtnis wieder erlangt, überschlagen sich die Ereignisse.

Melissa Fairchild erschafft hier mit dem zweigeteilten London eine zauberhafte Welt, die auf beiden Seiten sympathisch und unsympathisch ist. Auch wenn dem Leser, wie wohl auch Avi selbst, eigentlich verborgen bleibt wer hier auf wessen Seite steht und welches Ziel denn überhaupt erstrebenswert ist, so ist die Geschichte an sich ein spannendes Fantasyabenteuer für Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene. Altbekannte Wesen wie Goblins, Elfen, Feen und Kobolde begegnen uns hier, aber auch ein Dreihorn läuft uns über den Weg.

Schön ist vor allem die sich anbahnende Romanze zwischen Avi und Hannah, vereint doch diese auch  schon auf gewisse Weise die beiden Welten miteinander. Ohnehin sind die beiden Protagonisten mehr als sympathisch, jung und unerfahren und dadurch auch oft durch ihre Emotionen stark beeinflusst, schlittern sie von einem Abenteuer ins nächste, halten dabei aber stets zusammen. Auf sehr originelle und freche Weise werden sie dabei von der Elfe Brucie unterstützt.

„Die Geheimnisse des Brückenorakels – Himmelsauge“ besticht schon durch das Cover an sich, welches in einer Buchhandlung sicherlich sofort ins Auge des Betrachters springt und verzaubert noch mehr durch eine gelungene Geschichte.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

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