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neuauflage

Hannes

Erstellt von Werner Karl am 22. April 2012

Rita Falk
Hannes

Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-423-28001-3
Roman
Erschienen 19.März 2012
Umschlagkonzept: Balk & Brumshagen
Umschlaggestaltung: Ruth Botzenhardt unter Verwendung
eines Fotos von Corbis/Westend61/Creativ Studio Heinemann
Umfang: 208 Seiten, gebunden

www.dtv.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zur Autorin:

Rita Falk, Jahrgang 1964, hat sich mit ihrer Provinzkrimiserie um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Winterkartoffelknödel, Dampfnudelblues und Schweinskopf al dente) in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Von sich selber sagt die Autorin, dass sie die schönste Zeit ihres Lebens in Oberbayern verbracht hat. Dort hat sie ihre Kindheit verbracht, wuchs bei der Oma auf. Dem ihr so vertrauten Landstrich ist Rita Falk auch als Erwachsene treu geblieben. Sie lebt heute in München. Rita Falk ist mit einem Polizisten verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Mit ›Hannes‹ zeigt sie sich von einer neuen, überraschenden Seite, indem sie eine wahrhaftige, universelle Geschichte erzählt, die niemanden ungerührt lässt.

Zur Handlung:

“Naturgemäß reagierst du mal wieder gar nicht …”. So oder so ähnlich enden die Abschnitte aus Ulis Briefen an Hannes. Das Leben der besten Freunde Hannes und Uli hat sich plötzlich verändert, denn Hannes liegt im Krankenhaus im Koma, seitdem er den Motorradunfall hatte. Und sein bester Freund Uli war dabei, jedoch hilflos. Uli besucht Hannes fast jeden Tag, sitzt auf seinem Bett und liest ihm die Sportnachrichten vor. Ab und zu gesellen sich andere Freunde, Hannes Freundin Nele oder die Eltern dazu, doch Uli freut sich am meisten, wenn er mit seinem Freund alleine ist. Um für Hannes alles Erlebte festzuhalten, beginnt Uli Briefe an Hannes zu schreiben, diese zu sammeln und ihm vorzulesen. Eine Art Tagebuch, damit Hannes zudem weiß, was alles passiert ist, wenn er wieder aus seinem Koma erwacht. Akribisch hält er alles mit Datum fest, wann was geschehen ist, berichtet in seinen Schreiben von jeweiligen Zustand Hannes, von seinen eigenen Erlebnissen mit den Freunden und seiner Zivildienststelle im „Vogelnest“, einer psychiatrischen Einrichtung, geführt von der resoluten Nonne Walrika, der auch Ulis Liebschaft mit der Ärztin im Hause nicht entgeht. Und trotz der Monologe und Bemühungen Ulis „reagiert Hannes naturgemäß nicht“ …

Uli lässt Hannes durch seine Aufzeichnungen geschickt indirekt am Leben teilhaben, schreibt ihm genauso, wenn er  hilflos und zornig ist, Probleme mit den Freunden hat, als auch von lustigen Momenten mit Walrika oder  den Bewohnern des Vogelnests. Und hiermit verarbeitet auch Uli selbst die grausame Situation und er hilft sich, den Alltag zu meistern … 

Mein Fazit:

Dieses Buch ist faszinierend, man begleitet Hannes und Uli fast ein Jahr mit allen erdenklichen Situationen, die sich um ein Krankenbett abspielen können. Menschliche Differenzen, traurige aber auch schöne Ereignisse und familiäre Katastrophen lernt man aus der Sichtweise von Uli sehr gut kennen. Doch er nimmt auch zum Glück nicht immer alles so ernst und findet immer wieder einen Funken Normalität trotz der scheinbar nur körperlichen Anwesenheit des Freundes. Letztendlich ist dies ein Buch über eine wunderbare Freundschaft und die naturgegebene Hoffnung, dass doch alles wieder gut wird. Und diese Zeit muss man sinnvoll nutzen! Mich hat diese Geschichte gefesselt, mich stellenweise sowohl zum Lachen als auch sehr zum Nachdenken gebracht.

Der Schreibstil ist sicher nicht anspruchsvoll, aber es spiegelt genau das wieder was es beabsichtigt: Die täglichen Gedanken und Erlebnisse eines jungen Mannes, weitergegeben an seinen besten Freund. Und dies ist sehr gut zu lesen, es fesselt den Leser förmlich, da man selbst bei jedem Abschnitt hofft, dass doch jetzt bestimmt etwas passiert oder eine Veränderung an Hannes eintritt.

Auch das Cover ist gut ausgewählt, es zeigt einen Ausschnitt des Kastanienbaumes, den man erblickt, wenn man aus Hannes Krankenzimmer hinausschaut. Das frische Grün der Blätter auf weißem Grund wirkt frühlingshaft und sehr leicht.

Als Fazit wünsche ich jedem in einer solchen sicher nicht wünschenswerten Situation genau diesen Freund, der einen in einer aussichtslosen Lage so konsequent begleitet und trotz fehlender Kommunikation versucht, das Beste daraus zu machen. Denn gerade solche nahe stehenden Freunde sind sehr wichtig im Leben! Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen, es ist traurig und wunderschön in einem!

Copyright © 2012 by Sandra Stockem

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Ein Herzschlag bis zum Tod

Erstellt von Werner Karl am 2. Februar 2012

Sara J. Henry
Ein Herzschlag bis zum Tod

dtv premium Verlag
ISBN 978-3-423-24888-4
Thriller
Originaltitel: Learning to Swim
1. Auflage Oktober 2011
Deutsche Übersetzung: Susanne Goga-Klinkenberg
Umfang: 336 Seiten, kartoniert

www.dtv.de

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Titel erhältlich bei booklooker.de

Zur Autorin:

Sara Henry, geboren in Tennessee, hat unter anderem als Journalistin, Lektorin, Bodenkundlerin, Webdesignerin und Fahrradmechanikerin gearbeitet. Dies ist ihr erster Roman.

Zur Handlung:

“Schwimmen ist ein Sport, der nicht jedem liegt.” – Aus einem Blog zum Thema Schwimmen lernen.

Eine gekonnte Einleitung einer im Wasser beginnenden Geschichte:
Auf der Fährüberfahrt nach Vermont entdeckt die junge Journalistin Troy einen Schatten im Wasser und stürzt sich selbstlos hinein. Ihr Instinkt gibt ihr Recht; in einer sehr aufwändigen Schwimmaktion für eine eher ungeübte Schwimmerin zieht sie einen fast leblosen Jungen aus dem See und bringt ihn zunächst zu sich nach Hause. Jedoch hält sie irgendetwas auch davon ab, die Polizei einzuschalten. Sie versorgt den kleinen französisch sprechenden Jungen Paul und begibt sich auf eigene Faust auf die Suche nach seiner Herkunft und der Frage, wer ihn mit Mordabsichten ins eiskalte Wasser geworfen haben könnte. Denn die Ärmel seinen viel zu großen Sweatshirts waren vorsorglich gut verknotet, bevor er in den See gestoßen wurde. Von einem Versehen kann daher nicht die Rede sein.

Der Kleine wächst ihr immer mehr ans Herz, und als sie seinen Vater ermittelt hat, kämpft sie zunehmend mit dem Gedanken, ob dieser vielleicht sogar etwas mit dem geplanten Verbrechen zu tun hat und nur vorgibt, auf der Suche nach seinem Sohn gewesen zu sein. Und auch seine Mutter bleibt weiterhin vermisst, doch auch hier scheinen weder der kleine Paul noch der Ehemann ein großes Interesse an ihrer Wiederkehr zu haben. Was steckt hinter den Ereignissen?

Mein Fazit:

Dieses Buch hat mir persönlich sehr gut gefallen! Es ist zwar unter dem Genre Thriller zu finden, es geht auch um einen Mordversuch sowie auch weitergehend um Mord, doch nicht in der sonst so gewohnten reißerischen und psychologisch ausgefeilten Art, die man bei einem Thriller vermuten würde.

Im Kern lebt diese Geschichte von einer unsicheren jungen Frau, die eine zunehmend intensive Bindung zu einem kleinen Jungen aufbaut und ihn am liebsten nicht mehr hergeben mag. Trotzdem bringt Troy ihn zu seinem Vater zurück, ist aber ehrgeizig entschlossen, die ganze seltsame Geschichte auch ohne die Polizei aufzuklären und den Schuldigen zu finden, der den Jungen töten wollte. Zunehmend intensiviert sich auch ihr Verhältnis zu Pauls Vater, was sie zusätzlich in Schwierigkeiten bringt. An diesem Punkt muss sie auch ihr bisheriges Leben in Frage stellen. Was ist richtig, was falsch?

Die Auflösung der ganzen verworrenen und spannenden Geschichte ist gut gewählt, obwohl man das Unheil als Leser kommen sieht, sorgt das Ende doch für eine kleine Überraschung! Die Art der Autorin, die Erzählung überaus bildhaft darzustellen, hat mich sehr überzeugt. Ich fühlte mich auf allen Seiten gut unterhalten, die Figuren wirken sehr glaubhaft und auch mir ist der kleine Paul im Buch ans Herz gewachsen. Die vielen Gedanken und Verhaltensweisen von Troy sind gut nachvollziehbar und machen die Protagonistin für mich sehr sympathisch.

Daher scheint die Intention der Autorin hier mehr als erfüllt! Ich würde mich freuen, von Sara J. Henry demnächst noch mehr lesen zu können!

Copyright © 2012 by Sandra Stockem

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Englische Passagiere

Erstellt von Michael Drewniok am 11. Januar 2012

Matthew Kneale
Englische Passagiere


(sfbentry)
Originaltitel: English Passengers (London : Hamish Hamilton 2000/New York : Nan A. Talese 2000)
Übersetzt von Sabine Hübner
Deutsche Erstausgabe (geb.): Oktober 2000 (Deutsche Verlags-Anstalt)
544 Seiten
ISBN-10: 3-421-05274-3
TB-Neuausgabe: Juni 2005 (Deutscher Taschenbuch Verlag/Dtv 13339)
ISBN-13: 978-3-423-13339-5

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Das geschieht (Vorgeschichte):

England im Jahre 1857. Seit zwei Jahrzehnten sitzt Königin Victoria auf dem Thron des britischen Reiches, das sich in dieser Zeit ständig ausdehnt. Zu den aktuellen ‚Neuerwerbungen‘ gehört Van Diemen‘s Land, eine große Insel vor der Südspitze Australien. Die Briten haben sie den Holländern abgenommen und werden sie bald „Tasmanien“ nennen. Die Aussicht, hier sein Glück zu machen, lockt eine bunte Mischung aus unternehmungslustigen jungen Männern, strengen Kolonialbeamten, Pflanzern, Händlern, Missionaren und Glücksrittern an. Auch als Ort der Verbannung für Sträflinge eignet sich die Neuerwerbung vorzüglich.

Alle sind zufrieden – mit einer Ausnahme: Tasmanien war nie eine menschenleere Insel. Etwa 4000 Aborigines, deren Vorfahren aus Australien kamen, lebten hier. Nachdem Tasmanien 1804 von den Weißen entdeckt und in Besitz genommen wurde, begann umgehend die „Zivilisierung“ der „Wilden“. Von ihrem Land wurden sie vertrieben oder in Konzentrationslagern zusammengepfercht, gern auch ‚gejagt‘ oder wie Ungeziefer ausgerottet. Eingeschleppte Krankheiten und der Alkohol gaben ihnen den Rest. Jetzt, nur ein halbes Jahrzehnt später, haben weniger als 20 Männer und Frauen überlebt. Einer von ihnen ist der junge Peevay, Sohn einer Ureinwohnerin und eines Sträflings, der sie einst vergewaltigt hatte. Er erzählt die traurige Geschichte, die hier kurz skizziert wurde.

Das geschieht (Hauptgeschichte):

Die Kunde vom nahen Ende der „eingeborenen“ Tasmanier ist im britischen Mutterland nicht unbemerkt geblieben. Dr. Potter, Chirurg und Amateur-Anthropologe, muss sich sputen, wenn er sich noch ein Versuchsobjekt zwecks Untersuchung auf dem Seziertisch und anschließender Präparierung für sein Museum schießen will. Ähnlich aufgeregt ist Reverend Wilson. Er hat sich dem Kampf gegen den Ungeist des Darwinismus‘ verschrieben und ist davon überzeugt, auf Tasmanien das verlorene Paradies der Bibel wiederzufinden.

Potter und Wilson schiffen sich auf dem maroden Segler „Sincerity“ ein. Kapitän Kewley wollte eigentlich Cognac und Tabak von Frankreich nach England schmuggeln. Mit dem ihm eigenen Ungeschick hat er dieses Unternehmen scheitern lassen. Deshalb lässt er sich überreden, ein britisches Expeditionskorps samt Kapelle sowie einige Sträflinge nach Tasmanien zu bringen. Außerdem gedenkt er seine Schmugglerkarriere in fremden Gewässern wieder aufzunehmen.

Sich selbstgefällig in der angemaßten Gunst von Gott, Königin und Vaterland sonnend, in allen Häfen der Welt die einheimische Bevölkerung vor den Kopf stoßend und völlig blind gegenüber der Tatsache, dass man eine Welt mit eigenen Regeln betritt, steuern die englischen Passagiere Tasmanien an. Dort reihen sie sich ein in die Reihen jener, die mit der ‚Kultivierung‘ der Insel beschäftigt sind. Sie unternehmen eine strapaziöse Expedition ins Landesinnere, die ausgerechnet vom rachedürstenden Peevay geführt wird und in einer Kette von Desastern endet. Als sich die schwer mit Waren, Konterbande und wissenschaftlichen Präparaten beladene „Sincerity“ auf die Rückfahrt nach England begibt, sind nicht alle mehr Passagiere an Bord, und auch die Überlebenden dürfen sich nur kurze Zeit in Sicherheit wiegen …

Die Geschichte kennt vor allem Sieger

„Englische Passagiere“ ist ein Historienroman ganz besonderen Kalibers. Mit trügerischer Eleganz tarnt er sich als Satire auf jene ruhmlose Phase der Weltgeschichte, in der die Großmächte Europas daran gingen, Kolonialreiche zu gründen. Im Namen Gottes, des Fortschritts und des Profits – die Reihenfolge ist beliebig – löschten die bornierten Eroberer ganze Völker und uralte Kulturen aus.

Matthew Kneale beschreibt die Dezimierung der tasmanischen Ureinwohner exemplarisch als Prozess, der sich überall auf der Welt und meist in weit größerem Maßstab wiederholte. Die Reduktion auf einen überschaubaren Schauplatz verdeutlicht das universelle Grauen; 4000 Tote repräsentieren eine Tragödie, 400000 oder 4000000 nur eine Zahl, um ein bekanntes Wort abzuwandeln.

Kneales Panorama der Kolonialepoche ist großartig geschrieben. Die meisten Autoren sehen ihre wichtigste Aufgabe darin, zeitgenössische Fakten korrekt wiederzugeben. Sie wissen wunderbar über die Evolution des Kragenknopfes im frühen 18. Jahrhundert Bescheid und lassen sich nicht davon beirren, dass solche Details vom Publikum entweder kaum bemerkt werden oder ihm völlig gleichgültig sind. Man kann es nicht häufig genug wiederholen: Die Handlung hat im Vordergrund zu stehen, und sie ist stets mehr als die Summe ihrer einzelnen Elemente.

Absurd, korrekt und wirkungsvoll

Wie man es richtig macht, führt Kneale mit eindrucksvoller (und für weniger talentierte Schriftstellerkollegen vermutlich entmutigender) Wortgewalt vor. Die Genauigkeit des historischen Hintergrunds setzt er voraus – Geschichte hat er schließlich studiert – und entwickelt daher ohne Umschweife die grimmig-fesselnde Handlung.

Eine bitterernste Geschichte über (den) Völkermord wäre wohl keine Garantie für einen Publikumserfolg. Daher gibt Kneale der bitteren Pille einen scheinbar süßen Überzug. Die Irrfahrt des Narrenschiffes „Sincerity“ (schon der Name – „Aufrichtigkeit“ – ist die schiere Ironie) und die Abenteuer ihrer Passagiere erinnern an einem Auftritt der legendären Komikergruppe „Monty Python“. Dort wie hier kann einem das Lachen leicht im Halse stecken bleiben. Die satirische Überspitzung mildert nicht das Entsetzen über den wie selbstverständlichen Genozid an den Tasmaniern, die rücksichtslose Ausbeutung und Zerstörung der ur- und eigentümlichen kleinen Inselwelt und die Selbstherrlichkeit der Kolonialherren. Die Komik kann zudem von einem Augenblick zum anderen in Tragik oder nackten Terror umschlagen. Der Handlungsstrang der Tasmanien-Expedition erinnert an die parabelhafte Afrika-Novelle „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad, noch mehr allerdings an die delirierende Verfilmung „Apokalypse Now“ von Francis Ford Coppola.

Die Handlung ist spannend und (trotz einiger Längen) immer schlüssig. Außer den bereits erwähnten Hauptpersonen (zu denen sich übrigens noch ein rebellischer Botaniker gesellt) läßt Kneale mehr als ein Dutzend Nebenfiguren auftreten (koloniale Würdenträger, Siedlerfrauen, Ureinwohner, Sträflinge etc.), die es mit der „Sincerity“-Expedition zu tun bekommen. Ihre Schilderungen vervollständigen das Bild der Welt um 1850, in der – das macht Kneale deutlich – fleißig das Fundament gelegt wurde, auf dem noch im 21. Jahrhundert gemordet, unterdrückt und geplündert wird.

Autor

Matthew Kneale, geboren 1960 in London als Sohn von Judith Kerr (der Tochter des berühmten Theaterkritikers Alfred Kerr), studierte Neuere Geschichte in Oxford. Anschließend entschloss er sich zu schreiben. In nur wenigen Jahren hat er sich einen Namen machen können und wurde bereits mit dem „Somerset Maugham Award“ und dem „John Llewellyn Rhys Award“ ausgezeichnet. Seinem Buch „Englische Passagiere“ wurde 2000 der „Whitbread Book Awards“ für den besten (englischen und irischen) Roman des Jahres verliehen.

[md]

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Online wartet der Tod

Erstellt von Werner Karl am 6. Januar 2012

Alafair Burke
Online wartet der Tod

Originaltitel: Dead Connection (2007)
dtv
ISBN  978-3-423-21314-1
Krimi
Erscheinungsjahr: 2011
Übersetzer Susanne Wallbaum
Umfang 464 Seiten

http://www.dtv.de/
http://alafairburke.com/

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zum Autor:

Alafair Burke lebt in New York City und ist Dozentin für Strafrecht an der Hofstra Law School. Sie war lange als Deputy District Attorney in Portland, Oregon, tätig.
(Quelle: Verlag)

Zum Buch:

Ellie Hatcher hat eine rasante Karriere bei der Polizei hingelegt und wird nun im Fall von zwei toten Frauen, zwischen deren Toden genau ein Jahr liegt und die beide bei der Online-Partnerbörse “First Date” registriert waren, hinzugezogen. Noch kann Ellie sich nicht erklären, warum gerade sie an dem Fall arbeiten soll, wo sie doch beim Raubdezernat eigentlich eingesetzt ist und nur ausgeliehen wird.

Sie ermittelt gemeinsam mit Flann McIllroy und so legen die beiden einen Fake-Account bei First Date an, weil sie glauben, dort eine Spur zum Mörder zu finden, denn dieser hatte bei beiden Morden auf diese Online-Plattform verwiesen. Und dann wird eine dritte Frau ermordet und für Ellie zieht sich die Schlinge immer enger zu, denn sie könnte die nächste sein.

Fazit:

Online wartet der Tod scheint zunächst ein leicht zu durchschauender Krimi zu sein. Auch die Protagonisten scheinen nach bewährtem Muster “gestrickt” zu sein. Doch die ganze Geschichte entwickelt sich zu einem Strudel, dem sich der Leser einfach nicht entziehen kann. Dies liegt daran, dass die Hauptfigur, Ellie Hatcher, sehr sympathisch daher kommt. Mit einer nicht allzu leichten Vergangenheit, die sie noch nicht aufgearbeitet hat und die selbstverständlich auf ihren Schultern lastet.

Und dann ist da ein sehr geschickter Täter, der mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint, die Ermittler lockt und ihnen immer wieder das Gefühl gibt, als wären sie auf der richtigen Fährte. Doch dann kommt doch wieder eine Wendung, ein neues Moment ins Spiel, was alles verändert.

Das aktuelle Thema, Online-Dating und generell Online-Kontaktbörsen und der Umgang damit, finde ich hochinteressant. Und so finde ich es gar nicht schlimm, dass das Buch schon mit einem erhobenen Zeigefinger daher kommt, nicht zu leichtfertig zu sein, mit dem, was man von sich online preis gibt und wie sehr man sich auf diejenigen, die man dort antrifft, einlässt. Ich finde es wichtig, dass durch eine erfundene Geschichte ein Denkprozess angestoßen wird. Auf diese Weise erreicht man glaube ich mehr Menschen, als z.B. als Politiker in einer trockenen Runde.

Von daher finde ich, dass man den ganzen Hintergrund nicht auf die allzu leichte Schulte nehmen sollte. Und es hinterlässt einen Geschmack nach einem ernsthafteren Umgang im Netz, einem bedachteren Umgang. Wie schnell könnte tatsächlich jemand mit so krimineller Energie auf die Idee kommen, sich so seine Opfer zu suchen? Und wie oft ist es schon passiert? Wie gesagt, es regt zum Nachdenken an, wie ich finde.

Nichtsdestotrotz ist es ein Buch, dass durch seinen eingägen Stil und seine gut konstruierten Charaktere überzeugt. Ich bin sehr gespannt, wie der nächste Fall für Ellie Hatcher aussehen mag und welches Themas sich die Autorin dort annehmen wird.

Copyright © 2012 by Sabine Kettschau

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Vom anderen Ende der Welt

Erstellt von Werner Karl am 27. November 2011

Liv Winterberg:
Vom anderen Ende der Welt

dtv-premium
ISBN 978-3-423-24847-1
historischer Roman
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG
2. Auflage, München 2011.
448 Seiten

www.dtv.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Zur Autorin:

Liv Winterberg ist 1971 geboren, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet als Journalistin, Drehbuchautorin und Rechercheurin. Mit ihrer Familie lebt sie in Berlin. ?Vom anderen Ende der Welt? ist ihr erster Roman.

Zum Inhalt:

England, spätes 18. Jahrhundert: Von ihrem Vater, einem Arzt und Wissenschaftler, zur Botanikerin ausgebildet, träumt die junge Mary Linley davon, die Welt zu bereisen. Doch als sie nach dem Tod des Vaters verheiratet werden soll, sieht sie nur eine Möglichkeit, ihrer Berufung zu folgen. Sie gibt sich als Mann aus, um an Bord der Sailing Queen im Stab des Botanikers Sir Carl Belham auf Expeditionsfahrt zu gehen. Die Lebensbedingungen auf See erschüttern sie, denn Entbehrungen, Krankheiten und Tod prägen den Alltag. Dennoch glaubt sie, ihr Ziel erreicht zu haben: Sie erkundet fremde, faszinierende Länder. Erst durch die Liebe zu Sir Carl Belham erkennt sie, dass sie sich für ihre Ideale selbst verleugnet.

Meine Meinung:

Inspiriert vom Leben der französischen Botanikerin Jeanne Baret nimmt uns Liv Winterberg in ihrem Erstlingswerk mit auf die Reise einer jungen Wissenschaftlerin zu sich selbst, in ferne Länder und auf eine abenteuerliche Schiffsreise im 18. Jahrhundert. Die Reise mit der Sailing Queen hat dabei nichts gemeinsam mit einer Kreuzfahrt im 20. Jahrhundert, sondern stellt ein großes Abenteuer dar. Der Leser bekommt Einblick in das raue Leben an Bord, leidet mit bei Äquatortaufe, Tod und Mühsal an Bord. Dies alles erduldet die junge Protagonistin, um ihrem Lebensweg als Botanikerin gehen zu können, natürlich getarnt als Mann. Auch wenn es ein wenig vorhersehbar ist, dass Mary früher oder später als Frau entlarvt wird, fragt sich der Leser bis zum Schluss, ob sie jemals die Freiheit haben wird, ihr Leben als Wissenschaftlerin leben zu können.

Der gute, flüssige, unterhaltsame Schreibstil lässt zu, dass die Figuren authentisch wirken, stellenweise hätte ich mehr über Marys Gefühlswelt erfahren wollen. Ebenso hätten noch mehr Informationen über die faszinierende Inselwelt eingebunden werden können. Ansprechend gestaltet ist das Cover, das exotische Tiere und Pflanzen abbildet.

Insgesamt ein lesenswerter Roman, denn die Vielschichtigkeit der Themen ? Botanik Schifffsexpedition, Liebesgeschichte, Emanzipation der Frau – und die gute Recherchearbeit motivieren zum Weiterlesen. Ein Fortsetzungsroman ist denkbar, denn am Schluss bleiben einige Fragen offen.

Copyright © 2011 by Kirsten Welsch

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Vor dem Regen kommt der Tod

Erstellt von Werner Karl am 29. September 2011

Vor dem Regen kommt der Tod
Lieneke Dijkzeul

dtv-premium
ISBN 978-3-423-24855-6
Thriller
Originaltitel: De geur van regen
Deutsche Erstausgabe 01.September 2011
Aus dem Niederländischen von Christiane Burkhardt
Umfang: 336 Seiten, kartoniert

www.dtv.de
www.lienekedijkzeul.nl

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Zur Autorin:

Lieneke Dijkzeul hat bereits mehrere Romane veröffentlicht. Sie gilt als eine wichtigsten Kriminalautorinnen der Niederlande. Für ?Vor dem Regen kommt der Tod? wurde sie für den »Gouden strop«, die bedeutendste niederländische Krimi-Auszeichnung, nominiert.

Zur Handlung:

Renée Pettersen wird überfallen. Vor ihrer Wohnungstür. Sie hat ihren Angreifer nicht gehört. Doch sie ist Polizistin, kann sich wehren und versucht ihr Möglichstes, den Mann abzuwehren. Doch gegen sein Messer hat sie keine Chance. Er verletzt sie schwer, schneidet ihr Teile ihrer Haare und Kopfhaut ab und ritzt ihr die römische Ziffer I in den Bauch. Nachdem er sie zurück lässt, schafft sie gerade noch, ihren Chef Paul Vegter anzurufen…

Die Ermittlungen beginnen und man versucht verzweifelt, ein Motiv zu finden. Eine zweite Frau wird überfallen, die junge Studentin überlebt die Tortur jedoch nicht und wird ebenfalls mit einem Mal versehen: der römischen Ziffer II! Kommissar Paul Vegter scheint ein Muster zu erkennen: Alle Frauen sind attraktiv, alleinstehend und rothaarig. Doch der Täter nimmt seine Trophäen nicht mit sondern entsorgt sie in der Nähe des Tatortes. Was ist dann der eigentliche Grund der Skalpierungen?

Zudem zieht Renee bei Paul ein und er sieht sich mit der ungewohnten Situation einer jungen Frau in seiner Wohnung konfrontiert. Desweiteren lernt man John und seine Frau Vivienne kennen. Johns Geschäfte laufen schlecht, er spielt seiner Frau den liebevollen Ehemann vor und überlegt sich in seinen psychischen Wahnvorstellungen, wie er ? selbst mittel- und erfolglos ? einfach an das Geld seiner vermögenden Frau kommen kann…ohne sie weiter ertragen zu müssen! 

Meine Meinung:

Der Thriller lebt von zwei parallelen Erzählsträngen. Auf einer Seite die verletzte junge Polizistin Renée und ihr Kollege Paul, der sich nach ihrem Angriff sehr um sie bemüht und kümmert. Leise entwickelt sich hier eine Liebesgeschichte zwischen beiden, mit großen Bedenken aufgrund des Altersunterschieds und dem immer währendem Blick auf die Ermittlungen. Der zweite Strang ist aus Sicht des Täters und seiner Frau  geschrieben. Hier erfährt man so langsam das eigentliche Motiv, warum die Frauen umgebracht werden (sollen) und schaut hinter eine scheinbar liebevolle Vorstadtfassade mit tiefem Abgrund! Und verfolgt als Leser die cleveren Gedankenstränge der Frau, die die dunkle Seite ihres Mannes zunächst nicht wahrhaben will, aber dann geplant versucht, ihn ohne eigenen Schaden auflaufen zu lassen. Doch sie begibt sich in eine gefährliche Situation…

Die Geschichte lebt von einer starken Ausdrucksweise, man erfährt viel über die Gedanken und Gefühle der Protagonisten. Dies lässt mir als Leserin intensive Einblicke zu, aber mindert leider auch etwas die Spannung im Lesefluss eines Thrillers, der sehr rasant mit dem Überfall und beschriebenen Kampf beginnt und dann jedoch etwas verhaltener fortgeführt wird. Der Ablauf ist sehr glaubwürdig, das Motiv des Täters fast banal und vorausschaubar, aber aus Sicht der Autorin auch so gewollt und nachvollziehbar. Nur das Ende des Buches kam mir etwas zu plötzlich und konstruiert vor. 

Trotz kleiner Kritikpunkte fühle ich mich jedoch durch die Erstausgabe von Lieneke Dijkzeul sehr gut unterhalten und würde mich über weitere Fälle der niederländischen Autorin freuen. Auch das Cover finde ich als letzten Punkt sehr gelungen, es hat mich als erstes angesprochen! Es ist in der Farbgebung sehr schlicht, nur die roten Haare mit den kleinen Blutstropfen und der Titel spiegeln das Thema hier wieder und machen mich als Leserin neugierig auf einen spannenden Thriller!
 
Copyright © 2011 by Sandra Stockem

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Erlösung

Erstellt von Werner Karl am 16. Juli 2011

Jussi Adler Olsen
Erlösung
3. Fall für Carl Morck

Titel des dänischen Originals: Flaskepost fra P (2009)
dtv Premium
ISBN 978-3-423-24852-5
Krimi & Thriller
Erscheinungsjahr der deutschen Erstausgabe: 2011
Übersetzer: Hannes Thiess
Umfang 592 Seiten

www.dtv.de
www.adler-olsen.de

Titel erhältlich bei buch24.de
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Zum Buch:

Das Sonderdezernat Q friste weiterhin in den Kellerräumen der Kriminalstation sein trostloses Leben. Scheinbar. Denn unter der Oberfläche brodelt es. Es geht weiter mit den kleinen Gemeinheiten, um Carl Morck und seine Assistenten in Miskredit zu bringen. Sie bekommen nach wie vor “kalte” Fälle zugeschanzt, die wenig Erfolg auf Aufklärung bergen. Zudem wird in den alten Kellerräumen Asbest entdeckt, Morck, Assad und Rose sollen umziehen in die oberen Etagen, was Morck selbstverständlich überhaupt nicht gefällt und so lassen die drei sich einiges einfallen oder ignorieren schlichtweg Anordnungen, um in ihren angestammten Räumen zu bleiben.

Dann taucht ein Fall um eine alte Flaschenpost auf, die durch Umwege im Dezernat Q landet und dort für einige Aufregung sorgt. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass offenbar über Jahrzehnte hinweg ein auf Glaubensgemeinschaften spezialisierter Erpresser und Mörder immer wieder Kinder entführt, Geld von den Familien erpresst und Kinder gar getötet hat. Ein schwieriges Unterfangen für Carl und seine Assistenten, an diese Familien heranzukommen, da sie mit der “Außenwelt” keine bis nur unzureichende Kontakte pflegen und eher ein Zufall führt dazu, dass alle Stränge zusammenlaufen.

Bei all den Ermittlungen gibt es aber auch wieder viel Zwischenmenschliches, was die Protagonisten so sympathisch macht. So lässt Carl Morck sich darauf ein, von einem Psychologen bezüglich des Todes seines Partners und der doch sehr einschneidenden Verletzung  von Harry, der nun in seinem Hause lebt, befragen zu lassen, um sich seinen Dämonen zu stellen. Initialisiert wird dies von Mona, der Morck einfach nicht widerstehen kann. Dann entdecken Assad und Morck, dass Rose eine gespaltene Persönlichkeit ist, als ihre vermeintliche Schwester Yrsa auftaucht und bei ihnen arbeitet. Und schließlich ist da auch noch Assad, der ein riesengroßes Geheimnis um sich selbst macht. Seine Familie, sein Hintergrund, alles wird immer diffuser und treibt zusätzlich Carl noch fast in den Wahnsinn.

Nebenher kommen die Helden des Dezernats Q aber dem Kindesentführer und -mörder gefährlich nahe …

Fazit:

Mit viel Spannung wurde der 3. Band um Carl Morck, seine beiden Assistenten und das Dezernat Q erwartet, viel wurde vorweg spekuliert. In den Händen hielt ich dann ein sehr schön dickes Buch, mit vielen einzelnen Erzählsträngen. Der Fall als solches wurde für meine Begriffe zu oft unterbrochen, die Spannung gekippt, durch die persönlichen Geschichten und Geschichtchen der Fluss zu sehr gestört, als dass “Erlösung” die herrlichen Vorgänger weitergeführt hätte, leider. Rausgerissen, um für mich nicht als kompletter Einbruch zu gelten, hat es wieder mal die Art und Weise, der Humor von Carl Morck. Diesen Typen muss man einfach gern haben, bringt er einen im Zusammenspiel mit Assad und seine Schrulligkeit doch immer wieder herzhaft zum Lachen. Doch reicht das nicht aus, um von einem herausragenden Thriller zu sprechen, dafür fehlte das bekannte Knistern, die Gänsehaut, der andauernde Spannungsbogen der ersten beiden Teile. Auch wenn es nicht an ausgereiften, blutigen Elementen und einem teuflischen Täter gefehlt hat, der Absturz in die Seichtigkeit durch etliche Unterbrechungen zwischendurch hat meiner Meinung nach wirklich gestört.

Auch wenn ich jetzt nicht die überschwengliche Begeisterung vieler Leser teile, freue ich mich auf ein erneutes Wiedersehen mit Carl, Assad und Rose/Yrsa in weiteren Bänden, einfach weil der Stil Adler Olsens mir unglaublich gut gefällt und selbstverständlich die Charaktere der Reihe!

Copyright © 2011 by Sabine Kettschau

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Weitere Bücher des Autors:

1. Fall für Carl Morck: Erbarmen
2. Fall für Carl Morck: Schändung

PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Jussi Adler Olsen – Erlösung. 3. Fall für Carl Morck.

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Der Chinese

Erstellt von Werner Karl am 9. April 2011

Henning Mankell
Der Chinese

Kinesen, Schweden, 2008
dtv, München, Nachdruck: 01/2011
TB, Krimi
ISBN 978-3-423-21203-8
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt
Titelgestaltung von Stephanie Weischer unter Verwendung eines Fotos von plainpicture

www.dtv.de
www.henningmankell.com/
www.mankell.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Der Chinese“ ist nach „Kennedys Hirn“ (u. a. als dtv-TB 21025) ein weiterer Kriminalroman, der in keinen Zusammenhang mit den „Wallander“-Romanen des bekannten schwedischen Autors steht. Wie bereits in „Kennedys Hirn“ beschränkt sich die Handlung in „Der Chinese“ nicht nur auf Schweden, sondern ist erneut Kontinente und erstmals Jahrhunderte übergreifend.

In dem schwedischen Dorf Hesjövallen, das aus einem Dutzend Häusern besteht, werden 18 Senioren und ein Junge mit einer Hiebwaffe getötet. Die Richterin Birgitta Roslin erfährt von dem Massaker und macht sich auf den Weg nach Hesjövallen, da sie vermutet, dass sich unter den Toten ihre Pflegeeltern befinden. Es fällt auf, dass die Toten miteinander verwandt sind. Birgitta Roslin entdeckt in einem der Häuser Tagebücher und Briefe, die das Leben eines Auswanderers im 19. Jahrhundert in den USA schildern. Die Richterin ermittelt, dass kürzlich seine Nachkommen ermordet wurden. Aufgrund weiterer Indizien bringt Birgitta Roslin einen Chinesen als Täter ins Spiel. Der Roman folgt bis hierhin einem gängigen Muster der Kriminalliteratur: Der Protagonist nimmt eigene Ermittlungen auf, deren Ergebnisse sich von denen der Polizei unterscheiden.

Im zweiten Teil von „Der Chinese“ wechselt Mankell den Kontinent und die Epoche. Er schildert die Erlebnisse eines chinesischen Brüder-Trios, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor der Willkür eines Großgrundbesitzers nach Kanton flieht. Einer der Brüder wird getötet, die übrigen zwei werden in die USA verschleppt, wo sie als billige Arbeitskräfte beim Eisenbahnbau eingesetzt und von einem Aufseher drangsaliert werden, in dem unschwer der Auswanderer aus Hesjövallen zu erkennen ist. Den Brüdern gelingt es, nach China zurückzukehren. Damit wird das Motiv für die Morde in der Gegenwart in den USA und in Hesjövallen klar: Rache für die eineinhalb Jahrhunderte zurückliegende Verschleppung. Damit könnte der Roman enden. Das würde jedoch nicht den Konventionen des Genres entsprechen, weil damit der Täter (bzw. sein Auftraggeber) der Strafe entgehen würde.

Birgitta Roslin kommen bei ihren Recherchen einige Zufälle zu Hilfe. Zuerst entdeckt sie in einem kleinen Hotel in Hudiksvall, einem Nachbarort von Hesjövallen, eine Videoaufzeichnung des mutmaßlichen Mörders. Wegen ihrer Krankschreibung hat sie die nötige Zeit, ihre Freundin Karin Wiman nach Peking zu begleiten. Birgitta Roslin nimmt einen Ausdruck der Aufnahme des Mörders mit, den sie einem jungen Mann zeigt, welchen sie vor einem exklusiven Hochhaus trifft. Sie wird überfallen und erregt das Interesse auf einer höheren Ebene der chinesischen Staatsmacht. Im vierten Teil von „Der Chinese“ stellt Mankell zunächst den Plan Chinas vor, sich einiger Millionen armer Bauern – und damit potentieller Unruhestifter – zu entledigen, in dem sie nach Zentralafrika umgesiedelt werden. Daran beteiligt ist auch der Auftraggeber des Mörders von Hesjövallen, ein neureicher Chinese namens Ya Ru. Als er nach dem Mord an seiner Schwester der Korruption angeklagt werden soll, vermutet er, dass seine Schwester Informationen an Birgitta Roslin (während ihres Peking-Aufenthaltes) weitergegeben hat, die ihn nun kompromittieren. Ya Ru reist nach Schweden.

Auch der eine oder der andere „Wallander“-Roman (wie „Die weiße Löwin“ [u. a. als dtv-TB 20150] und „Die Brandmauer“ [u. a. als dtv-TB 20661]) wies bereits eine Handlung auf, die internationale politische Dimensionen umfasste. Deshalb ist dieser Aspekt in „Der Chinese“ nicht überraschend, auch vom Ausmaß her nicht. Der Roman wirkt in seinen Schilderungen authentisch und stringent (von jenen Passagen im vierten Teil angesehen, in denen Mankell bzw. einer seiner Protagonisten über die politischen Absichten und die inneren Konflikte Chinas schwadroniert). Der Umfang des Handlungsbogens von „Der Chinese“ ist, sowohl geografisch als auch historisch, unter den Kriminalromanen Mankells einmalig und beeindruckend. Die Anzahl der zufällig anmutenden Ereignisse in dem Roman strapaziert zwar seine Plausibilität, sie führen aber nicht zu Widersprüchen in der Handlung, sondern sind erforderlich, so unwahrscheinlich sie im Einzelnen auch anmuten mögen, um das Geschehen fortzusetzen. Das spricht einerseits für eine gewisse Routine und schriftstellerische Meisterschaft des Autors, andererseits für Schwächen in seiner Handlungsführung, die in den „Wallander“-Romanen nicht vorzufinden sind (auch wenn sie natürlich ebenfalls ‚ihre‘ Zufälle aufweisen …).

„Der Chinese“ zeigt nach „Kennedys Hirn“ erneut, dass Mankell als Krimi-Autor am besten ist, wenn er über seinen Kommissar Wallander schreibt – bzw. schrieb, natürlich.

Copyright © 2011 by Armin Möhle (armö)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Reise zum Mittelpunkt der Erde

Erstellt von Michael Drewniok am 19. März 2011

Jules Verne
Reise zum Mittelpunkt der Erde

(sfbentry)
Originaltitel: Voyage au centre de la terre (Paris : Pierre-Jules Hetzel 1864)
Deutschsprachige Erstausgabe: 1873 (Budapest : Gebrüder Légrády)

Diese Ausgabe: September 2005 (Artemis & Winkler Verlag/Winkler Weltliteratur: Die Blaue Reihe)
Übersetzung: Volker Dehs
424 S.
ISBN-13: 978-3-538-06972-5
Als Taschenbuch: Juni 2010 (Deutscher Taschenbuch Verlag/dtv Klassik Nr. 13882)
Übersetzung: Volker Dehs
432 S.
ISBN-13: 978-3-423-13882-6

Ebenfalls noch erhältlich sind folgende TB-Ausgaben:
- Diogenes Verlag (Detebe Nr. 20246)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau
390 S.
ISBN-13: 978-3-257-20246-5
- Fischer Verlag (TB Nr. 15713)
Übersetzung: Martin Kottmann
313 S.
ISBN-13: 978-3-596-15713-6

Titel bei Buch24.de (Artemis Verlag)
Titel bei Libri.de (Artemis Verlag)
Titel bei Buch24.de (dtv)
Titel bei Libri.de (dtv)
Titel bei Buch24.de (Diogenes Verlag)
Titel bei Libri.de (Diogenes Verlag)
Titel bei Buch24.de (Fischer Verlag)
Titel bei Libri.de (Fischer Verlag)
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Dem besessenen Gelehrten, Geologen und Professor Otto Lidenbrock aus der alten Hansestadt Hamburg spielt das Schicksal ein bisher unbekanntes Manuskript des großen Weltreisenden Arne Saknussemm in die Hände. Darin behauptet dieser, im 16. Jahrhundert einen Weg zum Mittelpunkt der Erde entdeckt und auch begangen zu haben. Das ist freilich unbekannt geblieben.

Lidenbrock, dessen Name in der wissenschaftlichen Welt einen guten Klang hat, ist keineswegs gefeit gegen die Verlockung, Saknussemm zu folgen und unsterblichen Forscherruhm zu erlangen. Seine Neugier ist ohnehin stets präsent. Deshalb beschließt er, nach Island zu reisen. Dort nämlich soll im Krater des (hoffentlich) erloschenen Vulkans Sneffels der Eingang zur Unterwelt zu finden sein.

Der Professor wird begleitet von seinem eher unwilligen, weil vorsichtigen und der Gemütlichkeit zugetanen Neffen Axel, einem Waisen, der in seinem Haus lebt und sich unverhofft als Lidenbrocks Assistent verpflichtet sieht. Auf Island stößt als Reisegefährte der bärenstarke und unerschütterliche Hans Bjelke zu ihnen. Auf Saknussemms Spuren geht es hinab in die Tiefe. Dunkelheit und grässliche Abgründe halten das Trio nicht auf. Sie verirren sich, verdursten beinahe, stoßen aber unbeirrbar weiter vor, bis sie an die Gestade eines Ozeans tief unter der Oberfläche der Erde gelangen.

Mit einem Floß geht die Odyssee weiter. Sie führt in ein unterirdisches Reich, das von der Zeit vergessen wurde. Seine Bewohner sind ebenso faszinierend wie ungemütlich, und für unsere Reisenden reiht sich ein bizarres Abenteuer an das nächste …

Eine klassisch ‚unmögliche‘ Reise

Es ist ein ebenso einfacher wie genialer Einfall: Man lässt eine kleine Gruppe charakterlich unterschiedlicher Menschen in eine fremde Welt reisen und wartet ab, was dabei geschieht. Die Geschichte entwickelt sich quasi von selbst; der Weg ist das Ziel. Hält dabei ein Schriftsteller wie Jules Verne die Fäden in der Hand, darf sich der Leser sicher sein, einfallsreich unterhalten zu werden. „Reise zum Mittelpunkt“ der Erde weist eine für Jules Verne recht ‚schnelle‘ Handlung. Diverse naturwissenschaftliche Grundkurse kann sich der Verfasser nicht verkneifen, aber das liegt einerseits im Thema begründet, während andererseits die in späteren Werken oft überbordenden geografischen, biologischen, ethologischen, historischen etc. Beschreibungen der Geschichte verpflichtet bleiben.

Aus heutiger Sicht ließe sich die Anreise zum Sneffels sicherlich raffen. Die Lesegewohnheiten haben sich geändert. Im 19. Jahrhundert hatten Leser Zeit; es gab kein Fernsehen, kein Internet. Deshalb durften Geschichten ruhig lang sein und es ruhig angehen lassen. „Reise …“ ist mit knapp 400 Seiten (einschließlich Illustrationen) für einen Verne-Roman nicht einmal sehr umfassend geworden. Die zweite Hälfte, die endlich unter der Erde spielt, wünscht man sich sogar heute noch ausführlicher.

Denn diese Expedition besitzt eine Eigenschaft, die sich im 21 Jahrhundert nur schwer nachschöpfen lässt: Sie wirkt authentisch. Nostalgische Reisen im Stil vergangener Zeiten haben in der unterhaltenden Literatur und vor allem im Film Konjunktur. Freilich ist es schwierig, die entsprechende Stimmung zu schaffen. Verne profitiert davon, ein Zeitgenosse Lidenbrocks & Co. zu sein. Talent und Glück ließen einen im positiven Sinne altmodischen Klassiker entstehen, der sicherlich auch unsere Nachfahren noch fesseln wird.

Figuren und Charaktere

Die Hauptfiguren dieser Geschichte, die uns ein Franzose erzählt, sind – Deutsche! Das mutet erstaunlich an und wäre nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sicherlich unmöglich gewesen. Jules Verne selbst war Patriot aber kein Nationalist. Er schmuggelte zwar gern mindestens einen Franzosen in die Handlungen seiner Romane, ließ jedoch ansonsten Angehörige aller damals ‚zivilisierten‘ Nationen in außergewöhnliche Abenteuer ziehen. Dabei ließ er gern bekannte Klischees in seine Figuren einfließen, was man ihm aber nicht übel nimmt, weil er die eigenen Landsleute davon nicht ausschloss.

Professor Otto Lidenbrock ist für einen ‚typischen‘ Deutschen, einen aus dem Norden zumal, erstaunlich kregel geraten. Keine Spur von Gefühlsarmut oder Zurückhaltung, höchstens übertreibt er es mit der Liebe zur Wissenschaft ein wenig. Er ist polyglott und korrespondiert mit Gott und der Welt, legt aber andererseits die für seine Spezies angeblich typische Verschrobenheit an den Tag: Verne verehrte erkennbar den deutsch-französischen Universalgelehrten und Humanisten Alexander von Humboldt (1769-1859), Lidenbrocks Bruder im Geiste.

Neffe Axel passt da schon eher ins Bild. Obwohl noch jung an Jahren, hat er es lieber ruhig. Er ist häuslich, hat schon ein Auge auf seine Zukünftige geworfen und liebt es, ausgiebig zu speisen. An der großen Fahrt seines Onkels nimmt er eher widerwillig teil. Die Pflicht zur Dankbarkeit, die er, ein Waisenkind, Lidenbrock schuldet, lässt ihm indes keine Wahl. Das hält ihn jedoch nicht ab, als Ich-Erzähler allerlei Respektlosigkeiten und Klagen in seinen Bericht einzuflechten.

Wenn es jemanden gibt, den man als personifiziertes Klischee bezeichnen müsste, dann ist das wohl der starke Hans. Als „treue Isländer“ lassen sich nach Verne sowohl die Ponys als auch die menschlichen Bewohner der Insel bezeichnen. Hans ist allerdings kein zurückgebliebener ‚Wilder‘, sondern ein ruhiger, aber selbstbewusster Zeitgenosse mit einem schlichten Gemüt.

Wissen ist (die wahre) Macht

Jules Verne (1828-1805): Geschichtenerzähler mit der Gabe, Unterhaltung und Information so zu mischen, dass daraus Literaturklassiker entstanden, die seit anderthalb Jahrhunderten von der Kritik geschätzt und von den Lesern geliebt werden. Die Fantasie dieses Mannes ließ ihn zu einem der ‚Erfinder‘ der Science Fiction werden, was man indes nicht überbewerten sollte: Verne kannte dieses Genre nicht. Er wollte seinen Lesern – besonders den jungen Lesern – die große Welt mit Feder und Tinte erschließen. Auf seinen „Voyages extraordinaires“ – die zum Mittelpunkt der Erde ist übrigens deren dritter Band – basiert die Verehrung, die dieser Autor bis heute genießt, und repräsentieren den Verne der frühen Jahre, den Optimisten, der die Hymne auf den menschlichen Forschergeist sang. Mit Wissen lässt sich jedes Hindernis aus dem Weg räumen: Das ist sein Credo. (Es sollte sich im Alter ins Pessimistische verkehren.)

Damit ist Verne ein herausragender Vertreter des 19. Jahrhundert, einer Epoche der Reisen, des Entdeckens und des naturwissenschaftlichen Forschens. Über die ganze Welt schwärmten die Gelehrten aus und revolutionierten binnen weniger Jahrzehnte das Bild, das sich die Menschen von ihrem Planeten machten. Die Lösung aller Rätsel der Natur und damit die Überwindung der menschlichen Unzulänglichkeit schienen nahe. Die Welt zu kennen hieß sie zu ordnen, und mit der Ordnung mussten Frieden, Freiheit und Glück kommen.

Jenseits der bekannten Grenzen

Verne hat die Stätten seiner zahlreichen Reiseromane nie bereist, sondern sie sich und seinen Lesern am Schreibtisch erschlossen. Seine legendäre Kartei verzettelte das naturwissenschaftliche Wissen seiner Epoche, sauber geordnet nach Themen und auf dem neuesten Stand gehalten. Trotzdem lag er selten so falsch wie mit seiner Reise zum Mittelpunkt der Erde. Das Risiko bei der Wahl dieses Schauplatzes war ihm durchaus bewusst. Verne referiert im Rahmen der Handlung ausgiebig die zeitgenössischen Theorien über das Innenleben unseres Planeten. Dass dieses glühend und flüssig sein könnte, hatten kluge Männer theoretisch und in Ansätzen praktisch nachgewiesen. Der letzte Beweis fehlte jedoch noch – für Verne eine Verlockung, eine hohle Welt mit möglichen Bewohnern zu kreieren, die ihm die legitime Grundlage für eine fabelhafte Geschichte bot.

Als redlichem Mann bereitete Verne das Wissen, sich auf trügerisches Eis gewagt zu haben, dennoch Kopfzerbrechen. Immer wieder kommt er auf den Widerspruch zurück, dass die Erde von außen nach innen heißer oder kälter werden könnte, und versucht gar den unmöglichen Ausgleich zwischen den Theorien. Er sichert sich schließlich ein Schlupfloch, indem er seine Reisenden den eigentlichen Mittelpunkt der Erde gar nicht erreichen lässt. Das enthebt ihn auch eines logistischen Problems, denn dieses Zentrum liegt so tief, dass drei Männer niemals Vorräte genug mitschleppen könnten, um es zu finden und auch noch zurückzukehren.

Der ewige Bestseller

„Voyage au centre de la terre“ erschien 1864 in Pierre-Jules Hetzels „Magasin d’Éducation et de Récréation“. Drei Jahre später folgte die Buchausgabe, für die der Künstler Georges Roux 53 eindrucksvolle Stiche anfertigte. Ab 1873 konnten sich auch die deutschen Leser an Lidenbrocks Reise erfreuen. Zeitweise von Moralaposteln und selbsternannten Schundjägern scheel betrachtet, blieb Jules Vernes Werk auch in Deutschland präsent. Zumindest die erfolgreichen „Voyages extraordinaires“ blieben stets lieferbar.

Die derzeit schönste Ausgabe der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ stellt die 2005 im 100. Todesjahr Vernes erschienene, von Volker Dehs neu übersetzte und nun auch im Taschenbuch erhältliche Ausgabe dar. Sie enthält sämtliche Illustrationen der französischen Originalausgabe und beinhaltet diverse interessante Anhänge, darunter ein Nachwort, Anmerkungen und eine Zeittafel. Herausgeber Dehs trug zudem unbekannte Dokumente und Materialien zur Entstehung des Romans zusammen. Darunter finden sich ein Briefwechsel und eine populärwissenschaftliche Abhandlung von Jules Vernes Sohn Michel.

Nachtrag: Die Reise als Film

„Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wurde mehrfach verfilmt. Relevant und ansehnlich ist freilich nur die liebevoll nostalgische, knallbunte US-Version von 1959 („Journey to the Center of the Earth“; auf die ungekürzte Fassung – ca. 130 min. – achten!). Unter der Regie von Henry Levin spielt James Mason den schottischen Professor Oliver Lindenbrook. (Ein deutscher Held in einem amerikanischen Film: Das ging natürlich nicht!) Schnulzensänger Pat Boone gibt überraschend unterhaltsam den Studenten Alec McEwen (der den ebenfalls allzu deutschen Neffen Axel ersetzt), Peter Ronson mimt den blonden Hans, Thayer David einen schurkischen Nachfahren des Grafen Saknussem. Ganz neu in der Expedition: Arlene Dahl als Mrs. Carla Goetaborg (ein Hollywood-Film ohne love interest: undenkbar!) sowie für die jüngeren Zuschauer die ‚lustige‘ Ente Gertrud (die immerhin ein witziges Ende nimmt).

Nach vier weiteren und vergleichsweise kostengünstig gedrehten Filmen entstand 2008 unter der Regie von Eric Brevig „Journey to the Center of the Earth – 3D“ (dt. „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde – 3D“) eine aufwendige ‚Fortsetzung‘, die in der Gegenwart und nun sehr frei nach dem Roman von Verne die Abenteuer des Vulkanologen Trevor Anderson (Brendan Fraser) und seines Sohnes Sean – eine junge Frau ist auch wieder dabei – auf den Spuren Lidenbrocks in Szene setzt. Die Filmtricks des 21. Jahrhunderts sind deutlich überzeugender geraten als früher, der Charme blieb freilich auf der Strecke, und die 3D-Effekte gelten als misslungen.

[md]

Titel bei Buch24.de (Artemis Verlag)
Titel bei Libri.de (Artemis Verlag)
Titel bei Buch24.de (dtv)
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Ich weiss, du bist hier

Erstellt von Werner Karl am 9. Februar 2011

Laura Brodie
Ich weiss, du bist hier

Originaltitel: The Widow’s Season
dtv premium
ISBN 978-3-423-24785-6
Liebe & Romantik
Deutsche Erstausgabe 2010
Deutsch von Britta Mümmler
Umschlagkonzept: Balk & Brumshagen
Umschlaggestaltung: Lisa Helm unter Verwendung
von Fotos von plainpicture und gettyimages
Taschenbuch, 336 Seiten

www.dtv.de
www.laurabrodieauthor.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Laura Brodie studierte Englisch in Harvard und lebt heute mit ihrem Mann und ihren drei Töchtern in Lexington, Virginia. Sie ist Professorin für Englisch an der Washington and Lee University. „Ich weiß, du bist hier“, ihr erster Roman, wurde mit dem Faulkner Society Grant for Best Novel-in-Progress ausgezeichnet.

Zum Buch:

Mit ihrem Debüt Roman „Ich weiss, du bist hier, greift die Autorin Laura Brodie ein Thema auf, das viele Menschen in ihrem Leben einmal beschäftigen wird: Den Tod eines nahen Angehörigen. In der vorliegenden Geschichte ist es Sarah McConell, die den Tod ihres Ehemannes David verarbeiten muss. Aber ist David wirklich tot? Vor Monaten soll er bei einem Kajakunfall ums Leben gekommen sein, aber gefunden hat man nur seine Sachen. Von einer Leiche fehlt bis heute jede Spur. Während Sarah mit ihrer Trauer kämpft und versucht ihr Leben weiterzuleben und es wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen, taucht plötzlich ein Mann auf, der aussieht wie David. Immer häufiger sieht Sarah ihn, er begleitet sie und erscheint überall. Aber kann es wirklich sein, dass es ihr Mann ist? Lebt er vielleicht noch?

Sarah kommt in der Zwischenzeit auch Davids Bruder Nate näher und beginnt mit ihm eine Affäre. Als David sich ihr in der Halloween Nacht erklärt und behauptet diesen Unfall als Ausstiegsmöglichkeit gesehen zu haben um alleine sein zu können, weiß Sarah überhaupt nichts mehr.

Durch die wechselnde Schilderung der Handlung einmal aus der Perspektive von Sarah und dann wieder aus der Perspektive von David, fühlt sich der Leser in seinen Emotionen immer hin- und her gerissen. Er durchlebt ähnliche Zweifel wie die Protagonisten Sarah und wird mehr als einmal vor die Frage gestellt, ob David nun real existiert, oder nur ein Geist oder eine Einbildung Sarahs ist. Sicher ist nur: Die junge Frau muss ihre Gefühle ordnen. Sie muss einen Weg finden sich ein neues Leben aufzubauen und dabei können die Verwandten, Freunde und sonstigen ihr nahe stehenden Personen nur eine Unterstützung sein. Den richtigen Weg muss sie selbst einschlagen.

Dieses Buch ist etwas anders als ich es erwartet habe, sehr emotional und ausdrucksstark. Es beschäftigt sich auf interessante und mitnehmende Weise mit einem sehr ernsten Thema und lässt mich nachdenklich, auch in Anbetracht des Ausgangs, zurück. Ein gefühlvolles Buch für alle, die sich mit Trauer einmal auf andere Weise auseinandersetzen wollen.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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